Bei unerfüllten Hoffnungen rate ich: Perspektivwechsel

Frühlingswochenende in Berlin und einen Punkt aus dem Auswärtsspiel gegen die Hertha mit nach Hause nehmen. Das war der Plan, als ich Anfang letzter Woche bei Sonne und 18 Grad dem Freund mein Kommen zusagte. Geklappt hat weder das eine noch das andere. Samstagnachmittag begann es zu schneien – mehr Eisplättchen als Flocken. Ein eisiger Wind wehte zudem durch die Stadt, der einem diesen feinen Schnee immer wieder unangenehm ins Gesicht trieb.

Auch Sitzplatzbesucher müssen sturzfrei zu ihren Plätzen kommen.

Auch Sitzplatzbesucher müssen sturzfrei zu ihren Plätzen kommen.

Was war das kalt im Stadion, wo noch kurz vor dem Spiel auf den Rängen Split verstreut wurde. Ich hatte anfangs etwas Mühe, mich neben dem Zehen bewegen und Finger wärmen auf das Spiel zu konzentrieren. Der Mannschaft vom MSV schien das nicht so zu gehen. Damit möchte ich sogleich diese 4:2-Niederlage aus einer anderen Perspektive erzählen, als jener nahe liegenden wie sie sonst in Berichten und Kommentaren zu lesen ist. Verständlicher Weise rücken zuerst Fehler und der Leistungsunterschied in den Blick, weil die Niederlage so deutlich war, die Spieler der Hertha ihre Tore so leicht erzielen konnten und der MSV nach dem frühen Tor durch Adrián Ramos schnell nicht mehr wie eine Mannschaft wirkte, die hätte zurückschlagen können.

Das Einschwören vor dem Spiel half nur bedingt.

Das Einschwören vor dem Spiel half nur bedingt.

Die andere Perspektive ist folgende: Vor einem Spiel gegen eine besser besetzte Mannschaft steht ein Trainer immer vor der Frage, wie defensiv richte ich die Spielweise meiner Mannschaft aus. Mir hat es jedenfalls gut gefallen, dass der MSV in diesem Auswärtsspiel spielerisch mithalten wollte. Es war deutlich zu merken, wie groß das Selbstbewusstsein der Spieler bei der Vorwärtsbewegung geworden ist. Mir hat es gefallen, wie die Mannschaft bis zum Ende des Spiels den Angriff suchte. Das sage ich bei allen Fehlern, die dann passierten, und zwar nicht weil den Spielern wie zu Anfang der Saison die Bälle wegen technischer Mängel versprangen, sondern weil das Pressing der Hertha immer wieder  gut funktionierte.

Ich denke dabei an die Zukunft – ungeachtet möglicher Ab- und Zugänge von Spielern. Denn auch in einem Fußballverein besitzt so was wie Kultur eine  Bedeutung. Ich meine das Bewussstsein von dem, was eine Mannschaft ausmacht und wie so etwas weitergetragen wird. So ein Bewusstsein macht es einfacher, neue Spieler zu integrieren. An so einem Bewusstsein wird auch bei solchen Niederlagen gearbeitet. Es entsteht ein Möglichkeitsraum für Erfolg. Das habe ich gestern sehr geschätzt an der taktischen Ausrichtung, die Kosta Runjaic für dieses Spiel vorgenommen hat.

Unermüdlich

Unermüdlich

Es ist keine Frage, dass die Defensivleistung zu schwach war. Und natürlich hängt das eine mit dem anderen, der offensiveren Spielausrichtung, zusammen. Dennoch glaube ich, gestern hätte die Hertha auch das Spiel gegen einen völlig defensiven MSV gewonnen. Das wäre dann wahrscheinlich ein 1:0-Sieg geworden. Das Tor wäre aber gefallen. Da bin ich sicher. Mehrere Spieler dieser Hertha sind denen des MSV fußballerisch überlegen. Unzweifelhaft blieben ihre Fähigkeiten nicht nur ein Versprechen. Sie waren zu sehen. Weil zudem die Standards der Hertha immer für ein Tor gut sind, ist es schwierig, wenn die Berliner erst einmal in Führung gehen.

Erwartungsfrohe Ostkurve

Mir gefällt außerdem, wie mit der Niederlage umgegangen wird, weil in den Stellungnahmen von Dustin Bomheuer und Sören Brandy Enttäuschung mitschwingt. Der Blick auf die Realität, die spielerische Überlegenheit bleibt dennoch gewahrt. So reden Spieler in einem Entwicklungsprozess.

Den Chronistenblick auf das Spiel überlasse ich heute anderen. In Kicker und WAZ/NRZ liest man einen neutralen bis wohlwollenden Ton zum MSV, die Rheinische Post hingegen mit kritischeren Worten ob der Leistung.  Mit einem Klick geht es weiter zum Spielbericht bei Sky. Außerdem die Pressekonferenz sowie O-Töne nach dem Spiel von Dustin Bomheuer, Julian Koch und Sören Brandy.

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