Wie sich die Zeiten mit Helmut Sandrocks Funktionärsamt ändern

Der Sportinformationsdienst hat aus einem Interview der DFB-Presseabteilung mit dem Generalsekretär des eigenen Verbandes, Helmut Sandrock, einen kleinen Teil rausgefischt und schon war eine Meldung fertig, mit der es so aussieht, als habe der DFB-Generalsekretär angesichts des Finanzgeschehens bei einigen Fußballvereinen es für seine Aufgabe gehalten, mahnende Worte ans Funktionärsvolk zu richten. Einige Zeitungen, unter anderem das Handelsblatt, haben aus der als wirtschaftliches Mahnen getarnten Zurückweisung von DFB-Verantwortung für die finanziellen Verhältnisse in der 3. Liga ein grundsätzliches Statement zum Wirtschaften von sogenannten Traditionsvereinen gemacht.

Neben diesem weiteren Einblick, wie Medienwirklichkeit entsteht, finde ich es amüsant, wie sich Helmut Sandrock an seine Vergangenheit erinnert:

Frage: In den letzten Wochen haben auffallend viele Traditionsvereine Insolvenz anmelden müssen oder die Lizenz verweigert bekommen. Bereitet Ihnen das Sorge?

Sandrock: Traditionsvereine sollten darüber nachdenken, ob Tradition alleine ausreicht. Ziele, die man sich setzt, müssen auch im Einklang mit wirtschaftlichen Voraussetzungen stehen. Ich habe selbst bei einem dieser Traditionsvereine (MSV Duisburg, d. Red.) gearbeitet und weiß, dass man dort oft ein Getriebener ist. Aber das darf nicht dazu verleiten, dass man mehr ausgibt als man einnimmt. Es gibt nicht nur die aktuellen Beispiele wie Duisburg, Aachen oder Wuppertal, es gab auch die Fälle Rot-Weiss Essen oder Waldhof Mannheim in der Vergangenheit.

Amüsant ist das deshalb, weil der MSV Duisburg in diesem Jahr nicht zum ersten Mal finanziell derart angeschlagen war, dass die Angst immer größer wurde, der Verein könne insolvent werden. Bei der weiteren Entwicklung des Engagements von Walter Hellmich beim MSV Duisburg ist ja nach und nach in Vergessenheit geraten, dass erst mit seinem offiziellen Antritt für ein Funktionärsamt die vorhandenen finanziellen Probleme damals fürs erste gelöst wurden. Verantwortlich für diese finanziellen Probleme war niemand anders als Helmut Sandrock, in desssen Amtszeit anscheinend mehr ausgegeben wurde, als man einnahm.

In der Vereinsgeschhichte des MSV Duisburg ist bei den Lucky-Zebras 97  über die Jahreshauptversammlung 2002  folgendes zu lesen:

Die Fußball-Abteilung des MSV ist mit 2,7 Millionen Euro verschuldet. Dies kam bei der Jahreshauptversammlung 2002 zu Tage. Allein in der vergangenen Saison erwirtschaftete der Zweitligist unter der Vereinsführung von Helmut Sandrock ein Minus von 4,2 Millionen Euro. Hellmich bilanzierte die Ära seines Vorgängers mehrfach und drastisch: „Die finanzielle Lage ist desaströs. Es waren Leute am Werk, die nicht wussten, wie es geht. Es sind Dinge vorgefallen, die ich nicht nachvollziekann.“ Der MSV, so Hellmich, habe kurz vor der Pleite gestanden, „und ohne die Sparkasse gäbe es überhaupt keinen MSV mehr.“

Man sieht, Geschichte wiederholt sich dann manchmal auch nicht als Farce. Ich hatte es schon einmal geschrieben, für mich begann mit Helmut Sandrock das doppelbödige Funktionärsarbeiten beim MSV Duisburg und damit das mit Risiko behaftete Wirtschaften für den sportlichen Erfolg. Mir schien es damals schon so, als verfolge er neben seinen Zielen für den MSV Duisburg noch irgendetwas anderes, was mir nicht einsichtig war. Zumal ich mich zugegebener Maßen seinerzeit sehr viel weniger intensiv mit dem für den sportlichen Erfolg notwendigen strukturellen Hintergrund des Vereins beschäftigte.

Schon bei nur oberflächlicher Beobachtung war es mir aber unerklärlich, warum Helmut Sandrock einem Mann keinen längerfristigen Vertrag anbot, der mitverantwortlich war für die letzte große Zeit des MSV Duisburg während der 1990er Jahre. Dieser Erfolg war nicht nur mit dem Trainer Friedhelm Funkel verknüpft. Als sportlicher Leiter arbeitete seinerzeit Gerd Merheim beim MSV Duisburg. Gerd Merheim war zuvor als Lehrbeauftragter an der Deutschen Sporthochschule Köln tätig und fand immer wieder unbekannte Fußballer für den MSV, die zu Stützen der Mannschaft wurden. So weit ich mich erinnere, verließ Gerd Merheim den MSV Duisburg, weil der damalige Vereinspräsident Helmut Sandrock ihm keinen längerfristigen Vertrag anbot. Für mich war diese Entscheidung ein Zeichen dafür, dass Helmut Sandrock auch noch sehr persönliche Ziele beim MSV Duisburg hatte.

Wir sehen also, Fußballvereinen wohlfeile Ratschläge zu deren Wirtschaften geben ist allemal einfacher, als selbst dieses Wirtschaften zu verantworten. Vielleicht hat Helmut Sandrock eines seiner Ziele von damals inzwischen erreicht.

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