Programmhinweis: Tom meets Zizou – kein Sommermärchen, WDR 22.30 Uhr

Es war die Sommerpause nach der  Saison 2005/2006. Ein Abstieg war wieder mal zu verkraften gewesen. Beim MSV Duisburg, aber auch beim 1. FC Köln, der wie der Mitabsteiger sofort wieder zurück wollte in die Bundesliga. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie deshalb in Köln die Verpflichtung von Thomas Broich als ein hoffnungsvolles Zeichen dafür angesehen wurde, dass die Wirklichkeit dem Vorhaben folgen werde.

Thomas Broich kam von Borussia Mönchengladbach nicht von der Bank. Auch wenn seine Leistung nicht durchweg den Erwartungen vom Beginn seiner Karriere entsprach, er spielte öfter von Anfang an, als dass er eingewechselt wurde. Eingesetzt wurde er in fast jedem Spiel der vorangegangenen Saison. Zu Borussia Mönchengladbach war er wegen seiner überragenden technischen Qualitäten gekommen, auf die nun der FC und seine Fans hofften. Die Hoffnungen erfüllten sich nur mit Einschränkungen. Der FC brauchte ein Jahr länger als der MSV für den Wiederaufstieg, und auch Thomas Broich blieb mit seinen Leistungen nicht ununmstritten.

Heute Abend lässt sich im WDR um 22.30 Uhr mit dem Dokumentarfilm „Tom meets Zizou – kein Sommermärchen“ auch dieser Teil von Thomas Broichs Karriere in den Blick nehmen. Von 2003 an begleitete der Filmemacher Aljoscha Pause den Fußballer acht Jahre auf seinem Berufsweg. Im letzten Jahr lief der Film in einer 135minütigen Fassung auf Festivals und kurz in den Kinos. Schon damals wurde er von der Kritik gefeiert nicht nur als überzeugendes Portrait eines reflektiierten Fußballers,  der im Mannschaftssport seine Individualität behaupten wollte und will. Das Portrait wurde zum Blick hinter die Kulissen des Unterhaltungsbetriebs. Die TV-Fassung hat nun die formatbedingten 90 Minuten, was man auch als Anregung nehmen kann, die DVD des Films zu erstehen.

Hier geht es zum Wikipedia-Eintrag des Films. Ein weiterer Klick führt zur Seite von Tom meets Zizou – kein Sommermärchen. Und hier folgen sechs Trailer zum Film als Vorgeschmack im Zusammenschnitt:

5 Antworten to “Programmhinweis: Tom meets Zizou – kein Sommermärchen, WDR 22.30 Uhr”


  1. 1 Christian Moosbrugger 22. August 2012 um 15:51

    Für mich auch ein Verweis auf den MSV Duisburg: der existentialistische Ekel, den Broich irgendwann seiner Tätigkeit gegenüber empfindet, bis sich diese Befindlichkeit unter der Sonne Australiens dann ausglüht und er doch noch ein Star wird, hängt wohl auch daran, dass er in zwei Jahren vier verschiedene Trainer erlebt, die ihn entweder hassen, nicht beachten oder vergeblich lieben. Klar kommt er dann mit Daum (den er seinen „Lieblingstrainer“ nennt) auf der Basis reiner Sachlichkeit.

    Seltsam, denkt man, ausgerechnet Daum, aber wie Broich es vermittelt, passt es dann: Daum ist der einzige, der wirklich mit allem, was er hat, rangeht, und dem Traum vom Wiederaufstieg alles andere unterordnet, der Broich als Fussballer ernst nimmt, nicht, weil Broich gerne diskutiert oder, wenn nicht mit ihm diskutiert wird, die Leistung verweigert.

    Man sieht Önning, mit dem es nicht klappt, weil er zu nah dran und mehr ein Freund ist, man sieht Advocat, offenbar vorwiegend darauf bedacht, Autorität aufrecht zu halten, die sich im Sportlichen nicht wiederspiegelt. Latour und Köppel verschwinden wieder ohne Broichs Zutun aus seinem Leben. Alles in allem „funktioniert“ Broich als Fussballer seltsamer Weise immer dann am Besten, wenn nicht zuviel von ihm erwartet wird und er deshalb auch nicht zuviel von sich selbst erwartet.

    Broich stellt das, da er eloquent ohne Ende ist, sehr anschaulich da, dieses Gefühl von Lähmung, wenn es nicht läuft und die Leichtigkeit des Seins auf dem Platz im andern Fall, und wie schwer es ist, aus der einen Ecke in die andere zu kommen, auch wenn man es vom Kopf her völlig klar hat, was gerade schiefgeht.

    Er selbst scheint dies durchaus zu bedauern, dass er offenbar nicht so ist wie andere Profis, die im Haifischbecken Profifussball ungestört agieren. Ich habe mich aber gefragt, ob er überhaupt so anders ist, oder nicht doch nur etwas mehr Pech hatte als andere und, als geschulter Denker, eben mehr darauf zu reflektieren gezwungen ist.

    Auf jeden Fall, hier der Bezug zum MSV, scheint eine wichtige Schlussfolgerung des Filmes offenkundig zu sein: die ultimative Forderung, gefälligst seine Leistung zu bringen, das Zusammenstauchen von Spielern per Wutrede gemäss Luhukay oder in der Presse, die Beschimpfungen durch Fans, all das ist einigermassen nutzlos. Aber nur im besten Falle, es kann sogar die unerlässliche Spielfreude unwiederbringlich zerstören.

    Schön, dass mal so von innen heraus gesagt zu kriegen: Fussball ist doch ein Spiel. Schönen und damit erfolgreichen Fussball gibt es nur, wenn der Spielende beseelt ist von der Freude an dem, was er tut. Broich hat aus dieser Erkenntnis die Konsequenz gezogen, auf viel Kohle verzichtet, und sein Heil in Australien gesucht und gefunden. Wer weiss, wenn Pamic, Wolze und Domo den Film zu sehen kriegen, sind wir sie schneller los, als uns lieb sein kann. Und Olli Reck fährt womöglich auch gleich mit dahin!

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  2. 2 Kees Jaratz 24. August 2012 um 06:17

    Jetzt komme ich endlich dazu, zu antworten. Ich konnte mal wieder nur in Ausschnitten sehen. Deshalb staune ich über die Daum-Geschichte. Der Trailer dazu führt einen ja in eine ganz andere Richtung. Du hast natürlich recht, so anschaulich der Innenblick und es gibt mit Sicherheit sehr viel mehr Profis, die seine Persönlichkeit haben. Domo womöglich, der hier genauso auftritt wie in Berlin. Ich erinnere mich noch an den Kommentar eines Hertha-Fans nach der Verpflichtung, der hoffte, Domo könne in Duisburg endlich auch im Spiel zeigen, was sonst nur im Training sichtbar sei. Kurzum, Psyche spielt tatsächlich eine große Rolle und ich staune immer wieder, wie pauschal – von außen betrachtet – Trainer mit den Spielern umgehen. Dabei erfordern unterschiedliche Persönlichkeiten unterschiedliche Ansprachen. Grundsätzlich bin ich deiner Meinung, nur meine ich, es scheint auch Spielertypen zu geben, die in der Gruppe mehr Führung brauchen als andere. Kompliziert, die Menschenführung.

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  3. 3 sp470 24. August 2012 um 10:22

    …ich habe mir den Film gestern in Langfassung angeguckt und finde so wie sich Thomas Broich selber inszeniert hat (ich hab das damals nicht so verfolgt mit ihm) kann er nur begrenzt dem Geschäft die Schuld geben, wie er ja auch selber sagt…eine gewisse Selbstherrlichkeit schwingt da auf jeden Fall immer mit…und die Ausschnitte aus Australien, abgesehen von den Fußballausschnitten, sind meines Erachtens auch unerträglich inszeniert und anzuschauen…es war der Film, den ich erwartet hatte, den der Titel schon vermuten ließ und den ich mir hätte sparen können.
    lg sp

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    • 4 Kees Jaratz 24. August 2012 um 10:50

      Deinen Eindruck finde ich interessant, weil mich bei einigen Ausschnitten auch die Frage nach der Inszenierung dieser Wirklichkeit beschäftigte. Da bricht der Film für mich auch auseinander, weil er die Frage der Inszenierung außen vor lässt, wo sich auf der Fußballebene der Eindruck von Blick hinter die Kulisse ergibt. Da kitzelte etwas Unbehagen wegen der naiven Szenen, die ja nicht so nebenbei eingefangen werden konnten. Meinetwegen Kochen zu Hause, unterwegs mit dem Kumpel, was weiß ich.

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  4. 5 sp470 24. August 2012 um 11:51

    …allerdings, dass er nach Brisbane – weit weg von allem – gegangen ist und nicht nach St. Pauli, was ich eher gedacht und so schön in mein Gesamtbild gepasst hätte;-) (ohne jemanden nahe treten zu wollen) finde ich gut und gibt ihm dann doch für mich eine Glaubwürdigkeit…
    lg sp

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