Vom Wirtschaftsjournalismus und dem Sportinformationsdienst

Letzten Montag, in der Süddeutschen Zeitung: Jürgen Richter, einer der bedeutenden Verlagsmanager der  letzten Jahre, kommentiert in einem Interview ein Problem des Wirtschaftsjournalismus so, als ob er sich gerade sehr in die „Retter-Hellmich“-Geschichte des Reviersport beim Frühstück vertieft hatte. Im Fall der verhinderten Insolvenz des MSV Duisburg hat die Berichterstattung ja tatsächlich mehr mit dem Wirtschafts- als mit dem Sportjournalismus zu tun. Die Grundqualifikation scheint gegenwärtig jedenfalls an manchen Orten dieselbe zu sein:

2012 hat es gleich drei Vorstandwechsel gegeben [bei der Bertelsmann AG, K.J.] Vor Buch ging Bernd Buchholz, der Chef des Verlags Gruner + Jahr. Er war durch missliebige Indiskretionen provoziert worden.

Ja, Herr Buchholz ist auf wenig elegante Weise zur Kündigung gezwungen worden. Bei seim Vorgänger Bernd Kundrun war es genauso abgelaufen. Das alles schadet dem Image nachhaltig. Anders als früher ist Bertelsmann bei Hochschulabsolventen nicht mehr sonderlich beliebt.

Wegen unsauberer Methoden?

Es ist ein Trend, Netzwerke einzusetzen, um Themen zu spielen. Über Medien wird sehr stark Führungs- und Personalpolitik betrieben. Selbst die Spitze in Gütersloh nutzt dazu Publikationen aus dem eigenen Haus – ein merkwürdiger Stil für verantwortungsvolle Medienmanager. So entsteht die Tendenz zum „Verlautbarungsjournalismus“. Überdies setzen sich Journalisten als PR-Berater für gute Freunde ein. Heute sind die Hemmschwellen, niedriger geworden, Geschichten zu publizieren. Oft werden nur Statements der Firmen abgedruckt. Es wird kaum nachgefragt und recherchiert. Der souveräne Journalist scheint auszusterben.

So viel noch zu Jürgen Richter: Er war 1994 bis 1997 Vorstandschef der Axel Springer AG,  danach Chef von der Fachinformation Bertelsmann Springer und von 2002 bis 2009 Aufsichtsrat von Lycos Europe, der Online-Firma auf die der Bertelsmann-Konzern seine Hoffnungen stützte. Heute berät er Unternehmen, äußert sich gerne in Interviews zu den Entwicklungen in der Verlags- und Medienbranche.

Ich greife diesen Interviewausschnitt noch einmal auf, obwohl die „Retter-Hellmich“-Geschichte ja Schnee von vorgestern ist. Aber ich wollte mir partout keine Dosis Kulturpessimismus nehmen, als ich das Interview las. Stattdessen liebäugelte ich mit der Dosis Kulturoptimismus und öffne nun die Schublade Gegenöffentlichkeit, um ein kleines Mosaiksteinchen konkreter Medienkritik heraus zu nehmen – weil ich das das Gefühl habe, die Kritik am Sportinformationsdienst ist in der breiten Zurückweisung  über die damalige, einseitige Berichterstattung im Reviersport ein wenig zu kurz gekommen.

Deshalb hier noch einmal an prominenter Stelle für alle zukünftigen Google-Nutzer auf der Suche nach Informationen über die Sportpresseagentur und deren journalistischer Sorgfaltspflicht die Warnung: Achte auf das Kürzel (sid) bei einem Artikel und glaube nicht alles, was der Sportinformationsdienst verbreitet. Manchmal übernimmt er für seine Meldungen nur die Aussage eines einzigen lokalen Mediums, dessen Journalist sehr voreingenommen dem Gegenstand seiner Berichterstattung gegenübersteht.

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