Archiv für Mai 2013

Stimmung aufhellen mit der Anke Johannsen Band

Auf die in Duisburg lebende Musikerin Anke Johannsen habe ich schon einmal hingewiesen. M-U-T heißt ein Projekt von ihr, einmal mit einem Clip in der Langform und einem, mir besser gefallend, kürzer geschnittenen. Als Musikerin gehört sie namensgebend zur Anke Johannsen Band, und als ich im Netz jetzt diese vielen Anhänger des MSV Duisburg sah, die sich vor der Arena getroffen haben, zusammen mit anderen Fußballfans aus dem Pott, fiel mir ein Lied der Anke Johannsen Band ein. Dieses Lied passt für mich zu dieser Stimmung vor dem Stadion. Es ist so federleicht und lässt alle Sorgen vergessen. Es möchte genau das im Menschen wecken, was vor dem Stadion spürbar gewesen sein muss. Es möchte Energie geben, um Gutes zu tun. Und dazu gehört auch: „chearing for your favorite football team“! – Folgt die Randbemerkung: Ob’s eigentlich nicht cheering heißt? Muttersprachler zur Hilfe!

Dancin‘ to the rhythm of your higher self
Livin‘ every day in love
Knowing you’re belonging to the true course
In being all of what you are

Smiling at a child that seems to be sad
Buying flowers for your Mom and Dad
Asking some lonely guy, how are you today?
Isn’t this a wonderful sunny day?

In every little thing you say and do
You can be a hero!

Dancin‘ to the rhythm of your higher self
Livin‘ every day in love
Knowing you’re belonging to the true course
In being all of what you are

Giving love by sharing chocolate ice cream
Chearing for your football team
Making life better for me and you
By opening your heart and being true

In every little thing you say and do
You can be a hero!

Dancin‘ to the rhythm of your higher self
Livin‘ every day in love
Knowing you’re belonging to the true course
In being all of what you are

Was mir nicht aus dem Kopf geht …

Nie zuvor hatte ich stärker das Bedürfnis, eine Chronologie des Geschehens beim MSV Duisburg während der letzten Jahre zu erstellen. Egal, wie es auch immer mit dem MSV Duisburg weitergeht. Das liegt auch daran, dass nach einem endgültigen Zwangsabstieg des MSV Duisburg mir nur die Wahrheit zu Ruhe verhilft. Nie zuvor habe ich Menschen besser verstanden, die einem Unglück ausgesetzt waren und danach wissen wollten, wie es dazu kam. Natürlich lässt sich der grobe Weg nachvollziehen, aber mir geht einfach nicht die Frage aus dem Kopf, wie es zu dieser Art Zeitdruck hat kommen können. Schon am Tag nach der Jahreshauptversammlung stellte sich für mich die Frage, was hat Roland Kentsch fünf Monate lang gemacht? Liest man ein wenig herum, fällt auf, wie ungerichtet in den wenigen Tagen bis zum Abgabetermin der Bilanzunterlagen in dieser Geschäftsführung gearbeitet wurde. Sowohl Walter Hellmich in seinem Brief als auch Andreas Rüttgers für den Sponsor Schauinsland Reisen im MSVPortal schildern unabhängig voneinander, wie erst Geld nicht gebraucht wird, dann doch und dann wieder nicht. Es ist so bizarr, dass diese beiden Gegenpole im MSV Duisburg ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Für mich liegt es auf der Hand, dass bei so einem hin und her Fehler passieren.

Völlig abgesehen von unterschiedlichen konzeptionellen Ansätzen, es ist so bitter, dass im Grunde sowohl Walter Hellmich als auch Schauinsland Reisen bereit gewesen sind, genügend Geld zur Verfügung zu stellen, um auch diese Klippe der Lizenzierung zu überwinden. Brauchte es etwa die Katastrophe um eine endgültige Lösung der Probleme für den MSV Duisburg überhaupt erst zu ermöglichen? Menschen sind so. Menschen machen einfach weiter mit dem, was sie immer schon getan haben. Erst der Leidensdruck schafft die Bereitschaft, Energie und Kraft aufzubringen, um aus dem Trott auszubrechen. Stand das dahinter?

Momentan hoffe ich nur noch auf ein Wunder. Ich träume von einem genialen Rechtsbeistand, der eine kaum vorhandene Schwachstelle im Lizenzierungsverfahren erkennt und sie zum größten Skandal in der Geschichte der DFL ausbauen kann. Manche Dinge lassen sich unterschiedlich beurteilen. Aber es sei noch einmal darauf hingewiesen: Wie ich es verstehe, so kann eine mögliche Nachlizenzierung alleine durch den Nachweis eines formaljuristischen Fehlers geschehen. Wir reden nicht mehr vom Geld. Wir reden jetzt nur noch von Verfahrensfragen.

Daneben überwältigt nicht nur mich die Anteilnahme am Geschehen rund um den MSV Duisburg. Das hätte ich nicht gedacht, wie viele Sympathien die Zebras in Fußballdeutschland besitzen. Oder dieser Gemeinschaftsgedanke Ruhrpott, der sich in einer Facebook-Gruppe entfaltet. Zu einer anderen Gelegenheit hätte ich vor Begeisterung auf den Tischen getanzt. Da geschieht das, was ich mir von den „111 Fußballorten im Ruhrgebiet“ erhofft hatte. Da geht es um die Identität einer Region und der Fußball ist tatsächlich eine Möglichkeit sich in der Gemeinsamkeit des Ruhrstadtgedankens zu begegnen. Nur eine andere Gelegenheit dazu hätte es schon sein dürfen.

Die Intensivmediziner verstehen die Welt nicht mehr – Eine Pressemitteilung

Ein ärztliches Bulletin von der Intensivstation. Es wird alles getan, um den Patienten am Leben zu erhalten. Ob das reicht, können wir nicht versprechen. Wir sind aber überzeugt, alles getan zu haben, was in unserer Macht steht. Normalerweise retten wir so jeden unserer Patienten.

Pressemitteilung der Gremien und Gesellschaften des MSV Duisburg

Die Gremien und Gesellschaften des MSV Duisburg – Vorstand und Verwaltungsrat des MSV Duisburg 02 e.V., Aufsichtsrat und Geschäftsführung der MSV Duisburg GmbH & Co. KGaA und die MSV Duisburg Stadionprojektgesellschaft GmbH & Co. KG – haben in ihrer gemeinsamen Sitzung am Freitag, 31. Mai 2013, das weitere Vorgehen zum Erhalt der Lizenz für die Saison 2013/14 in der 2. Bundesliga besprochen.

Der MSV Duisburg wird die bis Mitte kommender Woche zugesagte schriftliche Begründung für das für uns nicht nachvollziehbare Urteil des Lizenzierungsausschusses der Deutschen Fußball Liga prüfen und beraten und danach das Schiedsgericht anrufen.

Der MSV Duisburg ist auch nach der heutigen Sitzung mit allen Beteiligten fest davon überzeugt, alle Bedingungen zur Erlangung der Lizenz für die kommende Spielzeit fristgerecht und von einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft testiert erfüllt zu haben und damit auch alle Kriterien zur Erlangung der Lizenz erbracht zu haben.

Der MSV Duisburg begrüßt und bedankt sich ausdrücklich für die großartige Unterstützung, die der Verein in diesem Moment nicht nur von den eigenen Anhängern, sondern auch von Sponsoren, der Stadt und auch Anhängern zahlreicher anderer Clubs erhält.

Mit Hinblick auf das laufende Verfahren und die noch nicht zugestellte schriftliche Begründung wird es derzeit keine weiteren Stellungnahmen geben.

Vorstand des MSV Duisburg 02 e.V.
Verwaltungsrat des MSV Duisburg 02 e.V.
Aufsichtsrat und Geschäftsführung der MSV Duisburg GmbH & Co. KGaA
MSV Duisburg Stadionprojektgesellschaft GmbH & Co. KG

Dafür gibt es keine Worte als Überschrift

Noch immer bin ich erst einmal ohne Worte. Noch immer sitze ich hier mit Fetzen von Sätzen im Kopf. Noch immer sehe ich mich mitten unter unzähligen fassungslosen Anhängern des MSV Duisburg, wie wir stammelnd versuchen auszuhalten, was gestern als Nachricht rasend schnell die Runde machte. Der MSV Duisburg erhält für die kommende Saison nicht die Spielberechtigung für die Zweite Liga. Ich habe im Auto gesessen auf dem Weg von Duisburg nach Köln, als der WDR2-Moderator im Radio mit neutraler Stimme irgendwas vom Länderspiel am Abend zu reden begann. Ich hörte gar nicht richtig hin. Dann aber senkte er seinen Ton und begann „in Duisburg“. Blitzartig wusste ich, was er sagen wollte. Dieser Tiefschlag. Nicht glauben wollen, was ich da hörte. Dieses Aufbäumen gegen die Wirklichkeit. Dieser langsam aufkommende Zorn. Diese Beruhigung durch Erschöpfung. Dieses Suchen nach Auswegen. Dieser Gedanke: In einer anderen Liga geht es weiter. Diese Gedanke: Insolvenz. Und heute morgen alles wieder vorne. Frau Kübler-Ross lässt grüßen.

Dieses Stochern im Nebel ist entsetztlich. Wie geht es weiter? Das Schiedsgericht als leise Hoffnung. Aber wo ist der Formfehler, der nötig ist. Ginge es um einen der großen Vereine, könnte vielleicht hinter den Kulissen so ein Druck entstehen, dass man einen Formfehler findet. Aber es geht um den MSV Duisburg, der früher vielleicht einmal eine Lobby in den Fußballinstitutionen gehabt hat. Und wo soll der Formfehler her, wenn ich heute schon bei WAZ/NRZ lese, 364.000 Euro hätten in der Bilanz gefehlt. Eigentlich will ich darüber nicht weiter nachdenken. Ich will keine schlechte Stimmung durch Vermutungen. Nur mit Fakten lässt sich dieses Leben aushalten. Es ist so paradox, wir suchen nach Informationen, doch jede Neuigkeit beruhigt nicht, sondern wühlt die Stimmung nur noch mehr auf. Noch einmal befeuert diese Nachricht den Ärger und den Groll gegen die handelnden Personen Roland Kentsch und Walter Hellmich. Wenn es denn tatsächlich ein Rechenfehler gewesen ist, dann hat dieser Fehler eine strukturelle Ursache. So ein Fehler geschieht, wenn der Zeitdruck groß ist. Der Zeitdruck ist groß, weil Walter Hellmich seine Interessen wahren wollte. Er hat über die Jahre bewiesen, wie gut seine Nerven sind. Dieses Debakel ist eine Nebenwirkung des weiterhin vorhandenen Einflusses von Walter Hellmich auf den Verein. Der Zeitdruck gehörte zu seiner Strategie, diesen Einfluss zu wahren. Nun hat diese Strategie eine Konsequenz, die mit großer Wahrscheinlichkeit dazu führen wird, dass Walter Hellmich nun mehr Geld verlieren wird, als wenn er sich auf eine einvernehmliche Lösung mit allen im Verein agierenden Person eingelassen hätte. Was für ein Irrsinn.

Denn diese Konsequenz bedeutet  mit ebenso großer Wahrscheinlichkeit die Insolvenz vom Wirtschaftsunternehmen MSV Duisburg. Ich meine, so wurde es in den letzten Wochen weitergetragen. Ohne Lizenz kommt die Insolvenz. Wie soll eine Drittliga-Saison finanziert werden? Völlig unmöglich bei minimalen TV-Geldern. Und was hängt da alles noch dran? Bei WAZ/NRZ wird das Szenario entfaltet. Die Sätze werden wieder zu Fetzen. Jetzt heißt es warten. Spekulieren will ich nicht. Das macht mir nur weiter schlechte Gefühle!

Der Zebratwist im Kunstsalon

Manchmal lässt mich der MSV Duisburg fremde Orte kennen lernen. Kein Stadion bei einem Auswärtsspiel dieses Mal, sondern ein Haus in Bergisch Gladbach. Dorthin hatte der Politikwissenschaftler und Schriftsteller Klaus Hansen zu einer Vernissage geladen. „Visuelle Fußballpoesie“ sollte zu sehen sein, womit ich mich sonst weniger häufig beschäftige als mit dem Zebratwist, der zur Eröffnung ebenfalls zu hören gewesen ist. Denn wenn Klaus Hansen künstlerisch auch in der Tradition von Dadaismus und Konkreter Poesie steht, wird rein fußballerisch die Biografie von Klaus Hansen durch den MSV Duisburg bestimmt. Was in den Werken vor Ort zwar keinen Ausdruck fand, aber wegen eben dieses Zebratwists durchaus von den anwesenden Bergisch Gladbacher Kunst-Interessierten hätte verstanden werden können. Ob die Botschaft ankam, scheint mir fraglich. Ich hatte den Eindruck, in diesem Teil der lokalen Kunstszene gab es nur wenige Menschen, denen beide Kulturbereiche gleichermaßen vertraut waren. Vielleicht gelangen Klaus Hansen im persönlichen Gespräch schließlich doch noch ein paar erklärende Worte. Der MSV ist jedenfalls zu solchen Veranstaltungen mit und von ihm immer dabei.

Weitere Fotos von der Vernissage und Ablichtungen der Grafiken mit einem Klick weiter beim Kölner Stadt-Anzeiger. 

Wie sehr verändert sich die Stimmung?

Ihr kennt  doch „Fach“-Literatur, die rund um kommerziell erfolgreiche fiktive Welten entsteht? Für Star Wars, Harry Potter  oder Terry Pratchetts „Scheibenwelt“ gibt es solche Werke und für viele andere erfundene Wirklichkeiten mehr. Solche Bücher werden auch verkauft, weil  Leser alle Informationen aus der jeweiligen fiktiven Welt in kompakter Form besitzen möchten. Der eine hat erst spät den speziellen Kosmos kennengelernt, ein anderer kann sich schlecht Namen der handelnden Figuren merken und wieder ein anderer möchte lebensgeschichtliche Erklärungen, wieso die eine Hauptfigur so ein unerklärliches Verhalten in bestimmten Situationen zeigt. So ein Lexikon hat dann biographische Artikel. Es gibt Artikel zu Sachthemen und häufig gibt es Graphiken, weil komplizierte Handlungszusammenhänge und Figurenbeziehungen derart aufbereitet besser verständlich sind.

Ohne Frage lässt sich über den MSV Duisburg für die Zeit seit dem Amtsantritt von Walter Hellmich ein Kompendium erstellen, das solchen Werken über fiktive Welten gleicht. Was  in dem Verein in den letzten Jahren auf der Verwaltungsebene geschah, besitzt alle Merkmale einer Langzeitserie rund um die klassischen Motive Geld, Macht und Erfolg. Das Geschehen hat so viele Wendungen genommen, dass jemand, der sich nur für den Fußball interessiert, kaum mehr durchblickt. Auch darin gleicht das Geschehen einer Langzeitserie. Man erkennt zwar das zentrale Motiv, warum aber wer wie handelt, erschließt sich nicht sofort, ganz zu schweigen davon, wem man die Sympathien geben soll. Lange Zeit wurde zudem das zentrale Motiv im Geschehen beim MSV Duisburg, die Finanzen, als ein verdecktes Motiv geführt. Nur sehr gute Kenner des Subgenres wussten damals schon, worauf es heute hinausgelaufen ist.

Deshalb macht jeder neue Artikel zur finanziellen Lage viele am MSV Duisburg interessierte Menschen ratlos. Höre ich mich um, bemerke ich hin und wieder sogar Verdrossenheit. Oft steht nur noch der Streit im Vordergrund, und andauernder Streit nervt. Dann geht es nicht mehr um einzelne handelnde Personen, sondern um DIE, die immer alle gleich sind, und DIE, die immer doch nur irgendwas tun, ohne wirklich Ahnung zu haben. Solche Stimmungen werden verstärkt, wenn im Reviersport zu lesen ist: „Der Kampf um Pöstchen und Einflussnahme scheint wichtiger zu sein“. Ein Klischee, das nicht mal der Wahrheit entspricht. Niemand kämpft derzeit um Pöstchen. Um Einflussnahme geht es sehr wohl, denn mit der Einflussnahme sind inhaltliche Positionen verbunden. Da wird es dann kompliziert, anscheinend zu kompliziert für die Berichterstattung.

Lese ich den Artikel im Reviersport, denke ich also mal wieder, her mit einer Seite, auf der zunächst die grundlegenden Informationen zur Organisation des MSV Duisburg auf einen Blick sichtbar werden. Denn wo MSV Duisburg drauf steht, ist der MSV Duisburg machmal nur in sehr, sehr kleinen Teilen drin. Her aber auch mit einer Chronologie des Geschehens, damit Aussagen wie die von Walter Hellmich in seinem neulich öffentlich gewordenen Brief schnell mit der Wirklichkeit verglichen werden können. Mit der Sammlung begonnen habe ich schon. Vielleicht ist so eine Arbeit abzuschließen aber auch gar nicht mehr nötig. Denn nun gab es in WAZ/NRZ einen Kommentar, dessen Kernaussagen ich so und ähnlich schon öfter selbst irgendwo geschrieben habe, wenn Walter Hellmichs Verantwortung für die Gegenwart des MSV Duisburg nicht wahrgenommen wurde. In diesem Kommentar weist Dirk Retzlaff auf die Gründe für die finanziellen Schwierigkeiten durch die Ära Hellmich und stärkt dem derzeitigen MSV-Vorsitzenden Udo Kirmse den Rücken.

Vielleicht entsteht gerade jene Dynamik, die es ermöglicht, eine langfristige Lösung für die finanziellen Schwierigkeiten durchzusetzen. Denn Entscheidungen folgen meist nicht einem Abwägen von Argumenten. Je komplexer ein Geschehen, desto wichtiger sind Stimmungen. Und im Moment sieht es so aus, als mache es der Brief von Walter Hellmich immer schwieriger seine Position zu stützen. Vielleicht ist eine Chronologie der Ereignisse bald nur noch für Lokal- und Fußballhistoriker interessant. Für Autoren von Langzeitserien ohnehin.

Den Tag beginnen mit einer guten Nachricht, in der es vordergründig nicht um Geld geht

Bei all den Sorgen der letzten zwei Tage zur Finanzlage des MSV Duisburg ist der Spielbetrieb und eine andere offene Frage völlig aus dem Blick geraten. Nach dem letzten Spiel des MSV gegen den SC Paderborn suchte die lokale Presse ja nach einer schönen Geschichte, um ihre am MSV interessierten Leser bei Laune und Zeitung zu halten. Diese Geschichte fand sie mit den Vereinen der Bundesliga und Zweiten Liga, die ihre Trainer für die kommende Saison suchten. In so einer Situation passte es gut, dass Kosta Runjaic als der entscheidende Mann für den Erfolg des MSV Duisburg in dieser Saison gilt. So einem Trainer darf man doch wohl auch andere Aufgaben zutrauen. Es war auch nicht weiter wichtig, ob das stimmte oder nicht. Wichtig war, ein bedrohliches Szenario ist allemal eine Geschichte für mehrere Tage. Mir fiel das vor allem beim letzten Satz des oben verlinkten WAZ/NRZ-Artikels auf. Die Geschicke des 1. FC Köln verfolge ich ja vor Ort, und in der hiesigen lokalen Presse habe ich nichts von Kosta Runjaic als möglichem Trainer-Kandidaten des FC gelesen. Ich glaube, ich habe überhaupt keinen Namen gelesen. Die Kontakte der Pott-Presse in die Domstadt müssen verdammt gut gewesen sein, um in diesem namenlosen Kandidatenkreis den Trainer des MSV Duisburg zu finden.

Auf einer Äußerung von Kosta Runjaic konnte sich die Lokalpresse allerdings berufen.Er hatte betont, dass er mit seinen Co-Trainern Ilja Gruev und Sven Beuckert unbedingt weiter arbeiten wollte. Was zunächst auch einfach Ausdruck seiner Wertschätzung hat sein können. Schließlich liefen die Verträge beider Co-Trainer aus. Aber so ein Ausdruck von Wertschätzung lässt sich natürlich in ein Bedrohungsszenario problemlos einbauen.  Doch dann kam die Finanzkrise des MSV Duisburg als die noch viel bessere Geschichte dazwischen. So geht das Happy End für das Bedrohungsszenario „Trainer geht“ unter am Morgen nach der wieder einmal hoffentlich gesicherten Zweitliga-Lizenz. „Ilja Gruev bleibt beim MSV Duisburg“, titelt die Rheinische Post. Was im Bedrohungsszenario eine entscheidende dramaturgische Funktion hatte. Entweder wollten andere Vereine den Co-Trainer verpflichten oder der MSV Duisburg wollte nicht auf seine Vertragsvorstellungen eingehen. Nun arbeitet er also beim MSV weiter, und wir können darauf zählen, Kosta Runjaic wird es zufrieden mitbekommen haben. Er wird beim MSV Duisburg bleiben. Bis sich die nächste Geschichte mit seiner Person anbietet.

Die alte Macht ist frisch und jung

Brechen wir das Geschehen des gestrigen Tages mal auf plakative Begriffe runter. Die Idealisten gehen, die Machtpolitiker mit finanziellen Interessen bleiben. Damit ist noch nichts über den möglichen Erfolg von unterschiedlichen Konzepten gesagt. Gleichwohl gibt es Hinweise. Denn noch immer fehlt in jedem Artikel über die Zukunft des MSV Duisburg irgendeine Aussage zu konkreten Vorhaben, das strukturelle Problem zu hoher Kosten durch die Stadionmiete anzugehen.

Die Idealisten gehen, die Machtpolitiker bleiben. Der Konflikt im Verein reduziert sich auf die Namen Hellmich und Schauinsland-Reisen. Es geht nicht um Personen, die im Verein offizielle Ämter bekleiden. Es geht um Personen, die für Geldzu- und abflüsse sorgen. Ich glaube aber kaum, dass Walter Hellmich ohne Unterstützung in diesem Konflikt als Gewinner hervorgeht. Mir ist völlig unersichtlich, wieso Walter Hellmich – als natürlich großer Anteilseigner der MSV Duisburg Stadionprojekt GmbH & Co. KG – so dasteht, als bestimme er alleine das Geschäft der Stadionbetreiber. Er ist doch nicht Mehrheitseigner, oder irre ich mich? Wieso kann in der Stadt Duisburg niemand so viel Druck auf ihn ausüben, dass er sich einem gemeisamen Weg mit einem Sponsor und Unterstützer des MSV Duisburg nicht verschließt, der sich bislang als sehr guter Partner erwiesen hat? Da habe ich keine Erklärung. Anscheinend kann Walter Hellmich eines auch sehr gut, Netzwerke organisieren und  Personen für sich gewinnen. Er scheint ein guter Machtpolitiker zu sein.

Es ist bezeichnend für die Situation, dass Walter Hellmich, der nach eigenen Worten laut RP ja für kein offizielles Amt im Verein zur Verfügung steht, gestern dennoch wie offiziell auch immer sich als Sprachrohr des MSV Duisburg verstand. Er war es, der verkündete, die Lizenz für die nächste Saison sei gesichert. Weder Roland Kentsch als Geschäftsführer der KGaA noch Udo Kirmse als Vereinsvorsitzender mussten etwas sagen. Das alles entnehme ich der Rheinischen Post, die das Geschehen des gestrigen Tages so umfassend wie möglich und in sachlichem Ton umreißt. Bezeichnend auch, wie schwammig sich Walter Hellmich zur Stadionmiete äußert. Miete werde gestundet oder es werde auf sie verzichtet. Ein Unterschied, der die Zukunft des MSV Duisburg bestimmt. Walter Hellmich jedenfalls ist endgültig ganz zurück.

Kosta auf den Zaun

So hat sich Branimir Bajic seinen Anteil am 3:2-Sieg des MSV Duisburg gegen den SC Paderborn mit Sicherheit nicht vorgestellt. Er hätte wahrscheinlich gerne den wie üblich souverän geschossenen Elfmeter erwähnt wissen wollen. Eine rote Karte aber als selbstloses Opfer für eine bessere Mannschaftsleistung? Das stand bestimmt nicht auf dem Plan. Als er vom Spielfeld ging, überwog noch der Ärger über die Schiedsrichterentscheidung. Da war noch nicht abzusehen, wie sehr sich die Mannschaft vom MSV Duisburg die weitere Spielzeit von knapp 20 Minuten steigerte. Es wurde noch einmal intensiv um jeden offenen Ball gekämpft. Meter um Meter wurden gelaufen. Kombinationen gelangen. Es war all das zu sehen, was zu Beginn der zweiten Halbzeit sich mehr und mehr andeutete und in der ersten Halbzeit kaum vorhanden war.

Es war ein unterhaltsames letztes Spiel der Saison, in dem der SC Paderborn sich zunächst als die kombinationssicherere Mannschaft erwies und sehr früh den Spielaufbau des MSV Duisburg zu stören begann. Wenn fast die gesamte Mannschaft des SC Paderborn in die gegnerische Spielhälfte rückt,  gibt es schon auf Höhe des Strafraums nur wenig  Raum und Ruhe, den Ball sicher dem Mitspieler zuzupassen. Halblange und lange Bälle boten Lösungen für das Problem, obgleich auch die Versuche geordnet nach vorne zu kommen nie eingestellt wurden. So kamen die Chancen des MSV Duisburg nach nur wenigen Ballkontakten zustande, während der SC Paderborn sich kontinuierlich, Mann für Mann durch die Duisburger Defensive spielte. Mit dem Führungstreffer konnte Timo Perthel noch einmal seine Qualität als Distanzschütze beweisen. Das hatte im Hinspiel schon geklappt. Sicherheit gab diese Führung aber nicht, und der Ausgleich schien nur eine Frage der Zeit zu sein.

Auf der linken Abwehrseite scheint es Abstimmungsschwierigkeiten gegeben zu haben. Immer mal wieder hatte Andreas Ibertsberger zwei Paderborner Spieler gegen sich. Dementsprechend konnte er nicht alles richtig machen. Das war aber meiner Meinung nach weniger seinem Stellungsspiel geschuldet als mangelnder Zuordnung auf der gesamten linken Seite beim schnellen Paderborner Kombinationsspiel. Seine Auswechlung war deshalb wohl mehr durch die Platzwunde am Kopf verursacht als durch seine Leistung.

Die zweite Halbzeit begann der MSV Duisburg energischer. Der Druck auf das Paderborner Tor wurde größer, und das Kombinationsspiel der Paderborner konnte sich nicht mehr so eindrucksvoll entfalten. Dennoch erhielt der MSV Duisburg seine Chancen eher durch die steilen Bälle in die Spitze. Einen dieser Bälle erlief sich Daniel Brosinski, der beim Abschluss im Strafraum gefoult wurde. Branimir Bajic als Standardschütze trat zum Elfmeter an und traf. Der erneute Ausgleich fiel durch einen sehr gut geschossenen Freistoß von Mario Vrancic. Beide Mannschaften wollten dieses Spiel weiterhin gewinnen. So wurden die Räume beim Hin und Her offener. Während die Paderborner ihre Kombinationssicherheit etwas einbüßten, gewannen die Zebras sie hinzu.

Sören Brandy war für mich der Spieler dieses Spiels, nicht nur weil ihm das Siegtor dann aus spitzem Winkel beeindruckend cool gelang. In diesem Spiel zeigte er noch einmal alle seine Qualitäten, die ihn für den MSV Duisburg so wichtig machen. Er läuft ungemein viel, schafft Lücken und stößt selbst in freie Räume. Er hat ein Auge für die Entwicklung von Spielsituationen. Das macht seinen Kampf um den Ball so effektiv. Dabei verfügt er über eine gute Technik, und in der Rückrunde ist seine Spielweise zudem offener geworden. Er sucht öfter das Abspiel, was natürlich auch dank das besseren Eingespieltsein der Mannschaft gelingt.

In der Pressekonferenz nach dem Spiel bedankt sich Kosta Runjaic bei allen, die mitgezittert haben in dieser Saison. Wieviel Zeit er sich für die Dankesworte nimmt, weist für mich auf die Zukunft dieses Vereins. Kosta Runjaic denkt in größeren Zusammenhängen. Er sieht nicht nur die sportliche Leistung seiner Mannschaft, sondern er weiß, wie diese sportliche Leistung auch von äußeren Einflüssen wie dem Umfeld des Vereins abhängig ist. In seinen Worten lässt sich erkennen, dass er ebenso weiß, jemand muss sich für die gute Stimmung rund um den Verein einsetzen. Dieser Trainer ist ein Glücksgriff für den MSV Duisburg gewesen. Ich hoffe sehr, dass er noch einige Zeit in Duisburg bleibt und beim MSV weitere Beweise für die Qualität seiner Arbeit abliefert.

Neben der Pressekonferenz sind zudem die Stimmen von Sören Brandy, Goran Sukalo, Timo Perthel, Daniel Brosinski, Julian Koch und Srdjan Baljak zu hören. Über Srdjan Baljak hätte ich natürlich gerne die wunderbare Geschichte von seinem letzten Tor der Saison geschrieben. Einmal blitzte diese Möglichkeit auf, als Daniel Brosinski auf das Tor zog und vielleicht hätte abspielen können. Aber es war ja Daniel Brosinski. Und Ruhmestaten herbeischreiben, das braucht Srdjan Baljak nicht. Auch wenn er souverän kurz vor Ende des Spiels noch einen Eckball für den MSV Duisburg herausgeholt hat. So etwas als besondere Leistung zu erwähnen, wirkt doch übertrieben. Dafür hat der MSV Duisburg diesem Spieler viel zu viel zu verdanken. Der Abschied von ihm schmerzt. Alles Gute, Srdjan Baljak!

Der Spielbericht bei Sky mit einem Klick weiter.

Die schönsten Fußballtorten der Welt – XI: Eintracht Braunschweig – Anlässlich des Aufstiegs

Mit freundlicher Unterstützung von „111 Fußballorte im Ruhrgebiet, die man gesehen haben musspräsentiert der Zebrastreifenblog in loser Reihe die schönsten Fußballtorten der Welt.

Nicht dass Hertha BSC keinen Kuchen verdient hat, aber wenn außer dem Angebot des (semi-)professionellen Konditorenhandwerks im Netz kein Backwerk zu finden ist, kümmer ich mich lieber nur um die Fußballkuchen-Bäckerwelt von Eintracht Braunschweig. Zumal der Erfolg von Eintracht Braunschweig in dieser Saison einem Verein wie dem MSV Duisburg Vorbild sein kann und damit zugleich Hoffnung gibt. Manchmal geschieht etwas, was die Normalität durchbricht. Manchmal werden Erwartungen nicht unterboten, sondern übertroffen. Ivica Grlic will in der nächsten Zeit, das Wort „Aufstieg“ nicht mehr in den Mund nehmen. Aber vor einer neuen Saison dürfen wir in Zukunft alle immer mal dennoch kurz an Eintracht Braunschweig denken. Es könnte ja sein, dass etwas ins Laufen kommt, was irgendwann nicht mehr aufzuhalten ist.

Melabelle hat diesen Kuchen gebacken sowie das Foto gemacht, und wer nach Rezepten fragen möchte, muss sich im Forum von Brigitte anmelden.

Jeanette ist im schon bekannten Torten-Talk unterwegs und hat diesen Kuchen für den Sohn einer Freundin gebacken.

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Das Werk von Jeanette ist aber noch umfangreicher. Ein Kuchen für Erwachsene gehört ebenfalls dazu

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Versteckt in einem kurzen Erinnerungsclip zu einem Kindergeburtstag ist bei Minute 0.52 ein weiterer Kuchen zu finden.


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