Die Klatschkolumnen der Sportpresse

Mit der einstigen Fan-Freundschaft zwischen Duisburgern und Frankfurtern wird die lang erwartete Nachricht aus dem Eintracht-Haus nichts zu tun gehabt haben. Armin Veh verlängerte seinen Vertrag bei Eintracht Frankfurt. Sämtliche Sätze über Kosta Runjaic und seine wie-auch-immer-Beziehung zu Bruno Hübner mit Ablösesummen fordernden Folgen für den MSV Duisburg  wurden zu jener heißen Luft, die einem von Anfang an um die Ohren wehte, als in der  Frankfurter Rundschau in einem abschließenden Absatz zum Veh-Vertragspoker mal kurz überlegt wurde, wer denn so als Nachfolger in Frage käme.

Aus dieser Überlegung wurde dann fast schon die Verpflichtung. Was für ein Wahnsinn! Der Zug fährt los und jeder will mit, obwohl keiner weiß, wohin er überhaupt fährt. Hauptsache Bewegung.  Kosta Runjaic muss also irgendwas dementieren, während eigentlich ganz andere Dinge seine Zeit erfordern, wie noch ein Tag zuvor breit berichtet wird. Die neue Saison will vorbereitet werden. Als ich von diesen durchdachten Vorbereitungen las, war ich begeistert. Was mich mich hingegen nicht interessiert, sind  Spekulationen. Unterschriften unter Verträge zählen, alles andere nervt. Solche Pseudo-Meldungen wie die zu Runjaic und Frankfurt kommen mir inzwischen vor wie die Sport-Entsprechung zum Yellow-Press-Celebrity-Klatsch. Wer wurde neulich mit wem gerade hinter dem Rücken seines Partners beim Knutschen gesichtet oder kam es etwa schon zum Äußersten? Von den einen lässt sich dann später die gerettete Ehe erzählen. Die anderen sind mehr der Typ one-night-stand mit der Endlosgeschichte von der heißen neuen nächsten Liebe. Da wird das Melodrama gegeben – mit den Standardzutaten großes Gefühl und  Geld. Aus einer etwas anderen Perspektive stellte Fokus Fußball den Informationsgehalt von Sportnachrichten in Frage. Es gibt keine verlässlichen Informationen mehr.  Da bleibt als Konsequenz doch nur, konzentrieren wir uns auf den Sport.

Doch selbstverständlich gibt es auch Graubereiche des Interesses, wenn es um die Zusammenstellung des Spielerkaders in der neuen Saison geht. Da gibt es ja Fakten durch bestehende Verträge. Allerdings muss auch  im Fall Julian Koch erst einmal die marktschreierische Beklemmung beiseite geschoben werden. Wenn ein Spieler einen Leihvertrag für ein Jahr besitzt, kann es schon mal sein, dass er in der nächsten Saison bei einem anderen Verein spielt. Auch wenn Zeitungsseiten gefüllt werden müssen, es gibt keine Geschichte zu erzählen über Julian Koch. Es geschieht das, was erwartet werden konnte. Die Geschichte wäre zu erzählen, wenn Julian Koch auch in der nächsten Saison für einen MSV Duisburg spielt, dessen Liga-Budget im unteren Drittel der Zweiten Liga angesiedelt ist. Dagegegen ist Dustin Bomheuer tatsächlich eine kleine Geschichte wert. Aber auch in dem Fall fehlt mir jeglicher Sinn für Spekulationen. Es gibt alleine die Geschichte vom schnellen Aufstieg, und ob da jetzt tatsächlich Bundesligavereine Interesse an der Verpflichtung haben, gehört bereits zur Vertragsverhandlung. Der Rahmen der Zukunft ist in meinen Augen klar gesteckt. Ein vernünftiger Spielerberater würde ihm einen Vertrag mit dem MSV Duisburg aushandeln, der einen Ausstieg mit festgelegter Ablösesumme beinhaltet. Er würde Kosta Runjaics Worte vom zu früh kommenden Wechsel in Liga 1  ernst nehmen. Bleiben Dustin Bomheuers Leistungen stabil, könnte er in der nächsten Saison den André Hoffmann geben. Und dann ist da noch Jürgen Gjasula, für den der MSV Duisburg auch mal eine recht attraktive Braut abgibt. Über seine Zukunft wird noch gar nicht spekuliert. Man sieht, Geschichten sind auch ohne große Gerüchte zu erzählen.

Und nun zu etwas ganz anderem: Etwas unverbunden und leicht verspätet komme ich nochmals auf den Geburtstag von Bernard Dietz zu sprechen. Maurice Exslager wurde von den Medienleuten des MSV ein Mikro in die Hand gedrückt, um mit Bernard Dietz ein Gespräch zu führen. So entspannt wie Ennatz wirkt er zwar nicht, aber wer auch immer den Clip noch nicht gesehen hat, sollte ihn sich ansehen. Selten habe ich Ennatz bei einem öffentlichen Auftritt vor einer Kamera derart unbeschwert gesehen. Da ist eine halbprivate Atmosphäre entstanden. Sehr, sehr schön!

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4 Responses to “Die Klatschkolumnen der Sportpresse”


  1. 1 Trainer Baade 29. März 2013 um 00:26

    Bin mir nicht so ganz sicher, ob der Autor immer auf dem Schirm hat, welchen Titel er seinem Blog gegeben hat.

  2. 2 Kees Jaratz 29. März 2013 um 07:23

    Ertappt! Ich hätte allerdings auch sagen können, es gibt solche und solche Gerüchte. Oder irgendwann wird´s einfach zu viel, so was in der Richtung. Vielleicht bin ich aber gerade nur auf dem Weg in die Welt von Statler und Waldorf. Du gibst mir was zu denken. 😉
    Worüber ich übrigens auch immer wieder nachdenke, warum WordPress immer wieder Kommentare nicht freischaltet, obwohl einmal die Freigabe gegeben war. Über irgendwas muss man ja unverrichteter Dinge nachdenken.

  3. 3 Trainer Baade 29. März 2013 um 17:58

    Da ich hier zum Kommentieren mit meiner regulären Emailadresse bei wordpress gerade aktiv eingeloggt sein müsste, was ich nicht möchte, gebe ich jedesmal eine andere nicht existente Emailadresse an. Deshalb musst Du diese wohl immer neu freischalten – obwohl ich mich eigentlich bemühe, bei immer derselben falschen Adresse zu bleiben, klappt aber leider nicht.

    Das Video mit Dietz ist wirklich sehr sehenswert, weil er so anders auftritt als sonst. Und schwupps konnte man auch gleich die vollen über 7min genießen. Vielen Dank für den Tipp.

  4. 4 Kees Jaratz 30. März 2013 um 19:16

    Verstehe, klärt die Frage schon mal zum Teil. Manche Verlinkung aber muss ich nämlich auch jeweils neu frei schalten. Aber egal.
    Und Dietz so enspannt, da ahnt man, warum der Mann so gerne Trainer von jungen Spielern war. Wenn er merkt, er hat im Gegensatz zu Exslager alles im Griff. Da möchte er Exslager helfen, das Ding gut werden zu lassen. Exslager, der während des Gesprächs zu merken scheint, dass die Aufgabe doch nicht so einfach ist, wie er es sich vorher wahrscheinlich gedacht hat.


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