Archiv für Juni 2013

Die Zuversicht ermöglicht endlich Hermann Gerland im Interview

Ich weiß, ich weiß, ich weiß. Wenn einer von euch sich angesichts der Nachrichtenlage um den MSV Duisburg noch nicht vollends entspannt, ist das nur allzu menschlich. So sind wir Menschen durch die Jahrtausende gekommen. Erfahrungswissen wird direkt angewendet, und nach Katastrophen bleiben wir für die Zukunft  einige Zeit misstrauisch. Schließlich haben wir gerade noch erlebt, wie Dr. Gerd Görtz den emotional vernachlässigten Roland Kentsch ins Rampenlicht rückte und ihn mal so richtig lobte für das Erledigen einer Herkulesaufgabe. Das Ergebnis war ja, wie wir wissen, nicht so wichtig. Wahrscheinlich sind auch daran mal wieder die 68er schuld. Deren viele Gedanken haben zu eben so vielen Missverständnissen geführt. Wahrscheinlich muss man sich Dr. Gerd Görtz früher mit langen Haaren vorstellen, mit gebatikten T-Shirts und erfüllt vom Wunsch, die Welt könne durch Lob besser werden. Egal, was für ein Mist auch jemand macht, ein Mensch bleibt immer auch Mensch, der Zuwendung braucht. So wird Dr. Gerd Görtz gedacht haben. Uns hat er nicht nur mit seinem Lob aufs Glatteis geführt.

Und nun trauen wir den Meldungen nicht mehr, wenn ganz andere Menschen im MSV Duisburg ähnliche Worte benutzen wie die damals handelnden. Der Vorstand ist zuversichtlich die Lizenz für die 3. Liga zu erhalten. Der DFB hat diese Lizenz noch nicht offiziell bestätigt, auch wenn der MSV Duisburg im nun veröffentlichten Spielplan bereits aufgeführt ist. Ich habe meine Vorsicht längst wieder vergessen. Die Seriösität des derzeitigen Vorstands, die Zusammenarbeit von Udo Kirmse und Jürgen Marbach und all den anderen, die ebenfalls mitwirken, all das macht mir schon meinen Stehplatz in der 3. Liga sehr lebendig. Zu lesen ist vom fortwährenden Kontakt zum DFB. Zu lesen ist von der Unterstützung durch Schauinsland-Reisen. Zu lesen ist aber auch, wie Walter Helllmich eingebunden wurde. All das klingt für mich nach Zukunft. All das macht mich so entspannt, dass ich endlich jenes so unterhaltsame Interview online stelle, das die Macher von Hauptsache Fußball schon auf ihrer DVD präsentierten, nun dankenswerter Weise frei zugänglich machen und mich in Hermann Gerland verlieben ließ, als ich es das erste Mal sah.

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Fußball im Ruhrgebiet – Ein Online-Fußballtalk, unter anderem mit einer, nämlich meiner Stimme für den MSV

Aufgenommen wurde die Talk-Runde Eng am Ball am letzten Donnerstag. Thema sollte der Ruhrgebiets-Fußball sein. Zugesagt hatte ich kurz nach der Nachricht, dass der MSV Duisburg die Zweitligalizenz nicht erhält. Als wir Mittwoch schließlich diesen Lizenzentzug bestätigt bekamen, fiel ich wie ihr alle in ein tiefes Loch. Ich konnte  mir nicht vorstellen in einer Runde über den Fußball im Ruhrgebiet zu reden. Was sollte ich da sagen? Mir fehlten nicht nur die passenden Worte, um über den MSV zu reden, für den ich stellvertretend ja eingeladen war. Mir ging es wie jedem Menschen, der trauert. Für so einen Menschen gibt es nur diese Trauer. Alles andere der Welt berührt den Trauernden nicht. Das Ich interessiert sich nicht mehr für die Wirklichkeit. Das Ich ist nichts anderes als Trauer und Körperfunktionen. Schöne Aussichten! Doch dann kam die Wut! Weggewischt wurde alle Trauer bei dem Gedanken, die Talk-Runde werde im Netz von wahrscheinlich etwa 9000 Menschen gesehen, und so könnte ich vielen Menschen außerhalb von Duisburg sagen, wie es beim MSV zu dem Lizenzentzug hatte kommen können. Das war der Vorsatz.

Nun erlebe ich es als Vorteil des Alters gelassen sagen zu können, das hat nicht ganz geklappt. Ich habe aber wieder etwas gelernt. Nimmst du an einer solchen Veranstaltung teil, ist es ratsam, vorher schon die Sätze auszuformulieren, die man sagen will, wenn du eine Botschaft hast. Sehe ich den Clip, mangelt es für mich der eigenen Botschaft an Begründung und Genauigkeit. Das ist die sehr spezifische Zebra-Perspektive. Die Runde ist dennoch unterhaltsam und informativ geworden, nur der komplexe Bedingungszusammenhang für den Lizenzentzug, den habe ich eben nicht in ein paar Sätzen erzählt bekommen. Es fehlt eindeutig die Verbindung von Walter Hellmich zur Stadionprojekt-Gesellschaft. Jemand, der die Verhältnisse in Duisburg nicht kennt, wird sich wahrscheinlich wundern, warum Walter Hellmich weiter eine so große Rolle in Duisburg spielte.

Dafür entwickelte sich ein lebendiges Gespräch zwischen Andreas Bach, dem Macher von Hauptsache Fußball, Marco Jankowski, seinem Produktionskollegen, Holger Sitter, dem Chefredakteur vom Internet-Magazin Gib mich die Kirsche, Thomas Reis, dem Leiter der Nachwuchsabteilung und Co-Trainer vom VfL Bochum, Oliver Ruhnert, dem Sportlichen Leiter des Nachwuchszentrums und dem Chefscout vom FC Schalke 04, sowie mir, der sich am Aufnahmeort Dortmund auch als Ralf Koss zu erkennen gab. Aber seht selbst:

Bewältigen mit lyrischem Fragment

Alle auf den Zaun, alle auf den Zaun!
Und immerzu denke ich: Lücken.
Mit Trümmern etwas Neues aufbau’n,
das macht man nicht aus freien Stücken.

Peter Közle im lesenswerten Interview bei 11 Freunde

Schon wieder möchte ich im Moment keine Nachrichten über den MSV  Duisburg mehr lesen. Zu viel Spekulation, zu viel Abschiedsschmerz. Schon wieder warte ich mit euch auf auf ein endgültiges Ergebnis. Bei diesem Warten zieht der Alltag vorbei, und mir fehlt das Gespür dafür, was in dieser Wartezeit über den MSV Duisburg hinaus interessiert. Seit ein paar Wochen möchte ich zum Beispiel auf ein Interview mit Herrmann Gerland hinweisen. Bislang habe ich noch nicht den passenden Moment dafür gefunden. Dieses leichte und so unterhaltsame Interview passte einfach nicht zu meiner Stimmung, sobald ich es mir im Zebrastreifenblog bequem machte. Pietät kam mir immer in den Sinn, wenn ich an dieses Interview dachte. Bei Peter Közle ist das heute anders.

Denn gleich zu Beginn der Fan-Aktionen war auch Peter Közle ans Stadion gekommen, um zusammen mit Bülent Aksen und Dagmar Albert Horn noch einmal ins Duisburg-Lied einzustimmen  Mit seinem improvisierten Sprechgesang meisterte er  den Auftritt und zeigte einmal mehr seine Unabhängigkeit – in diesem Fall von technischen Equipement, um seine Singstimme aufzupeppen. Weil dieses Lied vor jedem Spiel weiterhin im Stadion zu hören ist, war der Auftritt mehr als eine Erinnerung an alte Zeiten. Dieser Auftritt war lebendige Gegenwart, und das Interview bei 11 Freunde mit Peter Közle ruft ihn mir wieder in Erinnerung. Es ist ein sehr gelungenes Interview, weil Peter Közle sehr offen über seine Karriere spricht. Wir erinnern uns, neben den Höhen gab es auch unangenehme Tiefen im Verhältnis zwischen ihm und dem MSV.

Anhaltende Bedrückung während der zweiten Hängepartie

Gut, dass wir Menschen so verschiedene Persönlichkeiten haben. Gut, dass schon jetzt viele MSV-Fans wieder voller Tatendrang nach vorne sehen. Sie helfen mit, die Stimmung der letzten drei Wochen als anhaltendes MSV-Gefühl zu stabilisieren. Sie helfen mir mit ihren Worten. Mir gelingt es im Moment nämlich nur beim Lesen von Fan-Kommentaren im Netz, den Blick nach vorne zu werfen. Ich halte mich an die Tatkraft der Menschen, die schon jetzt nach hoffnungsvollen Zeichen für das Morgen Ausschau halten oder bereits wieder Fan-Aktionen planen. Ich staune über die eigene Niedergeschlagenheit. Das hatte ich so nicht erwartet.

Drei Wochen hatte ich mit euch allen Zeit, mir das sehr wahrscheinliche Ergebnis des Schiedsgerichtsverfahrens vorzustellen. Die dritte Liga tauchte als annehmbare Vorstellung in Gesprächen immer wieder auf. Dennoch bringt die Wirklichkeit dann natürlich Trauer und Niedergeschlagenheit mit sich. Das ging allen so, mit denen ich sprach. Wir hatten eben diese winzige Hoffnung nie aufgegeben, die Lizenz wider aller Erwartung doch noch zu erhalten. So eine Hoffnung ist in uns Menschen das Leben an sich, das nie etwas anderes kennt als das Weiterleben. Es ist das geistige Abbild des Grundprinzips der Natur. Als diese winzige Hoffnung enttäuscht wurde, fühlten wir den Tod. Für diesen einen Tag der Urteilsverkündung rätselte ich nicht über diese Gefühle. Dass diese Niedergeschlagenheit aber anhielt, überraschte mich gestern.

Mit einem Mal begriff ich dann, was sich als Wehmut und Traurigkeit bemerkbar machte. Verursacht wurden die Gefühle nicht durch die bestätigte Lizenzverweigerung. Das war ein Abschiedsschmerz, weil die Mannschaft des MSV Duisburg auseinander fällt. In diesen drei ereignisreichen letzten Wochen war mir aus dem Blick geraten, wie sehr ich mich auf die Spiele dieser Mannschaft in der kommenden Saison gefreut hatte. Diese Mannschaft hatte unter Kosta Runjaic in der letzten Saison eine solch eindrucksvolle Entwicklung genommen, dass ihre letzten Spiele ein Versprechen für die Zukunft waren. Kosta Runjaic war etwas gelungen, was lange Zeit kein Trainer beim MSV Duisburg für sich in Anspruch hatte nehmen können. Er verhalf den Spielern zur Möglichkeit, als Teil der Mannschaft besser zu werden, als es von ihrer spielerischen Veranlagung her zu erwarten war. Dieser Mannschaft war anzumerken, sie besaß eine von einzelnen Spielern unabhängig funktionierende Grundstruktur. Sie wirkte gefestigt. Die Stimmung in der Mannschaft und auf den Rängen verstärkte sich immer wieder gegenseitig. Innerhalb von Monaten war etwas gewachsen, dem nun die Grundlage entzogen war.

Ich hatte eine Saison lang den Spielern dieser Mannschaft dabei zugesehen, wie sie zusammenfanden. Ich mag die Spieler dieser Mannschaft. Und ich werde  ganz in alter Trainertradition keinen Namen nennen, weil mir jeder Spieler auf seine eigene Weise wichtig war. Von einem großen Teil dieser Spieler müssen wir Abschied nehmen. Daran hatte ich in den letzten drei Wochen nie gedacht. Meine gedankliche Beschäftigung vor dem Schiedsgerichtsverfahren galt dem Verein MSV Duisburg. Die Fan-Aktionen waren ein Zeichen für das große Ganze und nicht für Personen. Außerdem ergriff mich immer wieder der Ärger über das Versagen von Roland Kentsch als Nebenwirkung des weiterhin bestehenden Einflusses von Walter Hellmich. Gott sei Dank  wurde ich abgelenkt durch Ärger über manchen Artikel aus lokaler Journalistentastatur. Zwischen Ärger und eindrucksvollem Bekenntnis zum MSV blieb wenig Platz für konkrete sportliche Belange.

Nun ist wirklich geworden, was zu erwarten war und Spieler verlassen den Verein.  Was für unfassbar unnötiger Abschied. Was für ein unfassbar unnötiger Abschiedsschmerz. Was für ein Versagen von Roland Kentsch! Dieses Versagen war eine Nebenwirkung des weiter vorhandenen Einflusses von Walter Hellmich! Ich hoffe, diese Worte waren ein letzter Blick zurück. Ich hoffe, von nun an werde auch ich während dieser nächsten Hängepartie nach vorne blicken können.

Tag der Entscheidung, 19.6.2013, im Bewegtbild – Eine Sammlung

Einige der Clips gehen schon seit gestern Abend im Netz herum. Heute morgen ist Neues hinzugekommen, dass das schon Bekannte in zum Teil umfassenderer Form zeigt. Es sind weitere atmosphärische Bilder vom gestrigen Tag und die Ansprachen des Vorstands in immer wieder neuen Zusammenschnitten. Dennoch bündel ich hier einmal mehr dieses Clips. Rituale helfen nämlich, vielleicht nicht nur mir, Niedergeschlagenheit, Trauer und bedrückten Gefühlen zu begegnen. Nach und nach werden sie sich wieder verwandeln in jene Energie, die in den letzten drei Wochen in Duisburg zu spüren war. Für einen Text finden sich allmählich erst Worte. Der wird geschrieben, aber erst später am Abend.

Aber eins, aber eins, das bleibt bestehen, der MSV wird niemals untergehen!

Interviews bei sportler.tv mit Ivo Grlic und dem Vorsitzenden des Schiedsgerichts Prof. Udo Steiner

Frank-M. Fischer mit atmosphärischen Bildern und  Ansprachen bei Duisburg365.de

Das Ganze in längerem Zusammenschnitt

Reviersport TV mit einer etwas mehr als zehnminütigen Reportage samt kommentierendem Text.

VideoDu mit atmospärischen Bildern und Zusammenschnitt von Ansprachen

Ein Licht für den MSV Duisburg, 18.6.2013, im Bewegtbild – Eine Sammlung, die Zweite

Für die Zeit des Wartens. Immer mehr Clips vom gestrigen Abend werden hochgeladen. Bewegende Bewegtbilder …

Das Lokalfernsehen Studio 47 mit einem Zusammenschnitt schöner Bilder vom Abend sowie der Ansprache von Ex-Präsident Andreas Rüttgers .

Dank Barni Baumeister noch ein Ausschnitt vom Auftritt der Peter Bursch´s All  Star Band mit Radar Love


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