Archiv für August 2013

Nur harte Kerle retten den Hamburger SV

Mit so einer erheiternden Zeitungsmeldung könnte jeder Tag beginnen. Gerade lese ich in einer dpa-Meldung der Süddeutschen Zeitung, welch Charaktereigenschaften inzwischen beim Hamburger SV gebraucht werden, allein nur, wenn ein Fußballer überlegt, dort einen Vertrag zu unterschreiben. Nicht zu klären ist die Frage, ob dpa- oder redigierender SZ-Journalist besondere Kenntnisse der Hamburger Verhältnisse haben oder einen Sinn für spitzen Humor. Vielleicht trifft ja beides zu.

Unter der Überschrift „Spielertausch geplant“ lese ich über die Hamburger Verhältnisse also folgendes:

Laut Bild-Zeitung will der HSV den norwegischen Mittelfeldmann Per Skjelbred für ein Jahr nach Berlin ausleihen, im Gegenzug soll Hertha-Stürmer Pierre-Michel Lasogga ausgeliehen werden. „Lasogga ist unerschrocken, er geht dahin, wo es wehtut“, sagte HSV-Sportchef Oliver Kreuzer über den U-21-Nationalspieler

Eindeutig harte Zeiten beim HSV. Aber das angstfreie Bekenntnis zur Wahrheit ist der erste Schritt auf dem Weg zur Rettung.

 

 

 

Letztens noch in Erfurt

Vor dem Spiel gegen Rot-Weiß Erfurt richten sich die Blicke selbstverständlich auf jene Menschen beim MSV Duisburg mit enger Verbindung zu Erfurt. Während die Print-Kollegen von der Rheinischen Post ihr Hauptaugenmerk auf Karsten Baumann und Ilia Gruev richten, stellt der WAZ/NRZ-Kollege Phil Ofosu Ayeh in den Mittelpunkt. Zu lesen sind natürlich zum einen Anekdoten in bekannter Mein-Ex-Verein-Form, zum anderen allerdings lässt sich von Ilia Gruev eine besondere Geschichte erzählen, lebt der Rest seiner Familie doch weiterhin in Erfurt, der Sohn spielt gar bei  Rot-Weiß. Wahrscheinlich liegt es aber nicht nur an den familiären Verbindungen, in welch freundlichem Ton von Rot-Weiß Erfurt gesprochen wird. Auch wenn Phil Ofosu Ayeh über ehemalige Mitspieler spricht und seine Zeit in Erfurt, findet er wohlwollende Worte. Mir fällt das auf, und für mich ist das ein Zeichen für gelingendes Arbeiten bei Rot-Weiß Erfurt und ein gutes Klima im Verein.

Solche Grundlagen für Erfolg machen es dem MSV Duisburg am Samstag beim Auswärtsspiel nicht einfacher. Dennoch befinden wir uns weiterhin in einer Phase der Saison, in der die meisten Mannschaften bei einem Spiel mit dem nichts aussichtslosen Wunsch antreten, den Gegner zu besiegen. Die Liga wirkt im Moment sehr ausgeglichen. Ein Auswärtssieg wäre schön, mit dem Unentschieden bin ich aber auch zufrieden.

Einstimmen können wir uns auf das Spiel mit einer Erinnerung an Phil Ofosu Ayehs Zeit bei Rot-Weiß Erfurt. Zwar kann ich mich bereits an mehrere seiner Szenen im Zebra-Trikot erinnern, die sich schon als Best-of zusammenschneiden ließen. Ein paar sollten aber noch hinzukommen, damit sich vier bis fünf Minuten füllen lassen. Bis dahin also Phil in Erfurt, auch schon gut.

Druckfrisch: Der Kapitän der Zebras – Günter Preuß signiert am Samstag

Die Erinnerungen von Günter Preuß an sein Leben für und mit dem MSV Duisburg kamen hier schon mehrmals zu Sprache. „Der Kapitän der Zebras“ war 2002 im Selbstverlag erschienen und vergriffen. Der Zebraherde e.V. hat sich nun dafür eingesetzt, das Buch neu aufzulegen. Wie es sich damit genau verhielt, erzählte Michael Wildberg unlängst im Gespräch, bei dem wir dann zudem noch über den Traditions-Begriff im Fußball nachgedacht haben. Seinerzeit war das Veröffentlichungsdatum noch nicht bekannt. Es passt zum guten Saisonstart der Zebras, dass alles früher geklappt hat als gedacht. Am kommenden Samstag wird die Neuausgabe von „Der Kapitän der Zebras“ in der Königsgalerie Duisburg zwischen 9.30 Uhr und  11.00 Uhr vorgestellt. Günter Preuss wird  vor Ort sein und seine Erinnerungen signieren. Wer ein Buch vorbestellt hat, kann es dann abholen. Es sind aber noch weitere Exemplare erhältlich. “Der Kapitän der Zebras von Günter Preuß” kostet € 20,00. Der gesamte Gewinn kommt dem Nachwuchsleistungszentrum des MSV Duisburg zugute. Wer an diesem Tag  die Zebras in Erfurt unterstützt oder sein Exemplar nicht abholen kann, für den hält der Zebraherde e.V. ein Exemplar am Fancontainer bereit, am 3. 9., direkt nach dem Heimspiel gegen Borussia Dortmund II.

Spieldeutung aus niederländischer Ferne

Wie mir, gestern, wird es Historikern gehen, die versuchen sich von einem Ereignis der Vergangenheit anhand von Dokumenten und Augenzeugenberichten ein Bild zu machen. Ich erfuhr vom Spiel des MSV Duisburg gegen den Chemnitzer FC in Amsterdam nur das Ergebnis. Ob es sich nun um dieses Unentschieden handelt oder etwa um Willy Brandts „blauen Himmel“ über dem Ruhrgebiet, die Methode sich das Geschehen zu erschließen ist dieselbe. Zunächst beschäftigt man sich mit den Beteiligten der Situation, die nicht immer so offen von den eigenen Unzulänglichkeiten sprechen wie nach dem Fußballspiel Karsten Baumann in der Pressekonferenz oder Michael Gardawski, Phil Ofosu-Ayeh und Pierre De Wit in Kurzinterviews nach dem Spiel.

Zu wenig Einsatz gegen den guten Gegner, fehlende Frische, individueller Fehler beim Ausgleich, das sind selbstkritische Worte und so  empfanden die Beteiligten das Unentschieden also als gerechtes Ergebnis. Dementsprechend haben beide Seiten aber auch Chancen auf einen Sieg gesehen. Höre ich Gerd Schädlich, klingt bei ihm sogar so etwas wie das bessere Spiel der Chemnitzer in der ersten halben Stunde an.

Ob bewegte Bilder vom Geschehen diese Selbsteinschätzung unterstreichen ist nicht sicher, wenn diese Bilder nur Ausschnitte zeigen und dadurch schon eine Wertung vorgenommen wird. Im Spielbericht vom WDR  kommt der MSV ganz gut weg. Bestätigt wird aber auch die Selbsteinschätzung eines kaum vorhandenen Spielflusses auf Zebra-Seite in der ersten Halbzeit. Einen ersten Hinweis auf die gute Leistung von Kingsley Onuegbu ist ebenfalls zu erkennen. Ich meine weniger das Tor als die beeindruckende Ballverarbeitung bei der gezeigten großen Torchance von ihm. Mehrmals haben ich seine Ballannahme schon bewundernd angemerkt. Man braucht kein großer Experte zu sein, um dieser Fähigkeit erneut zu applaudieren. Sieht man die Situation vor dem Pass, versteht man nicht, wieso es ihm gelingen konnte, frei zum Schuß zu kommen. Lasse ich den Spielbericht auf mich als Ganzes wirken, entsteht trotz der Chemnitzer Chancen ein leichtes Bedauern über verpasste drei Punkte. Diese leise Enttäuschung wird vom Gewicht der Bilder angelegt. Es ist dasselbe Spiel, bei dem ich gerade zuvor im Einklang mit den Spielern erst einmal zufrieden war.

Zwischendurch verschaffe ich mir Dank Stephan Jäger einen Eindruck von der Atmosphäre im Stadion. Schließlich geht es mir Forscher auch um das ganze Ereignis. Ich erzähle schließlich nicht reine Faktengeschichte sondern verfolge einen kulurhistorischen Ansatz. Dazu gehört die Stimmung in der Öffentlichkeit auf jeden Fall.

Auch aus dem Spielbericht im Kicker ließe sich schließen, dem Chemnitzer FC gelang das Zusammenspiel besser. Nur auf Chemnitzer Seite wird gefälliges Kombinationsspiel erwähnt. Das gilt für die erste Halbzeit, zudem wird das Spiel in der zweiten Halbzeit als ausgeglichen und abwechslunsreich gewertet. So eine Entwicklung kann die Begegnung ohne spielerische Elemente auf Seiten des MSV Duisburg nicht nehmen. So erfahre ich auch etwas über die Stärken des MSV Duisburg, wo in der Selbstwahrnehmung der Blick auf die Schwächen überwiegt.

Der Spielbericht in der WAZ hingegen wirkt wie eine forcierte Deutung der Baumann-Worte. In ihm stellt sich nicht nur das Bild eines etwas überlegeneren Gegners ein, sondern auch die Leistung der Mannschaft des MSV Duisburg erscheint in einem schlechteren Licht. So eine Wertung stellt die von Karsten Baumann angemerkte fehlende mentale und körperliche Frische ins grelle Licht. Der umfangreiche Spielbericht der Rheinischen Post zeigt mir, meine schwankende Meinung begründet sich tatsächlich durch das Spiel selbst. Es lässt sich nicht auf einen Nenner bringen und Enttäuschung ist ebenso möglich wie Zufriedenheit.

Für die Bewertugen einzelner Spieler ist ein Blick ins MSVPortal interessant. Auch hier herrscht überwiegend Zufriedenheit über das Unentschieden. Allerdings löst die Leistung des Innenverteidigerpaares Branimir Bajic und Makus Bollmann dort Diskussionen aus. Auch wenn Bajic-Kritiker zunächst öfter das Wort führen, sagt das noch nichts über dessen wirkliche Leistung aus. Gerade weil es Gegenstimmen gibt, wird deutlich, die Bewertung seiner Leistung ist nicht einfach. Vieles, was die Qualität von Branimr Bajic ausmacht, ist nicht als aktuelles Ereignis auf dem Spielfeld zu sehen, sondern ist ein Nicht-Ereignis, was dann entsprechend nicht auffällt. Seine Fehler hingegen sind auffällig. Auf seiner Position spielt er in größerer Abhängigkeit vom Gesamtspielverlauf. Deshalb ist die Bewertung seiner Leistung umstritten. Vertrauen wir dem Trainer.

Kevin Wolze scheint zu Beginn des Spiels etwas übermotiviert gewesen zu sein. Das erinnert ans Heidenheim-Spiel. Der erste Auftritt nach der Rot-Sperre vor eigenem Publikum war wohl also wieder eine Herausforderung psychischer Art für ihn. Sein Wille sich dem Publikum zu zeigen und den Applaus zu genießen, sollte sich doch einpendeln, wenn er mehrere Heimspiele mal ohne Platzverweis hinter sich gebracht hat.Mein Eindruck durch den WDR-Spielbericht über Kingsley Onouegbu wird bestätigt, dazu großes Lob für Sascha Dum und Michael Ratajczak.

So habe ich mir also ein Bild vom Spiel gemacht, ohne dass ich dort gewesen bin. Die Leistung bestätigt die vorsichtigen Ambitionen nach oben bei aller gleichzeitig vorhandenen Unsicherheit, ob das nicht zu dem Zeitpunkt der Saison ein vermessenes Schielen nach dem Unaussprechlichen ist.

Wenn sich die Zufriedenheit über das Unentschieden einstellt, machen die Vorfälle nach dem Spiel fassungslos. Es kommen Anhänger des Chemnitzer FC ins Stadion, drücken ihr Mitgefühl über die im letzten Heimspiel verstorbenen MSV-Fans aus, haben sogar Geld gesammelt für die Hinterbebliebenen der verstorbenen MSV-Fans und sollen Ziel eines gewaltttätigen Angriffs von einer Gruppe Duisburger zu werden.  Diese Leute wollen MSV-Fans sein und hauen innerhalb von vielleicht zwanzig Minuten das in Teilen kaputt, was über Wochen andere MSV-Fans aufgebaut haben. Gewalt um die Stadien herum bleibt ein Thema im Fußball. Natürlich interessiert das eine Minderheit. Diese Minderheit erhält große Aufmerksamkeit, und als Realist weiß ich, sowohl an Gewaltbereitschaft als auch an dem medialen Interesse daran, ist nichts zu ändern.

Natürlich kann ich mich davon distanzieren. Andere machen das ebenfalls, und das ist richtig und gut. Andererseits empfinde ich das gleichzeitig als einen hilflosen Versuch, mit der bei den meisten Vereinen vorhandenen Zuschauergruppe mit Hang zur Gewalt umzugehen. Als einen hilflosen Versuch empfinde ich das, weil in dieser Distanzierung Selbstverständlichkeiten stehen und sie dennoch niemanden erreicht, der es nötig hätte. So eine Distanzierung ist also ein symbolischer Akt, der das öffentliche Bild von MSV-Fans nur wenig beeinflusst. Wirksamer ist das Handeln auf Vereinsseite. Dort muss so ein Vorgang im Rahmen der Fan-Arbeit eingebunden werden. In öffentliche Stellungnahmen zu solchen Vorfällen muss die eigene Fan-Arbeit Thema sein. Die Verbindung in die Szene muss stark und in alle Gruppen sein. Dass es dennoch Anhänger gibt, die nicht errreicht werden, steht für mich außer Frage. Ohne Sanktionen wird es also nicht gehen. Notwendig ist also ein Agieren auf Fan- und Vereinsseite, damit solche Vorfälle selten bleiben.

Pokalsieg sehen, ohne da gewesen zu sein – Bilder vom Spiel

Einen Vorteil, den der Zwangsabstieg mit sich brachte, erleben ich und wahrscheinlich noch ein paar andere Anhänger des MSV nun nach dem Spiel im Niederrheinpokal vom MSV gegen den TSV Bockum. Obwohl sowohl wir als auch TV-Kameras nicht im Stadion waren, können wir können uns Bilder vom Spiel ansehen. Wenn nicht für jedes Spiel des MSV Duisburg die Bildrechte verkauft sind, können mit privaten Kameras nicht nur Bilder vom Spiel selbst eingefangen, sondern sogar online gestellt werden. Dirk Schales betreibt mit Zebras Welt einen Blog, in dem er sich eigentlich vor allem unanbhängig vom Fußball um Duisburger Themen kümmert, zum MSV aber hin und wieder Video-Clips postet. Schon bei den Fanaktionen war er regelmäßig filmend dabei – so nun auch gestern im Pokalspiel.

Vor dem Spiel hat Dirk Schales die Stimmung eingefangen.

Ausschnitte aus der 1. Halbzeit mit dem Führungstor durch Markus Bollmann als beendendem Vorgeschmack für die Bilder aus der 2. Halbzeit.

Ausschnitte aus der 2. Halbzeit mit den Toren von Kingsley Onuegbu und Filip Orsula

Gefeiert wurden Pflichtsieg und der Gegner TSV Bockum auch noch.

Ernst nehmen in Amsterdam

Amsterdam wirkt auf seinen Straßen so jung wie ein Teil der Mannschaft des MSV Duisburg, die heute Abend im Verbandspokalspiel gegen den TSV Bockum anscheinend auflaufen wird. In der lokalen Presse ist zu lesen, trotz der zum Teil notwendigen, zum Teil der Schonung geschuldeten Umstellungen nehme Karsten Baumann den Gegner sehr ernst. Ich muss zugeben, ich habe meine Schwierigkeiten mit der Ernsthaftigkeit bei diesem Spiel. Das liegt natürlich auch an Amsterdam, wo die Strahlkraft des niederrheinischen Verbandspokals nur bei sehr genauem Suchen in obskuren Fußballfachzeitschriften vielleicht noch zu erahnen wäre. Aber das ist nur ein Teil der Wahrheit, die mir als Ausrede gelegen kommt. Es liegt nämlich vor allem daran, dass mit diesem Verbandspokal zum ersten Mal die Wirklichkeit 3. Liga spürbar wird.

Bislang beschränkte sich diese Wirklichkeit während der Punktespiele doch eigentlich nur auf die mediale Vermittlung in Radio und TV. Da wurden andere Sendeplätze besetzt, nervige Ruckelbilder waren mit einem Mal unsere größte Freude. Das Fußballspiel selbst aber fühlte sich für die meisten von uns doch sehr viel mehr nach 1. Liga an. Wäre ich heute zu Hause, hätte ich mich mit der Wirklichkeit 3. Liga wohl vertraut gemacht. Persönliche Anschauung hilft immer sehr. Was zudem auch für den weiteren Saisonverlauf notwendig ist. 3. Liga ist auch bei den Punktenspielen irgendwann mal 3. Liga. Auch den Spielern wird die Erfahrung heute Abend helfen. Und wer in der 3. Liga angekommen ist, wird sie recht schnell wieder verlassen. Ajax Amsterdam hat übrigens kein Heimspiel am nächsten Wochenende. Schade.

Jede Aufgabe erledigen

Wann ich das letzte Mal bei einem Spiel des MSV Duisburg derart geschimpft habe, weiß ich schon gar nicht mehr. Was nichts mit der Leistung der Zebras zu tun hat sondern mit den technischen Bedingungen, die das Spiel für mich zum Fotoroman mit kurzen Videosequenzen machten. Dabei hatte ich mich nach dem reibungslos anzusehenden Spiel gegen Burghausen doch sehr auf den Nachmittag gefreut. Doch mein dilletierendes IT-Fricklerdasein wurde mir dann vor Augen geführt, weil ich nicht mal wusste, ob meine technische Ausstattung oder zu viele MSV-Fans an PCs für meine schlechte Laune verantwortlich waren. Letzteres hätte mich ja mit dem Leben versöhnt, zumal ich den Sprint von Kingsley Onuegbu auf das Tor von RB Leipzig bis zum Torschuss habe sehen können. Kein Standfoto als Cliffhanger mit Onuegbu an der Strafraumgrenze in eingefrorener Dynamik sondern Jubel dort und hier.

Ob diese Führung überraschend kam? Ich kann das nicht vollends beurteilen, sondern muss die eigene Meinung mit Spielberichten, mancher Einschätzung im MSVPortal oder etwa Ludger Conrads kurzen Ausführungen im Blog abgleichen. Überraschend scheint mir danach nicht das passende Wort zu sein, weil diese Mannschaft konsequent verteidigte und in diesem Spiel unbedingt mithalten wollte, auch wenn es an spielerischen Mitteln dieses Mal etwas haperte. Dieser Treffer war nicht zwangsläufig, aber er war immer möglich. Was für RB Leipzig natürlich ebenfalls galt, dort aber offensichtlicher war.

Für mich beruht das Ganze auf der psychischen Dynamik, die sich aus den unterschiedlichen Ausganngslagen in beiden Vereinen ergab. Die Mannschaft des MSV Duisburg weiß natürlich einerseits inzwischen um ihre Stärken, andererseits vermute ich wegen des schnellen Zusammenfindens des Kaders  immer noch Unsicherheit im Vergleich mit den stärksten Mannschaften der 3. Liga. Der MSV Duisburg muss sich den Glauben an die eigenen Qualitäten weiter noch erspielen. Dieser Glaube ist das, was der Mannschaft von RB Leipzig schon zugeschrieben wurde und was ihr vielleicht einen leichten Vorteil in der psychischen Verfasstheit bei Spielbeginn mitgab. Deshalb liegt mein Augenmerk vor allem auf dem sofort bemerkbaren Willen der Zebras am Spiel teil zu haben. Ich sehe zwar auch die offenen Türen für den Zweifel, ob gegen die Mannschaft mit mehr Geld mitgehalten werden kann. In diese offenen Türen wurde aber allenfalls mal kurz reingeschaut. Hineingegangen ist da niemand. Das ist der Wert dieses Unentschiedens. Es ist weniger der Punkt als der weiter wachsende Glaube an die eigenen Stärken.

Hätte man mir vor dem Spiel das 1:1-Unentschieden als Ergebnis angeboten, ich hätte angenommen und wäre zufrieden gewesen. Dummerweise lief das Online-Bild gerade gegen Ende der zweiten Halbzeit immer wieder für längere Zeit flüssig. Dummerweise war das die Zeit, als sich dem MSV zwei Chancen auf eine erneute Führung boten. Einmal stand Pierre De Wit sehr knapp im Abseits, das andere Mal ging ein recht freier Schuss in günstiger Position von ihm dann doch recht deutlich am Tor vorbei. So kitzelt mich leise Enttäuschung, obwohl gerade im Spielbericht der Rheinischen Post deutlich wird, dass der Punkt angesichts der Leistung zufrieden stimmen sollte. Was mich leise kitzelt, muss bei Karsten Baumann und Ivo Grlic wohl mehr ein Bohren sein. So richtig hat es nicht geklappt, was sie sich für dieses Spiel erhofft haben.

Was dann doch auf höhere Ziele für die weitere Saison schließen lässt. Auf mich wirkt es etwas kurios, wie sich im Nachhinein die öffentlich wahrnehmbaren Kräfteverhältnisse umgedreht haben. In den Vorberichten war stets von RB Leipzig als dem Verein mit den hohen Zielen geschrieben worden, die Saisonziele des MSV Duisburg blieben in dem Zusammenhang farblos und unbestimmt. Nach dem Spiel haben sich die Gewichte verschoben, und wenn man den Anfang des Spielberichts im Kicker liest, weiß man schon nicht mehr sicher, welcher Verein nun oben mitspielen möchte und welcher Verein erst einmal gucken wollte, wie sich die erste Hälfte der Saison entwickelt: „Der Aufsteiger ist damit weiter ungeschlagen und als Tabellensiebter durchaus zufrieden. Der direkte Nachbar im Klassement verpasste mit dem ersten Remis der Saison den dritten Sieg in Folge.“ Durch diese Gegenüberstellung von Zufriedenheit und Verpassen eines Sieges verschiebt sich die Enttäuschung über das Unentschieden hin zur Duisburger Seite. Auch wenn das als Aussage wohl nicht beabsichtigt gewesen ist, dass so ein Gefühl der Enttäuschung überhaupt ein Thema ist, lässt einiges für den weiteren Saisonverlauf erhoffen.

Nachgetragen:  Ausführlich, detailliert und nachvollziehbar aus Leipziger Sicht der Rotebrauseblogger mit seinem Spielbericht und einem „Lichtblick“ punkto Zebra-Fans.

Dritte Liga blogwärts

Mit meiner Saisonvorbereitung  ging es mir nicht anders als dem MSV Duisburg. Die Saison begann so schnell, dass ich die zu bewältigenden  Aufgaben im Blog vor einer Saison noch gar nicht alle erledigt habe. Normalerweise werfe ich kurz vor Ende der Sommerpause einen Blick auf die Blogwelt. Mancher Vereinsblog wird im Laufe einer Saison eingestellt, mancher neue kommt hinzu. Das will ich heute nachholen, zumal dankenswerter Weise der Rotebrauseblogger gestern die Vorarbeit geleistet hat.

Anderes habe ich auch nicht zu bieten, so dass ich für die inhaltliche Einordnung der von ihm vorgestellten Blogs auf seinen Beitrag verweisen möchte. Auch darin gleicht mein Schreiben dem Spiel des MSV Duisburg nach der ungewöhnlichen Vorbereitungszeit. Die Mannschaft und ich, wir müssen manchmal noch zu Notlösungen greifen, um die anstehenden Aufgaben zu erledigen. Das wirkt dann nicht elegant, ist aber im besten Fall sehr effizient. Hinzuzufügen ist von meiner Seite, der Klick zum Rotebrauseblogger lohnt. Wenn jemand über RB Leipzig mit solchem Namen schreibt, darf man mit Recht vermuten, seine Texte führen über den eigentlichen Fußball immer wieder auch hinaus. Seine Position in der Diskussion um RB Leipzig findet ihr hier skzziert.

Die Blogwelt wird in der 3. Liga immer unbesiedelter – vielleicht aber auch unentdeckter? Ihr könnt euch deshalb als wahre Pioniere fühhlen, wenn ihr in die weite Leere dieser Blogwelt aufbrecht und irgendwo am Horizont vielleicht ein paar Worte zu Holstein Kiel entdeckt. Macht den Ort mir und dem Rest der Drittliga-Interessierten bekannt. Gedenkplaketten sind euch sicher.

Nun aber kurz und bündig, gelistet die Vereinsblogger der 3. Liga.

Rot Weiß Erfurt
stellungsfehler

FC Halle –  gelegentlich
Politplatschquatsch

RB Leipzig
Rotebrauseblogger

FC Hansa Rostock
Hanseator
Hansafans.de

1. FC Saarbrücken
Das FCSBlog 2.0

SV Wehen Wiesbaden
Stehblog

Vereinspräsidenten-Traditionen

Ronald Rengs „Spieltage“ habe ich zu Ende gelesen.  Spannend bis zur letzten Seite. Ausführlicher begründe ich das noch. Vorher kurz etwas hoffentlich Erheiterndes aus dem nächsten Buch, das ich gerade begonnen habe zu lesen: „Samstags um halb 4“ von Nils Havemann. Der Historiker hat sich wissenschaftlich der Bundesligageschichte genähert. So klingt im Ton des Buchs der Wissenschaftsbetrieb manchmal deutlich an.

Nils Havemann wirft in seiner Geschichte immer wieder den Blick auf die ökonomischen Verhältnisse in den Vereinen und bei Akteuren des Fußballs, bei den Spielern, aber auch bei den Funktionären. Und weil mir momentan die Tradition anscheinend zum Leitmotiv meiner Beschäftigung mit dem Fußball wurde, musste ich doch grinsen, als ich Nils Havemanns Anmerkungen zu den Vereinspräsidenten in den 1960ern und 1970ern las. Ich habe es ja schon im Gespräch mit Michael Wildberg gesagt, auch Walter Hellmlich hat beim MSV Duisburg Traditionen fortgeschrieben und wenn ich Nils Havemann lese, nicht nur die des Amateurfußballs und dessen regelmäßiges Vergessen von engagierten Vereinsmitgliedern.

Hinter dem Engagement auf höchster Vereinsebene stand in vielen Fällen das Kalkül, neue Kontakte zu wichtigen Anlaufstellen im eigenen Einzugsgebiet knüpfen und einen priveligierten Platz bei der Vergabe lukrativer Aufträge ergattern zu können. … Wer sich die Liste der Gönner anschaut, die sich in den fünfziger und sechziger Jahren in großen Clubs zusammenfanden, wird die Relevanz solcher Überlegungen rasch erkennen. […] Es waren zumeist kleine und mittelständische Unternehmen, die von Familien betrieben wurden und in der Region verwurzelt waren. […] Dass einige hochrangige Mitglieder dabei gelegentlich die Belange des Vereins zu stark mit den Interessen ihres Geschäfts vermengten, wird in den folgenden Kapiteln ebenfalls thematisiert werden.

Nils Havemann: Samstags um halb 4. Die Geschichte der Fußballbundesliga. Siedler, München 2013. Seite 86.

Der Kapitän der Zebras von Günter Preuß – Noch Subskription der Neuauflage möglich

Die Erinnerungen von Günter Preuß, „Der Kapitän der Zebras“, werden wahrscheinlich zum Ende dieses Jahres auch im Buchhandel erhältlich sein. Das erzählte Michael Wildberg in unserem Gespräch letzte Woche über das Buch. Eines haben wir bei diesem Gespräch aber vergessen. Michael Wildberg erzählte nämlich auch noch, bevor der Ladenverkauf möglich ist, muss eine erste Auflage von 200 Stück per Vorbestellung gesichert abverkauft werden. Das ist die alte Risikominimierung von Verlagen per Subskription.  Organisiert wird dieser Subsrkiptions-Verkauf über das MSVPortal, indem man einen Klick weiter auf die Liste hier seinen Namen setzt . Nun ist nicht jeder im MSVPortal angemeldet, was als Voraussetzung zum Eintragen nötig ist. Wer sich dort nun nicht anmelden möchte und Interesse am Buch von Günter Preuß hat, kann deshalb auch mir eine kurze Nachricht schicken mit seiner E-Mail-Adresse. Ich leite die verbindliche Subskription an die Zebraherde und Michael Wildberg weiter. „Der Kapitän der Zebras von Günter Preuß“ kostet € 20,00. Der gesamte Gewinn kommt dem Zebrakids e.V. zugute.


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