Archiv für Juli 2013

Trikotsammler gesucht – Bei einem Buchprojekt fehlt der MSV

Letzte Woche erreichte mich eine E-Mail von Stefan Appenowitz. Er arbeitet an einem Buchprojekt zu Fußballtrikots der Bundesliga. „Das gr0ße Trikotbuch der Bundesliga“ soll es heißen, und im Ruhrgebiet fehlt ihm der Zugang zu einem Verein, dem MSV Duisburg. Ihr seid also gefragt. Vielleicht liest der ein oder andere Trikotsammler hier mit, oder ihr kennt einen oder kennt einen, der  einen kennt. So ein Buch darf doch nicht ohne entsprechende Zebra-Mode erscheinen. Bei Facebook hat Stefan Appenowitz zudem folgenden Hinweis gepostet

Am nächsten Sonntag, 04.August treffen sich ab 12 Uhr im Café Extrablatt in Essen am Kennedyplatz einige Trikotsammler des VfL Bochum, FC Schalke 04, Borussia Dortmund und RW Essen, die mich beim Buchprojekt „Das große Trikotbuch der Bundesliga“ unterstützen. Ich würde mich freuen, diese Runde noch um einen oder mehrere MSV Trikotsammler ergänzen zu können. Wenn ihr vorab weitere Infos benötigt, schickt mir eine kurze PN mit Eurer Mailadresse.

Ich denke nicht, dass ihr unbedingt an diesem Samstag nach Essen kommen müsst. Hauptsache, ihr seid bereit, ihn bei der Zusammenstellung von Abbildungen der Bundesliga-Trikots zu unterstützen.

Unter folgender E-Mail-Adresse erreicht ihr Stefan: steve (at) appenowitz.de

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Nach Hitzesieg wird’s Zeit für Spitz- und Künstlernamen

Das Auswärtsspiel des MSV Duisburg gegen den SV Wacker Burghausen war zwar erst die zweite Begegnung der neuen Saison, aber eines wage ich jetzt schon zu behaupten. Die Spieler vom MSV der Saison 2013/2014 werden in der Historie  des Vereins einen herausragenden Platz einnehmen. Diese Spieler wiederholen gerade, was schon durch die Verantwortlichen und Anhänger des MSV Duisburg in den Wochen nach dem Zweitligaentzug gelebt wurde. Diese Spieler sind innerhalb kürzester Zeit zusammengerückt und geben alles, um erfolgreich zu sein.

Da sitze ich vor dem Life-Stream und spüre die HItze in Burghausen förmlich im eigenen Raum, weil von Anfang die Spieler diesen schmalen Grat suchen zwischen dem Einteilen der Kräfte und dem unbedingten Einsatz. Das hat dem Spiel der Zebras im Vergleich mit der Auftaktbegegnung gegen Heidenheim gut getan. Beim Kampf um den Ball gab es keine aussichtslosen Todesgrätschen mehr, die mich den Schiedsrichtergriff zur roten Karte befürchten ließen. Zu sehen war eine robuste Spielweise, die den Burghausenern allmählich den Schneid abkaufte. Zu sehen war aber auch, wie sehr die Spieler an ihre Leistungsgrenzen gingen. Sascha Dum hat sich nach seinem Magen-Darm-Infekt auf eine Weise verausgabt, die bei der Auswechslung stützende Hilfe notwendig machte. Was für ein Einsatz und wieder, was für eine gute Leistung auf der für ihn ungewohnten Verteidigerposition. Wenn ich auf ihn besonders hinweise, dann wegen der besonderen Ausgangslage für ihn. Es gibt keinen Spieler in der Mannschaft, der nicht bis an die Schmerzensgrenze mitzieht.

Das war die Grundlage für den 2:0-Sieg. Schon im zweiten Spiel schafft sich die Mannschaft ein Erfolgserlebnis, das zudem ohne Branimir Bajic, ohne Kevin Wolze und ohne Tanju Öztürk errungen wurde. Und auch darauf muss man hinweisen: wie in der zweiten Halbzeit Maximilian Güll und Julien Rybacki, wenn auch kurz, ins Spiel fanden. Vorher schon hatte ab der 63. Minute Athanasios Tsourakis sein wirbelndes Sturmlaufen begonnen. Für jede Defensive ist sein Spiel schwer auszurechnen. Gleichzeitig behält er den Blick für die Mitspieler. Doch schon in der ersten Halbzeit war eine allmählich funktionierende Offensive zu sehen, in der es oft nur am letzten Pass in Nähe der Strafraumgrenze haperte. Dem Pass, der über die Torgefahr entscheidet. Mit dieser Schwierigkeit ist der MSV nicht alleine, weder in dieser Liga, noch in Liga 2. Allerdings sehe ich Spieler, denen in Zukunft auch dieser letzte Pass gelingen kann.

Burghausen drang in der ersten Halbzeit auch nicht erfolgreich in den Strafraum ein. Jede Standardsituation verspricht in so einem Spiel dann die Torgefahr. Es sah nach einstudierter Eckballvariante aus, als Markus Bollmann kurz vor der Pause der Kopfball zur 1:0-Führung gelang.  Zu Beginn der zweiten Halbzeit zeigte sich die Defensive bei dem stärker werdenden Druck der Burghauser immer anfälliger. Zwei-, dreimal zeigten die Burghausener Spieler, dass Abschlussstärke nicht zu den großen Qualitäten der Mannschaft gehört.  Da hieß es jeweils tief durchatmen. Ganz zu schweigen von dem Schreck als der vermeintliche Ausgleich fiel und die meisten von uns wohl die Abseitsentscheidung nicht als zwingend angesehen haben. Was war das für eine Achterbahnfahrt der Gefühle in dieser Minute. Zuvor schon überwog bei mir die Sorge vor dem möglichen Ausgleich gegenüber der Hoffnung auf ein zweites Tor. Und dann war da das Erkennen, jetzt wird es schon wieder eng für den MSV, gefolgt von der Enttäuschung über den vermeintlichen Ausgleich. Mit Verzögerung nahm ich die Abseitsentscheidung wahr, Erleichterung stellte sich ein, während schon der Angriff in die andere Richtung lief, den Kingsley Onuegbu so nervenstark zum zweiten Tor des MSV abschloss. Die Erleichterung schlug direkt in den Jubel um. Für bangendes Hoffen war keine Zeit mehr geblieben. Der „King“ gehört sicher nicht zu den schnellsten Stürmern. Das war schon ohne Hitze im Spiel gegen Heidenheim zu sehen. Er besitzt aber ein gutes Gespür für mögliche Laufwege, seine Ballannahme gegen verteidigende Spieler ist überragend und wenn es nicht mehr als zwei Gegenspieler werden, behält er den Ball danach auch meist sicher.

Besonders gefallen hat mir außerdem, dass die Flankenläufe von Phil Ofosu-Ayeh in diesem Spiel nicht mehr so vergeblich waren wie gegen Heidenheim. Schon nach einer Woche findet er nun im vorderen Drittel des Spielfeldes einen Mitspieler zum Anspiel. Da findet sich die Offensive auf seiner Seit, um dauerhaft gefährlich zu werden. Und wenn ich nun bei Phil Ofosu-Ayeh angekommen bin, so ist es Zeit einmal über Spitz- und Künstlernamen zu sprechen. Spielten beim MSV Duisburg jemals so viele Spieler auf einmal in einer Mannschaft, deren Namen von uns Zuschauern auf den Rängen nicht gerade einfach begeistert zu rufen sind? Da liegen zusätzliche Aufgaben für die Mannschaft, wenn sich nicht auf den Rängen selbst der ein oder andere spontan entstehende Vorschlag durchsetzt.

Den zusammenfassenden Spielbericht gibt es mit einem Klick weiter beim Bayerischen Fernsehen.

Kleine Presseschau als Vorprogramm zum Spiel gegen Wacker Burghausen

Ich vertreibe mir gerade die Zeit  bis zum Anstoß. Lese hier und dort, und dachte, vielleicht seid ihr dem einen oder anderen noch nicht begegnet. Deshalb mache ich mal ne Presseschau. Zur Zeit der Fanaktionen haben viele von euch die regelmäßige Sammlung von Bewegtbildern als Angebot genutzt. Mir gefällt diese gebündelte Info weiterhin gut, und ich werde in den nächsten Wochen mal ausprobieren, wieviel Arbeit so eine Presseschau macht. Ich denke da weniger an die etablierten Medien, die ihr ohnehin verfolgt als an all die Fanktivitäten, die es im Netz gibt. Mal sehen. Heute aber erstmal der MSV in der Presse von regional bis Übersee.

Und natürlich nur als Vorprogramm bis zum Livestream-Start des Spiels ab 14 Uhr bei  Blickpunkt Sport vom Bayerischen Rundfunk.

Die Medien vor Ort in Duisburg kennt ihr selbst. Der Funke-Konzern Oberbayerns ist die OVB-Holding, die zusammen mit dem Oberbayerischen Volksblatt verschiedene Regionalzeitungen unter einem Dach versammelt. Sehr viel anders als in Duisburg sieht der Vorbericht zum Spiel allerdings nicht aus. Titel ausgenommen, in dem nicht Carsten Baumann sondern Georgi Donkov zitiert wird.

So kann ich noch auf einige überregionale Artikel zur Lage hinweisen.

Der Vollständigkeit halber nehme ich auch noch jenen lesenswerten Artikel auf, den Richard Leipold  für die Frankfurter Allgemeine Zeitung  über die gegenwärtige Situation beim MSV Duisburg geschrieben hat. Zumindest viele der Facebook-Nutzer unter euch werden ihn schon gelesen haben.

In der Print-Ausgabe von 11 Freunde findet sich diesen Monat eine Chronik des zurück liegenden Geschehens rund um den MSV Duisburg. Online wird diese Chronik von einem reportagehaften Text über einen Ausflug nach Duisburg flankiert.

Während des Lizenzierungsverfahrens waren von Andreas Rettig distanzierende Worte zu dem Wert der Tradition als bewahrenswertes Gut im Fußball zu hören. Nun lobt er in einem Interview mit Reviersport nachträglich die Professionalität bei den Verantwortlichen des MSV Duisburg. Es ist der letzte Teil eines Interviews, in dem es zudem um Dopingkontrollen im Fußball geht.

Wenn die USA nicht beteiligt sind, interessieren sich die Bürger des Landes meist nicht sonderlich dafür, was außerhalb der Grenzen des Landes geschieht. Dennoch hat es der MSV Duisburg auf eine US-amerikanische Sportseite im Internet geschafft. Sports on earth wurde 2012 als Gemeinschaftsprojekt von USA Today und dem Internet-Tochterunternehmen der Major Baseball League gegründet. Der in Heidelberg lebende US- Journalist  Brian Blickenstaff erklärt den Lesern von Sports on Earth, was „all contribute to the definition of a traditionsverein“, und welche Bedeutung das Schicksal des MSV Duisburg für den deutschen Fußball hat.

Genug Lesestoff, um eine Stunde rumzubringen. Und danach: Auf geht’s Zebras! Was brauchen wir mehr als drei Auswechselspieler! Das Spiel beginnt mit einem Unentschieden, und so ein kleines, feines Unentschieden würde mich für diesen Tag sehr zufrieden machen.

Mit Nehmerqualitäten englischer Art im Sturm bestehen – Filip Orsula

Kaum wurde die Verpflichtung des Stürmers Filip Orsula durch den MSV Duisburg vorgestern bekannt gegeben, schon kommentierte das einen Tag später im Kölner Stadt-Anzeiger der vom 1. FC Köln verpflichtete Verteidiger Roman Golobart.  Nun gut, er hat sich nicht im speziellen zu Filip Orsula geäußert. Sein Kommentar war mehr allgemeiner Art, und auch nicht unbedingt zum MSV Duisburg. Aber manchmal sagt einer was, ohne zu ahnen, dass seine Worte auch anderswo von Bedeutung sein können. Wie es der Zufall will, spielte Roman Golobart wie Filiop Orsula bei Wigan Athletic. Sie werden sich kennen, wenn auch Golobart zum Kader der ersten Mannschaft gehörte, wo Filip Orsula nur selten einen Platz einnahm. In Deutschland ist Golobart nun eines schnell aufgefallen, wie in dem Artikel über ihn im Kölner Stadt-Anzeiger zu lesen ist.

Mit körperlicher Härte hat Golobart generell eher kein Problem. Nach seiner fußballerischen Grundausbildung in Spanien trieb es ihn in die rustikalen Hochburgen England und Schottland. Herausgekommen ist eine kantige, technisch versierte, menschliche Maschine. An manche Eigenschaften seiner neuen Mit- und Gegenspieler muss er sich erst gewöhnen. „Es ist ein großer Unterschied. Der Fußball in Schottland und England ist viel physischer als in Deutschland. Hier machen viele Spieler großes Theater. Ich weiß nicht, warum. Sie gewinnen dadurch ja nichts.“

Jetzt nehme man die Verteidigerworte zur eigenen robusten Spielweise zusammen mit Carsten Baumanns Willkommensworte für Filip Orsula: „In England hat er gelernt, sich durchzusetzen“, dann erhalten wir einen noch deutlicheren Grund dafür, warum der Trainer des MSV Duisburg der Meinung ist, der neue Stürmer des MSV Duisburg werde uns Spaß bereiten können. Ich stelle mir jedenfalls schon mal zur Vorfreude einen Filip Orsula vor, der in jeder Spielsituation, in der etwa Sören Brandy zu Boden gesunken wäre, einfach mit dem Ball weiter läuft. Nichts für ungut, Sören Brandy! Irgendwie müssen wir schließlich endlich damit klar kommen, dass die Erinnerung an die letzte Saison immer mal wieder noch einen kurzen Stich versetzt. Und dazu erinnert man sich am besten erst mal nur an all die nervenden gemeinsamen Momente der Vergangenheit.

Zu Filip Orsula lässt sich im Netz kaum etwas finden. Einen Clip gibt es, in dem er eine winzige Randrolle spielt. Ich habe ihn dennoch eingebunden, um uns und Carsten Baumann für das Spiel gegen den SC Paderborn zu zeigen, mit knappen Ergebnissen plus Pokalatmosphäre kennt sich Filip Orsula aus. Sein Trainer bei Wigan Athletic traute ihm im League Cup Achtelfinale gegen Bradford City Nervenstärke und Treffsicherheit im Elfmeterschießen zu. Er wechselte ihn in der 120. Minute ein. Als einer der ersten fünf Schützen war er nicht vorgesehen. Mit der Nummer 35 steht er an der Mittellinie und muss dann mit ansehen, wie seine Mannschaft dieses Elfmeterschießen verliert. Das Gefühl zu gewinnen kann er also nun in Deutschland kennenlernen. Bei dem überraschenden Triumph von Wigan Athletic im FA Cup der letzten Saison war er, wenn überhaupt anwesend, auch nur auf der Tribüne dabei.

Wie sich die Zeiten mit Helmut Sandrocks Funktionärsamt ändern

Der Sportinformationsdienst hat aus einem Interview der DFB-Presseabteilung mit dem Generalsekretär des eigenen Verbandes, Helmut Sandrock, einen kleinen Teil rausgefischt und schon war eine Meldung fertig, mit der es so aussieht, als habe der DFB-Generalsekretär angesichts des Finanzgeschehens bei einigen Fußballvereinen es für seine Aufgabe gehalten, mahnende Worte ans Funktionärsvolk zu richten. Einige Zeitungen, unter anderem das Handelsblatt, haben aus der als wirtschaftliches Mahnen getarnten Zurückweisung von DFB-Verantwortung für die finanziellen Verhältnisse in der 3. Liga ein grundsätzliches Statement zum Wirtschaften von sogenannten Traditionsvereinen gemacht.

Neben diesem weiteren Einblick, wie Medienwirklichkeit entsteht, finde ich es amüsant, wie sich Helmut Sandrock an seine Vergangenheit erinnert:

Frage: In den letzten Wochen haben auffallend viele Traditionsvereine Insolvenz anmelden müssen oder die Lizenz verweigert bekommen. Bereitet Ihnen das Sorge?

Sandrock: Traditionsvereine sollten darüber nachdenken, ob Tradition alleine ausreicht. Ziele, die man sich setzt, müssen auch im Einklang mit wirtschaftlichen Voraussetzungen stehen. Ich habe selbst bei einem dieser Traditionsvereine (MSV Duisburg, d. Red.) gearbeitet und weiß, dass man dort oft ein Getriebener ist. Aber das darf nicht dazu verleiten, dass man mehr ausgibt als man einnimmt. Es gibt nicht nur die aktuellen Beispiele wie Duisburg, Aachen oder Wuppertal, es gab auch die Fälle Rot-Weiss Essen oder Waldhof Mannheim in der Vergangenheit.

Amüsant ist das deshalb, weil der MSV Duisburg in diesem Jahr nicht zum ersten Mal finanziell derart angeschlagen war, dass die Angst immer größer wurde, der Verein könne insolvent werden. Bei der weiteren Entwicklung des Engagements von Walter Hellmich beim MSV Duisburg ist ja nach und nach in Vergessenheit geraten, dass erst mit seinem offiziellen Antritt für ein Funktionärsamt die vorhandenen finanziellen Probleme damals fürs erste gelöst wurden. Verantwortlich für diese finanziellen Probleme war niemand anders als Helmut Sandrock, in desssen Amtszeit anscheinend mehr ausgegeben wurde, als man einnahm.

In der Vereinsgeschhichte des MSV Duisburg ist bei den Lucky-Zebras 97  über die Jahreshauptversammlung 2002  folgendes zu lesen:

Die Fußball-Abteilung des MSV ist mit 2,7 Millionen Euro verschuldet. Dies kam bei der Jahreshauptversammlung 2002 zu Tage. Allein in der vergangenen Saison erwirtschaftete der Zweitligist unter der Vereinsführung von Helmut Sandrock ein Minus von 4,2 Millionen Euro. Hellmich bilanzierte die Ära seines Vorgängers mehrfach und drastisch: „Die finanzielle Lage ist desaströs. Es waren Leute am Werk, die nicht wussten, wie es geht. Es sind Dinge vorgefallen, die ich nicht nachvollziekann.“ Der MSV, so Hellmich, habe kurz vor der Pleite gestanden, „und ohne die Sparkasse gäbe es überhaupt keinen MSV mehr.“

Man sieht, Geschichte wiederholt sich dann manchmal auch nicht als Farce. Ich hatte es schon einmal geschrieben, für mich begann mit Helmut Sandrock das doppelbödige Funktionärsarbeiten beim MSV Duisburg und damit das mit Risiko behaftete Wirtschaften für den sportlichen Erfolg. Mir schien es damals schon so, als verfolge er neben seinen Zielen für den MSV Duisburg noch irgendetwas anderes, was mir nicht einsichtig war. Zumal ich mich zugegebener Maßen seinerzeit sehr viel weniger intensiv mit dem für den sportlichen Erfolg notwendigen strukturellen Hintergrund des Vereins beschäftigte.

Schon bei nur oberflächlicher Beobachtung war es mir aber unerklärlich, warum Helmut Sandrock einem Mann keinen längerfristigen Vertrag anbot, der mitverantwortlich war für die letzte große Zeit des MSV Duisburg während der 1990er Jahre. Dieser Erfolg war nicht nur mit dem Trainer Friedhelm Funkel verknüpft. Als sportlicher Leiter arbeitete seinerzeit Gerd Merheim beim MSV Duisburg. Gerd Merheim war zuvor als Lehrbeauftragter an der Deutschen Sporthochschule Köln tätig und fand immer wieder unbekannte Fußballer für den MSV, die zu Stützen der Mannschaft wurden. So weit ich mich erinnere, verließ Gerd Merheim den MSV Duisburg, weil der damalige Vereinspräsident Helmut Sandrock ihm keinen längerfristigen Vertrag anbot. Für mich war diese Entscheidung ein Zeichen dafür, dass Helmut Sandrock auch noch sehr persönliche Ziele beim MSV Duisburg hatte.

Wir sehen also, Fußballvereinen wohlfeile Ratschläge zu deren Wirtschaften geben ist allemal einfacher, als selbst dieses Wirtschaften zu verantworten. Vielleicht hat Helmut Sandrock eines seiner Ziele von damals inzwischen erreicht.

Stimmung, Stimmung … wir brauchen nächstes Heimspiel schlechtere Stimmung!

Nichts gab es für die Journalisten zu deuten. Alle Spielberichte über die Begegnung des MSV Duisburg gegen den 1. FC Heidenheim stimmen darin überein. Neben den Ereignissen des eigentlichen Fußballspiels werden jeweils gleichgewichtig die begeistert anfeuernden Zuschauer erwähnt. Nicht immer entspricht die Medienwirklichkeit so  dem tatsächlichen Geschehen. War diese frenetische Stimmung im Stadion zunächst mehr von der Hoffnung getragen, wir alle auf den Rängen könnten mithelfen, dieser eigentlich noch nicht einsatzbereiten Mannschaft zum Erfolg zu verhelfen, so war das Feiern und Anfeuern nach der 0:1-Niederlage Trost und Anerkennung. Die Spieler hatten alles versucht und waren sichtlich enttäuscht.

Sie durften enttäuscht sein, weil die Mannschaft unter den Voraussetzungen beeindruckend stark aufgetreten ist. Aber nicht nur die  Mannschaft musste über den Kampf zu guten Momenten im Spiel finden. Für mich, die Freunde und wahrscheinlich für die meisten im Stadion war es im Grunde genommen ja genauso. Unser Kampf war das Anfeuern und unsere spielerischen Momente waren das Erkennen der einzelnen Spieler. Die Mannschaftsaufstellung diente als Programmzettel in der Hand immer mal wieder der Orientierung, wenn ich den Überblick verloren hatte. Zumal es gerade in der ersten Halbzeit bei diesem Kampfesgetümmel immer so wild durcheinander ging, dass kaum ein  Spieler ein nachdrückliches Bild für mich hinterließ. Mit Ausnahme von Kevin Wolze, der recht schnell immer wieder die Inititative im Spiel ergriff, aber den kannte ich ja auch schon.

Was waren diese Zebras auf Adrenalin. Ich weiß, dieser unbedingte Einsatzwille ist in den ersten Spielen notwendig und eröffnet der Mannschaft ihre Chance. Die Kolletaralschäden sind aber beträchtlich. Tanju Öztürks Verletzung gehört ebenso dazu wie die rote Karte für Kevin Wolze. Der unbedingte Wille ist das eine, das rechte Einschätzen der eigenen Möglichkeiten das andere. Vielleicht müssen auch wir auf den Rängen aus reiner Fürsorgepflicht im nächsten Heimspiel unsere Stimmung etwas mehr dosieren? Schöner wäre es, dieses erste Spiel verhalf zu mehr Erfahrung. Hört man Kevin Wolzes Selbstkritik, so bin ich zuversichtlich, das Spektakel auf den Rängen dürfen wir noch länger veranstalten.

Mich stimmt übrigens weniger die Abwehrleistung für die Zukunft zuversichtlich, sondern die ganz vereinzelt gelingenden Kombinationen im Spiel nach vorne. Da gab es Zusammenspiel. Das ist sensationell, wenn wir uns noch einmal überlegen, wie oft diese Spieler schon gemeinsam aufgelaufen sind. Es gibt Spieler  mit genügend Selbstbewusstsein, den Ball zu behaupten und das Dribbling im eins gegen eins zu suchen, ob das eben Kevin Wolze ist, der von Anfang an zeigte, wie sehr er Verantwortung im Spiel übernehmen will. Ob das in der Offensive Kingsley Onuegbu ist, der drei-, viermal technisch grandios den Ball annahm. Ob das Patrick Zoundi oder Michael Gardawski auf den Außenbahnen mit Zug nach innen sind. Das waren letztlich nur Ansätze, aber gelingende Offensive bei engem Raum ist nun einmal schwieriger zu entwickeln als die Defensive und der Kampf um den Ball. Bei Kontermöglichkeiten in der zweiten Halbzeit war dann schon deutlicher erkennbar, wieviel Qualität die einzelnen Spieler mitbringen.

Das Unentschieden zum Spielende wäre die Krönung dieses Tages gewesen. Es sollte nicht sein, weil aus einer Standardsituation immer mal ein Tor fallen kann. Aus dem Spiel heraus gelang es den Heidenheimern nicht, das Tor des MSV Duisburg in Bedrängnis zu bringen. Warten wir also mal ab, was an der Zuschreibung Aufstiegskandidat dran ist und was dieser Spielverlauf an Aussagekraft für die weiteren Spiele besitzt. Es ist zudem ein gutes Gefühl, dass dieser Gedanke nur am Rande auftaucht, weil ich in der Mannschaft des MSV Duisburg so viel Potenzial gesehen habe, um die alte Fußballerfloskel in den Mund zu nehmen: Wir schauen nicht auf die anderen. Wir vertrauen unseren eigenen Stärken. Denn diese Stärken werden in den nächsten Wochen immer deutlicher erkennbar.

Bleibt noch die Pressekonferenz nach dem Spiel  sowie die O-Töne von Michael Ratajczak, Kevin Wolze und Markus Bollmann.

Außerdem gibt es verschiedene Clips bei youtube, in denen die Stimmung im Stadion mehr als deutlich ist. Hier nehme ich wegen des Zusammenschnitts der unterschiedlichen Momente Marsch zum Stadion, Stimmung vor dem Spiel und Beifall für die Mannschaft nach dem Abpfiff den Clip von MSVsupport hinein.

Preview – Ronald Reng: Spieltage – Ein erster Blick ins Buch mit Zebra-Brille

Heinz Höher beim MSV Duisburg, das war für mich vor allem der wenig erfolgreiche Trainer der Saison 1979/80. Als Spieler des Vereins in den ersten beiden Bundesligajahren habe ich ihn noch nicht erlebt. Ich wartete damals noch auf meinen ersten Stadionbesuch. So überdeckte der Heinz Höher beim VfL Bochum jegliches Halbwissen von mir  zu seiner frühen Duisburger Vergangenheit als Spieler, versteckte sich sein Teil der Heldengeschichte über den Vizemeister meist doch hinter dem von Eia Krämer, Helmut Rahn oder Günter Preuß.

Wer aber wie Ronald Reng ein Buch über Heinz Höher schreibt, erzählt auch seine Duisburger Zeit als Spieler aus dessen Blickwinkel. Und zu erzählen findet sich genug. Heinz Höher war zusammen mit Manfred Manglitz unter Vertrag genommen worden. Beide kamen von Bayer 04 Leverkusen, und die gemeinsame Verpflichtung war ein früher Trick die finanziellen Forderungen von Bayer zu bedienen, ohne die Statuten des DFB zu verletzen. Denn die Einführung der Bundesliga war nur einem Kompromiss zu verdanken zwischen Streben nach Professionalität und Bewahren des Amateurwesens. Um diese allgemeine Historie geht es Ronald Reng neben Heinz Höhers Geschichte ebenfalls. Er erzählt die Biografie von Heinz Höher und stattet sie – wie der Untertitel des Buches verrät – als „Die andere Geschichte der Bundesliga“ aus.  Wannimmer etwas erzählt wird, entfaltet es seinen Sinn als Teil einer übergeordneten Historie des deutschen Fußballs. So zeigt er etwa Rudi Gutendorf als eine Art visionären Marketingmann des Meidericher SV, der Helmut Rahn vor allem wegen dessen Ruhm verpflichtet haben wollte. Damit der unbekannte Meiderichericher SV mehr Strahlkraft gewinnt. Das war die gelungene Variante dessen, woran Walter Hellmich mit Ailtons Verpflichtung Jahre später aus mangelndem Fußballverstand scheiterte.

Ronald Reng erzählt aber auch die Geschichte abseits des Fußballplatzes, die von Meidericher Fußballern in Duisburger Bars. Pils und Schnaps gehörten zum damaligen Fußballer-Alltag wie die Arbeit im Stahlwerk oder auf der Zeche. Er erweckt die Atmosphäre in Stadien und auf dem Trainingsplatz zum Leben. Als souveräner Stilist macht er den Alltag der 1960er Jahre mit vielen Details erfahrbar und behält die unterschiedlichen Ebenen seines Buches gekonnt im Blick. Muss ich betonen, dass ich „Spieltage“ von Ronald Reng kaum aus der Hand legen konnte? Noch freue ich mich auf gut ein Drittel Buch, auf den Trainer Heinz Höher in Nürnberg, auf all seine Macken und Fehler, die das Arbeiten mit ihm ebenso schwierig gemacht haben wie das gemeinsame Leben mit ihm in einer Ehe. Wie man Ronald Reng für dieses Buch nur applaudieren kann, so muss man Heinz Höher bewundern für seine Offenheit und für seinen Mut, sich seiner Lebensgeschichte auch in den unangenehmen Momenten zu stellen.

Ich schreibe euch auch noch eine Besprechung in klassischer Manier, vielleicht schreibe ich sie aber auch vor allem für Ronald Reng, weil in dieser Buchbranche der klassische Stil einer Besprechung auch über die Wahrnehmung von deren Seriösität bestimmt. Und Ronald Reng gebührt der Beifall auf allen Ebenen des Betriebs. Lest Spieltage! In diesem Buch verweist jede Anekdote über sich hinaus und erzählt euch entweder Historie des Bundesligafußballs oder etwas über die Persönlichkeit eines sehr eigenen Menschen.

Und noch eins: An einer Stelle des Buches musste ich sofort an den nächsten Samstag denken. Der Auslöser war eigentlich nur ein Satz zum ersten Spiel des Meidericher SV in der Bundesliga, das legendäre Auswärtsspiel beim Karlsruher SC. Ich will euch diesen Satz und ein paar folgende nicht vorenthalten.

Niemand konnte die Stärke von Karlsruhe und Meiderich realistisch einschätzen, die, getrennt in Süd und West, sich nie begegnet waren. Der Ahnungsloseste konnte schon nach wenigen Minuten erkennen, dass der vorgebliche Abstiegskandidat Nummer eins eine Nummer zu groß für den KSC war. Meiderich stürmte. Die Halbstürmer, Werner Krämer rechts und Heinz Höher links, schlugen Haken, passten auf die Flügel, boten sich postwendend für den Flachpass in den freien Raum an, nahmen den Ball auf und dribbelten dem Tor entgegen. Ließen sich Krämer und Höher einmal zurückfallen, glaubte das Publikum, nun ruhten sie sich einmal aus. Da spielten sie plötzlich einen Steilpass aus der Tiefe, der Karlsruhes Abwehr zerschnitt. Nach 37 Minuten stand es 0:3.

4:1 gewannen die Zebras, und vielleicht geht es euch auch so, dass trotz aller Unterschiede zur Gegenwart, dieser erste Satz euch bis zum Samstag begleiten wird. Niemand kann die Stärke des MSV Duisburg im Moment realistisch einschätzen. Und gerade in einem Auftaktspiel der Saison trifft diese Prognoseungewissheit vielleicht sogar auf einen Aufstiegsaspiranten wie den 1. FC Heidenheim zu. Mit der Wiederholung eines überraschendenden Leistungsunterschiedes samt entsprechenden Endergebnisses könnte ich gut leben. Ein Unentschieden machte mich aber auch schon mehr als zufrieden.

Spieltage

Ronald Reng: Spieltage. Die andere Geschichte der Bundesliga. Piper Verlag, München 2013. 480 Seiten. € 15,99. ISBN: 978-3-492-96426-5


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