Nun dürfen auch schlechte Nachrichten über Walter Hellmich berichtet werden

Manchmal erinnert mich Walter Hellmich an einen Politiker im freien Fall. Seitdem der MSV Duisburg durch die DFL keine Lizenz für die Zweite Liga erhalten hat, darf über ihn alles geschrieben werden, was schon lange bekannt ist und noch mehr. Das ist der klassische Verlauf eines Polit-Skandals. Politiker werden nicht durch Fehler angreifbar, sondern dann wenn sie in der eigenen Partei ihre Machtbasis verlieren. Es ist lange her, dass ich einen Text gelesen habe über genau diese Strukturen der Politik. Ich weiß nicht mal mehr, ob nicht sogar eine wissenschaftliche Arbeit die Grundlage für den Text war. Nun kommt er mir wieder in den Sinn.

Seit Jahren wurde die Rolle von Walter Hellmich beim MSV Duisburg von vielen Menschen kritisch gesehen. Der erste Beitrag im MSVPortal in dem damals – so erinnere ich mich – verschobenen Thread zur wirtschaftlichen Lage des MSV Duisburg datiert vom 11. 6. 2009. Schon zuvor hatte die Diskussion aber in einem anderen, schon länger bestehenden Thread Fahrt aufgenommen. Ich stelle das einfach nur fest als einen Beleg dafür, wie unsere Gesellschaft funktioniert. Öffentlich bekannt wurde davon nämlich so gut wie nichts, geschweige denn dass diese Kritik an der Geschäftsführung von Walter Hellmich beim MSV Duisburg Konsequenzen hatte. Nun ist alles anders geworden. Ich vermute, immer mehr Entscheider in Duisburg waren von Walter Hellmich abgerückt. Immer mehr Fäden im lokalen Machtnetz von Walter Hellmich müssen in den letzten Wochen zerrissen  sein. In den hektischen Tagen vor der Abgabe der Bilanzunterlagen hat er wahrscheinlich mit der Ablehnung einer grundsätzlichen Lösung für die zu hohe Stadionmiete den Bogen überspannt.

Vor der Bekanntgabe der DFL-Entscheidung war dieser Fall von Walter Hellmich noch nicht absehbar.  Noch war nicht klar, wie die Zukunft aussehen würde, deshalb war auch nicht ganz eindeutig zu sagen, wer welches Interesse daran hatte, den von Walter Hellmich an Roland Kentsch adressierten Brief in die Öffentlichkeit zu bringen. Dieser Brief erschien am 25.5. zunächst in der Reviersport. Er zeigte Walter Hellmich als wütenden Menschen, der die Realität sehr verzerrt wahrnimmt. Der Inhalt widersprach der Beschreibung jenes Geschehens beim MSV Duisburg in den letzten Monaten, das von immer mehr Menschen als wahr angesehen wurde. Dennoch konnte immer noch spekuliert werden, ob hinter der Veröffentlichung nicht doch Walter Hellmich selbst stecken könnte. Die begleitende Berichterstattung in der Reviersport blieb nämlich neutral bis wohlwollend. Deshalb war es einen Tag lang unklar, wem die Veröffentlichung nutzen würde.

Dirk Retzlaff bezog am 26. Mai aber für die WAZ/NRZ eine eindeutige Position gegen den neuerlichen Machtzuwachs von Walter Hellmich beim MSV Duisburg. Der breiteren Öffentlichkeit wurde so eine starke Stimme contra Hellmich angeboten. Von nun an wurden immer mehr Details aus den Verhandlungen vor dem Abgabetermin bekannt. Heute wird bei WAZ/NRZ sogar der Hellmich-Kredit vom Dezember als eine Art Vergabe durch Knebelvertrag enthüllt. Ohne seine Zustimmung keine andere Besetzung des Geschäftsführers. Frage ich mich natürlich, war das eine Geheimklausel oder hat das die DFL seinerzeit durchgewunken. Und sind die zusätzlichen zwei Aufsichtsratssitze, die Walter Hellmich für seinen gegenwärtigen Kredit als Gegenleistung wollte, nun zwei Tropfen, die ein Fass zum Überlaufen brachten? Und ich erinnere mich, wie sehr wurde über genau diese Frage, der Besetzung des Aufsichtsrats, diskutiert, als es um die Änderung der Vereinssatzung ging. Damals hieß das Argument,es sei eine legitime Forderung von Investoren mitbestimmen zu wollen. Ich seufze.

Ich weiß gar nicht genau, warum ich das alles aufschreibe. Das hat natürlich mit der Beschreibung der historischen Wahrheit zu tun. Das stimmt mich zufriedener, denn es geht auch um das Bearbeiten von unangenehmen Gefühlen.Von der Zebra-Herde gibt es übrigens  eine zusammenfassende Darstellung des Geschehens rund um den MSV Duisburg – Mit einem Klick weiter hier. Auch dort wird versucht, historische Wahrheit festzuhalten. Menschen gehen sehr unterschiedlich mit den traurigen Erfahrungen in ihrem Leben um. Mich würde es zerreißen, mir über die Entscheidung des Schiedsgerichts Gedanken zu machen. Ich habe keinen Einfluss auf diese Entscheidung, also will ich nur die Nachricht hören. Ich entwerfe aber Bilder für mich, wie es im schlechtesten Fall weitergehen kann.  So halte ich das Warten aus. Dazu gehört so ein Schreiben über nicht wirklich neue Dinge, so ein Festhalten, so ein Erinnern, ach, so war das und dann erst lässt sich das vergessen. Dann sehe ich nach vorne. Dann sehe ich diese so beeindruckende Gemeinschaftlichkeit, die der MSV Duisburg bewirkt. Dann sehe ich darin die Chance auf einen Neuanfang, wenn dann doch die Nachricht kommt, die sehr wahrscheinlich ist. Dann weiß ich als Realist, so eine Stimmung wird sich nicht immer halten ohne sportlichen Erfolg. Wir Fans legen dafür aber gerade eine gute Grundlage.

Advertisements

13 Responses to “Nun dürfen auch schlechte Nachrichten über Walter Hellmich berichtet werden”


  1. 1 ente76 6. Juni 2013 um 11:51

    Alles schön und gut, auch richtig, aber dass Herr Retzlaff hier die Rolle als eine Art „Aufklärer“ bekommt stört doch gewaltig.
    Ihm und Herrn Richter, Reviersport, konnten die Hellmich Beweiräucherungen doch gar nicht weit genung gehen. Herr Retzlaff hat am 26.5, wie ein Fähnchen im Winde, eine 180 Grad Drehung vollzogen. Zumindest in diesem Artikel.
    Das war überfällig, aber die Art und Weise bleibt ekelhaft!
    Die Fakten lagen seit Jahren auf dem Tisch, aber die Herren waren sich zu fein und betrieben ihren feigen, einfachen Schmierenjournalismus weiter.
    Ich erwarte nicht, dass man auf den ersten Zug aufspringt, aber die Vorwürfe gegen Hellmich waren seit Jahren bekannt und wurden immer wieder aufgeworfen, aber nie hinterfragt. Man hatte Jahre um sich mit dem Thema auseinander zu setzen und nichts ist geschehen!
    Beide Personen schrieben immer vom Retter Hellmich, dem der gemeine Fan doch zu dank verpflichtet sei.
    Diese beiden tragen eine gewisse Mitschuld am Untergang des MSV, da sie nie im entferntesten daran dachten aufzuklären. Sie hätten eine Öffentlichkeit schaffen und Druck aufbauen können.
    Meine Abos von WAZ und Reviersport habe ich vor schon länger, auch aus diesen Gründen, gekündigt. Ich bin stattdessen MSV-Mitglied geworden und habe versucht zu handeln.

    Gefällt mir

    • 2 Kees Jaratz 6. Juni 2013 um 12:06

      Zum Aufklärer wollte ich Dirk Retzlaff nicht machen. Ich dachte, dass sei durch die Anmerkung deutlich geworden, wie lange zuvor die fundierte Kritik von Fans hätte aufgegriffen werden können. Dazu habe ich auch seine Berichte früher schon immer mal wieder auch kritisiert. Mir ging es nur um die Entwicklung. Die WAZ/NRZ ist nun mal noch immer meinungsbildend in der Stadt. Am Tag seines Kommentars hatte diese Zeitung zum ersten Mal deutlich Stellung bezogen.

      Ich habe da ganz gemischte Gefühle. Die Entwicklung aufzuzeigen heißt dokumentieren, gleichzeitig wird aber immer wieder auch so deutlich, die Leute, die einen anderen Kurs im Verein hatten haben wollen, hätten schon früher bessere Argumente durch eine unterstützende Öffentlichkeit erhalten können.

      Gefällt mir

  2. 3 Oswaldius 6. Juni 2013 um 23:19

    Da Retzlaff aber hier nun einmal dezidiert genannt wird, halte auch ich es wie @ernte76 für sehr wichtig, die Rolle der (lokalen) Medien durchaus kritisch zu beleuchten. Medien sind nun einmal Meinungsmacher und die Kritiker, die für ihre Hellmich-Kritik immer wieder angegriffen wurden (bei tm.de übrigens durch mehrere User schon seit mindestens 2007 und nicht erst seit 2009) haben immer wieder verbale Prügel bezogen, wobei sich diejenigen, die Hellmich als sakrosanten Retter sahen, als Referenz immer wieder auf Retzlaff/Richter bezogen. Man sollte also durchaus auch kritisch beleuchten, dass (u.a.) Retzlaff „sein Fähnlein“ am 26.05.2013 ERSTMALS (!) „in den anderen Wind gehangen hat“. Die lokale Presse trägt eine nicht unerhebliche Mitschuld an der Situation, da sie bislang niemals undifferenziert sondern sehr einseitig berichtet hat- warum auch immer. Mit unabhängigem und vor allem kritischem Journalismus hatte die Berichterstattung bislang wenig gemein. Vielleicht ändert sich dies ja in diesem „Duisburger Frühling“.

    Gefällt mir

  3. 5 moehr 16. Juni 2013 um 12:37

    Es ist schon verwunderlich das ALLE VEREINE die mit Hellmich gebaut haben jetzt um ihr Leben und die Lizens kämpfen, wir Aachenfans sind in der gleichen Situation, und was mich am meisten Ärgert ist das Firmen die beim Bau daran beteiligt waren heute kurz vor der Insolvens stehn

    Gefällt mir

    • 6 Kees Jaratz 16. Juni 2013 um 12:47

      Ja, traurig, in Aachen gab es ja wohl die gleiche Fehlkalkulation, Grundlage der Finanzierung war die andere Ligen-Zugehörigkeit. Allerdings hat Hellmich Unternehmen auch das Stadion für den FC St. Pauli neu gebaut, und dort sind sie noch guter Dinge.

      Gefällt mir

  4. 7 moehr 16. Juni 2013 um 13:34

    an Kees Jaratz
    ja noch ist man in Pauli halbwegs guter Dinge obwohl was ich in einem Re 4 von einem St. Pauli Fan gehört heb läßt mich schon mit schrecken daran denken was dann passiert, glaub mir das zieht noch weitere kreise

    Gefällt mir

  5. 9 moehr 16. Juni 2013 um 15:17

    das stimmt morgen Abend ist bei uns wieder ne IG Sitzung angesagt d erfahr ich dann schon mehr

    Gefällt mir

  6. 10 moehr 16. Juni 2013 um 15:18

    so langsam kannste bald keine schlechten Nachrichten ertragen

    Gefällt mir


  1. 1 Anonymous Trackback zu 6. Juni 2013 um 12:57
  2. 2 Alles Gute für 2014 mit Big Data von 2013! | Fakten und Gerüchte aus dem Stadionbus Trackback zu 1. Januar 2014 um 12:48

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s




JETZT BESTELLEN
Das Buch über den Sommer 2013 in Duisburg rund um den MSV bis zum Wiederaufstieg zwei Jahre später

Kees Jaratz im Buchhandel

Die Seite zum Buch

Statt 14,95 € nur noch 9,90 €
Hier bestellen

Hier geht es zum Fangedächtnis

Kees Jaratz bei Twitter

Bloglisten


%d Bloggern gefällt das: