Der MSV hat einen ernst zu nehmenden Distanzschützen

Schon einmal fühlte sich in dieser Saison ein Unentschieden der Zebras wie ein Sieg an. Das war in Köln, und damals fielen keine Tore. Deshalb schwang im Freudenjubel seinerzeit auch geseufzte Erleichterung mit. Für so ein Seufzen war gestern Abend keine Zeit. Der späte Ausgleich von Timo Perthel ließ die Stimmung explodieren. Für einen Moment bebte die Erde, egal ob in Bochum oder bei mir in Köln vor dem Bildschirm. Ich hatte es nicht in den Pott geschafft und nur mit dem Bewegtbild vor Augen glaubte ich im Gegensatz zu Kosta Runjaic mit seinem sicheren Gefühl eines späten Tores nicht mehr an einen guten Ausgang des Spiels.

Dazu gab es mir zu wenig deutlich heraus gespielte Möglichkeiten in der zweiten Hälfte. Dazu hatte sich der VfL Bochum zu lange die leichte Überlegenheit erspielt. Dazu hatte ich schon wieder viel zu sehr auf Glück hoffen müssen. Ich hatte eben nicht an Timo Perthels Fähigkeiten bei Schüssen aus der Distanz gedacht. Sicher, bei so einem Torschuss wie von ihm muss ein wenig Glück hinzukommen. Aber die Betonung liegt auf: ein wenig. Denn das fußballerische Können ist die Grundlage für dieses Glück. Der MSV Duisburg besitzt wieder einen Distanzschützen. Diesen Satz muss ich mehrmals wiederholen. Schon bei seinem ersten Auflaufen in Paderborn hatte Timo Perthel mit einem beeindruckenden Fernschuss ein Tor erzielt. Wann sonst hat es das in der jüngsten Vergangenheit gegeben? Setzte ein Spieler vom MSV Duisburg zum Distanzschuss an, waren die spielerischen Möglichkeiten erschöpft. Das waren Verlegenheitsversuche mit der entsprechenden Streubreite. Vom Gefühl her haben die Torhüter der gegnerischen Manschaften sich schon zum Balljungen umgedreht, wenn sie einen Spieler vom MSV zum Schuss außerhalb des Strafraums ansetzen sahen. Und nun gibt es Timo Perthel. Wir können mehr als Verlegenheitsschüsse erwarten. Wir können auf Durchsetzungswillen setzen, auf das Erkennen der freien Schussbahn und auf genügend Kraft bei entsprechender Technik, die den Torwart des Gegners zumindest in Bedrängnis bringt. Im besten Fall ist er, wie gestern, chancenlos.

Das Spiel hatte der MSV druckvoll begonnen. Etwas mehr als zehn Minuten bereitete die Mannschaft dem VfL Bochum erhebliche Schwierigkeiten. Immer wieder wurde den Bochumern schon an der Mittellinie der Ball beim Spielaufbau wieder abgenommen. Als sich dann ein ungefähres Gleichgewicht eingestellt hatte, belehrte mich Maurice Exslager eines besseren. Ich hatte ja angesichts der Nachrichten von seinen verschossenen Bällen im Training nicht geglaubt, das könne im Spiel besser werden. Allerdings war das Tor auch ein typischer Exslager, Tempo aufnehmen, Ball recht geradlinig zwischen den Gegnern durchspielen, dabei etwas nach außen abgedrängt werden, aber dieses Mal nicht zu weit für einen Schussversuch aus spitzem Winkel. Das sah schon etwas langsam aus, wie der Ball da am grätschenden Torwart vorbei ins lange Eck rollte. Das kann was werden mit drei Punkten, dachte ich.

Doch es ist ein schmaler Grat, wenn der MSV Duisburg versucht, ein Spiel zu kontrollieren. Da soll der Ball in den eigenen Reihen gehalten werden, notfalls auch durch ein Spiel zurück bis zu Felix Wiedwald. Nur, dass der weite Pass von ihm meist knapp hinter der Mittellinie direkt beim Gegner landet. Die Alternative wäre aber der Ballverlust beim ersten Angriffsversuch auf Höhe der Mittellinie. Auch keine gute Option. Sprich: es geht nicht besser und dafür machte es diese Mannschaft, so paradox es klingt, gut. Doch in der zweiten Hälfte merkte man etwa bei diesen weiten Bällen das Fehlen von Ranisav Jovanović. Da war niemand, der solche Bälle hätte erobern können. Fehlt er, wird es unangenehm spätestens beim zweiten Anlauf. Obwohl die Bochumer das Spiel mit den zwei Tore, kurz nacheinander nacheinander, so schnell drehten, wankten die Zebras nur und brachen nicht vollständig ein. Unter Kosta Runjaic glaubt diese Mannschaft weiter an ihre Chance. Sie versuchte sich gegen die drohende Niederlage zu stemmen, obwohl die Angriffsbemühungen so oft im Ansatz scheiterten. Das war Kampf ohne ausreichende spielerischen Mittel. Und dieser Kampf wurde belohnt.

Nach dem Spiel O-Töne von Timo Perthel, Maurice Exslager, Dustin Bomheuer und Kevin Wolze.

Mancheinem mag vielleicht das Unentschieden durch die Enttäuschung auf Seiten des VfL noch ein wenig schöner vorkommen:  O-Töne von  Christoph Kramer und Marc Rzatkowski.

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2 Responses to “Der MSV hat einen ernst zu nehmenden Distanzschützen”


  1. 1 Christian Moosbrugger 24. Februar 2013 um 15:54

    Für mich ist Perthel, jedenfalls in den kurzen Szenen, in denen er vor den Kameras was sagt, auch noch ein grundsympathischer Junge. Und wenn man sieht, wie schnell er nach der langen Pechsträhne auf verschiedenen Positionen fast schon unverzichtbar geworden ist, hat man den Eindruck, dass da noch mächtig viel Potential abgerufen werden kann.

    Distanzschüsse und gefährliche Standards sind in Liga zwei ja schon die halbe Miete, wenn sie mit einer kompakten Defensive einhergehen. Hier haben wir tatsächlich seit dem Ausscheiden von Grlic nicht mehr so viel zu sehen gekriegt. Was den als Manager angeht, ist sein Wirken durch die Verpflichtungen von Koch, Perthel und Brandy für die erste Saison schon vollauf gerechtfertigt, Jovanovic nicht zu vergessen.

    • 2 Kees Jaratz 25. Februar 2013 um 15:22

      Grlics Aktivitäten sehe ich genauso, und es ist immer wieder schön zu sehen, wie hoffnungsfroh du auf begründete Weise aus der Gegenwart in die Zukunrt blickst. Schließe ich mich gerne an.


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