Was mir nicht aus dem Kopf geht …

Nie zuvor hatte ich stärker das Bedürfnis, eine Chronologie des Geschehens beim MSV Duisburg während der letzten Jahre zu erstellen. Egal, wie es auch immer mit dem MSV Duisburg weitergeht. Das liegt auch daran, dass nach einem endgültigen Zwangsabstieg des MSV Duisburg mir nur die Wahrheit zu Ruhe verhilft. Nie zuvor habe ich Menschen besser verstanden, die einem Unglück ausgesetzt waren und danach wissen wollten, wie es dazu kam. Natürlich lässt sich der grobe Weg nachvollziehen, aber mir geht einfach nicht die Frage aus dem Kopf, wie es zu dieser Art Zeitdruck hat kommen können. Schon am Tag nach der Jahreshauptversammlung stellte sich für mich die Frage, was hat Roland Kentsch fünf Monate lang gemacht? Liest man ein wenig herum, fällt auf, wie ungerichtet in den wenigen Tagen bis zum Abgabetermin der Bilanzunterlagen in dieser Geschäftsführung gearbeitet wurde. Sowohl Walter Hellmich in seinem Brief als auch Andreas Rüttgers für den Sponsor Schauinsland Reisen im MSVPortal schildern unabhängig voneinander, wie erst Geld nicht gebraucht wird, dann doch und dann wieder nicht. Es ist so bizarr, dass diese beiden Gegenpole im MSV Duisburg ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Für mich liegt es auf der Hand, dass bei so einem hin und her Fehler passieren.

Völlig abgesehen von unterschiedlichen konzeptionellen Ansätzen, es ist so bitter, dass im Grunde sowohl Walter Hellmich als auch Schauinsland Reisen bereit gewesen sind, genügend Geld zur Verfügung zu stellen, um auch diese Klippe der Lizenzierung zu überwinden. Brauchte es etwa die Katastrophe um eine endgültige Lösung der Probleme für den MSV Duisburg überhaupt erst zu ermöglichen? Menschen sind so. Menschen machen einfach weiter mit dem, was sie immer schon getan haben. Erst der Leidensdruck schafft die Bereitschaft, Energie und Kraft aufzubringen, um aus dem Trott auszubrechen. Stand das dahinter?

Momentan hoffe ich nur noch auf ein Wunder. Ich träume von einem genialen Rechtsbeistand, der eine kaum vorhandene Schwachstelle im Lizenzierungsverfahren erkennt und sie zum größten Skandal in der Geschichte der DFL ausbauen kann. Manche Dinge lassen sich unterschiedlich beurteilen. Aber es sei noch einmal darauf hingewiesen: Wie ich es verstehe, so kann eine mögliche Nachlizenzierung alleine durch den Nachweis eines formaljuristischen Fehlers geschehen. Wir reden nicht mehr vom Geld. Wir reden jetzt nur noch von Verfahrensfragen.

Daneben überwältigt nicht nur mich die Anteilnahme am Geschehen rund um den MSV Duisburg. Das hätte ich nicht gedacht, wie viele Sympathien die Zebras in Fußballdeutschland besitzen. Oder dieser Gemeinschaftsgedanke Ruhrpott, der sich in einer Facebook-Gruppe entfaltet. Zu einer anderen Gelegenheit hätte ich vor Begeisterung auf den Tischen getanzt. Da geschieht das, was ich mir von den „111 Fußballorten im Ruhrgebiet“ erhofft hatte. Da geht es um die Identität einer Region und der Fußball ist tatsächlich eine Möglichkeit sich in der Gemeinsamkeit des Ruhrstadtgedankens zu begegnen. Nur eine andere Gelegenheit dazu hätte es schon sein dürfen.

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11 Responses to “Was mir nicht aus dem Kopf geht …”


  1. 1 sp470 31. Mai 2013 um 16:31

    Was würden denn passieren, wenn man die Gelegenheit zur Nachbesserung zulässt? Klimakatastrophe? DFL-Gebäudeeinsturz? Hängen da Menschenleben dran? Umgekehrt schon!
    Mir ist das so unverständlich. lg sp

    • 2 Kees Jaratz 31. Mai 2013 um 16:35

      Wohl wahr! Aber ich bin alt genug, um genau solche Situationen im Kleinen schon oft genug am eigenen Leib erlebt zu haben 😦 Normalerweise siehst du keine Problem, und dann kommt jemand mit den Vorschriften.

      • 3 sp470 31. Mai 2013 um 16:52

        Das Problem ist nur, wenn eine Zeche erstma still gelegt ist, kann man sie auch nicht mehr in Betrieb nehmen.
        Das wäre ein irreparabler Schaden! Das ist unverantwortlich!

  2. 4 Trainer Baade 31. Mai 2013 um 17:02

    Eine solche umfassende Darstellung der Ereignisse bis zum Kollaps ist dringend nötig und ich würde mich sehr freuen, wenn ich diese hier eines Tages fände. Das wär sogar etwas, wofür ich Geld bezahlen würde, um es zu lesen. Denn mir erschließt sich bislang kaum, wer welche Interessen mit welchen Folgen hatte. Was ich gerne ändern würde.

    Dennoch natürlich die Hoffnung, dass es keine Katastrophe geben wird, welche man begreifen muss.

    • 5 sp470 31. Mai 2013 um 17:40

      …absolut. Dieses Nicht-Wissen Wer? Wie? Was? Wieso? Weshalb? Warum? fühlt sich auch so ohnmächtig und handlungsunfähig an. Wem geht es eigentlich um was? Wird/Wurde der Verein dafür tatsächlich nur als Spielball benutzt?

    • 6 Kees Jaratz 1. Juni 2013 um 07:01

      Angefangen habe ich schon, und wenn ich solche Anfangssätze schreibe, denke ich auch an solche motivierende Sätze wie deine,Trainer. Danke! Ist nicht nur die Menge des Stoffs, die viel Arbeit macht, sondern die Frage, der Perspektive. Es langt nicht, wie ich gehofft habe, nur Fakten zu dokumentieren. Die Dinge sprechen oft nicht für sich. Je länger die Geschichte voran geht, desto umfassender muss Vorgeschichte noch einmal in Erinnerung gerufen werden, um eine Entscheidung verstehbar und bewertbar zu machen.

  3. 7 ubremer 31. Mai 2013 um 17:14

    Ich träume von einem genialen Rechtsbeistand, der eine kaum vorhandene Schwachstelle im Lizenzierungsverfahren erkennt und sie zum größten Skandal in der Geschichte der DFL ausbauen kann

    Aus gemachten schlechten Erfahrungen in Berlin, sowohl mit Hertha („Todesangst“) als auch beim 1. FC Union, würde ich dem MSV ans Herz legen, für den Gang vors Ständige Schiedsgericht des DFB nicht den Rechtsbeistand zu wählen, den fast automatisch immer alle Vereine nehmen.

    • 8 Kees Jaratz 31. Mai 2013 um 19:44

      Es kommt ganz komisch vor, dass mir angesichts deines Kommentars leichter ums Herz wird. Es ist einfach die Anteilnahme, die daraus spricht, nach dem Motto geteiltes Leid aus gemachter Erfahrung. Danke!

  4. 9 Trainer Baade 31. Mai 2013 um 18:10

    Und Leute von anderen Vereinen interessierte es übrigens auch – der hier Kommentierende ist Herthaner. Ich gebe das Anliegen gerne – später – an Kees Jaratz weiter, der sicher näher an den Dingen ist.

  5. 10 Christian Moosbrugger 1. Juni 2013 um 09:57

    Ich glaube, selbst wenn das noch klappt nächste Woche, werde ich so schnell nicht wieder in das Lebensgefühl zurückfinden, welches ich am letzten Mittwoch noch hatte.

    Mir hat es meine Frau gesagt, als ich am bewussten Abend nach Hause kam, mit den einleitenden Worten: „Es gibt eine Hiobsbotschaft“. Nicht so originell, dafür zutreffend.

    Bei sowas kann die durch das Internet generierte Informationsdichte im übrigen vom Segen zu einem Fluch werden. Vor allen Dingen, wenn es gar keine echten Informationen gibt


  1. 1 Ein Triple, ein Eigentor und ein goldener Schuh | Fokus Fussball Trackback zu 3. Juni 2013 um 10:09

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