Dafür gibt es keine Worte als Überschrift

Noch immer bin ich erst einmal ohne Worte. Noch immer sitze ich hier mit Fetzen von Sätzen im Kopf. Noch immer sehe ich mich mitten unter unzähligen fassungslosen Anhängern des MSV Duisburg, wie wir stammelnd versuchen auszuhalten, was gestern als Nachricht rasend schnell die Runde machte. Der MSV Duisburg erhält für die kommende Saison nicht die Spielberechtigung für die Zweite Liga. Ich habe im Auto gesessen auf dem Weg von Duisburg nach Köln, als der WDR2-Moderator im Radio mit neutraler Stimme irgendwas vom Länderspiel am Abend zu reden begann. Ich hörte gar nicht richtig hin. Dann aber senkte er seinen Ton und begann „in Duisburg“. Blitzartig wusste ich, was er sagen wollte. Dieser Tiefschlag. Nicht glauben wollen, was ich da hörte. Dieses Aufbäumen gegen die Wirklichkeit. Dieser langsam aufkommende Zorn. Diese Beruhigung durch Erschöpfung. Dieses Suchen nach Auswegen. Dieser Gedanke: In einer anderen Liga geht es weiter. Diese Gedanke: Insolvenz. Und heute morgen alles wieder vorne. Frau Kübler-Ross lässt grüßen.

Dieses Stochern im Nebel ist entsetztlich. Wie geht es weiter? Das Schiedsgericht als leise Hoffnung. Aber wo ist der Formfehler, der nötig ist. Ginge es um einen der großen Vereine, könnte vielleicht hinter den Kulissen so ein Druck entstehen, dass man einen Formfehler findet. Aber es geht um den MSV Duisburg, der früher vielleicht einmal eine Lobby in den Fußballinstitutionen gehabt hat. Und wo soll der Formfehler her, wenn ich heute schon bei WAZ/NRZ lese, 364.000 Euro hätten in der Bilanz gefehlt. Eigentlich will ich darüber nicht weiter nachdenken. Ich will keine schlechte Stimmung durch Vermutungen. Nur mit Fakten lässt sich dieses Leben aushalten. Es ist so paradox, wir suchen nach Informationen, doch jede Neuigkeit beruhigt nicht, sondern wühlt die Stimmung nur noch mehr auf. Noch einmal befeuert diese Nachricht den Ärger und den Groll gegen die handelnden Personen Roland Kentsch und Walter Hellmich. Wenn es denn tatsächlich ein Rechenfehler gewesen ist, dann hat dieser Fehler eine strukturelle Ursache. So ein Fehler geschieht, wenn der Zeitdruck groß ist. Der Zeitdruck ist groß, weil Walter Hellmich seine Interessen wahren wollte. Er hat über die Jahre bewiesen, wie gut seine Nerven sind. Dieses Debakel ist eine Nebenwirkung des weiterhin vorhandenen Einflusses von Walter Hellmich auf den Verein. Der Zeitdruck gehörte zu seiner Strategie, diesen Einfluss zu wahren. Nun hat diese Strategie eine Konsequenz, die mit großer Wahrscheinlichkeit dazu führen wird, dass Walter Hellmich nun mehr Geld verlieren wird, als wenn er sich auf eine einvernehmliche Lösung mit allen im Verein agierenden Person eingelassen hätte. Was für ein Irrsinn.

Denn diese Konsequenz bedeutet  mit ebenso großer Wahrscheinlichkeit die Insolvenz vom Wirtschaftsunternehmen MSV Duisburg. Ich meine, so wurde es in den letzten Wochen weitergetragen. Ohne Lizenz kommt die Insolvenz. Wie soll eine Drittliga-Saison finanziert werden? Völlig unmöglich bei minimalen TV-Geldern. Und was hängt da alles noch dran? Bei WAZ/NRZ wird das Szenario entfaltet. Die Sätze werden wieder zu Fetzen. Jetzt heißt es warten. Spekulieren will ich nicht. Das macht mir nur weiter schlechte Gefühle!

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3 Responses to “Dafür gibt es keine Worte als Überschrift”


  1. 1 sp470 30. Mai 2013 um 16:58

    …dieses nichts machen zu können, diese anscheinende und sinnlose Aussichtslosigkeit…das krieg ich nicht rein…wieso kann man denn nicht nachbessern? Hier geht es nicht um eine Klassenarbeit…die Tragweite dieser Entscheidung ist zerstörend…eine Stadt wird vor die Hunde gehen…ich werde eine Mail an die DFL schreiben, besser als nichts, Hauptsache was machen. lg sp
    Nur der MSV! Nur der MSV DUISBURG!


  1. 1 Der traurige Epilog der 50.Bundesligaspielzeit. Ein Gründungsmitglied geht | Fokus Fussball Trackback zu 31. Mai 2013 um 12:04

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