Archiv für Dezember 2012

Wahrscheinlich das Letzte für dieses Jahr

Mir gehen noch ein paar Gedanken zur Vereinspolitik beim MSV Duisburg durch den Kopf, weil sich bei diesem leicht erregten Hin und Her von Vorwürfen die Diskussion so auf Personen und Moral konzentriert. Das bringt für die Entwicklung des MSV Duisburg allerdings wenig, weil die Maßstäbe für Urteile dann ganz schnell einfach nur noch Werturteile über Personen sind. Die sind natürlich leichter zu fällen, weil wir das täglich machen, über Personen aus dem Bauch heraus urteilen, manchmal auch mit guten Begründungen. Komplizierter wird es bei Urteilen über Sachverhalte. Bei der Diskussion müssen die strukturellen Möglichkeiten des MSV Duisburg unabhängig von handelnden Personen wieder in den Vordergrund rücken.  Die müssten realistisch bestimmt werden und dann erst wäre der Maßstab vorhanden, um nochmals zu werten und entsprechend zu handeln. Das sind alles Dinge, die in Wechselwirkung mit dem sportlichen Erfolg der Mannschaft des MSV Duisburg verfolgt werden müssten. So ein Text wird etwas länger und wahrscheinlich finde ich erst in den nächsten Tagen dazu Zeit.

Deshalb erstmal nur: Guten Rutsch! Alles Gute für 2013! Und falls doch mal was schief läuft, mein Vorschlag an das Schicksal für uns alle sich dabei bitte öfter auch mal den Elfmeterschützen unten zum Vorbild zu nehmen. Fände ich ganz freundlich.

Frankreich tanzt den Ibrahimovic

Neben der Fußballpolitik in Duisburg beim MSV gibt es in der restlichen Fußballwelt zwischen den Jahren puren Hedonismus. Keinerlei Ernsthaftigkeit, sondern Partylaune und vielleicht auch die Hoffnung auf das schnelle Geld. Gerade mal ein paar Monate schießt Zlatan Ibrahimovic dank der Millionen aus Quatar für Parist Saint-Germain Tore, schon finden die Franzosen, das ist einen Song wert. So weit mein Französisch noch reicht, höre ich in diesem Stück wenig über seinen Körper und viel zu seiner Ausstrahlung. Heutzutage werden Fußballer eben nicht mehr nur aufs Körperliche reduziert. Sexy knees, das ist die Vergangenheit. Sollte ich mich beim Text irren, bitte korrigiert mich. Zlatan Ibrahimovic macht allerdings auch viele Tore auf eine sehr eigene Weise. In seinem Wirken geht es dann neben der Effizienz auch um die Originalität des Künstlers. Eines seiner Stilprinzipien ist das gestoßene Außenristtor. War es bei der WM 2006, als ich diesen speziellen Torschuss schon einmal von ihm gesehen habe, kombiniert mit Sprung?   Hier wiederholt er dieses Tor, fast im Stand – um den Clip zu sehen, müsst ihr euch entgegen des ersten Anscheins weiterklicken.

Ein Solitär, der Zlatans Karriere ewig überdauern wird, ist natürlich  sein letztes Tor im Länderspiel der Schweden gegen England. Rasend schnell gingen diese Bilder nach dem Spiel um die Welt.

Da wird also schon dem Richtigen ein Partysong gewidmet. Also, tanzt mir den Zlatan, oder wie der Franzose sagt: „My name is Zlatan“.

Herrn Messi kann man sich ja auch mal angucken

Wenn zwischen den Jahren wenig blauweißgestreifter Fußball zu sehen ist, können wir uns diesen Zusammenschnitt der 91 Tore von Lionel Messi im Jahr 2012  ja auch mal ansehen. Selbst wenn Tor auf Tor für uns Zebraspannungskostgänger  auf Dauer vielleicht etwas langweilig  wird.

Klickhinweis: Open Doku mit „Hauptsache Fußball“

Das ist nun die ganz andere Art, ein Filmfestival zu kreieren. Online und für drei Monate im Dauerbetrieb, ohne Abendempfang und Buffet, aber frei zugänglich. „Open Doku“ heißt dieses von Spiegel TV verantwortete Online-Festival, bei dem ab heute sechs Dokumentarfilme im Netz zu sehen sind. Einer dieser Dokumentarfilme ist „Hauptsache Fußball. Junge Profis auf dem Weg ins Spiel.“ Als DVD war der Film bislang nur erhältlich. Als die DVD im Mai 2011 erschien, habe ich den Film besprochen und ein paar Wochen später ein Interview mit dem Regisseur Andreas Bach geführt. Der Trailer zum Festival  macht neugierig auch auf die anderen fünf Dokumentarfilme: 8 x Liebe, Die Taktstürmer, Janas Sommer, Bücken für 8 Cent und 24 HH.

„Hauptsache Fußball“ seht ihr mit einem Klick weiter.

Der MSV wünscht schöne Weihnachtstage – Ich schließe mich an

Lasst mich diese Weihnachtsgrüße des MSV Duisburg noch einmal auch hier zeigen. Selbst wenn sie bestimmt viele, der hier lesenden schon kennen. Man kann sie auch zweimal sehen. Sie sind schön, diese Weihnachtsgrüße.  Ich gehe mit einem Lächeln in den Tag und schließe mich an. Schöne Weihnachtstage!

Von wegen besinnliche blauweiß gestreifte Weihnachtszeit

Hmm…darauf war ich jetzt gar nicht eingerichtet. Ich war in Gedanken schon bei der besinnlichen blauweißgestreiften Jahresabschlussbotschaft. Nebenbei noch letzte Geschenke kaufen, und jetzt hat Andreas Rüttgers die lokale Sportpresse zusammen gerufen.  Er schilderte am Freitag seine Sicht auf das Geschehen der letzten Wochen, bewertete dabei vor allem die Rolle von Roland Kentsch und lieferte Stoff für erregende Schlagzeilen. Und schon muss ich mir wieder um Streit Gedanken machen, um Einordnung, um gute oder schlechte Folgen für den MSV. So rechte Lust habe ich dazu im Moment keine. Aber wat mutt, dat mutt. Und wahrscheinlich folgte auch Andreas Rüttgers ganz im Gegensatz zu seinem bisherigen Handeln diesem Motto. Wollen wir also mal gucken, was die Presskonferenz von Andreas Rüttges bedeuten könnte.

Ich kann mir gut den Leser des lokalen Sportteils vorstellen, den eigentlich nur der Fußball des MSV interessiert. Der wird geseufzt haben; typisch MSV, die kommen nicht zur Ruhe – geht das denn immer so weiter?, da sah doch gerade alles so gut aus. Man muss inzwischen schon tief ins Thema einsteigen, um mehr mitzubekommen als den Eindruck von andauernder Unruhe. Bei näherem Hinsehen fällt mir an den Artikeln aber eines sofort auf. Nur die Schlagzeilen zielen auf die Emotion der Leser. Die WAZ titelt „Ex-MSV-Chef Rüttgers schießt gegen Kentsch“.In der Rheinischen Post heißt es: „Rüttgers rechnet mit Kentsch ab“. Und sogar  BILD skandalisiert mit dem Schlagwort von der „Schlammschlacht“ nur per Überschrift. Bei der Berichterstattung selbst halten sich die Journalisten mit emotionalisierenden Wertungen zurück. Es wird wiedergegeben, was Andreas Rüttgers zu sagen hatte. Für mich ein Zeichen dafür, dass wirkliche Informationen an die Öffentlichkeit gelangten.  Im Wesentlichen geht es um die fehlende Summe Geld an den 5 Millionen Euro, die die Insolvenz verhindern sollten und die letztlich Walter Hellmich als Darlehen gegeben hat. Als Sicherheit dienen nun die Transferrechte an allen Spielern des Kaders. Andreas Rüttgers erklärte, als diese fehlende Summe Geld  im Raum stand, hätte es von Seiten der Vereinsverantwortlichen innerhalb von 24 Stunden Sponsoren gegeben, die das Geld bereit gestellt hätten. Als Sicherheit sollte in dem Fall das Transferrecht an nur einem Spieler dienen. Roland Kentsch lehnte das Angebot ab, und nahm das Geld von Walter Hellmich. Es steht die Frage also im Raum, ob Roland Kentsch Entscheidungen trifft, die dem MSV Duisburg mehr schaden als nutzen. Poinitiert meint Andreas Rüttgers, Roland Kentsch und der MSV Duisburg passten nicht zueinander. Die Frage steht im Raum, ist das mehr als ein nicht zueinander passen? Ist das schlechtes Arbeiten von Roland Kentsch?

Alles weitere gehört eher in die Rubrik öffentliche Meinungsbildung, eine Art nachgeholtes Behaupten der eigenen Wahrheit von Andereas Rüttgers gegenüber dem, was vor allem Walter Hellmich in die Welt setzte. So ist in der Rheinischen Post zu lesen, dass Schauinsland-Chef Gerald Kassner nach Hellmichs Retter-Posing für ihn am Telefon nicht zu sprechen war. Was unterstreicht, wie sehr Walter Hellmich mit seinem öffentlichen Auftreten andere Menschen in Duisburg verärgerte.  Andreas Rüttgers ist also auch kein Übermensch und manchmal muss es auch für ihn anstrengend gewesen sein, zu all dem, was in der Öffentlichkeit gesagt wurde, zu schweigen.

Das ist das eine, was ich durch die Pressekonferenz erkenne und was auch als Kommentar zu meinem unlängst entworfenen Bild von ihm gelesen werden kann. Diese Pressekonferenz holt ihn aus den Sphären der moralisch unanfechtbaren Zurückhaltung in die Ebenen des angreifbaren, politischen Handelns um den MSV Duisburg zurück. Denn letzteres ist offensichtlich. Es ging im Nebenprodukt auch um persönliche Befindlichkeit, in dieser Pressekonferenz nutzte Andreas Rüttgers seine Wahrheit über das Geschehen aber zuerst als politische Botschaft. Zu einem Zeitpunkt, in dem der sportliche Betrieb ruht und die Finanzierung der Saison gesichert ist, also in einem Zeitraum, in dem dem der MSV Duisburg wenig durch öffentliche Diskussionen gefährdet wird, platzierte er eine Botschaft, die er mit Argumenten unterfüttert. Wer diese Botschaft noch detaillierter argumentiert bekommen möchte, lese im MSVPortal die vielen Antworten von Adreas Rüttgers unter dem Nick „Diplomat“ auf die in der Berichterstattung offen gebliebenen Fragen.

Die Pressekonferenz besitzt also nur im ersten Moment ein G’schmäckle. Andreas Rüttgers nimmt es in Kauf, weil  seine Sicht der Dinge auch eine Botschaft an die Mitglieder des MSV Duisburg und an seine Gremien ist. Wie in den Gremien des MSV Duisburg damit umgegangen wird, bleibt eine offene Frage. Denn offensichtlich gibt es beim MSV Duisburg, dem Verein, Menschen, die seine Meinung teilen. Andererseits hatte Andreas Rüttgers schon die entscheidende Position im Verein inne. Anscheinend ohne damals genügend Rückhalt zu spüren, die das Kräfte zehrende Arbeiten auch im Konflikt mit Roland Kentsch hätten aushaltbar gemacht. Dass Roland Kentsch gänzlich anderer Meinung ist als Andreas Rüttgers, versteht sich von selbst. Die Antworten auf die Nachfragen der lokalen Presse lassen sich in den betreffenden Artikeln oben lesen. Da steht jetzt Aussage gegen Aussage.

Andreas Rüttgers bekleidet beim MSV Duisburg kein offizielles Amt mehr. Ob das mühsam austarierte Gleichgewicht von Interessen und Macht die Diskussion über den Geschäftsführer Roland Kentsch verträgt, der ja zugleich aktiver Teilnehmer dieses Austarierens ist, müssen andere Personen zeigen. Wir werden sehen.

Die schönsten Fußballtorten der Welt – VII – Vereinsübergreifende vorweihnachtliche Kuchenharmonie

Mit freundlicher Unterstützung von „111 Fußballorte im Ruhrgebiet, die man gesehen haben musspräsentiert der Zebrastreifenblog in loser Reihe die schönsten Fußballtorten der Welt.

                                                                                                                              Wenige Tage vor Heiligabend ist es Zeit, allmählich zur Ruhe zu kommen. Sollten noch Geschenke fehlen, so entschleunigt die Suche und macht es euch einfach. Ich könnte zum Beispiel gut verstehen, wenn ihr „111 Fußballorte im Ruhrgebiet, die man gesehen haben muss“ verschenkt. Da tut ihr nicht nur mir und dem Kollegen Baade was Gutes, ihr baut zudem weiter an der Pott-Identität. Ihr bekommt Heimatgeschichten erzählt, und könnt die Orte zum Anlass nehmen, mal stadtgrenzenauflösend zwischen Duisburg und Hamm herumzufahren und die Region als Einheit zu erleben.

Ich weiß aber auch, so einfach findet nicht jeder zur innere Ruhe. Unterstützend wirkt nun häufig das Betrachten von Bildern, besonders wenn man ihnen als Bilderfluss in bewegter Form begegnet. Wenn noch eine Sprache den Bildern unterlegt ist, die nicht unbedingt jeder versteht, sind wir schon auf dem besten Weg mit den Bildern die harmonische Stimmung zu finden. So wird das Betrachten der folgenden Backanleitung zur meditativen Übung. Versenkt euch in die einzelnen Schritte auf dem Weg zur Fußballtorte, vergesst alle Fanfeinschaften, liebet nicht nur eure Nächsten und werdet ruhig. Denkt an das Erleben von Beisammensein. Die Fußballtorte sagt es euch.

Aber alles im richtigen Maß. Innere Ruhe ist schön, Geschenke dazu bekommen ist noch besser. Und die Krönung dazu wäre ein echter Fußballkuchen auf dem Gabentisch. Deshalb hier auch noch die Backanleitung für einen Kuchen, der nicht einmal wie in Spanien eine besondere Backform benötigt, und die, zudem auf deutsch, uns allen besser verständlich ist. Die englischen Untertitel für den internationalen Markt verweisen übrigens auf weite Voraussicht, wächst das Interesse am deutschen Fußball und seinen Nebenprodukten gerade in dieser Saison besonders durch die Champions-League-Erfolge der deutschen Vereine:

Weihnachtsgeschenke Zielgerade: Fussball – Wunder – Bauten

Am Anfang dieses Buches steht ein Gespräch zwischen Volkwin Marg und Sonja Fuss. Beide sind Architekten. Der eine entwirft Stadien für den Fußball, die andere spielt darin. Dieses Gespräch ist eine muntere, für den Laien überaus verständliche  Plauderei über das Wesen eines Fußballstadions. Architektonische Mittel werden kurz angerissen. Immer wieder wird die Verbindung von Architektur und Emotion hervorgehoben, für den Zuschauer aber auch für den Sportler. Es geht um die Bedeutung von Elementen des Stadionbaus für Spiel und Stimmung. In diesem Gespräch steckt das ganze Buch.

Andreas Bock, Alexander Gutzmer und Benjamin Kuhlhoff zeigen in „Fussball – Wunder – Bauten“ Stadien dieser Welt, indem sie die eindrucksvollen Bilder vom jeweiligen Stadion mit sehr unterschiedlichen Texten zusammen führen. Die Verbindung von Architektur und Emotion wird dabei zuweilen sehr indirekt beleuchtet. Daran ist wenig auszusetzen, weil das jeweilige Stadion als Ort der Emotion immer miterzählt wird. Das können Interviews sein wie mit Günter Netzer, der über seine Zeit im Bernabéu-Stadion erzählt. Das kann ein Portrait sein, wie das von Mário Filho, dem brasilianischen Sportjournalisten, nach dem das Stadion in Rio benannt wurde und der bei dessen Bau eine treibende Kraft war. Das kann aber auch ein architekturkritisch gehaltener Text sein wie der zur Münchner Allianz Arena.

Schönheit ist in diesem Buch zunächst eine Kategorie für die Bauten und danach erst eine für das Spiel. Der Sinn für diese Schönheit wird geweckt mit wunderbaren Bildern der Bauten selbst. Es gibt sie menschenleer und als abstraktes Bauwerk. Dann aber auch zeigen die Bilder jene Momente, in denen die Bauten ihren Zweck beim Fußballspiel erfüllen. Die gezeigten Zuschauermassen, aber auch das eigentliche Spiel wirken nicht nur als reine Dokumentation. Meist lässt sich ein künstlerischer Mehrwert entdecken.

„Fussball – Wunder – Bauten“ verweist unterhaltsam und aus unterschiedlichen Perspektiven auf die Bedeutung des Stadions für das Erlebnis Fußballspiel. Ein Buch, das für jeden halbwegs am Fußball interessierten Menschen auf der Zielgerade beim Geschenkekauf ohne Bedenken mitgenommen werden kann.

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Andreas Bock, Alexander Gutzmer, Benjamin Kuhlhoff: Fussball-Wunder-Bauten. Die schönsten Stadien und ihre Geschichten. Callwey Verlag, München 2012. 192 Seiten. € 39,95.

Das Geld, die Würde und menschliche Größe

Gestern überlegte ich beim Schreiben noch kurz, wie ich die Nachricht von der abgewendeten Insolvenz mit dem Heimsieg des MSV Duisburg in Einklang bringen sollte. Beides waren gute Nachrichten, doch mein Text nahm eine Richtung, die das Thema Insolvenz zum Fremdkörper gemacht hätte. Denn eigentlich wollte ich dabei gleichzeitig über Andreas Rüttgers schreiben und seinem Verhältnis zu Walter Helmich, wie es in der Rheinischen Post geschildert wurde – noch vor der Nachricht über die bis zum Saisonende gelingende Finanzierung des Profibetriebs MSV Duisburg.

Es gibt da ein paar Dinge, die mir noch durch den Kopf gehen. Ein wenig habe ich zwar dabei das Gefühl, solche Gedanken sind überholt, wichtig ist der Blick nach vorne, aber ich denke auch an Deutungshoheit und Gerechtigkeit. Also, ich schreibe trotz Zweifel aus dokumentarischen Gründen. Das ist der Historiker in mir, der weiß, Geschichtsschreibung ist immer auch Deutung. Aufgewallt ist dieses Gefühl – wie bei so vielen Anhängern des MSV Duisburg – angesichts der ersten inoffiziellen Nachricht über die Rettung des MSV Duisburg aus dem Hause Reviersport. Dort wurde Walter Hellmich als „Retter“ des MSV Duisburg gefeiert, und Thorsten Richter, der Verfasser des Artikels,  zeigte sich auch für mich ohne journalistische Distanz zur Person Walter Hellmich.

Inzwischen ist durch Roland Kentsch auf der Pressekonferenz nach dem Spiel gegen den SSV Jahn Regensburg betont worden, wie groß der Anteil von Gerald Kassner, des Geschäftsführers von Schauinsland Reisen,  an der Rettung des MSV Duisburg gewesen ist, und dass Walter Hellmich selbst ihn gebeten hatte, darauf hinzuweisen, seinen Beitrag wolle er als einen Teil des Ganzen richtig eingeschätzt wissen. Nicht nur er, Walter Hellmich, sondern viele hätten zur Rettung beigetragen.

Es gibt also viele Sponsoren, die in der Summe die benötigten 5 Millionen Euro aufbringen. Wer da jetzt wieviel gegeben hat, wissen wir nicht bei allen. Was wir aber wissen, sie sind nicht minder Retter des MSV Duisburg denn Walter Hellmich. WAZ/NRZ und Rheinische Post bringen diese Nachricht inzwischen glücklicherweise ebenfalls unter die Leute und rücken somit das Bild vom alleinigen Retter Hellmich gerade. Überregional hatte der Sportinformationsdienst aber schon bequermerweise den ersten Reviersport-Artikel als eigene Meldung übernommen, so dass die überregionalen Print-Medien in ihren kurzen Sportnachrichten ebenfalls Walter Hellmich als Retter ausriefen. Interessieren wird das niemanden in Deutschland, so sehr es sich Walter Hellmich wahrscheinlich wünscht und vielleicht sogar fürs Ego braucht.

Dennoch hat er  Roland Kentsch gebeten, seine Rolle ins rechte Licht zu rücken. Für die Zukunft des MSV Duisburg war diese Pressekonferenz ein Meilenstein, weil durch die Worte von Roland Kentsch das Binnenklima einigermaßen wieder ins Gleichgewicht gebracht wurde. Ich hoffe immer auf das Gute im Menschen, und vielleicht bestätigt Walter Hellmich seine Bitte an Roland Kentsch auch durch eigene zukünftige öffentliche Äußerungen.

In den Wochen zuvor hatte er in Interviews ja noch ganz anders geklungen. Da war er der Einzelkämpfer für seinen Ruf. Da wirkte er auf mich wie eine Art Erich Honecker mit Geld, der überall beweisen wollte, dass sein System trotz maroder Bausubstanz und bröckelnder Fassaden doch erfolgreich war. In diesen Interviews überzog er so sehr, dass es schwer wurde, ihn ernst zu nehmen. Ziel seiner öffentlichen Attacken waren seine Nachfolger, die die ganze Misere verschuldet haben sollten.

Und nun kommt Andreas Rüttgers ins Spiel, dessen Wirken in diesem Zusammenhang manchen verblüfft und die Journalisten der Rheinischen Post, Stefanie Sandmeier und Hermann Kewitz, zu der Wertung verleitete, er reagiere auf Walter Hellmichs Vorwürfe „grotesk“. Andreas Rüttgers hatte lange zu dem Reden von Walter Hellmich geschwiegen. Er sagte erst etwas, als in der ZDF-Sportreportage Walter Hellmich das Handeln aller nach ihm als verachtenswert  kommentierte. Doch Andreas Rüttgers polterte nicht zurück. Er rückte das Arbeiten für den MSV Duisburg in den Vordergrund, und handelte so rational und klug. Denn ihm war von Anbeginn seines Engagements für den MSV Duisburg klar, ohne Walter Hellmich wird dieser Verein nicht überleben. Das mag man bedauern, an der Erkenntnis konnte man nicht vorbei.

Die Reaktion von Andreas Rüttgers ist also nicht grotesk, liebe Stefanie Sandmeier, lieber Herrmann Kewitz. Die Reaktion ist genau das, was permanent von allen gefordert wurde, und was Walter Hellmich weder nötig hat zu leisten, noch dass er dazu die menschliche Größe besitzt. Andreas Rüttgers stellt seine eigenen Belange zugunsten des MSV Duisburg auf eine Weise zurück, die mancher nicht mehr nachvollziehen kann. Auch ohne offizielles Amt fungiert er, wie sein Nick ihm MSVPortal schon andeutet, als Diplomat. Ihm geht es um den Verein. Walter Hellmich geht es um den Verein immer auch als Futtermittel fürs eigene Ego. Der Mann hatte nun das Geld. Dafür gedankt, sympathisch finde ich diese Angelegenheit angesichts seiner öffentlichen Äußerungen in den letzten Wochen nicht.

An der Stelle kommen wir zur Würde. Denn die Frage nach der Würde  steht insgeheim hinter dem Staunen über Andreas Rüttgers Handeln. Auch viele Fans spüren so etwas wie gedemütigt sein, weil das Geld Walter Hellmichs das letzte Puzzleteil für die Rettung des MSV Duisburg wurde. Die Journalisten der RP werden wahrscheinlich in Andreas Rüttgers Worten Schwäche erkennen. Aber all diese Wertungen sind nur eine Frage der Perspektive. Für mich ist diese Pressekonferenz nach dem Regensburg-Spiel ein weiteres Zeichen dafür, dass in dem Verein eine neue Machtbalance hergestellt wird. Andreas Rüttgers wirkt dabei anscheinend intensiv mit. Seine Stärke bezieht er zum Teil aus der Idee MSV Duisburg und sicherlich auch aus dem Wissen, es gibt in seinem Umfeld genügend wichtige Menschen, die seine Arbeit wertschätzen. Ob ihn das Reden von Walter Hellmich manchmal nicht doch anficht, weiß ich nicht, aber ich weiß,   Andreas Rüttgers Handeln zeigt menschliche Größe und ist das Gegenteil von Schwäche. Walter Hellmich reiht sich nämlich ein. Das ist das Ergebnis seines Handelns. Egal, was zu Beginn im Reviersport geschrieben wurde.

Es gibt in Deutschland im Moment auf einem anderen kulturellen Feld ein Geschehen, das in den Voraussetzungen nicht ganz vergleichbar, in der Konfliktstruktur aber ähnliche Konstellationen wie beim MSV Duisburg aufweist. Es geht um Macht, es geht um Geld und es geht um Kultur. Der Suhrkamp-Verlag ist in seiner Existenz bedroht, weil sich die zwei für den Verlag überlebensnotwendigen Parteien beim Ausgleich ihrer Interessen nicht einigen können. Konfliktlösungen wurden per Gericht gesucht.  Da wurde dann mal dem einen recht gegeben, mal dem anderen, und der Verlag wird immer handlungsunfähiger. Beim MSV Duisburg gibt es Interessenausgleich und Konfliktlösung anderer Art, und es scheint zu funktionieren.

Ein Horrorroman wird zur heiteren Vorweihnachtsgeschichte

So ist das im Horrorroman: Wir erleben unseren Helden MSV Duisburg in einer idyllisch anmutenden Schauinsland-Reisen-Arena mit all seiner Hoffnung auf einen gut verlaufenden Tag.  Wir alle in dieser Idylle wissen, welch schwierige Zeit hinter unserem Helden lag. Doch in den letzten Wochen hatte das Böse keine Macht mehr über sein Leben. Wenn dieses Böse wieder einem Spieler in den Oberschenkel fuhr und er von Schmerz gebeugt danach nur noch am Spielfeldrand zusehen konnte, trat ein anderer Spieler an seine Stelle und erfüllte die Aufgaben mit ähnlicher Qualität. Verbündete sich das Böse mit den Naturgewalten und machte aus Rasen eine glatte Schneebahn, so verwandelten sich Stollen je nach Bedürfnis in Spikes oder Kufen. Das Gute war ins Leben des MSV Duisburg zurückgekehrt.

Das Gute schien stark genug auch im Heimspiel des MSV Duisburg gegen den SSV Jahn Regensburg. Nie habe ich einen schwächeren Gegner in einem Zweitligaspiel beim MSV Duisburg gesehen, so dachte ich schon früh, wenn ich etwa sah, wie überfordert die Regensburger waren, sobald sie den Ball in den eigenen Reihen hatten. Mit stocherndem Stückwerk irgendwie  in die Nähe des Strafraums vom MSV zu kommen, um dort die Chance auf einen ruhenden Ball zu erhalten. Das schien die Taktik gewesen zu sein: Nicht auf das Tor von Roland Müller zu spielen, sondern auf die Ecke oder den Einwurf im gegnerischen Feld.  Kaum einmal kam es im eins gegen eins zum Zweikampf, damit die Regensburger wenigstens den Freistoß provozieren konnten. So bestätigten sich meine Erwartungen, das Heimspiel werde schwerer zu bestreiten sein als die beiden Auswärtsspiele der letzten Wochen. Wir kennen schließlich die Schwierigkeiten der Zebras, torgefährlich zu werden gegen tief stehende Mannschaften, die auf nichts anderes  warten als auf den Fehler des Gegners. Wenn aber zudem etwa gegnerische Flügelspieler nicht einmal im Ansatz den Anschein machen, als besäßen sie das Selbstvertrauen beide Außenverteidiger vom MSV überspielen zu können, kann schon mal die Hoffnung auf das Gute wachsen, selbst wenn das ein zähes Belauern vom Tor der Regensburger bedeuten sollte.

Bis in der 11. Minute sich das Böse daran erinnerte, was es in einem Horrorroman nun einmal zu tun hat. Es muss die heile Welt kurz und klein schlagen. Eine Ecke der Regensburger, perfekt aufs kurze Ecke geschlagen, der Ball verlängert und vom nächsten Regensburger Spieler zur Führung eingenickt. Der Himmel verfinsterte sich noch nicht ganz, aber ich wusste, mein unheimliches Gefühl vor der Ecke hatte seine Berechtigung.

Der MSV Duisburg aber wollte dem Horror entkommen. Die Mannschaft bemühte sich. Doch zwingende Chancen erspielte sie sich erstmal keine. Ging der Ball zweimal einigermaßen gefährlich am Tor vorbei? Ich weiß es nicht mehr genau. Und dann war da noch der harte Schuss von Zvonko Pamic über das Tor. Das war´s. Und ich begann zu zweifeln, ob die Regensburger Defensive genügend Fehler machen würden, damit unserem Helden MSV Duisburg wenigstens das Glück gegen das Böse zur Seiten stehen würde. Denn diese Fehler passierten. Die Regensburger Defensive schenkte Bälle her, schlug Kerzen im Strafraum  und klärte Spielsituationen immer und immer wieder direkt in die Füße eines MSV-Spielers. Doch mit diesen zweiten Bällen konnten die Zebras  nichts anfangen.

Und dann war da noch das Böse, das sich dieses Mal des Schiedsrichtergespanns ermächtigte. Endlich auch mal ein Freistoß für Regensburg, nicht einmal in besonders aussichtsreicher Position. Der Ball wird auf den langen Pfosten geschlagen, wo der Regensburger Spieler unbedrängt zum Kopfball kommen kann. Ein wenig hatte es das Böse also auch auf die MSV-Defensive abgesehen. Danach aber standen drei Regensburger Spieler im Abseits. Das Böse unterband die notwendige Schiedsrichteraktion und schon führte Regensburg mit zwei Toren Vorsprung. Wie sollte diese Mannschaft des MSV Duisburg solch einen Rückstand je aufholen? Der Horrorroman nahm Form an. Wir befanden uns im Mittelteil, und nur die Schwäche von Regensburg gab mir die Hoffnung, im zweiten Teil könnte sich das Ganze vielleicht noch in eine Geschichte des Ausgleichs verwandeln.

Doch weit gefehlt, ich hatte das Gute unterschätzt. Was in der zweiten Halbzeit passierte machte die Geschichte unseres Helden zu einem selten gelingenden Genre-Mix. Dazu brauchte es Mut, sehr viel Energie und einen unbändigen Siegeswillen. Srjdan Baljak wurde eingewechselt und er bereicherte dieses Mal zweifellos das Angriffsspiel des MSV Duisburg. Die Regensburger wurden bei Ballbesitz stärker unter Druck gesetzt, noch hilfloser wirkten ihre Aktionen, kaum mehr Zeit blieb ihnen, den Ball auch nur annähernd kontrolliert weiter zu spielen. Umso präziser und schneller wurde das Offensivspiel des MSV Duisburg. Nun brachte die Mannschaft den Ball in den Strafraum. Nun gab es bei nahezu jeder Balleroberung die schnelle Anschlusshandlung mit einem Zuspiel Richtung gegnerisches Tor. Diese Mannschaft wollte das Spiel noch drehen, und uns Zuschauern die heitere Vorweihnachtsgeschichte gönnen. Das Tor von Goran Sukalo wurde wunderbar herausgespielt. Beim Tor von Ranisav Jovanović wurde ein zunächst abgewehrter Ball endlich klug verwertet. Auch an diesem Tor hatte Goran Sukalo durch eine schöne Ballannahme seinen Anteil. Und dem Kopfballtor von Sören Brandy ging wiederum eine schnelle und schöne Kombination über den linken Flügel voran. Das vierte Tor hätte für die Genreklarheit etwas früher fallen können. Wer weiß, ob nicht so was wie das Schicksal doch nicht Geschmack daran finden kann, einen Horrorroman von vorne bis hinten zu gestalten. Doch Daniel Brosinski erlief sich einen leichtsinnigen Querpass und besaß Energie und Nervenstärke, alleine auf den Torwart zuzulaufen, ihn auszuspielen und den Ball einzuschießen.  Die heitere Vorweihnachtsgeschichte fand für uns Duisburger Zuschauer ein glückselig machendes Happy-End. Was für ein Feiern, was für ein Jubeln. Deshalb liebe Zebra-Fans machen wir die Vorweihnachtsgeschichte ganz rund und nutzen schon mal den passenden Gesang als Übung für die nächste Woche:

Wer nach dem Jauchzen und Frohlocken sich noch erinnern möchte, findet  den Spielbericht von Sky dieses Mal sogar hier eingebunden:


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