Archiv für April 2013

Mit Dauerglück in eine große Zukunft?

Schön am Schreiben über ein Fußballspiel ist: dieses Schreiben muss niemals 90 Minuen dauern. Deshalb verrät die Kürze eines Textes schon viel über die Qualität eines Fußballspiels. Das torlose Unentschieden im Auswärtsspiel des MSV gegen den FC Erzgebirge Aue braucht nicht viele Sätze. Auch in diesem Spiel kam dem Glück eine bestimmende Rolle zu. Dieses Glück wirkte anders als im Spiel gegen den 1. FC Köln sogar präventiv. Es wurde in Gänze  beim Torverhindern aufgebraucht. Dieses Glück bei einem einzigen Torschussversuch irgendwann im letzten Viertel des Spiels nur als unterstützendes Mittel in Anspruch genommen zu haben, wäre des Guten wirklich zu viel gewesen. Man soll das Schicksal nicht herausfordern. Irgendwann muss sich die Mannschaft auch wieder auf die eigenen fußballerischen Fähigkeiten besinnen.

Diese Fähigkeiten waren gestern allenfalls in der Rückwärtsbewegung etwas vorhanden. Zumal sich die Zebras darauf verlassen konnten, dass die Auer die letzte Aktion, egal ob Schuss oder Pass in den Strafraum, so gut wie nie so präzise spielten, dass es dauerhaft gefährlich wurde. Und wenn in einer Einzelaktion  passabel abgeschlossen wurde, konnten sich die Zebras auf das besagte Glück verlassen. So täuscht der Blick auf die  Statistik, wenn es um die Torschüsse der Auer geht. Diese vielen Torschüsse der Auer weisen nur auf die Spielüberlegenheit hin und nicht auf die tatsächliche Torgefahr.

In Ballbesitz versuchten die Zebras zwar immer wieder ein kontrolliertes Spiel, doch wenn es überhaupt gelang, dann ohne Raumgewinn um die Mittellinie herum, bis das Pressing der Auer die Pässe immer unpräziser werden ließ. Das Spiel ruckelte und stotterte, vor allem in der zweiten Halbzeit, von der einen Seite zur anderen. Weil die Pässe auf beiden Seiten eben oft so unpräzise waren und ebenso beide Mannschaften mit viel Einsatz den Ball jeweils wieder zurück erobern wollten, war die zwangsläufige Folge der regelmäßiges Foulpfiff. Regelbedingt mussten beide Mannschaften mit dieser Leistung 90 Minuten lang auf dem Platz bleiben. Das war nicht schön anzusehen. Andererseits wenn sich der MSV Duisburg trotz solch schlechter spielerischer Leistungen seine Unentschieden von nun an immer glücklich erkämpft, steht der Mannschaft eine große Zukunft bevor.

Die Pressekonferenz nach dem Spiel sowie die Stimmen von Dustin Bomheuer und Sören Brandy.

Eng am Ball – Fußballtalk über Spielstärken der Ligen und sehr viel Interessantes über Taktik

„Eng am Ball“ heißt der Fußballtalk von den Machern des Dokumentarfilms „Hauptsache Fußball“. In der dritten Folge haben sie zu Gast den Sportjournalisten der Süddeutschen Zeitung Philipp Selldorf und Martin Rafelt, einen der Autoren von spielverlagerung.de, jenem Projekt, wo erklärtermaßen „die Taktiktafel zum Leben erwacht“.

Ausgehend von der Frage, wie stark die Bundesliga im Vergleich zu den anderen großen europäischen Ligen ist,  führte die Runde ein sehr interessantes Gespräch. Wo wird mit wenig Mitteln aber fortschrittlicher Taktik erfolgreich Fußball gespielt? Was bedeutet die allgemeine Entwicklung hin zu mannschaftlicher Geschlossenheit für den zukünftigen Erfolg? Welche Bedingungen stehen hinter der Ausbildung von Fußballern? Gedanken über die Bewertung von Fußballern kamen hinzu. Etwas mehr als 30 Minuten, die sich inhaltlich sehr lohnen. Der Unterhaltungsbetrieb Fußball in sachlicher Analyse, die nicht auf Subjektivität verzichtet.

Als Anhänger des MSV Duisburg dürfen wir uns bei diesem Gespräch übrigens auch einmal mehr darüber freuen, dass Kosta Runjaic den MSV Duisburg trainiert. Seit seiner Anwesenheit ist der Ausfall eines einzelnen Spielers nicht mehr die ganz große Katastrophe wie noch in den letzten Spielzeiten. Und es wird euch nun nicht überraschen, in dem Talk wird auch so ein Phänomen als ein Zeichen avancierter Taktik gedeutet.

Die schönsten Fußballtorten der Welt X – FC Bayern München

Mit freundlicher Unterstützung von „111 Fußballorte im Ruhrgebiet, die man gesehen haben musspräsentiert der Zebrastreifenblog in loser Reihe die schönsten Fußballtorten der Welt.

Gerade weil wir uns in dieser Rubrik mit den schönsten Fußballtorten der Welt beschäftigen, dürfen wir den Blick vor den Folgen der Kommerzialisierung der einst so selbstlosen Tortenbackwelt nicht verschließen. Es überrascht nicht, dass gerade der FC Bayern München von diesem Phänomen betroffen ist. Bei diesem Verein versuchen die Goldgräber des Fanartikelgeschäfts auch in der Sparte Fußballtorte sich als Dienstleister für Originalität anzubiedern. Vermeintliche Originalität. Wer bei solchen Anbietern zugreift, folgt einer alten Geschäftsstrategie des FC Bayern München, die heute nur noch in Ausnahmefällen wie der Causa Götze zur Anwendung kommt. Vereinsinsignien werden irgendwo zusammengekauft und als Verzierung auf eine gesichtslose Sahnetorte gesetzt.

Der FC Bayern München entwickelt seine Mannschaft inzwischen in Teilen auch aus der eigenen Jugend heraus. Diesem Konzept sollte die dem FC Bayern gewidmete Fußballtorte ebenbürtig sein. Nicht zuletzt, weil nur wahres Kunsthandwerk des Tortenbackens den Erfolgen dieser Saison gerecht wird. Gerade nach einem berauschenden 4:0-Sieg gegen den FC Barcelona hat der FC Bayern etwas besonderes verdient. Mia backt Fußballtorten auch professionell, und ihre Torte wirkt doch eigenständiger und als geschlossenes Backkunstwerk. Ihr Backkunst durften wir übrigens schon für die SG Dynamo Dresden und den VfB Stuttgart vorstellen.

Ob folgende Torte aus ihrem Haus stammt oder nur inspiriert wurde, ließ sich leider nicht feststellen. Ebenso muss die Frage offen bleiben, ob die ins rosa gewechselte Vereinsfarbe der künstlerischen Freiheit oder technischer Probleme bei der Filmaufnahme geschuldet ist.

Halbzeitpausengespräch: Nowhere Men im Theater Oberhausen

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Foto: Axel Scherer

Auf drei Ebenen verteilen sich die Musiker im linken Drittel der Bühne, die anderen zwei Drittel sind Spielfläche für die Schauspieler, die an diesem Abend auch singen. Ohrstöpsel werden gemäß EU-DIN-Norm verteilt. Denn die entsprechende Lautstärke gehört zur Rockmusik, neben der kreischenden Gitarre, dem treibenden Elektrobass oder den Hammond-Orgelklängen, die Ende der 1960er für den Rock entdeckt wurden.

„Nowhere Men“ nennt Otto Beatus, der musikalische Leiter vom Theater Oberhausen, dieses aus 27 Rocksongs zusammengestellte Programm, das zwischen nostalgischem Erinnerungsabend und musikalischer Geschichtsrevue der 1960er und anfänglichen 70er Jahre changiert. Im Unterschied zum Konzert einer Coverband mit Musik jener Zeit bieten singende Schauspieler die Möglichkeit, die Inhalte der Songs mit kleinen Geschichten zu unterstreichen. Videomontagen und Kostüme können zusätzlichen Sinn geben und Assoziationsräume öffnen.

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Foto: Axel Scherer

„Nowhere Men“ heißt der Abend, weil Otto Beatus sich bei der Songauswahl an die Musik von Männern gehalten hat und deren Erfahrungen, Sehnsüchte und Forderungen die Inhalte der Songs bestimmen. Einen erzählerischen Rahmen, etwas das an die Musical-Form erinnert, besitzt der Abend nicht. Jeder einzelne Song steht für sich. Jedes einzelne Stück erhält eine eigene bildhafte Umsetzung. Allenfalls gehen sie ineinander über, weil es eine inhaltliche Verwandtschaft gibt.

Dennoch lassen sich Themen erkennen, die den Abend strukturieren. Mit dem Who-Klassiker „My Generation“ und ähnlichen Stücken werden die ungeheure Wut und der unbedingte Wille zum Protest jener Zeit lebendig. Nach und nach gehen diese auf die Gesellschaft gerichteten Songs über in jene, die von psychodelischen Innenwelten bestimmt sind und mit entsprechenden Kostümierungen, sowie Rollen illustriert werden. Da wird es zuweilen schwierig, das Illustrative der Bühne mit Sinn zu füllen. Wenn dann der Dylan-Klassiker „Like a Rolling Stone“ den Abend beschließt, stand zum Ende hin immer wieder so etwas wie Lebensgefühl im Raum.

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Foto: Axel Scherer

Auch wenn nicht alle Songs von den Schauspieler Jürgen Sarkiss, Peter Waros, Eike Weinreich, Sergej Lubic sowie Anja Schweitzer gleichermaßen stimmlich gut bewältigt werden, so macht ihr Auftreten doch deutlich, welche Kraft Rockmusik zunächst besaß. Die hervorragende Band um Otto Beatus am Klavier und die Schauspieler machen nicht nur erfahrbar, welche große Energie Rockmusik in Menschen weckte. Sie werfen auch einen Blick auf die dunkle Seite dieser Musik, ihre in Einheit mit Drogenkonsum zerstörende Kraft.

Wie viel Wut und Zorn wurde mit der Rockmusik dieses Abends ausgedrückt. Und natürlich sitzen nun diese einstigen zornigen Jugendlichen im Publikum. Auch Rock-Musik nimmt den Weg jeder Kulturform. Sie wird in Teilen kanonisiert. Ihre Wut wird gebändigt, und es wäre interessant zu hören, was junge Menschen von diesem Abend mit nach Hause nehmen. Begeisterter Beifall des Premierenpublikums.

Weiter Vorstellungen: 24. April, 2. und 28. Mai, jeweils um 19.30 Uhr.

Tickets beim Theater Oberhausen.

Die Frühjahrskollektion der Tore in letzter Sekunde

Wenn Spielenden mit Toren in letzter Sekunde gerade in Mode sind, möchte ein Verein wie der MSV Duisburg bei der entsprechenden Frühjahrsmesse für Tore in letzter Sekunde nicht fehlen. Die Vorstellung seiner Kollektion entspricht natürlich den momentanen Möglichkeiten des Vereins. Beim MSV Duisburg sind keine Star-Designer am Werk, sondern ehrbare Handwerker, deren Kreativität sehr von der Tagesform abhängt. Gestern Abend im Spiel gegen den 1. FC Köln war wenig originelles Arbeiten für die Kollektion zu sehen und dafür viel aus Stoffresten Zurechtgeschneidertes und einiges von der Stange. Das wirkte solide, war aber zunächst zu wenig, um den Erfolg der  Konkurrenten aus Köln zu gefährden. Diese hatten in der laufenden Saison schon eine beachtliche Auswahl der Last-Minute-Fashion vorgelegt. Das letzte Mal sogar noch im Spiel zuvor gegen den VfR Aalen.

Hinzu kam eine ungewohnte Nervosität der Duisburger Handwerker in den ersten fünfzehn Minuten. Viele Lücken waren in der Defensive zu sehen. In der Zweiten Liga gibt es allerdings mit Hertha BSC nur eine Mannschaft, die solche Lücken auf jeden Fall bestraft. Viele Zuspiele misslangen auch noch in der weiteren ersten Halbzeit. Die Ballannahme funktionierte nicht oft und die Kölner Konkurrenten standen enger am Mann als die Zebras umgekehrt. Als sich die Nervosität endlich legte, blieben noch etwa fünf Minuten, in denen sich das Spiel im Gleichgewicht befand. Dann fiel das Führungstor des 1. FC Köln. Daniel Brosinski misslang es, eine Abwehraktion spielerisch zu lösen. Sein Gegenspieler Thomas Bröker nahm ihm den Ball ab und wurde von Daniel Brosinski bei seinem Schlenzer nicht entschieden genug gestört.

Nach dieser Führung entstand ein nur selten aufregendes Spiel. Der MSV Duisburg mühte sich ohne wirkliche Ideen und Möglichkeiten zu haben, die gut aufgestellte Defensive der Kölner zu überspielen. Zu Beginn der zweiten Halbzeit stellten sich der FC sogar noch tiefer auf.  Es blieb kaum Raum, um in die Nähe des Tores zu kommen, während der Raum auf der anderen Seite sich verführerisch leer für Konter anbot. Der MSV kam an seine Grenzen. Druck entstand nicht, und man musste auf jede einzelne Spielsituation hoffen, die durch eine Aneinanderreihung von Zufällen vielleicht doch noch Torgefahr gebracht hätte. Zudem machte es sich der MSV in der Vorwärtsbewegung manchmal unnötig schwer, weil die Mannschaft keinen vernünftigen Rhythmus fand zwischen Einzelaktionen und Zusammenspiel. Das war Ranisav Jovanović, der seine Mitspieler auf dem Flügel nicht mehr sah und selbst dorthin bei seinen Sprints vor der engen Mitte des Spielfelds auswich. So standen sie sich dann zu zweit im Weg. Das war aber auch Jürgen Gjasula, der nahc seiner Einwechslung keinen guten Tag erwischte und wie niedergedrückt wirkte. Seine Pässe kamen nicht an, seine Dribblings blieben erfolglos. Tanju Öztürk hatte sich zwar ins Spiel gekämpft, deutlich war aber auch, dass er noch einiges Entwicklungspotenzial ausschöpfen muss, um irgendwelche Gerüchte-Geschichten über Vereinswechsel auch nur annähernd zu rechtfertigen.

So plätscherte das Spiel in der zweiten Halbzeit dahin, unterbrochen nur von der Aufregung durch einige Konter des FC, die der MSV Duisburg durch eine Kombination von guten Reaktionen Felix Wiedwalds, der Abschlussschwäche des FC und etwas Glück ohne Gegentor überstand.  Gefährlich für den FC wurde es nur einmal in dieser Halbzeit durch einen Distanzschuss von Timo Perthel. Bis dann die letzte Spielminute der Nachspielzeit anbrach und ein Freistoß für den MSV Duisburg im Halbfeld gepfiffen wurde. Felix Wiedwald verließ sein Tor und kam an den Fünfmeterraum des FC. Gab es an dieser Linie überhaupt noch freie Bodenfläche. Was war das für ein Gedränge. Der Ball flog hoch hinein, Spieler sprangen und als Dustin Bomheuer köpfen konnte war der erfolgreiche Verlauf der Flugbahn sofort zu erkennen. So nah war er am Tor. So präzise nahm der Ball seine Richtung. Schon zuvor war nicht nur sein Kopfballspiel in der Defensive gegen Stefan Maierhofer sehr gut gewesen. Selbst früh pressende Kölner konnten ihn beim Ballvortrag nicht irritieren. Es ist sehr zu hoffen, dass er zumindest in der nahen Zukunft noch beim MSV spielen wird.

Wenn eine Mannschaft wie der FC dem Sieg so nah war und sie diesen Sieg für das Fortbestehen von Hoffnungen so braucht, bringt ein Ausgleich in fast der letzten Sekunde das intensivste Erleben von Enttäuschung. Auf den Rängen war das Spiel schon als gewonnen gefeiert worden. Auf der Bank des FC hatte sich mit Sicherheit ebenfalls schon die Vorfreude auf den Punkteeinstand mit dem FC Kaiserslautern breit gemacht. Alles verloren und vergeben. Nicht nur weil der Ausgleich für den MSV Duisburg wie ein Sieg war, fühlte er sich für den FC wie eine Niederlage an. Schon im Hinspiel haben wir das torlose Unentschieden wie einen Sieg gefeiert. Mit einem Tor aus der Last-Minute-Kollektion fühlt sich so ein Unentschieden aber nochmal so gut an.

1000 – 1 + 1 = Führungstreffer

Vielleicht ist es eine ganz gute Idee von Daniel Brosinski und der Mannschaft gewesen, nicht sofort das 1000. Zweitligator des MSV Duisburg mit dem Mannschaftsessen zu feiern. So ist es im Reviersport zu lesen. Hinter einfachen Zahlen über die Welt steckt ja nicht allzu selten eine kompliziertere Wirklichkeit. So könnte Daniel Brosinski sich das Bezahlen des Mannschaftsessens im Grunde mit jenem Spieler teilen, der das erste Tor des MSV Duisburg gegen den 1. FC Köln erzielen wird.

Schließlich wurde am 17. Januar 2010 dem MSV Duisburg zwar ein Tor in der Statistik gutgeschrieben. Ein echtes Tor war es aber nicht, für das Christian Tiffert damals verantwortlich war.

Hier einmal von der Gegengerade aus:

Und hier von der Haupttribüne aus im damaligen Spielbericht.

Wenn wir die Aufmerksamkeit also ein wenig auf die historische Wirklichkeit richten, ist heute Abend der von uns erhoffte Führungstreffer gegen den 1. FC Köln ein weiteres 1000. Zweitligator des MSV Duisburg. Der Torschütze könnte dann zum Mannschaftsessen anlässlich des alternativen 1000. Zweitligator des MSV Duisburg laden. Oder Daniel Brosinski könnte sich Kosten teilen.

Was für eine Aufmerksamkeit für Stefan Maierhofer im richtigen Team

Stefan Maierhofer wird diese Aufmerksamkeit gut gefallen. Ehre wem Ehre gebührt, wenn ein Spieler des 1. FC Köln alleine gegen den MSV Duisburg antritt. Gewinnen will er auch noch. Respekt! Deshalb starren wahrscheinlich nicht nur nur einige Anhänger der Zebras, sondern auch die lokale Presse in beiden Stadtteilen meiner imaginären Heimat am Rhein auf den Stürmer des FC. Fast jeder Artikel zum Spiel beschäftigt sich mit  Stefan Maierhofer. Sei es Express, Kölner Stadt-Anzeiger, Kölnische Rundschau oder Reviersport. Liebe Leute, anscheinend wirkt sich diese eine durch den DFB-Pokalwettbewerb emotionale Saison immer noch aus und das sogar bis nach Köln. Stefan Maierhofer war Teil einer gut funktionierenden Mannschaft und hat damals schon nicht besser gespielt als heute beim FC. Auch damals lebte sein Spiel vom unermüdlichen Einsatz und seiner Körpergröße. Schon damals verstolperte er einen Teil der ihm zugespielten Bälle, und schon damals kam er bei seinen Langsprints über den Platz immer mal wieder zu spät. Die Defensivspieler blieben dann unverletzt, weil er viel zu spät kam. Sie dankten ihm die vorausschauende Langsamkeit wahrscheinlich. Wir haben ihm das nachgesehen, weil das Ganze stimmte. Und zwar fast ausschließlich im Pokalwettbewerb. Morgen wird Stefan Maierhofer in der richtigen Mannschaft spielen. Gott sei Dank! Der MSV Duisburg brauchte keinen Stefan Maierhofer, der sich spielerisch nicht weiter entwickelt hat. Das war mir im Januar sogar einen lyrischen Kommentar wert. Ihm ist da gar nichts vorzuwerfen. Er macht, was er kann, und manchmal gelingt ihm auch etwas als Fußballspieler. Die Wahrscheinlichkeit ist aber im Moment sehr groß, dass seine Versuche morgen auch wie folgt aussehen.

M – U – T – Anke Johannsen, Jens Otto und andere Duisburger

Schön zu sehen, wenn in Duisburg Menschen voller Energie Kulturprojekte vorantreiben. Auch das beeinflusst die Stimmung in einer Stadt. Anke Johannsen und Jens Otto waren die treibende Kräfte bei einem künstlerisch inspirierten Projekt, das kurz und bündig M – U – T heißt, besagte Haltung zum Leben thematisiert und dessen Essenz der unten eingebundene Video-Clip ist. Beide sind zwei von drei Musikern der Anke Johannsen Band, die laut ihrer Selbstbeschreibung sich im „soulig angehauchten Jazz-Pop“ zu Hause fühlt.

Auch wenn ich diesem Projekt Beifall klatsche, reibe ich mich an den Anfangsminuten des entstandenen Clips. Zu Beginn geraten die Macher nach meinem Geschmack zu sehr in das Fahrwasser einer öfter mal gesehenen Werbeästhetik. Ich komme jetzt nicht drauf, für welche Produkte genau auf diese Weise schon geworben wurde. An Autos erinnere ich mich sicher. Diese filmische Ästhetik wird von dem Problem bestimmt, eine innere Haltung als Behauptungen und Selbstaussagen von Menschen erzählen zu müssen. Es gibt eben kein Bild, das für sich spricht und den besagten Mut zeigt.

Damit möchte ich das Projekt keineswegs in Frage stellen. Vielleicht entspricht der Clip gerade deshalb besonders den Sehgewohnheiten und kommt so den Menschen nahe? Vielleicht macht den Clip gerade sein plakativer Anfang populär, nach dem Motto, was die restliche Welt kann, kann Duisburg auch? Wenn ich von meinem Geschmack rede, dann steht dahinter vor allem mein Eindruck, Anke Johannsens eigenständige künstlerische Kraft wird erst ab etwa der Hälfte des Clips erkennbar.  Und natürlich ist mir bewusst, die Musikerin Anke Johannsen stellt sich in diesem Clip in den Dienst einer gewünschten Aussage.

Doch für Menschen mit ähnlichem Geschmack wie meinem gibt es bald Abhilfe. Neulich bin ich Anke Johannsen zufällig auf dem Weg von Ruhrort nach Hause begegnet. Wir kamen ins Gespräch und sie erzählte, es werde demnächst eine kürzere Fassung des Clips geschnitten. In der werde nur der schnellere zweite Teil  zu sehen und zu hören sein. Das klingt nach einer Beschränkung, die mir gut gefällt. Wenn es diesen Zusammenschnitt gibt, sage ich Bescheid.

Wer kein Tor schießt, kauft sich eines zum zusammenklappen

Neulich, nachdem ein Spiel lang das 1000. Fußballtor des MSV Duisburg in der Zweiten Liga nicht hatte fallen wollen, sah ich vorsichtshalber mal nach, ob wir uns in Duisburg notfalls ein Tor kaufen können. Nachher hätte die Duisburger Sportmedienmaschinerie noch an so einer Minutenzählerei Gefallen gefunden, als ob die Mannschaft nur aus Stürmern ohne Torerfolg bestände.

Ihr wisst das natürlich längst. Es gibt Fußballtore zu kaufen. Praktischerweise ist das Tor des von mir gefundenen Tore-Anbieters ganz klein. Dadurch, so verrät mir die aufgeräumte junge Frau im Verkaufsspot, „ist es wiederum sehr handlich. Dadurch können Sie es überall mit hinnehmen.“  Was nicht unwichtig gewesen wäre, da auf jedes Heimspiel ohne Torerfolg das Auswärtsspiel unweigerlich folgt. Der junge Mann im Clip scheint mir wissend zuzunicken.

Hört man die anpreisenden Worte des sportlichen Pärchens im Clip, möchte man so ein Tor im Haushalt gar nicht missen. Es behebt offenbar nicht nur den Tormangel. Zudem ist es zutraulich und ein schmückendes Glanzstück für jede Spielerwohnung.  Seine vorbildhafte Standfestigkeit verhilft zu innerem Wohlgefühl. Die Mannschaftspsyche wird so gestärkt. Nicht zu vergessen die gesundheitsstabilisierende Wirkung des  Nylonnetzes. Dieses Netz bietet nicht nur jedem Ball eine gemütliche Heimstatt, sondern hilft auch nach regelmäßigem Anfassen Infekte zu verhindern. Viele zufriedene Kunden erzählen zudem von Kreuzbandrissen, Schienbeinköpfchen-Verletzungen und Prellungen des Großzehs, die durch fachgerechten Torgebrauch schneller heilten. Zahlreiche zerrüttete Spielerehen wurden nach gemeinsamen Einnetzen zu zärtlichsten ewigen Liebesbeziehungen. Wenn im Bewegtbild Ware verkauft wird, geschehen nach dem Einkauf wahre Wunder.

Nachtrag des Jubels in der Buchhandlung

Am dritten Tag nach dem Spiel des MSV Duisburg gegen den FSV Frankfurt brauche ich nicht mehr viel zum Spiel zu sagen. Es geht auch mehr darum, beim Schreiben zumindest etwas vom Gefühl der Zufriedenheit über das 1:1-Unentschieden zu spüren, für das ich am Wochenende so gut wie keine Zeit gehabt habe. Vom Spiel selbst bekam ich genau vier Schlaglichter mit, eines davon war allerdings von exklusiver Besonderheit. Niemals zuvor habe ich beim Blick auf den Bestellcomputer einer Buchhandlung so gejubelt wie am Samstag. Verwunderte Kundenblicke ignorierte ich souverän. Vielleicht geht Kultur in einer literarischen Buchhandlung ja so? Auch mal bei erfolgreich durchgeführter Bestellung einer Heine-Gesamtausgabe die Fäuste vor Begeisterung ballen und wenigstens warmen Beifall klatschen für einen frühen Krimi von Joy Fielding?

Zum Vorbild für das Eventerlebnis Buchkauf wurde ich durch den Live-Ticker der Sportschau, den Lisa Evertz von der Buchhandlung Scheuermann gerade aufgerufen hatte. In der Duisburger Buchhandlung  war ich während der ersten Halbzeit anlässlich einer Signierstunde. Gerade noch den Namen in ein Exemplar der „111 Fussballorte im Ruhrgebiet, die man gesehen haben muss“ geschrieben, schon führte der MSV Duisburg in Frankfurt, und die Sportschau-Tickerer orakelten irgendetwas vom Aufstieg. Die wollten witzig sein. Ich aber nehme so etwas sofort für winzige Momente ernst.  Ich rief mich zur Ordnung und hoffte auf den Fortbestand der frühen Führung. Das Halbzeitergebnis war deshalb eine leise Enttäuschung.

Insgesamt nun bin ich zufrieden. Was ja auch der Stimmung aller entspricht, die das Spiel gesehen haben. Da gibt es keinerlei Meinungsverschiedenheit über die entscheidenden Szenen und die Leistung der Spieler. Vor allem Julian Koch ist seit Samstag endgültig in den Fokus gerückt. Schon vor seiner Gelbsperre war zu merken, wie seine Formkurve abfiel.  Nun war er zudem mitverantworltlich für den Ausgleichstreffer. Mir fällt das schwer zu schreiben: Mit solchen Leistungen wird er sich in der Bundesliga nicht durchsetzen. Dennoch denke ich, das stimmt. Wahrscheinlich gönnen ihm die meisten aus der Zebraherde den Platz in einer Bundesliga-Startelf. Wollen wir mit und für ihn hoffen, dass er noch in dieser Saison ein paar Mal zumindest die Leistungen der Hinrunde wieder zeigt. Um nach der Sommerpause dann – wo auch immer – an das erste eine Jahr beim MSV Duisburg anzuknüpfen.

Das 1000. Zweitliga-Tor des MSV Duisburg ist nun auch gefallen. Für mich persönlich uninteressant, mehr was für die Saure-Gurken-Zeiten der Zukunft, in der man dann auch mal was über die Torschützen der Jubiläumstore des MSV Duisburg schreiben kann. Daniel Brosinskis Verweis auf das Big-Mac-Menü als fälliges Mannschaftsessen ist schon mal im Archiv abgelegt. Wer sich den Brosinski-Humor ansehen möchte, nebst Pressekonferenz und weiterem O-Ton von Ranisav Jovanović, bitte schön:


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