Archiv für Februar 2013

Versteigerung eines Original-Trikots von Gintaras Staučė aus der Jens Lehmann-Sammlung

Der Fußball in Essen kann seit vielen Jahren auch als eine Geschichte des fortwährenden Messerritts Finanzierung erzählt werden. Rot-Weiß ist aus der letzten Insolvenz gestärkt hervorgegangen. Der Erzrivale aus dem Süden der Stadt, Schwarz-Weiß Essen, hatte unlängst den Insolvenzantrag schon abgegeben und konnte ihn im letzten Moment zurück ziehen. So eine Rettung in letzter Sekunde mindert natürlich nicht die Schwierigkeiten, die zukünftige Finanzplanung in den Griff zu bekommen. Wer wüsste das nicht besser als wir in Duisburg angesichts des Geschehens im Dezember letzten Jahres.

So nimmt ETB Schwarz-Weiß Essen jede weitere Unterstützung gerne an. Jens Lehmann besitzt eine Bindung an den Verein, weil er den größten Teil seiner Zeit als Jugendspieler bei Schwarz-Weiß verbrachte. Nun stiftet er einen Teil seiner Sammlung von Original-Trikots für eine Versteigerung, deren Erlös Schwarz-Weiß zugute kommt.

Für uns in Duisburg ist es deshalb interessant, weil unter anderem auch ein Trikot von Gintaras Staučė versteigert wird. Staučė spielte von 1997 bis 2001 bei den Zebras, zunächst als zweiter Torwart hinter Thomas Gill, bis er ihn in der Saison 1998/99 am 13. Spieltag im Heimspiel gegen den VfL Bochum als Nummer 1 verdrängte.

Wer also seiner Sammelleidenschaft nachgeben will und die freundschaftliche Gabe in die Kasse des Essener Südstadtvereins nicht scheut, kann bis zum 3. März, 15.13 Uhr bei Ebay mitsteigern. Andererseits weiß ich nicht genau, ob bei der Finanzsituation des MSV nicht immer noch das Zebra-Hemd näher sein müsste als die ETB-Jacke. In Merchandising-Artikel investieren statt ins Original-Trikot oder gleich spenden? Eine schwierige Frage der Moral!

Leichter fällt es zu sagen, dass Lemonhaus e.V., der Förderverein des Obermarxloher Jugendzentrums Zitrone, eine gute Adresse für Erlöse von Versteigerungen ist. Ein riesiger Plüscheisbär wird – ebenfalls bei Ebay bis zum 4. März 18.38 Uhr – versteigert, und der Förderverein unterstützt mit dem Erlös die Sommerferienfahrt des Jugendzentrums für Kinder, die sonst keinen Urlaub machen können. Wo wir schon mal bei Versteigerungen für gute Zwecke sind.

 

 

Werbeanzeigen

Bewegte Bilder von Eintracht Braunschweig aus dem Jahr 1981 lohnen auch wegen des Voodoo-Zaubers

Jedes Mal, wenn Eintracht Braunschweig als nächster Gegner des MSV Duisburg ansteht, denke ich eigentlich fast immer sofort auch kurz an Ronald Worm. Das wird vielen Fans des MSV so gehen, die ihn in den 1970er Jahren in Duisburg erlebt haben. Für zwei Vereine hat „Ronnie“ Worm gespielt, für den MSV Duisburg und für Eintracht Braunschweig. Im Netz sind nicht viele Bilder von ihm in Aktion zu finden.

Da müssen wir statt der blau-weißen Streifen mit dem Jägermeister-Emblem Vorlieb nehmen, wenn wir eins seiner Tore sehen wollen. Ab Minute 2.06 steht Ronald Worm für kurze Zeit im Blickpunkt. Vor der Saison 1979/1980 war er für die damals sehr hohe Ablösesumme von 1 Millionen D-Mark zu Eintracht Braunschweig gewechselt.

Eigentlich müsste jetzt ein Portrait her von dem Spieler, der zu den besten Stürmern zählt, die der MSV Duisburg hatte. Dieses Portrait wird heute nicht geschrieben, stattdessen nur ein paar Stichworte zu seiner Spielerkarriere: Er wuchs in Meiderich auf, wurde mit dem MSV Duisburg  Deutscher A-Jugend-Meister und debütierte als 19jähriger während der Saison 1971/72 im Februar in der Bundesligamannschaft des MSV. Zum Ende der Saison war er Stammspieler. Was in den folgenden Spielzeiten höchstens verletzungsbedingt  gefährdet war. Wahrscheinlich gehört er zu den deutschen Fußballspielern mit der umfangreichsten Nationalmannschaftskarriere, wenn die Berufung in möglichst viele der vorhandenen Mannschaften der Maßstab ist. In drei Jugendnationalmannschaften, in den damals noch vorhandenen Amateur- und B-Nationalmannschaften sowie in der A-Nationalmannschaft kam er zum Einsatz.

Es versteht sich beim Blick auf das kommende Spiel gegen Eintracht Braunschweig, dass für die Bewegtbilder von Ronald Wom heute nur ein Spiel in Frage kommt, das trotz des einen Tores von ihm mit 1:3 verloren ging. Ein wenig Voodoo muß heute sein. Bayern München dient mir da als Nadel für den Plüschlöwen der Eintracht. Und die Randgeschichte über den bei Bayern München unzufriedenen Kalle del Haye gibt es als Bonus dazu. Wir sehen die Schwierigkeiten der Trainer in München ändern sich über die Zeiten nicht sehr.

Der MSV hat einen ernst zu nehmenden Distanzschützen

Schon einmal fühlte sich in dieser Saison ein Unentschieden der Zebras wie ein Sieg an. Das war in Köln, und damals fielen keine Tore. Deshalb schwang im Freudenjubel seinerzeit auch geseufzte Erleichterung mit. Für so ein Seufzen war gestern Abend keine Zeit. Der späte Ausgleich von Timo Perthel ließ die Stimmung explodieren. Für einen Moment bebte die Erde, egal ob in Bochum oder bei mir in Köln vor dem Bildschirm. Ich hatte es nicht in den Pott geschafft und nur mit dem Bewegtbild vor Augen glaubte ich im Gegensatz zu Kosta Runjaic mit seinem sicheren Gefühl eines späten Tores nicht mehr an einen guten Ausgang des Spiels.

Dazu gab es mir zu wenig deutlich heraus gespielte Möglichkeiten in der zweiten Hälfte. Dazu hatte sich der VfL Bochum zu lange die leichte Überlegenheit erspielt. Dazu hatte ich schon wieder viel zu sehr auf Glück hoffen müssen. Ich hatte eben nicht an Timo Perthels Fähigkeiten bei Schüssen aus der Distanz gedacht. Sicher, bei so einem Torschuss wie von ihm muss ein wenig Glück hinzukommen. Aber die Betonung liegt auf: ein wenig. Denn das fußballerische Können ist die Grundlage für dieses Glück. Der MSV Duisburg besitzt wieder einen Distanzschützen. Diesen Satz muss ich mehrmals wiederholen. Schon bei seinem ersten Auflaufen in Paderborn hatte Timo Perthel mit einem beeindruckenden Fernschuss ein Tor erzielt. Wann sonst hat es das in der jüngsten Vergangenheit gegeben? Setzte ein Spieler vom MSV Duisburg zum Distanzschuss an, waren die spielerischen Möglichkeiten erschöpft. Das waren Verlegenheitsversuche mit der entsprechenden Streubreite. Vom Gefühl her haben die Torhüter der gegnerischen Manschaften sich schon zum Balljungen umgedreht, wenn sie einen Spieler vom MSV zum Schuss außerhalb des Strafraums ansetzen sahen. Und nun gibt es Timo Perthel. Wir können mehr als Verlegenheitsschüsse erwarten. Wir können auf Durchsetzungswillen setzen, auf das Erkennen der freien Schussbahn und auf genügend Kraft bei entsprechender Technik, die den Torwart des Gegners zumindest in Bedrängnis bringt. Im besten Fall ist er, wie gestern, chancenlos.

Das Spiel hatte der MSV druckvoll begonnen. Etwas mehr als zehn Minuten bereitete die Mannschaft dem VfL Bochum erhebliche Schwierigkeiten. Immer wieder wurde den Bochumern schon an der Mittellinie der Ball beim Spielaufbau wieder abgenommen. Als sich dann ein ungefähres Gleichgewicht eingestellt hatte, belehrte mich Maurice Exslager eines besseren. Ich hatte ja angesichts der Nachrichten von seinen verschossenen Bällen im Training nicht geglaubt, das könne im Spiel besser werden. Allerdings war das Tor auch ein typischer Exslager, Tempo aufnehmen, Ball recht geradlinig zwischen den Gegnern durchspielen, dabei etwas nach außen abgedrängt werden, aber dieses Mal nicht zu weit für einen Schussversuch aus spitzem Winkel. Das sah schon etwas langsam aus, wie der Ball da am grätschenden Torwart vorbei ins lange Eck rollte. Das kann was werden mit drei Punkten, dachte ich.

Doch es ist ein schmaler Grat, wenn der MSV Duisburg versucht, ein Spiel zu kontrollieren. Da soll der Ball in den eigenen Reihen gehalten werden, notfalls auch durch ein Spiel zurück bis zu Felix Wiedwald. Nur, dass der weite Pass von ihm meist knapp hinter der Mittellinie direkt beim Gegner landet. Die Alternative wäre aber der Ballverlust beim ersten Angriffsversuch auf Höhe der Mittellinie. Auch keine gute Option. Sprich: es geht nicht besser und dafür machte es diese Mannschaft, so paradox es klingt, gut. Doch in der zweiten Hälfte merkte man etwa bei diesen weiten Bällen das Fehlen von Ranisav Jovanović. Da war niemand, der solche Bälle hätte erobern können. Fehlt er, wird es unangenehm spätestens beim zweiten Anlauf. Obwohl die Bochumer das Spiel mit den zwei Tore, kurz nacheinander nacheinander, so schnell drehten, wankten die Zebras nur und brachen nicht vollständig ein. Unter Kosta Runjaic glaubt diese Mannschaft weiter an ihre Chance. Sie versuchte sich gegen die drohende Niederlage zu stemmen, obwohl die Angriffsbemühungen so oft im Ansatz scheiterten. Das war Kampf ohne ausreichende spielerischen Mittel. Und dieser Kampf wurde belohnt.

Nach dem Spiel O-Töne von Timo Perthel, Maurice Exslager, Dustin Bomheuer und Kevin Wolze.

Mancheinem mag vielleicht das Unentschieden durch die Enttäuschung auf Seiten des VfL noch ein wenig schöner vorkommen:  O-Töne von  Christoph Kramer und Marc Rzatkowski.

Tanju Öztürk ist doch kein australischer Schwimmer?!

Jetzt kann ich nur noch hoffen, dass Tanju Öztürk tatsächlich nicht der australische Leistungsschwimmer ist, den wir bislang noch nie in ihm erkannt haben. Sonst habe ich einen Fehler gemacht. Tanju Öztürk hat nämlich nach seiner Einwechslung gegen den 1. FC Kaiserslautern gut gespielt. Defensiv war er sofort präsent, nach vorne brachte er durch sichere Ballmitnahmen im Lauf viel Dynamik. Das sah alles sehr schön aus. Deshalb mache ich mir auch um das Spiel gegen den VfL Bochum heute Abend auf seiner Position wenig Sorgen. Als  kleiner Unsicherheitsfaktor bleiben die 90 Minuten gesamte Spielzeit als Aufforderung zur Konstanz an ihn, und deshalb dachte ich an ein paar positive Signale am Spieltag. Und nun kommen mir die australischen Leistungsschwimmer dazwischen.

Diese austalischen Leistungsschwimmer schieben uns Fans nämlich die Verantwortung für Medienkompetenz zu, zumindest solange bis so ein Aussie selbst damit klar kommt, dass er über Facebook und Twitter im direkten Austausch mit all denen ist, die etwas von ihm erwarten. Und das ist mehr als eine Antwort auf ein Posting. Das ist der Sieg im Wettkampf. Leider konnten australischen Schwimmer bei den Olympischen Spielen letztes Jahr diese Erwartung nur unzureichend erfüllen. Der australische Schwimmverband rätselte warum und ging die Frage wissenschaftlich an. Gestern griffen die deutschen Medien die Meldung über das Ergebnis dieser Studie auf. Und wer ist wieder schuld? Die sozialen Netzwerke!  „Erfolglos wegen Facebook und Twitter“ titelte gestern die Süddeutsche Zeitung.  Rumms, da haben wir den Salat. Zusammengefasst heißt es in der Studie, über die sozialen Netzwerke wird der Fan als Fan echter und gegenwärtiger. Die Athleten lassen Kommentare näher an sich heran, glauben, was erst Hoffnung ist und verlieren die Wettkampfkonzentration. Der Mensch ist eben ein soziales Tier, das sich den Bindungsangeboten im Netz nicht immer ohne Anstrengung entziehen kann.

Schon stellt sich für mich als Fußballfan die Frage, wie sensibel ich mit den Spielern meiner Mannschaft kommunizieren muss, damit sie erfolgreich sein können. Ein plumper Kommentar bei Facebook wie, ihr seid toll, ihr schafft das, so was könnte nach hinten losgehen. Müssen wir uns also jetzt mit den Spielerpersönlichkeiten genauer beschäftigen? Grundsätzlich gilt ja, Lob, allerdings nicht übertrieben, bei gleichzeitiger Fehlertoleranz kommt pädägogisch gut. Aber es gibt ja auch die egozentrischen Narzissten unter den Fußballern, die einen Anschiss, auch von Fans, hin und wieder gut vertragen können. Und wie ist Tanju Öztürk so drauf? Was für Fragen! Und alles nur, weil ich vorhin mal schnell beim Facebook-Tanju-Öztürk „Gefällt mir“ angeklickt habe. Ich weiß nicht mal, ob er wirklich für die Seite verantwortlich ist. „Gefällt mir nicht mehr“, geht aber auch nicht mehr. Das ist ja nicht das Wiederherstellen von Neutralität. Da  steckt schließlich auch eine Botschaft drin. Dabei ging es nur um das Glück im Spiel gegen den VfL Bochum heute. Hätten die australischen Schwimmer nicht mal ein paar mehr Medaillen holen können.

Eines allerdings beruhigt meine Zweifel. Tanju Öztürk ist in Köln aufgewachsen. Bei mir um die Ecke hat er seine ersten Fußballspiele gemacht, und was so ein richtiger Kölner ist, der wird doch hoffentlich die kölsche Gelassenheit gegenüber dem Leben genügend verinnerlicht haben. Et hät noch emmer joot jejange! Wer das weiß, nimmt Kommentare bei Facebook weniger schwer und spielt gegen den VfL Bochum trotz vorzeitigem Lob unbelastet auf. So kann ich mir direkt ein wenig mehr Gedanken darüber machen, wer denn die Tore für den MSV Duisburg erzielen soll. Wenn ich bei der WAZ  lese, dass Maurice Exslagers Torschüsse beim Training sich nicht sonderlich von seinem einen gegen den 1. FC Kaiserslautern unterschieden haben, müssen wir doch an Alternativen in der Mannschaft denken. Branimir Bajic wäre mal wieder an der Reihe. Ein Tor von ihm nach einer Ecke zum 1:0-Sieg nehme ich auf jeden Fall auch.

Europaweite Ausbildungsmängel beim Kopfstoß-Opfer-Sein

Was beim Theaterschauspieler, wie etwa das richtige Fallen, zur regulären Ausbildung gehört, muss sich ein Fußballspieler in eigenständiger Weiterbildung selbst aneignen. Ohne professionelle Unterstützung ist das nicht einfach. Verbände und Fußballvereine beschränken sich meist, zumindest nach außen hin, auf die Vermittlung rein fußballerischer Fähigkeiten.  So überrascht es nicht, wenn wir etwa im Bereich des Kopfstoß-Opfer-Seins große Defizite bei der Aufführung feststellen können.

Deshalb bekommen wir solch gänzlich misslungene Vorstellungen zu sehen wie die Mutter aller Kopfstoßschauspiele im Dezember 2005 während des Bundesligaspiels vom MSV Duisburg gegen den 1. FC Köln.  Norbert Meier bekam nach dieser misslungenen Premiere gerade noch die Kurve und schwor dem Kopfstoßschauspiel ab. Albert Streit erholte sich dagegen von der desaströsen Aufführung nicht mehr. Bei sämtlichen weiteren Engagements auf den Fußballbühnen Deutschlands färbte das Misslingen auf seine fußballerischen Qualitäten ab, so dass er vor kurzer Zeit nur noch bei einer kleinen Privatbühne in Köln Unterschlupf suchte.

Wenige Jahre später kam es im DFB-Pokal bei der Begegnung zwischen Hertha BSC und Borussia Mönchengladbach zu einer Einlage, in der Igor de Camargo seine neu erworbenen Kopfstoß-Opfer-Sein-Kenntnisse dem Publikum zeigen wollte. Mit seiner Darbietung erreicht er schon ein höheres Niveau, auch wenn erneut eine Jury notwendig war, die ein Auge zudrückte, um ihm zum erhofften Erfolg zu verhelfen. Sein Partner bei der Aufführung war damals Roman Hubnik, der bis dahin nur die erste Unterrichtseinheit im Kopfstoß-Opfer-Sein mitgemacht hatte, sich aber zur Mitwirkung dennoch sofort bereit erklärte. Er wollte seinen ambitionierten Kollegen gerne unterstützen.

Der Blick über die Grenze zeigt, auch im europäischen Ausland mangelt es an einer vernünftigen Ausbildung. Vielleicht sollte uns Polen dennoch ein Vorbild sein, urteilt dort die Schiedsrichter-Jury nicht so nachsichtig wie in Deutschland und fordert damit mehr Anstrengung bei der Ausbildung heraus.

Auch Alexander Baumjohann und Goran Sukalo müssen noch viel an ihrer Darbietung arbeiten, die sie letzten Sonntag im Spiel des MSV Duisburg gegen den 1. FC Kaiserslautern zur Aufführung brachten – bei Sky mit einem Klick weiter ab Minute 1’15“. Sie hatten es alleine einer erneut nachsichtigen Schiedsrichter-Jury zu verdanken, dass ihre dilletantische Aufführung nicht in Dieter-Bohlen-Manier in Grund und Boden gestampft worden ist. Ich hoffe, beiden Spielern stehen ehrliche Berater zur Seite, die ihnen den großen Abstand zu einer hervorragenden Leistung deutlich machen. Beide Spieler wirken in ihren Stellungnahmen nach dem Spiel nämlich merkwürdig wirklichkeitsfremd. Goran Sukalo schien gar nicht mehr zu wissen, dass auch er das Kopfstoß-Opfer-Sein in Norbert-Meier-Manier zur Aufführung brachte. Während Alexander Baumjohann trotz des Misslingens weiterhin von der Wirklichkeit eines Kopfstoßes faselte. Das Publikum beider Seiten ist da ehrlicher. Sowohl in Kaiserslautern als auch in Duisburg wissen alle, wie erbärmlich diese Aufführung gewesen ist.

Ohne Sinn für die Realität bleiben wir aber im  Kopfstoß-Opfer-Sein ein Entwicklungsland, geschweige denn dass wir die hohe Schule der Fußballschauspielerei in Deutschland einmal zu sehen bekommen. In Südamerika kann schon mehr gewagt werden, wenn auch das Ergebnis noch nicht vollends befriedigen kann. Zur Aufführung kommt hier sogar: Der Gegner schlägt mir beim Zweikampf ins Gesicht.

Ein Schiedsrichter als Spielgestalter

Es war ein anstrengendes Spiel zwischen dem MSV Duisburg und dem 1. FC Kaiserslautern. Es war anstrengend für die Mannschaften, die sich im Kampf um den Ball verausgabten. Es war aber auch anstrengend für uns Zuschauer. Ein Grund war der Schiedsrichter mit seinen wirren Versuchen das Spiel zu regeln und der damit zu einem so nicht vorgesehenen Spielgestalter dieser Begegnung wurde.

Normalerweise halte ich mich mit den Schiedsrichtern nicht auf. Einzelne Fehlentscheidungen geschehen und sie gehören zum Spiel. Aber es passiert selten, dass ein Schiedsrichter wie Herr Schriever mit seinen Pfiffen das Spiel so konsequent auf die gesamten 90 Minuten bezogen mitbestimmt.  Der Mann war derart überfordert und verunsichert, dass wir in der Halbzeitpause vorhersagten, ein Kaiserslauterner Spieler werde ebenfalls noch vom Platz gehen. Ich hatte den Eindruck, die zwei falschen Entscheidungen kurz nacheinander gegen den MSV Duisburg im ersten Spieldrittel haben ihn völlig aus der Bahn geworfen. Zunächst zog er die gelbe Karte gegen Ranisav Jovanović wegen einer vermeintlichen Schwalbe, entscheidend war aber vermutlich der nicht gegebene Elfmeter nach dem Foul an Sören Brandy. Auf mich machte er den Eindruck, als sei er sich seines Fehlers bewusst und versuchte danach verzweifelt mit möglichst einfachen Pfiffen bei möglichst jedem Körperkontakt, das Spiel nicht vollends aus der Hand zu geben. Dummerweise kam ihm Goran Sukalo durch seine unbedachte Rangelei mit Alexander Baumjohann in die Quere. Da musste er erneut eine schwierige Entscheidung treffen, und schon lag er wieder, dieses Mal nur knapp, daneben. Gelb für beide Spieler wäre richtig gewesen. Was nebenbei gesagt, für Sukalo gelb-rot bedeutet hätte. Es gibt also von meiner Seite keine Absolution für Goran Sukalo.

Vergessen wir den Schiedsrichter, wenden wir uns der Mannschaft zu und das war der zweite Grund für die Anstrengung auch auf den Rängen. Wieder gab es gegen eine Mannschaft aus dem oberen Tabellenviertel die Aussicht auf den Sieg. Diese Kaiserslauterner waren nicht gut genug, die kompakte Defensive des MSV Duisburg zu überwinden. Sie hatten einen anderen Plan als der TSV 1860 München mit seinem schnellen Kombinationsspiel in der letzten Woche. Sie wollten mit schnellen Bällen über die Flügel agieren und suchten natürlich immer wieder mit langen Bällen auch Mo Idrissiou. Doch dieser Plan scheiterte.

Das wollte auf der Pressekonferenz nach dem Spiel der Kaiserslauterner Trainer Franco Foda nicht wahrhaben. Für mich sieht er das Spiel der Kaiserslauterner zu rosig. In der ersten Halbzeit hätte seine Mannschaft das Spiel bestimmt. Wenn man den Ballbesitz als einzigen Maßstab nimmt, mag das stimmen. Dabei vergisst er allerdings, seiner Mannschaft fehlten die außerdem noch notwendigen spielerischen Mittel, um mit dem Ball in den eigenen Reihen etwas zu machen, was das Tor des MSV Duisburg wirklich bedroht hätte. Das Spiel über die Flügel blieb harmlos und die einzige große Chance der Kaiserslauterner ergab sich alleine aus einem altbekannten Fehler des MSV Duisburg. Einige Spieler waren noch damit beschäftigt, vom heftigen Protestieren gegen einen Schiedsrichterentscheidung umzuschalten auf notwendiges Verteidigen, während die Kaiserslauterner den Ball schon nach vorne trieben.

Das wird hoffentlich Kosta Runjaic auch immer wieder sehen, damit er im nächsten Sommer viel Arbeit drauf verwendet, seinen Spielern klar zu machen, dass nur nach Schiedsrichterpfiffen das Spiel unterbrochen ist und sie sonst permanent präsent sein sollten.

Dem MSV Duisburg wurde nicht nur ein Elfmeter versagt.  Die Mannschaft hatte danach sogar noch eine große Torchance nach einem Eckball. Wann kamen in der letzten Zeit schon einmal drei Mann gleichzeitig frei zum Kopfball? Und den nach dem Strafraumgestocher abgewehrten Ball nahm auf Höhe der Strafraumgrenze Maurice Exslager auf, der leider nicht die exquisite Schusstechnik besitzt, um diesen für einen kurzen Moment freien Ball im rechten Torwinkel zu versenken. Sein Schuss ging deutlich über das Tor.

Nach der roten Karte für Goran Sukalo blieb die Defensive bis zur Halbzeitpause stabil, und wir richteten uns auf die Abwehrschlacht in der zweiten Halbzeit ein, mit der Hoffnung auf besagte rote Karte für die Kaiserslauterner. So kam es dann auch, und kurioserweise schien es so, als hätten beide Mannschaften in der letzten Viertelstunde des Spiel nicht mehr so recht gewusst, wie risikoreich sie nun noch spielen sollten. Kosta Runjaic hatte in der 63. Minute die Defensive mit der Hereinnahme von Tanju Öztürk für verstärkt, in der 64. Minute  wechselte Franco Foda  zwei neue Offensivspieler ein und in der 65. Minute ging Mo Idrissou mit gelb-rot vom Feld. Die durch die Auswechslungen angedeutete Taktiken waren durch das wiederhergestellte Kräfteverhältnis in Frage gestellt. Beide Mannschaften agierten nun immer vorsichtiger und dachten weniger an den Sieg als die drohende Niederlage.

Der Schlusspfiff brachte dann einerseits für mich die Erleichterung, den beim MSV Duisburg immer auch aus heiterem Himmel möglichen Gegentreffer nicht gesehen zu haben. Andererseits machte sich aber auch ein wenig Enttäuschung bemerkbar, die Chancen nicht genutzt zu haben, den Elfmeter nicht zugesprochen bekommen zu haben und auch nicht das dusel-glückliche Siegtor in der Nachspielzeit geschafft zu haben. Wie gesagt, ein in jeder Hinsicht anstrengendes Spiel.

Die Pressekonferenz und nach dem Spiel die O-Töne von Felix Wiedwald, Maurice Exslager, Goran Sukalo und Julian Koch.

Der Spielbericht bei Sky mit einem Klick weiter.

Kurz erklärt: Die Choreo der 1860-Fans

Nebst drei Reiseberichten und einem ganz, ganz kurzen Spielbericht findet sich im Text von Löwenfan Phillip Rapp auch eine Erläuterung der Gäste-Choreografie vom Karnevalssamstag beim Spiel des MSV Duisburg gegen den TSV 1860 München.

2013-02-09_MSV_1860 040_web

Die Silhouette von Karl Valentin war ja aus der Ferne unverkennbar, und den Spruch „Jede Sache hat drei Seiten: Eine Positive, eine Negative und eine Komische“ hatten wir schon als ein Zitat von ihm vermutet. So eine Weisheit  passte zu ihm. Natürlich dachten wir bei dem Spruch an einen Kommentar zum Konflikt zwischen Investor Hasan Ismaik und den Vereinsverantwortlichen von 1860. Ein Konflikt, der mir vor Weihnachten ja ebenfalls zu denken gegeben hat. Phillip bestätigt nun die Deutung und beschreibt noch einmal, was wir aus der Entfernung nicht ganz genau haben erkennen können:

Zunächst zeigte es die Silhouette von Karl Valentin selbst, anschließend seinen Spruch „Jede Sache hat drei Seiten: Eine Positive, eine Negative und eine Komische“. Dieser Spruch wurde auf den TSV 1860 bezogen in dem bei „Positive“ ein Pfeil auf die Fans zeigte, bei „Negativ“ das Muster der Roten Arena eingebaut wurde und bei  „Komische“ das „o“ durch ein Konterfei von Hasan Ismaik ersetzt wurde.

Die letzte Frage zum Spiel wäre also geklärt. Was mich sehr beruhigt, weil wir zwar immer den Blick auf das nächste Spiel richten, aber doch nicht wissen, wie das Unbewusste wirkt. Vielleicht hat da im Kopf noch was gearbeitet, und ob ich dann am Sonntag auf dem Stehplatz so nervenstark gewesen wäre, um alles zu geben? Wer weiß.


JETZT BESTELLEN
Das Buch über den Sommer 2013 in Duisburg rund um den MSV bis zum Wiederaufstieg zwei Jahre später

Kees Jaratz im Buchhandel

Die Seite zum Buch

Statt 14,95 € nur noch 8,90 €
Hier bestellen

Hier geht es zum Fangedächtnis

Kees Jaratz bei Twitter

Bloglisten

Werbeanzeigen

%d Bloggern gefällt das: