Winterpausenende mit Stefan Maierhofer und einem Lobgedicht

In jungen Jahren habe ich mal neben dem Studium ein Geschäftsmodell verfolgt, bei dessen Erfolg die Lohnschreiberei auch zur pussierlichen kleinen Hinterhoftextmanufaktur mit Butzenscheiben hätte werden können. „Gedichte und Reden für alles und jeden“, bot ich an. Ich war einerseits mit der Hinwendung zum individuell gestalteten Produkt heimischen Handwerks meiner Zeit  voraus, andererseits hatte ich mir zu wenig Gedanken darüber gemacht, wo die damals vielleicht schon vorhandenen Menschen mit entsprechender Kaufkraft zu Hause waren. In den Mietswohnungen von uni-nahen Straßen Kölns war die Streubreite meiner Werbeoffensive jedenfalls so groß, dass sämtliche Dienstleistungskunden mühelos zwischen den Werbebotschaften hindurchschlüpfen konnten.

Flugblatt hieß damals übrigens noch der Flyer, den ich in die Briefkästen schmiss. Ich habe dann das Ganze nur noch zum privaten Amüsement weiter verfolgt. Deshalb kam die Google-Anfrage neulich ein paar Jahre zu spät. Sonst hätte ich sofort laut hier geschrien, mach ich. Preis, reden wir drüber. Folgendes wurde gesucht: „ein vierzeiler zu einem hausmeister der herr günter heist“. Manchmal sind Suchfragen doch sehr speziell, und die Google-Software  ist optimierbar. Denn so einen Vierzeiler hatte ich hier im Haus als zufriedene stellende Antwort nicht parat.

Ich komm auch drauf, weil diese Google-Unschärfen sich im Moment häufen, landen  nach der Verpflichtung von Stefan Maierhofer durch den 1. FC Köln bei mir nun wieder viele Suchende, die sich für dessen sexuelle Orientierung interessieren. Auch in dem Fall tappt Google im Halbdunkeln und schmeißt einfach mal ein paar Begriffe aus meinen Texten zusammen, irgendein schwuler Fußballer wird schon dabei rumkommen. Dabei habe ich mich hier nur für Maierhofer-Tore interessiert, kann deshalb auch nicht allzu viel bieten für Fußballfans auf der Suche nach ihrem Traummann. Auch mal ein Projekt: anhand der Google-Suchanfragen bestimmen, welche Eigenschaften muss ein Fußballspieler haben, damit Fußballzuschauer glauben, er könne schwul sein.

Ich finde es übrigens nicht bedauerlich, dass Stefan Maierhofer die Rückrunde nicht beim MSV Duisburg spielt. Seine Verpflichtung wäre verbunden gewesen mit der Hoffnung auf die Stimmung aus der vorletzten Saison. Auf seine Ausstrahlung und auf seinen Kampfeswillen. Aber das ist nicht mehr als eine Hoffnung. So eine beflügelnde Stimmung bahnte sich ohnehin auch ohne ihn schon an. Spielerisch hätte er die Mannschaft nicht weiter gebracht.  Da hätte die Verpflichtung von Dorge Kouemaha eine andere Klasse. Mal abwarten, ob das klappt.

Zurück zum Hausmeister Günter. Damit demnächst niemand ganz enttäuscht von dannen ziehen muss, wenn er einen Vierzeiler zu besagtem Facility Manager sucht, biete ich ihm und euch stattdessen nun ein neunzeiliges Lobgedicht auf das wunderbare Belek, das in naher Zukunft den Fußballer-Wallfahrtsbetrieb auf das ganze Jahr ausweiten möchte. Neben den Trainingsplätzen sind in diesem Jahr schon erste fliegende Händler aufgetaucht, die das heilige Belekgras, in Dosen abgepackt, den Fußballgläubigen verkaufen. Lourdes brauchte auch ein paar Jahre, bis es das wurde, was wir heute kennen.

Winterpausenlob

O Belek, in deutschkalten Wintern, du heilender Ort.
Wer deine so heiligen Rasen voll Glauben betritt,
dem fegst du die Hinrundenschuld und -fehler hinfort.

So viele gewannen durch dich ihren Glauben zurück.
Die Blinden erzielten die Tore  aus weiter Entfernung,
Die Lahmen erliefen sich Bälle und weinten vor Glück.

O Belek, wir werden dich immerzu  loben und preisen.
Du hilfst bei der Angst vor dem Abstieg und Meisterschaftssorgen.
O Belek, den Zweifelnden werden Siege im Spiel es beweisen.

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2 Responses to “Winterpausenende mit Stefan Maierhofer und einem Lobgedicht”


  1. 1 Christian Moosbrugger 19. Januar 2013 um 17:55

    Na, da will ich mich mal nicht lumpen lassen:

    Belek, dein feuchtwarmer Rasen
    Verhilft der Mannschaft zu Trainingsphasen
    Von anmutiger Innerlichkeit

    Belek, dein mildtätig Klima
    Verhilft harten Beinmuskeln auch prima
    Zu erneuerter Dehnbarkeit

    Belek, deine sanfte Sonne
    Zaubert ins Trainergesicht reine Wonne
    Ob gesteigerter Passgenauigkeit

    Aber es raunt so ein Alter am Spielfeldrand
    So einer, der noch die ganze Geschicht hat gekannt
    Mir murmelnd ein böses Liedlein ins Ohr

    Das handelt von seelischer Pein und jähem Leid
    Dass immer bereut, wer zu früh sich gefreut
    Wäre sein Motto, so murmelt der alte Tor

    Und klagt so weiter ganz kümmerlich
    Und zieht am Ende zum Beweis für mich
    Eine Februar-Rückrundentabelle hervor

    Hier ists, wo mich ein gütiger Gott des Rasensports
    Gnädig hinfortträgt vom schrecklichen Küstenort
    Und meine Frau mich weckt mit einem Kuss

    Du hattest ihn wieder, den schrecklichen Traum
    Aufgerissen die Augen und blasiger Schaum
    Die Stimme laut stöhnend, mit argem Verdruss

    Soweit die holde Sanfte begütigend spricht
    Und ich will mich besinnen und besinn mich doch nicht
    Und weiss nur, dass ich nun zagend wachen muss

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  2. 2 Kees Jaratz 20. Januar 2013 um 12:56

    Ich sehe schon: Belek, der inspirierende Ort, herausgearbeitet in zukünftigen Fußballlliteratur-Literaturgeschichten.

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