Als zwölfter Mann in Paderborn – Den Pokalgegner schwächen

Noch immer gibt es keinen ganz normalen Saisonalltag beim MSV Duisburg. Noch immer wird bei laufendem Spielbetrieb daran gearbeitet, diesen Spielbetrieb überhaupt erst kontinuierlich zu ermöglichen. In solch schweren Zeiten braucht der Verein unserer Zuneigung auch unkonventionelle Unterstützung bei der Spielvorbereitung. Als zwölfter Mann wollte ich nicht nur am Montag auf den Rängen dabei sein, sondern habe mit einer Guerilla-Aktion auf gegnerischem Terrain in Paderborn versucht, den Pokalgegner weiter zu schwächen.

Denn der SC Paderborn ist momentan angreifbar. Die Lage dort erinnert mich an die vorletzte Saison des MSV Duisburg. Nach äußerst schwachem Saisonstart stand damals das Pokalspiel bei Holstein Kiel an. Milan Sasic war es nicht gelungen, alle Spieler des Kaders  so zu erreichen, dass die Mannschaft eine Einheit formte. Die Zebras verloren in Kiel mit 2:0.  Als ich die Berichterstattung wie hier in der Neuen Westfälischen nach der 0:4-Niederlage des SC Paderborn gegen den FC Enerige Cottbus las, wusste ich, wir haben eine Chance. Die Stimmung vor Ort schwankt zwischen Ratlosigkeit und Ärger. Sie wird begleitet von starken Worten der Verantwortlichen, die Zuversicht für den Montag geben sollen. Wir kennen das aus der damaligen Zeit. André Breitenreiter wird im Anriss eines Artikel des Westfalen-Blatt zitiert: »Es wird auf jeden Fall personelle Änderungen geben. In Duisburg brauche ich Krieger auf dem Platz. Ich will Spieler sehen, die Zweikämpfe annehmen und gewinnen.« Wer solch martialischen Worte wählt, bewegt sich schon sehr weit oben auf der Trainer-fühlt-sich-von-Spielern-verlassen-Skala.

2013-07-029-Paderborn 006_bearDiese Stimmung kann uns nützen, dachte ich. Man muss sie nur befeuern. Die Libori-Woche spielte mir dafür in die Karten. Der ein oder andere wird es wissen, Paderborn ist meine angeheiratete Heimat und zu Libori bin ich sehr gern in der Stadt. Das sind die Tage des Jahres, in denen das Paderborner Leben auf der Straße stattfindet. Die Stadt ist voller Menschen.  Sie gehen auf den Pottmarkt und die Kirmes. Abends warten viele Konzerte. Die Menschen sind entspannt. Man kommt miteinander ins Gespräch. Gute Gelegenheiten, um für weitere  Unruhe im Umfeld des Vereins zu sorgen. Wir waren am Sonntag angereist, und Montag war die hohe Niederlage des SC Paderborn immer wieder ein Thema auf der Straße. Hin und wieder schaltete ich mich ein 2013-07-029-Paderborn 010b und fragte voller Interesse, wie denn so eine Mannschaft in Duisburg gewinnen wolle. Ich konnte nichts dafür, dass mein ehrliches Interesse nur allzu oft als rhetorische Frage abgetan wurde. Anscheinend hatten viele Paderborner am Montag noch nicht genug geschimpft. Vielleicht wurde der SC Paderborn-Fanshop auf Libori auch aus diesem Grund nur von Nachmittag an bis zum frühen Abend geöffnet.

2013-07-28_Ralf_vor_SCP_1b Was mir allerdings nach Einbruch der Dunkelheit die Gelegenheit gab, auch die mehr esoterischen Mittel meiner Guerilla-Aktion anzuwenden. Die Kraft des Daumens sollte schon am nächsten Tag eine erste Wirkung entfalten, kamen doch der Paderborner Abwehrchef Markus Krösche und der in der Saison neu verpflichtete niederländische Stürmer Rick ten Voorde zur Autogrammstunde in den fahrbaren Fanshop. 2013-07-029-Paderborn 011bGerade der erfahrene Krösche soll nach längerer Verletzungspause das Spiel der Paderborner stabilisieren. Zunächst ließ ich die Kraft des Daumens ihre destabilisierende Wirkung entfalten. Markus Krösche mit den besseren Nerven ließ sich im Gegensatz zu dem sichtlich mitgenommenen ten Voorde aber nichts anmerken. Deshalb bin ich in die Offensive gegangen und habe unter Vorspiegelung des Interesses an einem Autogramm das Gespräch mit beiden Spielern gesucht, um den psychischen Druck auf beide zu erhöhen.

Als ich Rick ten Voorde als Dank für das Autogramm die Niederlage am Montag ankündigte, gab er vor zur Minderheit der Niederländer zu gehören, die des Deutschen nicht mächtig sind. Weitere Ausführungen habe ich mir gespart. 2013-07-029-Paderborn 022b Wer auf diese Weise kneift, wird am Montag kein Tor erzielen. Um so mehr Zeit hatte ich für Markus Krösche, der auf heimischen Terrain offensichtlich nur Unterstützung für den Montag erwartet hatte. Meine Ankündigung der Niederlage seiner Mannschaft versuchte er lächelnd zu kontern, um halbherzige Worte der Abwehr hinterher zu schieben. Genauso werden wir ihn am Montag sehen. Überrascht von den immer wieder angreifenden Zebras werden er und seine Mitspieler erneut nur die vom SC-Präsidenten Wilfried Finke als zu wenig empfundenen dreißig bis vierzig Prozent Leistung abrufen und sich halbherzig gegen die Niederlage stemmen.

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