Archiv für September 2012

Ein Ben-Hatira bleibt ein Ben-Hatira

Wenn Zeitungen Fußballer zitieren, bin ich meist vorsichtig und glaube nicht unbedingt, was da als O-Ton geschrieben wird. In dem Fall aber bin ich geneigt,  kein Wort von dem anzuzweifeln, was Änis Ben-Hatira der Berliner Morgenpost gesagt haben soll. In dem Vorbericht zum Spiel des MSV Duisburg gegen Hertha BSC heute Abend wird natürlich kurz auf die beiden Spieler der Berliner ein besonderer Blick geworfen, die vor einiger Zeit beim MSV Duisburg gespielt haben.

Als ich Änis Ben-Hatira im O-Ton las, war ich doch dankbar, dass da einer meine Bilder  der Vergangenheit korrigierte und mich an diese wunderbare Zeit mit ihm in Duisburg erinnerte. So ein versöhnlicher Blick auf die Vergangenheit fühlt sich auch einfach besser an. Mir fiel ja als erstes die Unzufriedenheit mit seinem oft blasierten Auftreten zu Beginn seines Auflaufens für die Zebras ein. Und bei seinem zweiten Engagement erinnere ich mich auch an längere Schattenphasen nach seinen lichten Momenten auf dem Spielfeld. Aber anscheinend war alles doch ganz anders, und ich war gerade immer ein Bier holen, wenn alle vor Begeisterung über ihn von Sinnen waren und unsere jungen weiblichen Zebrafans kreischend in Ohnmacht fielen, sobald er sich an der Eckfahne festdribbelte. Gut, dass er meine Erinnerung korrigiert: „Ich habe mich da mit den Fans richtig gut verstanden und wurde auch schnell Publikumsliebling“, so erzählt Änis Ben-Hatira. Und wenn er es mir noch dreimal erzählt, vergesse ich vielleicht all den anderen Kram endgültig ganz.

Sandro Wagner erinnert sich übrigens auf dieselbe Weise an seine Zeit beim MSV wie ich. Das wäre doch verdammt anstrengend  gewesen, auch das noch über den Haufen zu werfen. Doch „Zeit mit Höhen und Tiefen“ umschreibt meine Erinnerungen an ihn, wenn auch die recht allgemeine Form mir sehr viel Gestaltungsspielraum lässt.

Während meiner Spielvorbereitung habe ich mir zudem am Wochenende ein Bild von meinem Sommer-Zweitverein des letzten Jahres gemacht. In Brighton fliegen die Seemöwen im Moment sehr viel kunstvoller als unsere Zebras traben. Brighton and Hove Albion FC, in England auch „The Seagulls“ genannt, stehen nach acht Spieltagen ganz oben in Liga 2. Dennoch haben sie gerade das Spiel dieses achten Spieltages gegen Birmingham City mit 0:1 verloren,. Was ich nur deshalb erwähne, weil die Mannschaft mit ihren blau-weiß längstgestreiften Trikots mir eine Ahnung davon gegeben hat, wie Hertha BSC heute Abend vom Platz schleichen könnte. Es war schon die richtige Anmutung. Nun müssen Taten folgen. Über die Linie „geprügelte“ Bälle sähe ich dann auch gern und was anderes mag ich mir gar nicht erst vorstellen.

Dann könnten wir im Stadion unserem alten Publikumsliebling Ben-Hatira vielleicht zeigen, dass er damals vielleicht doch was missverstanden hat, als jemand ihm über den Zaun zugerufen hat, er solle dem verlorenen Ball hintergehen. Aber wie ich ihn so kenne, wird er selbst solch möglichen Jubel irgendwie auf sich beziehen. Publikumsliebling halt, dem die Massen zu Füßen liegen, so wie damals als er am Fernseher saß und sogar in Glasgow alle nur für ihn gesungen haben. Unglaublich! Mancher wird´s schon kennen, aber diesen eigentlichen Anlass des anhaltend Celtic-Rock-Gesangs nicht gewusst haben.

Celtic was rocking. Ich hoffe, dass wir es den Celtic-Fans heute Abend wenigsten ein ganz klein wenig gleich tun können. Quergestreift sind sie ja schon mal, da bei Celtic.

Hier diese legendären Minuten in einem TV-Ausschnitt

Das Ganze aus Zuschauerperspektive

Und wer zum Zeitvertreib bis heute Abend den Spielericht sehen möchte, bitte schön!

Auf der Suche nach dem Zopf im eigenen Kurzhaar

Nichts habe ich vom Spiel des MSV Duisburg bei Eintracht Braunschweig gesehen, nur den lang anhaltenden aussichtsreichen torlosen Zwischenstand vernommen, um dann als nächstes, das Tor zum 3:0-Endstand per WDR2-Moderatorin mitgeteilt zu bekommen. Den Tiefschlag habe ich noch immer nicht verdaut. Das hat bestimmt mit dem trüben Wetter zu tun und mit den Hormonen. Ich lese deshalb auch keine Stimmen zum Spiel aus dem Fanumfeld. Es gibt da zu oft eine Lust am Untergang, der ich im Moment nichts entgegen zu halten habe.

Da lobe ich doch die Wut von Goran Sukalo. So ein Aufbegehren gegen die Wirklichkeit gibt mir etwas Hoffnung für das Spiel gegen Hertha BSC am  kommenden Montag. Der braucht keine aufbauenden Worte von „Coach Kosta“. Wieder einmal ist es schwierig, den Fortschritt dieser Mannschaft überhaupt im Blick zu behalten. Wieder einmal mangelt es an der Chancenverwertung. Es ist die Last der beiden Heimspielniederlagen gegen Aalen und Dresden, die uns die Einschätzung der Leistung so schwer macht. Mit einem einzigen Sieg in  einem dieser beiden Spiele sähe alles schon anders aus. Und ich weiß: hätte, hätte, ist aber nicht.

Zum Beispiel lese ich heute von zufriedenen Mainzern, die beim FC Schalke 04 ebenfalls gut gespielt haben und mit demselben 0:3-Ergebnis nach Hause fuhren. Sie haben teilweise das Spiel bestimmt, nur ihre Chancen auf ein Tor nicht genutzt.  Der Unterschied: der FSV Mainz 05 hat bereits ein Spiel gewonnen. Es muss nicht gleich diese Zufriedenheit sein, aber ein wenig von dieser Mainzer Stimmung könnte ich jetzt gebrauchen. Und die Mannschaft vom MSV Duisburg wahrscheinlich auch. Der Glaube an das eigene Können muss wach gehalten werden. Das ist bei den Enttäuschungen nach großem Einsatz sehr schwierig. Es bleibt nur auf Kosta Runjaics Wirken weiter zu hoffen, damit ich bald aufhören kann, im eigenen Kurzhaar den nur schwer zu findenden Zopf zu suchen, um mich daran aus diesem Stimmungschlamassel rauszuziehen. Bessere Laune durch den Erfolg dieser  Mannschaft. Eine gute Vorstellung.

Geduld zu haben fällt nicht leicht – Unentschieden statt Sieg

Und es wär‘ so schön gewesen, so ein Tor für den MSV Duisburg, zwischen der 46. und etwa der 70. Minute. Doch es wollte nicht fallen. In einem sind wir uns ja alle einig, richtig gefährlich vor das gegnerische Tor kommt die Mannschaft nicht oft und wenn, fehlt ihr (noch) die Treffsicherheit. Es gab die Chancen in dieser Zeit, ein Tor zu erzielen. Es waren keine todsicheren Chancen, sie waren aber gut genug. Ein freier Schuss von Maurice Exslager von der Strafraumgrenze, der deutlich neben das Tor ging. Ein Kopfball im Fünfmeterraum von Adli Lachheb, ebenfalls neben das Tor.

Dazu sahen wir bis auf die letzten zehn Minuten gefällige Kombinationen bis an die Strafraumgrenze, oft ohne die richtige Entscheidung dort, wo es für den Gegner wirklich gefährlich wird: ein Abspiel zu viel, wenn der Abschluss nötig war, ein Ansatz zum Dribbling, wenn der freie Mann auf dem Flügel stand. Das braucht weitere Arbeit, weiteres aufeinander Abstimmen. Der Wert dieses Kombinationsspiels lässt sich daran ermessen, dass der VfL Bochum dicht gestaffelt stand und sowohl die entsprechenden Lücken erst einmal gefunden werden mussten, als auch der entsprechende zusätzliche Druck durch die Defensivabteilung der Mannschaft notwendig war.

André Hoffmann zeigte gestern ein ganz starkes Spiel, sorgte für diesen Druck nach vorne und war zudem zur Stelle, wenn der Ball in der Vorwärtsvorbewegung verloren schien. Gerade in den fünfundzwanzig Minuten nach der Halbzeitpause holte er sich zusammen mit Goran Sukalo nahezu jeden in der Angriffshälfte verlorenen Ball sofort wieder zurück. Dazu kam in der hinteren Linie ein stark spielender Adli Lachheb, der zuverlässig die längeren Bälle der Bochumer ablief. Mit ihm an seiner Seite knüpft auch Branimir Bajic wieder an alte Leistungen an.

Als dieses Führungstor für den MSV Duisburg dann nicht gefallen war, begann das Zittern um das Unentschieden. Solche Spiele haben einen eigenen Verlauf, und es ist klar, wenn eine Mannschaft derart überlegen, aber erfolglos auf ein Tor spielt, wie es der MSV Duisburg für etwa fünfundzwanzig Minuten gemacht hat, dann kann das in einer Niederlage enden. Schließlich ist es schwierig, auch die Abwehrarbeit weiter im Blick zu halten, wenn schon so viel investiert wurde und die Belohnung durch ein Tor immer noch nicht erfolgte. Dann ist die Gefahr groß auch noch die letzte Kraft nur noch auf den Angriff zu verwenden. So hatten die Zebras in den letzten zehn Minuten zweimal großes Glück, dass der VfL sehr aussichtsreiche Konter nicht mit dem Führungstreffer abschloss. Da geht es den Bochumern genauso wie dem MSV, es fehlt ein Stürmer, der im entscheidenden Moment zuschlägt. Dem 1. FC Köln geht es übrigens auch so und einigen anderen Mannschaften mehr. Wir lernen also, neben dem Linksverteidiger sind auch abschlussstarke Stürmer auf dem Spielermarkt nicht oft im Angebot.

Man muss also die Spieler verbessern, die im Kader stehen, und da bemerke ich mit Kosta Runjaics Arbeit einen allmählichen Aufschwung. Nach dem Spiel gestern denke ich übrigens auch, vielleicht sollte Ivica Grlic das Trainerteam noch um eine Honorarkraft erweitern. Ich habe da Abdelaziz „Aziz“ Ahanfouf im Blick. Praktischerweise kennen sich Kosta Runjaic und Ahanfouf  aus der letzten Saison, als beide noch in Darmstadt weilten. Wo heute doch die Trainingsarbeit von immer mehr spezialisierten Fachkräften übernommen wird, könnte Ahanfouf sich in Intensiv-Workshops der darstellenden Künste annehmen. Wie fällt man bei drohendem Körperkontakt so, dass der Schiedsrichter ein Foulspiel erkennt? Seine große Erfahrung würde vor allem Valeri Domovchiyski helfen, der tatsächlich erheblich besser spielt, aber oft noch nicht robust genug ist, wenn er von Abwehrspielern angegangen wird. Er fällt dann einfach um und der Ball ist weg. Frustration droht. Ahanfouf könnte ihm zu Freistößen verhelfen und vielleicht auch beibringen, dass der beidfüßige Absprung in den Strafraum niemals einen Elfmeterpfiff bringt, wenn der Abwehrspieler mit Abstand nebenher läuft.

Wo sich alle einig über die Qualität des Sturmspiels sind, gehen die Meinungen über den Wert dieses Unentschiedens sehr auseinander. Diese Wertungen haben dann nichts mehr mit der Leistung der Mannschaft zu tun, sondern werden durch die Persönlichkeit des Betrachters hervorgerufen.  Ich kann da nicht anders, als die Fortschritte im Spiel dieser Mannschaft zu sehen. Seit gestern bin ich sicher und da hänge ich mich schon mal weit aus dem Fenster, die Mannschaft wird nicht absteigen. Und mit dem Punkt gegen den VfL Bochum startet sie nun noch besser als Fortuna Düsseldorf, die bei besagtem Katastrophenstart in der Saison 2010/11 auch ihr sechstes Spiel nacheinander, gegen eben diesen VfL Bochum, verloren. Fortuna wurde damals dann noch siebter. Wenn alles gut läuft, sollte deshalb  der sechste Platz für den MSV Duisburg nun drin sein. Sich im Mittelfeld tummeln reicht natürlich möglichst bald auch aus.

Der Song für den morgigen Tag (…und für die ganze Saison)

Und weil ich mit dem Fußball mal wieder was Neues gelernt habe, erzähle ich das auch noch schnell. Rowlf von den Muppets singt hier eine besonders beschleunigende Version von „It’s not where you start, it’s where you finish“. Der Song entstammt dem Finale des 1973 am Broadway uraufgeführten Musicals „Seesaw„. Weniger rustikal und melodiöser bringt Barbara Cook den Song zu Gehör. Ich denke, diese zweite Fassung ist etwas für den letzten Spieltag der Saison. Morgen gegen den VfL Bochum halten wir es eher mit Rowlf, locker und sicher beginnen, um den Sieg bei immens zunehmendem Druck souverän durchzubringen.

Die schönsten Fußballtorten der Welt – VI: Borussia Dortmund –

Mit freundlicher Unterstützung von „111 Fußballorte im Ruhrgebiet, die man gesehen haben musspräsentiert der Zebrastreifenblog in loser Reihe die schönsten Fußballtorten der Welt.

Dieser 1:0-Sieg von Borussia Dortmund gegen Ajax Amsterdam im ersten Spiel der Champions-League verlangt nach einer besonderen Würdigung am Tag danach. Bei Kaffee und Kuchen könnte noch einmal  über die immer intensivere Spielweise beider Mannschaften und die perfekte Dramaturgie des gestrigen Abends geredet werden. Was wurden die Befürchtungen im Verlaufe des Spiels immer größer, ein zweites Mal könnte der europäische Wettbewerb für Borussia Dortmund trotz guten Spiels sofort mit einer Enttäuschung beginnen. Denn Ajax blieb nicht chancenlos, bis das Tor von Robert Lewandowski fiel. Und selbst ein Unentschieden hätte einen schalen Nachgeschmack hinterlassen. Nun also die Torten zur Feier des Sieges am Tag am danach, und wie es sich für einen Verein mit großer Anhängerschaft gehört, findet sich eine vielfältige Auswahl von BVB-Torten. Sie zeigen sehr unterschiedliche Möglichkeiten die Zuneigung zum BVB auszudrücken und weisen dementsprechend abgestufte Anforderungen an das formende Können von Konditorinnen-Händen auf. Denn es sind die Frauen, die solche kunstvollen Torten wie die folgenden backen.

Auf der Seite Torten-Talk.de findet sich
eine fast schon zur Skulptur gewordene Torte.

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Die Torte als Trikot findet sich  bei Chefchoch.de.

BVB Trikot Fußball Fan 1459105474

Die Torte als Spielfeld mitsamt Emblem von Lauryn
findet sich mit Backanleitung bei Rezeptwiese.de.

Die Torte als Emblem findet sich in Jennys Backwelt.

BVB-Torten – Teil 2 – gibt es mit einem Klick weiter.

Sämtliche Folgen von Die schönsten Fußballtorten der Welt findet ihr ebenfalls mit einem Klick weiter.

Lesehinweis: Ivo Grlic im Gespräch mit Michael Wildberg

Kurzer Hinweis auf das bei der Zebraherde veröffentlichte Gespräch, das Michael Wildberg mit Ivica Grlic geführt hat. Das ist eine freundliche Plauderei, bei der Ivo kurze Blicke auf seinen beruflichen Weg vom Spieler zum Sportdirektor gewährt. Inhaltlich geht es viel um Atmosphärisches, um Absichtsbekundungen, die jetzt nicht überraschen, aber für die Stimmung rund um den MSV notwendig sind. Denn letztlich geht es um Wertschätzung der Fans und die Attraktivität des Arbeitsplatzes Duisburg für Berufsfußballer.

Mehr Düsseldorf als Bielefeld

Mir ist klar, dieser Vergleich birgt Brisanz. Aber ich denke, der MSV Duisburg ist mehr Düsseldorf als Bielefeld. Mir bleibt nach der 1:2-Auswärtsniederlage des MSV Duisburg gegen den 1. FC Kaiserslautern nichts anderes übrig, als diesen Vergleich anzustellen. Wir haben ja nur die Vergangenheit, um mögliche Entwicklungen einzuschätzen. Noch immer lässt sich dann die Zukunft nicht sicher vorhersagen, aber das Wissen um die wahrscheinliche Möglichkeit lässt die Prognose noch sicherer eintreten.

Mir zeigte das Spiel, diese Mannschaft des MSV wird sich weiter festigen. Die Niederlage setzt nicht ein Scheitern fort, was zuvor schon zu sehen war.  So geschehen nach dem Trainerwechsel bei Arminia Bielefeld während deren letzten Abstiegssaison 2010/2011. Die Mannschaft des MSV Duisburg scheint eher jenen Weg zu gehen, wie ihn Fortuna Düsseldorf in derselben Saison nahm.

Diese Duisburger Mannschaft findet gerade zu ihrer Spielweise. Sie beginnt Spielzüge zu stabilisieren. Die Spieler scheinen das Vertrauen in die eigene Qualität zurück zu gewinnen. Darum geht es: Sich etwas zutrauen, weil man weiß, ich kann das und weil man weiß, die Mitspieler glauben auch, ich kann das. Den schnellen Doppelpass versuchen. Mitspieler steil anspielen. Lange Bälle an die richtige Position für die richtigen Spieler.

Stürmer attackieren früh, weil sie sich auf ihre defensiveren Mitspieler verlassen können. Sie können sich aber auch deshalb mehr verlassen, weil sie selbst so früh attackieren. Erst in so einem Zusammenwirken strahlte die Mannschaft Zuversicht aus. Es war zu spüren, der 1:0-Rückstand bedeutete keineswegs sofort die Niederlage. Obwohl dieser Rückstand angesichts des Einsatzes von Beginn an eine Enttäuschung war.

Und was das zweite Tor der Kaiserslauterner angeht. Nicht in jedem Spiel wird ein gegnerischer Stürmer nach einem Abwehrversuch die Gelegenheit bekommen, sein vollständiges Glück für diesen Tag in Anspruch zu nehmen. Kosta Runjaic wird außerdem an der Reaktionszeit nach solchen Abwehrversuchen per Kopf auf zentrale Spielpositionen hin arbeiten, auch wenn schon jetzt ein ein Fortschritt zu sehen war. Denn im Grunde fiel ein ähnliches Tor schon im Spiel gegen Dresden. Nur damals konnte der Dresdner Spieler nach der Kopfballabwehr sogar noch mehrere Meter auf das Tor zulaufen. Dieses Mal wurde der Kaiserslautener Spieler wenigstens zum schnellen Distanzschuss verleitet. Beim nächsten Mal wird in so einer Situation der Schuss hoffentlich geblockt. In solchen Momenten zeigte sich noch das Manko der ersten Spiele. Die Reaktion nach der ersten Klärung der bedrohlich werdenden Spielsituation kam einfach zu langsam.

Nun geht es am nächsten Sonntag gegen den VfL Bochum. Kurioserweise spielte Fortuna Düsseldorf in besagter Fehlstart-Saison am 6. Spieltag ebenfalls gegen den VfL Bochum. Die Mannschaft setzte damals mit der 0:1-Heimspielniederlage die Serie fort. Deshalb sollte sich der MSV Duisburg für dieses Spiel von der aus dem Geschehen der Vergangenheit gewonnenen Prognose lösen. Das Motto auf den Spielertrikots am vergangenen Bundesligaspieltag kommt da zur rechten Zeit. Die Integrations-Botschaft „Geh‘ deinen Weg“ passt auch in solch einem Fall – Betonung auf „deinen“.

Einzelne Ergebnisse in eine Serie verwandeln

Beim 1. FC Kaiserslautern hofft man im Spiel gegen den MSV Duisburg am Sonntag darauf, sich endlich einmal wieder über einen Sieg freuen zu können. Fast ein Jahr hat die Mannschaft kein Heimspiel mehr gewonnen. Man könnte nun vorschnell denken, gerne leistet der MSV Duisburg in solchen Fällen Aufbauhilfe. Doch in dem Fall ist die Ausgangslage nicht so eindeutig. Die Mannschaft von Kaiserslautern ist eigentlich zu stark, um auf die großzügige Hilfe von den Zebras rechnen zu können. Die Aufbauhilfe wird, so weit ich erinner, vor allem dann gewährt, wenn der Verzicht auf Punkte eine wirklich barmherzige Geste ist; wenn vor dem Spiel die Chancen zumindest gleich verteilt sind.

Auf welchem Leistungsniveau sich die Mannschaft im Moment befindet, wissen wir aber nicht genau. Es wurde berichtet, dass neue Besen gut gekehrt haben und somit die Voraussetzungen für das Spiel nicht schlecht sind. Die Mannschaft wird viel Unterstützung erhalten, der Aufbruch wird von vielen Zuschauern aus Duisburg begleitet. Da verhilft es vielleicht zu noch mehr Zuversicht, wenn wir uns daran erinnern, Siege in Kaisesrslautern sind nicht unwahrscheinlich.

In der ersten Saison nach dem letzten Abstieg gab es vor dem Auswärtsspiel am 17. Mai 2009 endgültig keine Hoffnung mehr auf den sofortigen Wiederaufstieg. Der 1. FC Kaiserslautern hingegen musste gewinnen, um eine Minimalchance zu wahren. Das turbulente Spiel endete mit einem 5:3-Sieg der Zebras.

Zwei Jahre zuvor, in der Aufstiegssaison gewann die Mannschaft am 2. April mit 3:0. Dieser Sieg gibt mir die Gelegenheit, auch an Mihai Tararache zu erinnern. Er verwandelte einen Elfmeter zur 1:0-Führung. Die Bilder offenbaren nicht nur Jubel und etwas schemenhafte Spieler, sondern im Vergleich zu heutigen Bildern auch den rasanten technischen Fortschritt. Fünf Jahre später lassen die Clips heute auf dem Spielfeld deutlich mehr erkennen.

Mihai Tararache, wurde von Milan Sasic – man kann es nicht anders sagen – mit Ansage demontiert. Der Trainer wusste, dass Tararache keinen sehr guten spielerischen Argumente mehr auf seiner Seite hatte. Und dann setzte er ihn in jenem Spiel, das zu Tararaches letztem für den MSV Duisburg wurde, als Linksverteidiger ein. Doch ich verlange auch nicht von einem Gitaristen er muss fehlerlos auf der Geige spielen können, nur weil beides ein Saiteninstrument ist. Tarache war für diese Position durch nichts anderes qualifiziert als durch seine große Erfahrung als Fußballer. Er war nicht mehr schnell genug. Er war ein Notbehelf, und Sasic verlangte mehr. Der Abschied von Tararache ist dem MSV Duisburg vollends misslungen. Ein Spieler, auf dessen Spiel- und Nervenstärke sich der Verein über Jahre verlassen konnte, hätte mehr gewürdigt werden müssen. Natürlich ist das Vergangenheit.

Vielleicht gelingt es aber durch die Erinnerung an den mit ihm errungenen Erfolg, die noch so uneindeutig wirkenden Ergebnisse der Auswärtsspiele in Kaiserslautern  endlich in eine Serie zu verwandeln. Angstgegner MSV Duisburg – wenn es in Kaiserslautern demnächst so hieße, ich hätte nichts dagegen.

Fußballwirklichkeit und eine Kurzgeschichte – Ralf Rothmann

Kurzgeschichten,  wenn sie von deutschen Autoren zwischen den  50er und 60er Jahren geschrieben wurden, wecken bei mir augenblicklich die Vorstellung einer Denksportaufgabe. Lies den Text und finde die Bedeutung! Das hat natürlich auch mit dem Deutschunterricht früher an unseren Schulen zu tun. Kurzgeschichten im Deutschunterricht waren immer deprimierend, langweilig, aber ungeheuer bedeutungsschwanger.

Marie Luise Kaschnitz etwa brannte sich da in mein Gedächtnis. Hieß die Kurzgeschichte „Schnee“? Mit der die Autorin uns noch mal was sagen wollte? Etwa tatsächlich das: Das geht nach hinten los, wenn Eltern ihren Kindern zu guter Bildung verhelfen? Dann verlassen die nämlich den kleinen Ort, gehen in die große Stadt und kehren zurück, um nicht zu wissen, was sie mit den Eltern reden sollen. So hat Marie Luise Kaschnitz uns aufs Leben vorbereitet. Das ist keine erbauliche Lektüre für Zwölf- und Dreizehnjährige an einem Gymnasium in der Arbeiterwelt des Duisburger Nordens. Wir entfremden euch gerade euren Eltern als nebenwirkende Botschaft des Unterrichts. Um solche aufkommenden Sorgen, machten sich Deutschlehrer aber keine Gedanken, die sahen nur den Lehrplan und die Frage, was will die Autorin uns mit der Kurzgeschichte nur sagen.

Vielleicht verdeckte der Land-Stadt-Gegensatz der Kaschnitz-Geschichte aber auch für den Lehrer damals den eigentlich uns Schüler berührenden Teil der Geschichte. Vielleicht hätte es eine Kurzgeschichte aus der Wirklichkeit des Ruhrgebiets gebraucht. Das aber war in den 1970er Jahren im Literaturkanon dieses Landes noch nicht so richtig zu Hause. Inzwischen ist das ein wenig anders geworden. Da gibt es sogar ein literarisches Ruhrgebiet, das mit der alten Kategorie Hochliteratur geadelt wird. Ralf Rothmann hat dazu mit seinen ersten Romanen einiges beigetragen; Romane, die ich gerne gelesen habe.

Die Kurzgeschichte „Erleuchtung durch Fußball“ aus seinem 2001 erschienenen Sammelband „Ein Winter unter Hirschen“ weckte allerdings bei mir neulich alte, aus der Schule bekannte Gefühle von Bedeutungüberlast. Besagter Fußball kam mir dann zu Hilfe, um mein Urteil mit einem besonderen Argument zu untermauern. Ein später Triumph über Deutschunterricht und Lehrplan. Bei aller Interpretation wurde der Lehrinhalt literarische Wertung nämlich nicht wirklich verfolgt.

In „Erleuchtung durch Fußball“ gibt es einen männlichen Ich-Erzähler mittleren Alters, der momentan mit seinem Leben unzufrieden ist. Trotz Ehefrau und erwachsener Tochter wirkt er einsam. Dieser Eindruck entsteht, weil er mit den leicht esoterischen Anwandlungen seiner Frau nichts anfangen kann, es viele kleine Dinge gibt, die beide beim jeweils anderen nicht mehr mögen und er ihr von seiner tiefen Enttäuschung im Beruf nichts erzählt. Als Drucker hat er sich zwar zum Niederlassungsleiter seines Unternehmens hochgearbeitet, doch der neue Geschäftsführer des Gesamtunternehmens ist sein erster Lehrling, ein Karrierist, der keine Skrupel hat die Leistung anderer als die seine auszugeben.

Auch in dieser Kürze ist das also eine der wohl bekannten Rothmann-Welten, in denen  Industriearbeit mit ihren Anforderungen die Gefühle der  Hauptfiguren beeinflusst, in denen Männer viel mit sich selbst ausmachen und in denen die Wirklichkeit mit einer Fülle von Details aus der Perspektive der Figuren genau beschrieben wird.

Es ist unspektakulär, was da erzählt wird. Für die lange Form des Romans ist das kein Problem, weil auf der längeren Erzählstrecke so ein Leben der Hauptfiguren ein Eigengewicht erhält. In der Kürze wird das Unspektakuläre zum Problem. Die Kurzgeschichte verlangt das Ereignishafte, sie verlangt eine Pointe. Sie verlangt eine Antwort auf die Frage, warum gerade diese Wirklichkeit nun entfaltet wurde. Ralf Rothmann gibt sie mit dem versöhnlichen Ende, für das er ein Fußballspiel symbolhaft nutzt.

Die Geschichte mündet im müden Zappen des Ich-Erzählers durchs Fernsehprogramm. Bei der Aufzeichnung des Champions-Leaugue-Spiels von Panathinaikos Athen gegen Dynamo Kiew bleibt er hängen. Es steht Null zu Null und nichts mehr war von dem Spiel zu erwarten, bis einer der Athener Spieler kurz vor dem Abpfiff einen Ball hoch in die gegnerische Hälfte schlägt. Der Torwart will den Ball aufnehmen. „Doch hatte er, der gelassen seinen Kaugummi kaute, offenbar unterschätzt, mit welcher Wucht ein Geschoß aus einer derartigen Höhe herunterkommt. Schwerer als es tatsächlich war, sauste es wie nichts zwischen den großen Handschuhen des Keepers hindurch, riß ihm die Mütze vom Hinterkopf, prallte an seinem Nacken ab und – flog ins Tor.“

Als ich das las, dachte ich sofort Ralf Rothmann hat dieses Tor trotz des Verweises auf die Fußballwirklichkeit erfunden. Er wollte der momentanen Tristheit eines Männerlebens einen versöhnlichen Dreh geben, und er wollte dieses Ende glaubhafter machen, indem er seine erzählte Welt in die Wirklichkeit seiner Leser hineinlappen lässt. Ich denke, damit überfrachtet er die kurze Erzählung mit Bedeutung. Einen ersten Hinweis darauf gibt die Beschreibung des Tores. Wenn einem Torhüter ein Ball mit solch hoher Flugbahn durch die Hände gleitet, kann der Ball niemals von dessen Nacken (!) ab-„prallen“. Wo muss ein Torwart hingucken, damit ein Ball, von oben fallend, vom Nacken abprallen kann?

Mir ließ das keine Ruhe, und ich habe nachgeschaut, welche Spiele für dieses Tor in Frage kamen. In der Champions League gab es bislang nur zwei Begegnungen zwischen zwischen Panathinaikos und Dynamo Kiew. Es handelte sich um Hin- und Rückspiel während der Gruppenphase in der Saison 1998/99. Das in der Kurzgeschichte erwähnte Spiel ist das Heimspiel von Panathinaikos, das eigentlich  im September stattgefunden hat. Dieses  Spiel gewann Panathinaikos und das Siegtor fiel schon früh, ohne symbolischen Mehrwert durch ein Tor in der 68. Minute von Nikos Liberopoulos. Es ist das 2:1, nachdem Kiew in der 31. Minute in Führung ging und Erik Mykland in der 57, Minute den Ausgleich erzielt hatte.

Bei youtube findet sich folgender Clip vom Spiel:

Das Spiel, das dem im Buch von der Witterung her gleicht, ist das Heimspiel von Kiew im November, das Panathinaikos mit 2:1 verlor. Es gab zwar ein Selbsttor, das aber führte zum Sieg von Kiew und war einfach Pech.  Es war ein Slap-Stick-Tor, das ebenfalls keinen symbolischen Mehrwert besaß. Angelos Basinas wurde vom Mitspieler beim Abwehrversuch angeschossen.

Bei youtube findet sich folgender Clip vom Selbsttor:

Außerdem gibt es einen Clip vom Vorprogramm zum Spiel, bei dem mehr Michael Jackson-(Imitat?) als Fußball zu sehen ist.

Ralf Rothmann nutzt also ein Fußballspiel, das tatsächlich stattgefunden hat und verändert dessen Ablauf, um seinen Ich-Erzähler und damit uns mit dessen Schicksal zu versöhnen. Was mich daran stört ist die so deutlich wahrzunehmende Konstruktion von Bedeutung. Dieses Gewicht ist der Geschichte anzumerken und mindert deren literarische Qualität. Es ist wie beim Fußball. Wir schätzen spielerische Momente, denen die Trainingsarbeit nicht anzusehen ist, höher ein. In dieser Kurzgeschichte hat Ralf Rothmann des Guten zu viel getan. Er hat sie zur Denksportaufgabe für den Schulunterricht gemacht. Gut, dass es seine Romane gibt.

Sämtliche Tore von Dynamo Kiew in jener Champions-League-Saison sieht man übrigens mit einem Klick weiter hier.

Vor dem Spiel ist noch lange vor dem Spiel – Fritz Walter freut sich

Aus Kaiserslautern ist zu hören, im Heimspiel gegen den MSV Duisburg machen  neue Hintertornetze im Fritz-Walter-Stadion das Zuschauen eines Fußballspiels zum unvergesslichem Erlebnis. Fritz Walter selbst soll jüngst den Vereinsverantwortlichen erschienen sein und sich dabei sehr zufrieden über „die völlig neue Aufhängung“ geäußert haben. Mit urgroßväterlichem Wohlwollen muss er wohl auch den Verzicht auf einen „Sponsorenaufdruck“ auf dem Netz besonders gelobt haben. Immer noch zeigte er sich sehr interessiert am aktuellen Geschehen auf seinem „Betze“ und erfuhr vom sichtlich stolzen Vorstandsvorsitzenden Stefan Kuntz,  erst ohne den Sponsorenaufdruck werde „gewährleistet, dass keine Sichtbehinderungen entstehen.“ „Was heute alles möglich ist“, staunte der Kaiserlauterner Fußballheld von Bern, der sich schmerzlich noch an jene Zeiten erinnerte, in denen Zuschauer im Stadion nur über das Transistorradio das vor ihnen stattfindende Spiel mitverfolgen konnten.


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