Zukunft kann kommen

Ivica Grlic kann dem Spielplan dankbar sein. Weil das Auswärtsspiel des MSV Duisburg gegen den FC Ingolstadt am Karsamstag stattfand, hatte er einen Tag mehr Zeit, seinen Terminkalender für die kommende Woche zu organisieren. Sonst hätte er heute schon im Stundentakt Vertrags- und Sondierungsgespräche eintragen können. Natürlich war er bislang auch mit dem Spielerkader der nächsten Saison beschäftigt. Aber selbst wenn das ritualhafte öffentliche Sprechen die Konzentration auf das nächste Spiel verlangt, sowie die berühmte Formel, noch sind wir nicht gerettet, so lange „rein rechnerisch“ für die Mannschaften hinter uns noch alles möglich ist, also, auch wenn das noch zwei, drei Spieltage zu hören ist, bin ich sicher, Ivica Grlics Gespräche mit Spielern für die nächste Saison besitzen nun die feste Perspektive Zweite Liga.

Wenn man das Spiel selbst Revue passieren lässt, war es einfacher als gedacht beim FC Ingolstadt zu siegen. Sobald ich es schaffte sehr rational die Bilder vom Spiel zu sehen, konnte ich mir nicht vorstellen, wie die Ingolstädter jemals ein Tor erzielen wollten. Allerdings klappte das nie sehr lange, und ich bin bestimmt nicht der einzige, der in einem Spiel des MSV Duisburg immer noch das Gegentor aus reiner Duseligkeit befürchtet. Zumal auch ohne große Fehler der Defensive im Fußball ein Tor aus dem Nichts heraus immer möglich ist. Mein inneres Bild von der Defensive der Zebras hat sich offensichtlich nicht so schnell gewandelt wie die Mannschaft selbst. Vertrauen wächst mit der Zeit, und je größer die Enttäuschungen waren, desto länger braucht es, den Blick von ihnen zu lösen. Anscheinend bin ich zu sehr von den Mannschaften der jüngsten Vergangenheit geprägt, als dass mein Wissen um die Leistungskonstanz der von Kosta Runjaic eingestellten Mannschaft während des Spiels ungefährdet bleibt.

Der MSV Duisburg hätte es mir aber auch einfacher machen können, indem jemand ein zweites Tor erzielt hätte. Das geschah nicht, auch weil Ranisav Jovanović sich bald humpelnd über das Spielfeld bewegte und schließlich in der 62. Minute ausgewechselt wurde. Die Offensivschwäche des MSV Duisburg verschwand vor allem dank seiner starken Leistungen in den letzten Spielen. Deshalb beruhigt die gestrige Nachricht vom MSV Duisburg, bei seiner Verletzung handele es sich nur um eine starke Prellung. Selbst wenn er im Spiel gegen Sandhausen noch nicht dabei sein kann, länger wird er nicht ausfallen. Auch für den Rest der Saison dürfen wir auf Torgefährlichkeit des MSV Duisburg hoffen. Es muss ja nicht gleich so ein Seitfallzieher sein, mit dem er das Siegtor gegen den FC Ingolstadt erzielte. Wie eng der Raum, wie beweglich Ranisav Jovanović! Dazu die Kopfballweitergabe in Arbeitsteilung von Jurgen Gjasula und seinem Gegenspieler. Fast über die gesamte Spielzeit auf dem Rasen, ohne Leistungseinbruch, das war ein Comeback von Jürgen Gjasula, das mich hin und her schmeißt, weil ich einerseits bedaure, dass wir ihn so lange haben nicht spielen sehen können, andererseits das aber wahrscheinlich der Grund ist, warum er auch in der nächsten Saison weiterhin beim MSV Duisburg spielen wird. Er wird dann in einer Mannschaft spielen, deren Trainer nicht nur einen mittelfristigen Plan hat, sondern auch das Wissen ihn umzusetzen.

Jurgen Gjasulas Fähigkeiten werden also erst jetzt wirklich so genutzt, dass eine Mannschaft nicht nur wegen seiner Fähigkeiten erfolgreich ist. Er wird tatsächlich als Teil einer funktionierenden Mannschaft spielen. Variabel ist das Spiel des MSV Duisburg heute schon. Mit ihm erhält diese Variabliät zusätzliche Ballsicherheit. Überraschendere Spielideen könnten Raum erhalten. Was so ein Sieg gegen den FC Ingolstadt für Folgen hat! Der Kölner in mir wird gerade zum Platzhirsch, und was dem FC die baldige Europapokalteilnahme nach Erklimmen vom 3. Platz in Liga 2 ist, wird mir gerade der Aufstieg. Nur gut, dass da der Duisburger noch ’ne Pappnas in der Hosentasche hat und sie nun dem Kölner schnell aufsetzt.

Was sonst zum Spiel zu sagen wäre, findet ihr bei den einschlägig bekannten Medien wie Kicker, WAZ/NRZ, Rheinische Post und Donaukurier. Wir sind uns sehr einig. Das braucht nicht noch mehr Worte. Markus Bollmann wäre höchstens noch zu erwähnen, der sich mit dem misslungenen Schussversuch kurz vor dem Abpfiff einen Platz in der Slap-Stick-Geschichte des Fußballs gesichert hat. Das kann passieren, und die entscheidende Nachricht angesichts der  beim Schussversuch verdrehten Körperteile ist die jeder Komödie, selbst wenn alles schief geht, der Hauptdarsteller schüttelt sich und steht wieder auf. Markus Bollmann blieb unversehrt.

In der Pressekonferenz lässt sich übrigens Tomas Oral mit einer Wertung vernehmen, die ich nicht teile. Da versucht einer vermutlich gegen eine nicht sonderlich wohlwollende öffentliche Meinung anzureden. Wo er das planvolle Spiel seiner Mannschaft über die gesamte Halbzeit gesehen hat, rätsel ich. In den letzten fünfzehn Minuten kann ich das erkennen, was er als Leistung seiner Mannschaft in der zweiten Hälfte beschreibt. Der Ingolstädter Kollege vom Blog Schwarz-Rot wertet das Spiel sehr viel realistischer. Das war doch ein Blatt Papier, das zwischen Menschen einfach keinen Platz finden kann,oder? Zwischen ihm und mir ist das so, als Brüder im Geiste der Spielbeobachtung. In diesem Fall ganz bestimmt auch ohne das häufige spätere Zerwürfnis.

Die Pressekonferenz im O-Ton:

Die Spielzusammenfassung mit einem Klick weiter bei Sky.

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