Der durchschnittliche Nachteil einer roten Karte

Die rote Karte gegen Branimir Bajic gibt mir Gelegenheit, einmal auf Metin Tolan zu verweisen. Wahrscheinlich kennen einige von euch den Professor für Experimentelle Physik an der Technischen Universität Dortmund noch aus der Zeit, als er für die WAZ in einem heute nicht mehr online vorhandenen Blog dem Fußball mit physikalischen Methoden auf den Grund ging. Daraus entstand sein bei Piper erschienenes Buch: „So werden wir Weltmeister: Die Physik des Fußballspiels“ zu dem er nach dessen Erscheinen in der ZEIT ein Interview gab.

Uns interessiert also heute die von ihm beantwortete Frage, wie sehr wird eine Mannschaft geschwächt, wenn sie einen Spieler duch eine rote Karte verliert? Metin Tolan teilte bei seinem mathematischen Ansatz zur Antwort das Spielfeld in zwanzig für die Feldspieler gleich große Teile und berechnete, wieviel mehr die Spieler einer Mannschaft mit nunmehr neun Feldspielern laufen müssten, um die Grenzen ihrer jeweiligen Aktionsfläche zu erreichen. Er kam auf eine um fünf Prozent höhere Geschwindigkeit eines jeden, um die Fläche abzudecken, die normalerweise zehn Spieler einnehmen. Intuitiv wären mehr Laufleistung zu erwarten. Denn man könnte annehmen, 100 Prozent fehlende Leistung eines Spielers müsste sich auf 9 restliche Spieler verteilen. Die Mannschaft wird also weniger geschwächt, als es im ersten Moment wirkt. Die Mathematiker unter euch können seinen von vielen Formeln gestützten Erklärungsansatz in Welt der Physik detailliert nachlesen. 

Einen Schritt weiter ging er mit der Bewertung der Spielsituation, in der die rote Karte gezogen wurde. So ergibt sich eine statistische Prognose. Dennoch ist die Prognose, ob sich eine rote Karte lohnt,  trotz vieler Zahlen und Formeln natürlich viel spekulativer, weil die Einflussgrößen noch vielfältiger sind.  Bei Spiegel online wurde einmal versucht, die komplexen Berechnungen halbwegs verständlich aufzudröseln. Wann lohnt sich also eine Notbremse?

Und in Köln? Hat sich die rote Karte gelohnt? Hätte Sascha Bigalke den Ball ins Tor gesetzt, wenn Branimir Bajic ihn nicht am Arm gehalten hätte? Vielleicht hätte der heraus laufende Felix Wiedwald ihn irritiert? So abschlussschwach wie sie waren. Aber die Abschlussschwäche konnten sie überhaupt erst nach der roten Karte beweisen. Vorher sind sie nicht einmal vor das Duisburger Tor gekommen. Wäre die Konzentration in der Defensive aber mit zehn Feldspielern genauso hoch gewesen wie mit der vollzähligen Mannschaft? Hätten die Zebras zu elft ihre Konter mit noch einem Spieler mehr laufen können? So viele Fragen. So viel Spekulation. Ich glaube jedenfalls, die rote Karte hat sich gelohnt. Rein intuitiv, ohne Berechnung. Und wegen viel „Siechjeföhl“ beim Unentschieden.

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