Archiv für November 2012

Weihnachten naht – Die Geschenke -1-

„Hauptsache Fußball“ ist ein Dokumentarfilm, in dem es vor allem um die Erfahrungen von jungen Spielern in der Unterhaltungsbranche Fußball geht. Hier habe ich den Film besprochen,  nachdem er im Frühjahr letzten Jahres ausgeliefert wurde. Ein paar Wochen später machte ich noch dieses Interview mit dem Regisseur Andreas Bach. Für diesen Film schnitten dessen Macher jüngst einen Trailer neu zusammen. Lobende Worte hatte es schließlich gegeben, die verbreitet werden wollten, und für das Weihnachtsgeschäft schadet zusätzliche Aufmerksamkeit durch einen schön gemachten, neuen Hinweis auf den Dokumentarfilm auch nicht –  wie man hier jetzt sieht.

Die Finanzen in der offiziellen Pressemitteilung

Zu dem, was am Morgen schon von den lokalen Medien verkündet wurde, gibt es nun auch von Seiten des MSV Duisburg eine Pressemitteilung. Offiziell wird da keine Entwarnung gegegen. Die Worte sind zurück haltend, sehr allgemein gehalten und noch ohne konkrete Anhaltspunkte für die weitere Entwicklung:

In der Sitzung mit Vertretern der verschiedenen Gremien des MSV Duisburg und Vertretern der Stadionprojektgesellschaft am Mittwoch, 28. November 2012, haben wir einen weiteren Schritt auf dem Weg zur finanziellen Konsolidierung des MSV getan.

Wir sehen Bewegung in eine positive Richtung, müssen aber in den kommenden Tagen und Wochen weiter hart arbeiten, um unser gemeinsames Ziel zu erreichen.

Wir werden uns allerdings, wie auch in den vergangenen Tagen, nicht zu Zwischenständen äußern oder Berichte und Gerüchte kommentieren. Der MSV wird sich dann zu Details sowohl der kurzfristigen wie auch langfristigen finanziellen Ausrichtung äußern, wenn alle Fakten und Ergebnisse final gesichert sind.

Sinnlos, Sinn und noch das Lego-Männchen

Gestern Abend auf dem Weg nach Hause war ich mir nicht sicher, ob ich nach dieser 2:1-Niederlage des MSV Duisburg gegen den 1. FC Union Berlin überhaupt etwas schreiben sollte. Was gäbe es mehr zu einem Komplettversagen der Mannschaft zu sagen als das, was ohnehin schon unzählige Male gesagt und geschrieben war. Selbst dieses Komplettversagen war ja zudem unwichtig, angesichts der Geldsummen, die da in ganz naher Zukunft nachgewiesen werden sollten.

Ich sah ein großes, weißes Feld als nächsten Blog-Beitrag und alle, wirklich alle, die im Stadion waren, hätten gewusst, was das bedeutet. Für dieses Spiel brauchte es keine Worte! Das war sicher. Wenn der Sinn von etwas ins Wanken gerät, heißt es Schweigen. Dann heißt es aber auch  Dasein, Aushalten und irgendwann mit den Trümmern des Lebens weitermachen. Um im Bild zu bleiben, der Sinn des Projekts Profifußball in Duisburg hing gestern Abend für mich nur noch an einem nicht allzu dicken Sicherungsseil, dessen Reißfestigkeit noch nicht mit der zu tragenden Last geprüft worden war.

Also, Schweigen!

Wenn nicht dieses Schweigen in einem Medium der Schrift auch das Medium selbst überflüssig machte und damit mich als Autor. Wenn einmal der Sinn den Bach runtergeht, gibt es kein Halten mehr. Deshalb: Mit mir nicht! Ich habe eine Idee von dem Schreiben hier. Ich habe auch vom MSV Duisburg eine Idee, die sich, wenn nötig, von der Wirklichkeit löst. Es gibt in mir einen MSV Duisburg, der vom Erzählen lebt, auch wenn dieser MSV Duisburg sich nicht ganz unabhängig von der Wirklichkeit machen kann. Der erzählte MSV Duisburg findet seinen Sinn aber in mehr als dem alltäglichen Geschehen.

Paradoxerweise macht dieses Neufinden von Sinn sogar wieder Worte zum Spiel möglich. Aus Selbstschutz habe ich gestern nach dem Führungstor des 1. FC Union Berlin mich gedanklich aus dem Spiel verabschiedet. Ich hätte mich einerseits sonst zu sehr aufgeregt, andererseits gehört das wieder zum Thema Sinn. Vielleicht haben diesen gedanklichen Abschied die  Spieler auf dem Platz nach dem Selbsttor von Sören Brandy auch vollzogen? Schließlich machten sie nicht den Eindruck, als seien sie jederzeit präsent im Spiel. Es wirkte oft so, als würden sie erst daran erinnert, worum es bei diesem merkwürdigen Hin- und Herrennen mit Ball geht, wenn dieser Ball sich unmittelbar in ihrer Nähe befand. Ansonsten waren sie vielleicht mit irgendwas anderem gedanklich beschäftigt?

Wie gesagt, schließlich ergriff auch mich gestern vor dem Spiel schon sehr viel mächtiger das Gefühl der Sinnlosigkeit als noch vor dem Spiel gegen Aue. Der nahe 1. Dezember als in den letzten Tagen immer wieder beschriebener erster Stichtag für die Nachricht von der Liquiditätssicherung lenkte doch sehr ab. Vielleicht war das Gefühl auch bei den Spielern zu mächtig, gerade etwas zu machen, über dessen Bedeutung außerhalb des Spielfelds entschieden wird. Aber mein Gott, so denke ich dann auch, die Spieler sind doch Sportler. Als Sportler will man gewinnen, jedes Spiel, egal unter welchen Bedingungen. Da geht es doch auch um dieses Glücksgefühl der Gegenwart, den Gegner besiegt zu haben. Da geht es um die Verbindung zu archaischen Erlebnisse der Überlegenheit als Gruppe. Gewinnen bedeutet intensives Glück. Dafür will ich doch alles geben. Außerdem bekommen sie sogar noch Geld dafür.

Doch diese Mannschaft schien nicht dahin zu kommen, alles geben zu können. Sie hatte kein, aber wirklich auch kein einziges Mittel gegen einen nicht allzu guten Gegner zu bestehen. Diese Mannschaft spielte zunächst einigermaßen mit und als es zweimal ernst wurde, führte Union Berlin mit zwei Toren. Zweimal waren die Berliner in der ersten Halbzeit torgefährlich. Zweimal landete der Ball hinter der Linie. Das war die Defensive. Und die Offensive? Wie sollte diese Mannschaft ohne große Hilfe des Gegners ein Tor schießen? Lange Bälle zum Gegner, einsame 60-Meter-Sprints von Maurice Exslager mit Ball am Fuß und drei, vier harmlose Schüsse über und neben das Tor, das war das Spiel nach vorne. Die Mannschaft biss sich nicht ins Spiel. Geordnet sollte es vielleicht sein, kraflos war es. Und aus dem Nichts kann jede Mannschaft wieder gegen den MSV Duisburg ein Tor erzielen. So verlaufen im Moment die Spiele. Die gegnerischen Mannschaften brauchen nur immer mal wieder probeweise den Ball vors Tor zu bringen. Die Spieler des MSV Duisburg werden schon einen Fehler machen, und fällt das Führungstor des Gegners, ist die Niederlage festgeschrieben.

Für mich wird dieses Spiel gegen den 1. FC Union Berlin aber dank des ungeheuer unterhaltsamen Rahmenprogramms in der Halbzeitpause in Erinnerung bleiben. Ente hat im Lego-Männchen einen würdigen Nachfolger gefunden. Vielleicht war es eine Art Übersprungreaktion von mir, und ein wenig hysterisch bin ich mir schon vorgekommen, als ich mich vor Lachen kaum auf den Beinen halten konnte. War das Lego-Männchen blind und brauchte deshalb eine Wettlaufbegleiterin? Auf jeden Fall war es ohne Kniegelenke und scheute trotz dieses großen Handicaps den Wettkampf nicht. Ein Paralympics-Wettkampf der besonderen Art. Vielleicht liegt in diesem Spektakel die Lösung aller Finanzprobleme. Ein Comedy-Kanal bei You-Tube. Google-Adsens-Cents ergänzen das Pfandgeld, und schon ist die Zukunft des MSV Duisburg gesichert. Bis dahin die Frage:  Hat vielleicht jemand ein paar Bewegtbilder vom Lego-Männchen für die Welt?

Komischerweise berührt mich heute Morgen die Nachricht von der wahrscheinlichen Rettung des MSV Duisburg noch nicht sehr. Ganz merkwürdig. Ich muss da mal weiter drüber nachdenken.

Und das haben wir ja auch noch: Pressekonferenz und Stimmen von Ivo Grlic, Sören Brandy und Srdjan Baljak zum Spiel. Ehrliche Wertung von allen, die Ratlosigkeit über die eigene Leistung ist den Spielern deutlich anzumerken.

Mit Gruß an Kosta Runjaic – Der Song für den Tag

Wer den Titel des Vorberichts auf der Seite des MSV Duisburg zum heutigen Spiel gegen Union Berlin ganz genau verstehen will, muss mal eben zu diesem Vorbericht in der RP weiterklicken. „MSV-Union: Marmor, Stein und Eise(r)n bricht, aber unsere Zebras nicht“ steht beim MSV wortspielend, womit Trainerworte in der Pressekonferenz aufgegriffen werden: „Auf die Frage, welche Mannschaft er heute (17.30 Uhr) gegen Union Berlin aufbieten wolle, antwortet der Trainer: ‚Marmor, Stein und Eisen bricht, nur die Zebras nicht. Wir werden die Spieler, die noch laufen können oder dürfen, aufstellen‘ „. Deshalb gibt es nur diesen Song für den Tag. Wir sollten ihn heute, am späten Nachmittag anstimmen. Auf geht´s, Drafi Deutscher in Ilja Richters Disco, schon damals ein Oldie. Und wenn ich Drafi Deutscher sehe, frage ich mich gerade, ob Ricky Shayne, Peter Orloff und Drafi Deutscher zumindest am Anfang nicht ein und dieselbe Person gewesen sind.

Typisch Duisburg – Von Stadtteilfreundschaft und Suche nach dem Selbstbild

Manchmal werden auch in Stadionzeitungen bunte Geschichten erzählt, die nur am Rande mit dem Fußball zu tun haben und mehr mit der Stadt, aus der der Gegner kommt. In Viva St. Pauli, der Stadionzeitung des FC St. Pauli, war anlässlich des Heimspiels am Sonntag gegen die Zebras, jene auch in den Duisburger Lokalmedien immer wieder gern erzählte Geschichte von der Stadtteilfreundschaft zwischen den beiden Hafenstadtteilen zu lesen. Ein freundliches Bild über Duisburg konnten die Zuschauer vom FC St. Pauli mit nach Hause nehmen.

Bei allem kritischen öffentlichen Reden über Duisburg, die Stadt braucht auch solche Geschichten. Das kam mir in den Sinn, weil neulich eine erste von der Bürgerstiftung Duisburg organisierte Diskussionsveranstaltung mit dem Thema „Typisch Duisburg“ die Zukunft Duisburgs zum öffentlichen Thema machen wollte. Es soll weitere Veranstaltungen dieser Art geben. Der Bericht der WAZ über die Veranstaltung findet sich mit einem Klick weiter hier. Im Blog von „Zebras Welt“  – nicht verwandt oder verschwägert –  gibt es Video-Clips von den Statements der Veranstaltungsteilnehmer. Unter anderem ist ein Oberbürgermeister Sören Link zu sehen, der momentan auf mich noch den Eindruck macht, als besäße auch sein Selbstbild von einem obersten Repräsentanten der Stadt Entwicklungspotenzial. Er präsentierte sich – noch – nicht als jemand, der einem Prozess vorangeht. Ich habe den Eindruck, sein Leitbild ist momentan vor allem das Funktionieren der Verwaltung, zum anderen scheint er sich mehr als Moderator in seinem Amt zu sehen. Von daher wird etwa auch verständlich, warum er sich erst relativ spät zur drohenden Insolvenz des MSV Duisburg öffentlich äußerte.

Die Einladung auf das Podium der Veranstaltung an den Oberbürgermeister ging zum Teil nach hinten los, weil wegen der Anwesenheit von Sören Link zunächst die Kritik an der Poltitk im Vordergrund stand. Die Konzentration auf die Qualitäten eines zukünftiges Duisburgs verlor sich wohl dabei für einige Zeit. Das passt zu einem Eindruck, bei dem ich mich gerne eines Besseren belehren lassen möchte. Mir geht es tatsächlich auch immer wieder durch den Kopf, neben der Kritik an Duisburg gibt es sowohl beim öffentlichen Reden als auch im Kneipengespräch nicht oft einen stimmigen Ton für Heimatverbundenheit. Neben der Kritik mangelt es an einem stabilen, positiv besetzten öffentlichen Bild von der Stadt, in dem sich Duisburger erkennen und auf das sie sich beziehen können. Wenn Duisburger sich in Duisburg wohl fühlen, dann meist als Ergebnis privaten Wohlgefühls. Das „anderswo ist auch scheiße“ klingt hier weniger selbstbewusst als in Bochum. Wie dieses Selbstbild sich zu einer Ruhrgebiets-Identität verhielte, wäre für mich im Übrigen eine besonders interessante Frage.

So sammel ich Momente wie die Stadtteilfreundschaft zwischen St. Pauli und Ruhrort als Futter für solch  einem stimmigen Ton der Heimatverbundenheit. So eine Stadtteilfreundschaft ist eine bunte Geschichte, die dennoch im Bild von Duisburg ihren Wert hat. Und weil der Hafen so zentral für die Geschichte Duisburgs ist, ist es kein Zufall, dass Ruhrort an einer weiteren Stelle, den Aktivitäten des Kreativkreises Ruhrort, über die Stadtgrenzen hinaus Strahlkraft gewonnen hat. Diese Aktivitäten wurden nicht als Projekt von oben in den Stadtteil hineingepflanzt, sondern ergeben sich aus dem Handeln vieler Einzelpersonen vor Ort. Das öffentliche Bild von Ruhrort und damit Duisburgs formt sich aus durch das Wirken an der Basis der Stadt. Genau das geschah, und es geschieht weiter, was die Veranstaltung der Bürgerstiftung auf anderer Ebene institutionalisieren möchte: bürgerliches Engagement. Es ist ein Balanceakt so etwas immer wieder als Erzählung in die Öffentlichkeit zu bringen und gleichzeitig damit nichts schön zu reden. Probieren wir ihn mal immer wieder.

Der Spielbericht als Verdrängungsarbeit

Gute Geschichten brauchen ein starkes Thema, auf das sich das Erzählte hin ausrichten lässt. Das ist selbst bei einem kurzen Text über ein Fußballspiel so. Das nahe liegende zentrale Thema bei einem Fußballspiel ist meist das Ergebnis des Spiels. Heute morgen allerdings kommt jedes starke Thema für die Geschichte vom  Spiel des MSV Duisburg beim FC St. Pauli in einen Konflikt mit einem sehr viel stärkeren Thema. Wenn es um den Tod geht, interessiert jedes Unglück ohne lebensbedrohliche Folge nur noch am Rande. Bis Donnerstag brauche der Verein 2,3 Millionen Euro, so meldet die WAZ.

Wenn 2.500 Duisburger Anhänger durch eine fünf Mann starke Sicherheitskontrolle mit bekannter Leibesvisation müssen, bilden sich schon mal längere Schlangen. Ich weiß nicht, ob alle zum Anpfiff dann im Stadion waren.

Bei dieser Nachricht muss ich schon einige Verdrängungsarbeit leisten, um mir die Bilder vom Auswärtsspiel der Zebras in Hamburg wieder in Erinnerung zu rufen. Und auch dann fällt mir nicht als erstes das Spiel selbst ein oder eine Szene aus dem Spiel. Mir fällt so eine merkwürdig leichte Stimmung ein, die ganz oft bei Begegnungen mit anderen Zebra-Fans zu spüren war und mich sehr an die Zeit vor dem Pokalendspiel in Berlin erinnerte. In Gesprächen war die drohende Insolvenz zwar Thema, aber was war daran in Hamburg im Moment zu ändern? Genauso wenig, wie an der Verletztenmisere etwas zu ändern war. Und so schien eine Stimmung zu entstehen, die sich unabhängig machte von der Gegenwart, die wieder enthüllte, dass Fußball mehr ist als das Spiel.

In Hamburg war wieder all das beobachtbar, was jede im Verein handelnde Person überdauert, so es in den Anhängern des MSV Duisburg, egal in welcher Liga spielend, lebendig bleibt. Und das war zu spüren, ob ich nun auf Anhänger der Zebras traf, die in Gruppen unterwegs waren, im Familienverband angereist waren oder sich gar alleine zum Stadion auf den Weg gemacht hatten. Diese Stimmung war entstanden unabhängig vom Alter. Es gab die jugendlichen Fans, die am Samstag eindeutig vorhatten die Nacht zum Tag zu machen. Da waren die Eltern von fast erwachsenen Kindern. Es waren die Rentner da und ihre Frauen.

Die fünf jungen MSV-Fans sammelten und nahmen Pfandflaschen an.

Anschließend fallen mir auch die bekannten Firmenschilder in gelb mit dem blauen Namen Hellmich ein, und ich denke an die rührigen jungen Pfandflaschensammler, die mit allem Einsatz ein Zeichen setzen wollten und niemals in auch mehr als drei Tagen annähernd so viele Flaschen sammeln könnten, um solch eine Summe Geld zusammen zu bringen. Oder ich denke an Chris Schulze, den Stadionsprecher, der mit dabei ist, eine „Retterparty“ am 14.12. in der Alten Feuerwache in Hochfeld zu organisieren. Ab 21 Uhr, Eintritt als Spende von € 5,02.

All das fällt mir ein,  und dann erst ärgere ich mich, weil mir die Geschichte von einem der kuriosesten Unentschieden vom MSV der letzten Jahre nur wegen weiterer drei Tore des FC St. Pauli zur 1:4-Niederlage durch die Lappen gegangen ist.  Was war das für ein unerwartetes Tor durch Benni Kern zum Ausgleich fast mit dem Pausenpfiff. Eine Flanke aus Verlegenheit schlug er in den Strafraum, so hoch und so langsam, dass sie wahrscheinlich von fast allen Zuschauern längst abgehakt war. Wir hatten keinen kopfballgefährlichen Stürmer im Strafraum, wir hatten nicht einmal einen Spieler im Strafraum. Und dann lassen die Verteidiger den Ball für den Torwart durch. Der aber dachte wahrscheinlich, mein Verteidiger wird schon köpfen. Und so titschte der Ball einmal auf und sprang über den Torwart hinweg ins Tor. Großartig! Von diesem Tor mussten sich eine Menge Zuschauer im Stehplatzbereich des Gästeblocks erzählen lassen. Wir standen ganz oben in Vierreihen mit oft sehr eingeschränkter Sicht. Der Umbau des Stadions durch das Unternehmen von Walter Hellmich ist noch nicht vollendet.

Die Hoffnung auf das Unentschieden blieb in der zweiten Halbzeit einige Zeit lebendig. Der FC St. Pauli kombinierte auch nicht sonderlich sicher, viele Pässe gingen ins Nichts. Die Heimfans brauchten die von Michael Frontzeck angekündigte Geduld. Michael Frontzeck konnte darauf setzen, weil seine Stürmer im Strafraum technisch sehr gut waren und so auf engem Raum sich durchsetzen konnten. Diese Durchsetzungskraft fehlte den Spielern der Zebras fast immer. Da gab es keinen der im Eins gegen Eins gefährlich wurde. Aber auch im Zusammenspiel wurde kein Druck entwickelt. Es fehlten die spielerischen Mittel, um gefährlich vor das Tor des FC St. Pauli zu kommen. Dennoch hielt sich die Mannschaft bis zum zweiten Rückstand im Spiel. Das Ergebnis klingt deutlicher als es der Spielverlauf bis dahin erwarten ließ.

Nach der gelb-roten Karte für Zvonko Pamic aber funktionierte die Defensivarbeit nicht mehr zuverlässig. Immer wieder fanden die Spieler vom FC St. Pauli nun die Lücken in der Abwehr, und die Hamburger Spieler genossen es, endlich ihrer Spiellaune nachgeben zu können. Auch deshalb fielen zwei weitere Tore, die Mannschaft hatte nach der gelb-roten Karte wirklich Spaß am Spiel, während die Zebras immer deutlicher ihre Schultern hängen ließen.

Mitzunehmen bleibt als Erkenntnis aber noch das Wissen, mit Roland Müller gibt es einen wirklich guten Torwart im Kader, der auf der Linie unglaublich stark ist. Unfassbar wie er zu Beginn der zweiten Halbzeit einen fulminanten Schuss vom Rand des Elfmeterraums durchs Gewühl hindurch noch hat halten können. Für einen Torwart ist er nicht sehr groß, und deshalb ist zudem zu vermerken, wie sicher und mutig er beim Herauslaufen wirkt. Warten wir ab, ob dieses Wissen über Roland Müller am Freitag noch von Belang für die Zukunft des MSV Duisburg ist.

Und Pressekonferenz mit realistischer, sehr präziser Einschätzung des Spiels von Kosta Runjaic, sowie die Stimmen nach dem Spiel gibt es ja auch noch.

Nacktrodeln am Millerntor

So, nicht mehr lange bis zum Anpfiff und irgendwie muss die Zeit rumgebracht werden. Zeitung lesen am Frühstückstisch, das Hamburger Abendblatt, und dazu später. Angesichts der Verletztenmisere sammel ich seit Freitag mal wieder die hoffnungsvollen Zeichen, die mir begegnen. Mein Fieber durch die Erkältung war gestern schon mal so weit wieder runter, dass ich in den Zug nach Hamburg habe steigen können. Schon mal ein gutes erstes Zeichen für das Spiel. Krankenstand auf Zuschauerrängen bessert sich. Dass ich dann vor dem Bahnhof sogleich dem Mannschaftsbus der Zebras begegnete, der den Tross wahrscheinlich gerade am Hotel abgeliefert hatte, passte dann ebenfalls gut.

Es fügte sich alles, Anschlüsse im Nahverkehr funktionierten reibungslos und die sich überall öffnenden Türen waren für mich mit einem Mal wie eine Defensive des FC St. Pauli, die dem Ball führenden Julian Koch nach einem unwiderstehlichen Antritt eine Lücke gewährt. Gedankenschnell nutzt er sie und kann, … aber so weit belaste ich die hoffnungsvollen Zeichen nie. Die Wirklichkeit muss ja auch noch was zu tun bekommen. Jedenfalls ist es auch ein Zeichen von Kosta Runjaic, dass Julian Koch von Anfang an spielt. Es wäre schön, wenn die Mannschaft ein Unentschieden mit nach Hause nehmen könnte. Wieder einmal gilt es die finanziellen Schwierigkeiten für 90 Minuten zu vergessen. Wieder einmal gilt es, ein Spiel mit der Last eines großen Nachteils anzutreten. Es fallen ja nicht nur sehr zentrale Spieler aus und fehlen mit ihren spielerischen Qualitäten der Mannschaft. Darüber hinaus muss ja die Hoffnung neu entfacht werden. Es muss sehr viel mehr im Kopf passieren, als ohnehin im Moment passieren muss. Jede zusätzliche Schwierigkeit mindert erst einmal Hoffnung. Doch die Unterstützung durch die Duisburger Zuschauer  wird da sein. Gestern Abend sind wir ihnen immer wieder begegnet. Die Hoffnung im Gästeblock wird vorhanden sein.

Im Gegensatz zu der Hoffnung im Harz. Und damit komme ich zurück zum Regionalen im Hamburger Abendblatt. Aber erst mal zum Sportteil: Dort konnte ich lesen, wie Michael Frontzeck das Spiel zu gewinnen hofft. Mit geduldigem Druck ausüben, was heutzutage nicht originell sondern das einzige Mittel ist gegen die erwartete dichte Defensive des Gegners. Was auch hier immer wieder betont wird, weiß Michael Frontzeck ebenfalls, es sei ein schmaler Grat zwischen Druckaufbau und Geduld gerade vor eigenem Publikum. Viel ließ sich der Hamburger Tageszeitung als Spielvorbereitung also nicht entnehmen. Dafür wurde ich aber mit etwas anderem belohnt, was im Regionalteil, betitelt mit „Der Norden“ zu lesen war. Und nun sind wir endlich beim Harz, beim Nacktrodeln und dem großen Verlust für die strukturell so benachteiligte Region:

Zu viele Zuschauer:
Nacktrodeln wird abgeschafft

Braunlage    Der Harz verliert eine seiner attraktivsten Großveranstaltungen: Das Nacktrodeln in Braunlage wird es nicht mehr geben. Grund sind die gestiegenen Zuschauermassen, die nicht mehr zu bewältigen seien, teilte der Veranstalter mit. Im vergangegen Winter hatten 25.000 Fans das Nacktrodeln sehen wollen.

Nun erfahre ich erst jetzt von diesem exquisiten Ereignis, ohne dass ich die Gelegenheit hatte zu seinem Ersticken im Erfolg beizutragen. Schade. Da gibt es nun etwas, was die Menschen den Harz wieder entdecken lässt, und dann sind es wiederum zu viele dieser Menschen. Es ist wie im Fußball, das Gleichgewicht lässt sich nicht immer leicht finden. Ich hoffe, der FC St. Pauli erweist sich gleich als die Nacktrodelveranstaltung Hamburgs.

Fußball, Homosexualität und die Medien – Eine Podiumsdiskussion als Podcast

»Fußball und Homosexualität – die Rolle der Medien«. So hieß das Thema einer Podiumsdiskussion am letzten Samstag in Köln anlässlich des einjährigen Bestehens der “Aktion Libero”. Dort bündelt sich das Engagement der Sportbloggerwelt gegen Homophobie im Fußball. Die Macher von Fokus Fußball, der Blog- und Presseschau zum Fußballhaben die Podiumsdiskussion dankenswerter Weise mitgeschnitten und als Podcast online gestellt. Das Ganze mit einem Klick weiter hier.

Ein paar Gedanken zur Meinungsbildung rund um den MSV durch die lokale Sportpresse

Seit letzten Dienstagabend weiß die Öffentlichkeit, für den MSV Duisburg geht es ums Überleben. Zuvorderst geht es um das Weiterbestehen von Fußball auf professionellem Niveau in Duisburg. Es geht aber auch um ein Kulturgut der Stadt. Es geht um das Zugehörigkeitsgefühl vieler Menschen. Es geht für die Stadt und für die Anhänger um Identität. Außerdem geht es um Geld, das Investoren verlieren können. Es geht um Arbeitsplätze rund um den eigentlichen Sport. Die drohende Insolvenz ist also ein vielschichtiges Thema, über das man sich besser nicht in den lokalen Printmedien informiert.

Halt, ich will genauer sein, weil mich auch die fehlende Genauigkeit in den seit Dienstag erschienenen Artikeln zur Finanzsituation ärgert. Genauer sein, das heißt in dem Fall, ich empfehle die Berichterstattung in der Rheinischen Post  als einigermaßen neutral und faktenbasiert. Dort ist  das Bemühen bemerkbar, ein komplexes Thema zunächst mit Fakten angereichert darzustellen. Selbst wenn direkt nach dem Rücktritt von Andreas Rüttgers auch dort Sätze in den Artikel eingestreut wurden, die Stimmung machen, weil sie nur vermeintlich argumentativ unterfüttert sind. Als es etwa anfänglich um die Forderung nach mehr Unabhängigkeit für die Kapitalgesellschaft gegenüber dem eingetragenen Verein ging, hieß es: „Die Bundesligavereine machen es vor. Dort hat kein Verein eines Klubs derart viel Mitsprache gegenüber der KGaA.“

Ich nehme nicht an, dass die Journalistin sämtliche Verträge jener Vereine nachgeprüft hat, die diese Organisationsform in der Bundesliga aufweisen. Da hätte sie tief in die Materie einsteigen müssen, ohne Zeit dafür zu haben. Hinzu kommt, nicht alle Bundesligavereine haben diese Organisationsform. Es gibt tatsächlich auch noch Bundesligavereine, in denen der gemeinnützige Verein auch das geschäftsführende Organ für den Profibetrieb ist.  Bei Wikipedia findet sich in dem Artikel zur „50+1-Regelung“ eine Auflistung der unterschiedlichen Organisationformen der Bundesligaklubs. Das Argument nirgendwo sonst ist es so wie in Duisburg, entpuppt sich also als heiße Luft. Solche Sätze wie der zur reformbedürftigen Organisationsstruktur folgen der von der Investorengruppe gesteuerten Deutung des Geschehens. Und um diese Deutung dreht sich im Kern die Berichterstattung. Wie ist zu bewerten, was da gewollt wird?

Ich stelle mir vor, eigentlich müsste man die Berichterstattung über das Geschehen so beginnen: Es gibt Finanzprobleme beim MSV Duisburg, weil die laufenden Kosten schon seit langer Zeit höher sind als die Einnahmen. Nun kommt eine Investorengruppe und bietet Geld an. Damit die Investorengruppe Kontrolle über die Verwendung des Geldes hat, ist die Bedingung, Einfluss auf die Geschicke des ausgelagerten Profibetriebs. Dazu soll der Verein auf Einfluss verzichten. So weit, so verständlich.

Nun wäre es die Aufgabe des Lokaljournalismus auf ein paar weitere Fakten hinzuweisen, die nicht ganz so offensichtlich sind, die aber wichtig für die Bewertung des Geschehens sind. Zuvorderst wäre anzumerken, da gibt es besagte 50+1-Regel, die seitens des DFB den Einfluss des Vereins auf den Profibetrieb sichern soll. Dagegen darf nicht verstoßen werden. Darüber hinaus wäre der Hinweis nicht schlecht gewesen, wenn die Investorengruppe mehr Einfluss möchte, gehört mit Walter Hellmich jener Mann dazu, dessen strategische Entscheidungen zu dem Defizit des MSV Duisburg beigetragen haben. Die gerade im Reviersport so deutlich inszenierte Wirklichkeit von professionellen Wirtschaftsfachleuten gegenüber eitlen amateurhaften Vereinsfunkionären erweist sich bei näherem Hinsehen also als Karikatur der Wirklichkeit. Ich will zugunsten des Journalisten sogar annehmen, dass es diese Eitelkeiten auf Vereinsseite tatsächlich hin und wieder gibt, aber wo wurde Profibetrieb durch den Verein behindert? Das ist interessant zu wissen, gesagt wird es nicht.

Natürlich müssen Hierarchien der Entscheidung vorhanden sein, doch das Ausspielen des Profibetriebs gegen den Verein führt in die falsche Richtung. Gerade Vereine wie der MSV Duisburg leben vom Mythos ihrer Geschichte. Diesen Mythos zapft das Wirtschaftsunternehmen Profibetrieb vom Verein an. Gleichzeitig muss ein professionelles Arbeiten möglich sein. Dazu braucht es Strukturen. Die muss man schaffen, wenn sie nicht vorhanden sind. Ob sie nicht vorhanden sind, kann ich als Leser der Printmedien nicht entscheiden. Deshalb ist auch nicht zu bewerten, was die Forderung nach mehr Einfluss bedeutet. Es ist unlauter, wenn Journalisten diese Bewertung vornehmen, ohne dazu Fakten zu liefern.

Im Grund geht es im Moment auch um die Deutung der Hellmich-Ära und damit um die Verlagerung der Verantwortung für die wirtschaftliche Situation. War er ein erfolgreicher Präsident oder war er es nicht? Dass es darum geht, zeigt auch sein Auftritt gestern Abend in der Lokalzeit Duisburg des WDR. Hier gibt es ihn in der Mediathek noch eine Woche einen Klick weiter, Sendung vom 19.11. Wieso kommt er zum Studiogespräch? Das ist Öffentlichkeitsarbeit in eigener Sache, weil er zum Gesicht der Investorengruppe wurde. Was er sagte, mag im Wortlaut stimmen, die Kritik an ihm lässt das nicht verstummen. Natürlich verdient er am Stadion des MSV Duisburg im Moment kein Geld. Natürlich sind die Mieteinnahmen ein durchlaufender Posten für Zinsen und Tilgung. Aber wenn ich Vertrauen in mein Handeln schaffen will, kann ich die Schwierigkeiten nicht auf die Schultern meiner Nachfolger abladen und behaupten, ich hätte in achteinhalb Jahren erfolgreich gearbeitet.

Diese zwei Nachfolger, Dieter Steffen und Andreas Rüttgers,  haben eine Finanzsituation übernommen, die sich in der Verantwortung von Walter Hellmich entwickelt hat.  Dafür war die Fehlkalkulation, der MSV wird dauerhaftes Mitglied in der ersten Liga“ verantwortlich. Die Miete für das Stadion ist in der 2. Liga nicht zu erwirtschaften. Warnungen vor dem jetzt eingetretenen Szenario gab es schon lange vor dem Rücktritt von Walter Hellmich. Seine Stellungnahme befeuert nun die Befürchtungen, erneut ginge es nur um das vorübergehende Beheben der Liquidtätsschwierigkeiten, ohne das Grundproblem in den Griff zu bekommen. Vertrauen schaffen für die Investorengruppe sieht also anders aus. Um dieses Vertrauen geht es aber, weil über die Vereinbarungen zwischen den Vertretern der Investorengruppe und dem Aufsichtsrat des eingetragenen Vereins die Vereinsmitglieder entscheiden.

Jetzt hat es mich weggetragen von der anfänglichen  Medienkritik zur Zukunft des MSV Duisburg. Die liegt mir anscheinend doch etwas mehr am Herzen.

Nachtrag: Nun rundet es sich doch noch mit der Medienkritik: Mit den unterschiedlichen Meinungen in der Investorengruppe  über den Weg zur Rettung gibt es einen weiteren Beleg, wie sehr die anfänglichen Darstellungen von Gut und Böse vor allem in Reviersport und WAZ an der Wirklichkeit vorbei gingen. Die Beteiligten sehen unterschiedliche Wege, und nichts anderes hatte Andreas Rüttgers als Vereinsvertreter auch im Sinn, einen anderen Weg. Wie all diese Wege zu bewerten sind, dazu fehlen letztlich Fakten. Da lässt sich trefflich spekulieren.

Immer neue Sorgen trüben Jubel über Heimsieg

Der Vorsatz von vorgestern als Zuschauer ganz Profi zu sein, erwies sich beim Warten auf den Anpfiff des Spiels vom MSV Duisburg gegen den FC Erzgebirge Aue schwierig. Für die volle Konzentration auf das Spiel musste das Spiel tatsächlich erst einmal beginnen. Ich fühlte mich merkwürdig vor dem Anpfiff. Angeweht kam da so etwas wie Sinnlosigkeit. Das lag weniger an der ungeklärten Situation in Duisburg als an den Nachrichten aus Aachen. Dort war zu sehen gewesen, wie im laufenden Betrieb von jetzt auf gleich der Wettkampfgedanke sich für den Verein verflüchtigte. Fußball dort ist nun nur noch eine Art Leistungsschau und Fußballer-Messe, bei der sich die Aachener Spieler für potentielle Arbeitgeber empfehlen wollen. Aus dem Mannschaftssport wird ein Casting-Wettbewerb. Schon komisch. Solche Gedanken musste ich verdrängen, und dazu brauchte es das Spiel selbst.

Anpfiff, und der MSV Duisburg startete nicht so druckvoll wie erwartet. Das lag zum einen am FC Erzgebirge Aue, die sich nicht so weit zurückzogen wie etwa der FSV Frankfurt. Es lag aber sicher auch an den schlechten Erfahrungen des MSV Duisburg in den letzten Heimspielen. Dennoch bekam die Mannschaft das Spiel in den Griff, ohne – und das konnten wir erwarten – torgefährlich zu werden. Fehler im Spielaufbau musste man vermeiden, und in diesem Spiel wurde es zu Beginn so offensichtlich. Jedes Mal, wenn nach einer Balleroberung schnell umgeschaltet wurde, ging der folgende kurze Pass sofort wieder zum Gegner. Mit einem Kurzpassspiel dagegen, das sich aus einer kontrollierten Spielsituation entwickelte, kam die Mannschaft zum gegnerischen Strafraum. Da gab es zwei, drei Spielzüge, an denen jeweils Toni da Silva beteiligt war, der im engen Raum dennoch die Lücken fand.

Im Nachhinein ist es bezeichnend für das Spiel, dass ihm gegen Ende der ersten Halbzeit offenbar der Oberschenkel schmerzte. Die erste Auswechlung war zu erwarten gewesen. Betrachtet man, wer sich danach verletzte, kann ich Menschen verstehen, die in der Häufung solchen Unglücks böse Geister wirken sehen. So etwas kann kein Zufall sein. So etwas braucht Erklärung. Wollte ich vier wichtige Spieler dieser ersten Halbzeit benennen. So wären das Toni da Silva, Goran Sukalo, André Hoffmann und natürlich Felix Wiedwald gewesen. Alle vier sind nach dem Spiel verletzt. Die Nachricht vom Mittelhandbruch Felix Wiedwald, in der ersten Halbzeit wohlgemerkt, kam nach dem Spiel. Wie schwerwiegend die anderen Verletzungen sind, wird sich im Laufe des Tages erweisen. Gestern dachte ich, eine Mannschaft, die in jeglicher Hinsicht von den Umständen derart unter Druck gerät und dennoch die Krise mit dem Klassenerhalt meistert, wird noch sehr erfolgreich werden, damit die bald erstmal nur verschobene Insolvenz mit Erstliga-Geld auf lange Frist verhindert wird. Galgenhumor.

Zurück zum Spiel, bei allem Bemühen des MSV Duisburg hatte Aue die erste riesige Chance, die eigentlich aus drei riesigen Teilchancen bestand, jede einzelne für ein Tor gut. Felix Wiedwald hielt spektalär zwei Schüsse aus kürzester Distanz und schaufelte schließlich am Boden liegend den Ball aus dem Strafraum, ehe ein Stürmerbein zustochern konnte.

Fehler im Spielaufbau auf Höhe der Mittellinie gab es auch auf Auer Seite und aus einem dieser Fehler ergab sich das Führungstor durch Daniel Brosinski, nach einem Konterlauf von  Sören Brandy, der den  Ball schön quer legte. Die Führung schien die Mannschaft zu verunsichern. Kontrolliertes Spiel bedeutet für die Spieler dieser Mannschaft zu langsam im Kopf sein. Auf mich macht diese Mannschaft den Eindruck, als dürften viele ihrer Spieler keine Gelegenheit haben, zu überlegen, was sie Sinnvolles mit dem Ball machen sollen. Diese Mannschaft ist gut, wenn ein Gegner den einzelnen Spieler ihre Aufgaben alternativlos aufzwingt. Diese Mannschaft wird schlecht, wenn ein Gegner den Spielern Zeit lässt oder die Spieler selbst versuchen, bedächtig den Ball in den eigenen Reihen zu halten.

So schien bald der Ausgleich nur noch eine Frage der Zeit. Auf Höhe der Mittellinie wurde nahezu jeder Ball abgeben und die Auer Stürmer überrannten die Defensive der Zebras in kurzen Abständen. Der Ausgleich kam und das Unentschieden zur Halbzeitpause war nach einer weiteren Großchance der Auer eher glücklich. Zunächst schien es in der zweiten Halbzeit kurz dort weiterzugehen, wo die erste endete, auch wenn Julian Koch nun auf dem Platz stand. Auch das war zu erwarten gewesen – allerdings als Auswechslung für Dzemal Berberovic, der gestern einen rabenschwarzen Tag erwischt hatte. Die Verletzung von Toni da Silva machte eine andere Option notwendig. Julian Koch gibt dem Spiel der Mannschaft Stabilität. Er wirkt selbstbewusst, bietet sich in engen Situationen an und strahlt am Ball Ruhe aus.

Doch erst mit den nächsten beiden kurz hintereinander notwendigen Auswechslungen von André Hoffmann und Goran Sukalo entwickelte sich die Dynamik des Spiels zugunsten der Zebras. Plötzlich war ein unbändiger Wille auf dem Platz zu spüren. Die Auer Mannschaft kam nicht mehr zu wirklich großen Chancen und nachdem das Führungstor durch Sören Brandy per Kopf nach dem Freistoß gefallen war, ging es darum diesen Vorsprung bis zum Schlusspfiff zu retten. Das machte die Mannschaft mit großem Einsatz und starkem Willen. Maurice Exslager sorgte mit seinen Sprints immer wieder für Gefahr für die Auer Defensive, so dass die Auer Mannschaft ihren Druck nicht mehr erhöhen konnte.

Diese Energie auf dem Spielfeld sprang auf das Publikum über. Ab etwa der 80. Minute herum wollten alle der etwas mehr als 10.000 Zuschauer, natürlich mit Ausnahme der Auer Anhänger, diese Mannschaft zum Sieg schreien. Was auf den Rängen geschah, kam auf dem Spielfeld an und umgekehrt. Da gab es eine Einheit, die an bessere Zeiten erinnerte und die sämtliche Sorgen aus der Gegenwart hinwegfegte. Wichtig war der Moment, wichtig war der Sieg am Tag. Alles andere würde sich zeigen. Siege geben Hoffnung, egal, was Duisburger Sportjournalisten schreiben. Dazu später mehr.

Bilder zum Spiel gibt es von Sky mit einem Klick weiter hier.

Die Presskonferenz nach dem Spiel zusammen mit O-Tönen von Daniel Brosinski, Sören Brandy und Julian Koch eingebunden hier:


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