Wie sehr verändert sich die Stimmung?

Ihr kennt  doch „Fach“-Literatur, die rund um kommerziell erfolgreiche fiktive Welten entsteht? Für Star Wars, Harry Potter  oder Terry Pratchetts „Scheibenwelt“ gibt es solche Werke und für viele andere erfundene Wirklichkeiten mehr. Solche Bücher werden auch verkauft, weil  Leser alle Informationen aus der jeweiligen fiktiven Welt in kompakter Form besitzen möchten. Der eine hat erst spät den speziellen Kosmos kennengelernt, ein anderer kann sich schlecht Namen der handelnden Figuren merken und wieder ein anderer möchte lebensgeschichtliche Erklärungen, wieso die eine Hauptfigur so ein unerklärliches Verhalten in bestimmten Situationen zeigt. So ein Lexikon hat dann biographische Artikel. Es gibt Artikel zu Sachthemen und häufig gibt es Graphiken, weil komplizierte Handlungszusammenhänge und Figurenbeziehungen derart aufbereitet besser verständlich sind.

Ohne Frage lässt sich über den MSV Duisburg für die Zeit seit dem Amtsantritt von Walter Hellmich ein Kompendium erstellen, das solchen Werken über fiktive Welten gleicht. Was  in dem Verein in den letzten Jahren auf der Verwaltungsebene geschah, besitzt alle Merkmale einer Langzeitserie rund um die klassischen Motive Geld, Macht und Erfolg. Das Geschehen hat so viele Wendungen genommen, dass jemand, der sich nur für den Fußball interessiert, kaum mehr durchblickt. Auch darin gleicht das Geschehen einer Langzeitserie. Man erkennt zwar das zentrale Motiv, warum aber wer wie handelt, erschließt sich nicht sofort, ganz zu schweigen davon, wem man die Sympathien geben soll. Lange Zeit wurde zudem das zentrale Motiv im Geschehen beim MSV Duisburg, die Finanzen, als ein verdecktes Motiv geführt. Nur sehr gute Kenner des Subgenres wussten damals schon, worauf es heute hinausgelaufen ist.

Deshalb macht jeder neue Artikel zur finanziellen Lage viele am MSV Duisburg interessierte Menschen ratlos. Höre ich mich um, bemerke ich hin und wieder sogar Verdrossenheit. Oft steht nur noch der Streit im Vordergrund, und andauernder Streit nervt. Dann geht es nicht mehr um einzelne handelnde Personen, sondern um DIE, die immer alle gleich sind, und DIE, die immer doch nur irgendwas tun, ohne wirklich Ahnung zu haben. Solche Stimmungen werden verstärkt, wenn im Reviersport zu lesen ist: „Der Kampf um Pöstchen und Einflussnahme scheint wichtiger zu sein“. Ein Klischee, das nicht mal der Wahrheit entspricht. Niemand kämpft derzeit um Pöstchen. Um Einflussnahme geht es sehr wohl, denn mit der Einflussnahme sind inhaltliche Positionen verbunden. Da wird es dann kompliziert, anscheinend zu kompliziert für die Berichterstattung.

Lese ich den Artikel im Reviersport, denke ich also mal wieder, her mit einer Seite, auf der zunächst die grundlegenden Informationen zur Organisation des MSV Duisburg auf einen Blick sichtbar werden. Denn wo MSV Duisburg drauf steht, ist der MSV Duisburg machmal nur in sehr, sehr kleinen Teilen drin. Her aber auch mit einer Chronologie des Geschehens, damit Aussagen wie die von Walter Hellmich in seinem neulich öffentlich gewordenen Brief schnell mit der Wirklichkeit verglichen werden können. Mit der Sammlung begonnen habe ich schon. Vielleicht ist so eine Arbeit abzuschließen aber auch gar nicht mehr nötig. Denn nun gab es in WAZ/NRZ einen Kommentar, dessen Kernaussagen ich so und ähnlich schon öfter selbst irgendwo geschrieben habe, wenn Walter Hellmichs Verantwortung für die Gegenwart des MSV Duisburg nicht wahrgenommen wurde. In diesem Kommentar weist Dirk Retzlaff auf die Gründe für die finanziellen Schwierigkeiten durch die Ära Hellmich und stärkt dem derzeitigen MSV-Vorsitzenden Udo Kirmse den Rücken.

Vielleicht entsteht gerade jene Dynamik, die es ermöglicht, eine langfristige Lösung für die finanziellen Schwierigkeiten durchzusetzen. Denn Entscheidungen folgen meist nicht einem Abwägen von Argumenten. Je komplexer ein Geschehen, desto wichtiger sind Stimmungen. Und im Moment sieht es so aus, als mache es der Brief von Walter Hellmich immer schwieriger seine Position zu stützen. Vielleicht ist eine Chronologie der Ereignisse bald nur noch für Lokal- und Fußballhistoriker interessant. Für Autoren von Langzeitserien ohnehin.

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