Europaweite Ausbildungsmängel beim Kopfstoß-Opfer-Sein

Was beim Theaterschauspieler, wie etwa das richtige Fallen, zur regulären Ausbildung gehört, muss sich ein Fußballspieler in eigenständiger Weiterbildung selbst aneignen. Ohne professionelle Unterstützung ist das nicht einfach. Verbände und Fußballvereine beschränken sich meist, zumindest nach außen hin, auf die Vermittlung rein fußballerischer Fähigkeiten.  So überrascht es nicht, wenn wir etwa im Bereich des Kopfstoß-Opfer-Seins große Defizite bei der Aufführung feststellen können.

Deshalb bekommen wir solch gänzlich misslungene Vorstellungen zu sehen wie die Mutter aller Kopfstoßschauspiele im Dezember 2005 während des Bundesligaspiels vom MSV Duisburg gegen den 1. FC Köln.  Norbert Meier bekam nach dieser misslungenen Premiere gerade noch die Kurve und schwor dem Kopfstoßschauspiel ab. Albert Streit erholte sich dagegen von der desaströsen Aufführung nicht mehr. Bei sämtlichen weiteren Engagements auf den Fußballbühnen Deutschlands färbte das Misslingen auf seine fußballerischen Qualitäten ab, so dass er vor kurzer Zeit nur noch bei einer kleinen Privatbühne in Köln Unterschlupf suchte.

Wenige Jahre später kam es im DFB-Pokal bei der Begegnung zwischen Hertha BSC und Borussia Mönchengladbach zu einer Einlage, in der Igor de Camargo seine neu erworbenen Kopfstoß-Opfer-Sein-Kenntnisse dem Publikum zeigen wollte. Mit seiner Darbietung erreicht er schon ein höheres Niveau, auch wenn erneut eine Jury notwendig war, die ein Auge zudrückte, um ihm zum erhofften Erfolg zu verhelfen. Sein Partner bei der Aufführung war damals Roman Hubnik, der bis dahin nur die erste Unterrichtseinheit im Kopfstoß-Opfer-Sein mitgemacht hatte, sich aber zur Mitwirkung dennoch sofort bereit erklärte. Er wollte seinen ambitionierten Kollegen gerne unterstützen.

Der Blick über die Grenze zeigt, auch im europäischen Ausland mangelt es an einer vernünftigen Ausbildung. Vielleicht sollte uns Polen dennoch ein Vorbild sein, urteilt dort die Schiedsrichter-Jury nicht so nachsichtig wie in Deutschland und fordert damit mehr Anstrengung bei der Ausbildung heraus.

Auch Alexander Baumjohann und Goran Sukalo müssen noch viel an ihrer Darbietung arbeiten, die sie letzten Sonntag im Spiel des MSV Duisburg gegen den 1. FC Kaiserslautern zur Aufführung brachten – bei Sky mit einem Klick weiter ab Minute 1’15“. Sie hatten es alleine einer erneut nachsichtigen Schiedsrichter-Jury zu verdanken, dass ihre dilletantische Aufführung nicht in Dieter-Bohlen-Manier in Grund und Boden gestampft worden ist. Ich hoffe, beiden Spielern stehen ehrliche Berater zur Seite, die ihnen den großen Abstand zu einer hervorragenden Leistung deutlich machen. Beide Spieler wirken in ihren Stellungnahmen nach dem Spiel nämlich merkwürdig wirklichkeitsfremd. Goran Sukalo schien gar nicht mehr zu wissen, dass auch er das Kopfstoß-Opfer-Sein in Norbert-Meier-Manier zur Aufführung brachte. Während Alexander Baumjohann trotz des Misslingens weiterhin von der Wirklichkeit eines Kopfstoßes faselte. Das Publikum beider Seiten ist da ehrlicher. Sowohl in Kaiserslautern als auch in Duisburg wissen alle, wie erbärmlich diese Aufführung gewesen ist.

Ohne Sinn für die Realität bleiben wir aber im  Kopfstoß-Opfer-Sein ein Entwicklungsland, geschweige denn dass wir die hohe Schule der Fußballschauspielerei in Deutschland einmal zu sehen bekommen. In Südamerika kann schon mehr gewagt werden, wenn auch das Ergebnis noch nicht vollends befriedigen kann. Zur Aufführung kommt hier sogar: Der Gegner schlägt mir beim Zweikampf ins Gesicht.

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