Neue Erinnerungen für das Fangedächtnis: Meiderich – ich – und der MSV

Weil ich weiß, dass der Zebrastreifenblog doch mehr Leser hat als drüben das Fangedächtnis“, stelle ich auch hier online, was Sigi für das „Fangedächtnis des MSV Duisburg“ geschrieben hat .

Sigi (*1954)

Mittlerweile 58 Jahre, seit Mitte der 80er Jahre eingefleischter FC St. Pauli-Fan, war meine erste große Fußball-Liebe der Meidericher SV! Geboren in Hamborn und ab 1957 in Untermeiderich aufgewachsen war der Weg zum MSV fast zwangsläufig.

Ich kickte mit meinen Kumpels meist zwischen den damals noch reichlich vorhandenen Trümmergrundstücken oder knallte die Pille ständig gegen irgendwelche Garagentore.
Der Meidericher Stadtpark mit seiner großen Spielwiese war grundsätzlich für Ballspiele gesperrt und wenn sich jemand über das Verbot des Parkwächters hinwegsetzte, waren die Jungs meist viel älter als ich und meine Freunde. In den Schulpausen wurde auf dem schönen Schulhof der Dislichstraße meist mit einem kleinen Tennisball gekickt. Die Tore wurden mit großen Papierkörben markiert.

Irgendwann reichte mir das Kicken auf der Straße nicht und mein Vater kaufte mir richtige Fußballschuhe bei einem Schuster, der sein Geschäft „Unter den Ulmen“ hatte. Dann ging es 1963 im Sommer zum MSV in die Westender Straße. So viel ich weiß, war zu der Zeit die D-Jugend noch die jüngste Mannschaft, in der ich mit meinen 8 Jahren zuerst spielte.

Umgezogen wurde sich in wirklichen Umkleidebaracken, die auf der Höhe der jetzigen Schulturnhalle standen. Dort und auf dem Gelände der jetzigen Schule gab es noch einen Fußballplatz, der meist nur an den Rändern ein wenig Rasen aufwies. Hier trainierte uns ab und zu auch Werner Lotz aus der 1. Mannschaft.

Nach dem 2. oder 3. Training kam dann der große Moment: Der Trainer sagte mir, dass ich bei Sport Thielen in der Meidericher Bahnhofstraße mir ein Zebra-Trikot kaufen sollte und dann damit zu unserem ersten Punktspiel zu erscheinen hätte.

Es muss sehr heiß gewesen sein an dem Tag. Jedenfalls bin ich mit angezogenem Trikot und Fußballschuhen, also mit kompletter Fußballmontur, in den Bus gestiegen und zum Spielertreffpunkt gefahren. Der Trainer und die anderen Mitspieler waren ziemlich verwundert, dass ich schon komplett spielfähig angezogen dort so auftauchte. Ich hatte auch sonst nichts da. Umziehklamotten, Duschzeug, Essen und Trinken: Fehlanzeige.

Das Spiel ging dann 0:0 aus  – ich glaube gegen Duisburg 08 -,  und ich traf in meinem allerersten Punktspiel den Pfosten. So ein Mist.

Im Herbst 1963 sollte aber ein absoluter Höhepunkt auf mich warten: Ballholer im Wedau-Stadion beim Spiel: Meidericher SV gegen den großen Hamburger SV. Ich betrat erstmals den heiligen Rasen an der Wedau! Das Stadion kam mir bombastisch groß vor. Ich glaube bei dem Spiel waren ca. 40.000 Zuschauer, die mächtig Krach machten. Ich stand mit einigen Jungs aus meiner Mannschaft in der 2. Halbzeit direkt hinter dem Hamburger Tor auf der Aschenbahn. Ein super Platz: Wir konnten in kurzer Zeit 4 Tore unseres MSV bejubeln! Außerdem warfen wir kleine Steine und Sand von der Aschenbahn von hinten durch das Tornetz auf den Torhüter Schnorr vom HSV, um ihn abzulenken.

Danach versuchte ich im Training teilweise besonders schlecht zu spielen, um wieder als Balljunge für ein Bundesligaspiel im Wedau-Stadion eingeteilt zu werden. Denn früher ging die Einteilung so: Die Guten spielten am Samstag die D-Jugendspiele und die Schlechten waren die Balljungen an der Wedau.

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