Von Grenzen, überdrehenden Borussen und orientierungslosen Unparteiischen

Dieses Spiel des MSV Duisburg gegen Borussia Dortmund II hatte etwas vom gemeinsamen Wochenende mancher Fernbeziehungspaare nach dem ersten Verliebtsein. Voller Vorfreude ist ein romantischer Freitagabend mit gemeinsamen Kochen geplant. Doch über die Woche ist die Sahne für die „Sauce“ sauer geworden, das notwendige Geschirr ist noch nicht gespült und nach der Magenverstimmung vom Vortag hat einer von beiden ohnehin nicht den rechten Appetit auf die vom anderen eingekauften Meeresfrüchte. Schön soll es dennoch werden. Unser Paar bemüht sich redlich über alles hinwegzugehen. Doch ohne genau zu wissen, woran es nun liegt, kriegt keiner von beiden mehr so richtig die Kurve. Am Sonntag geht man mit gemischten Gefühlen wieder auseinander. Die Leichtigkeit war der Anstrengung um Leichtigkeit gewichen. Unser Paar, der MSV Duisburg, kam zum Sieg entschlossen auf das Spielfeld. Deutlich war das in den ersten Minuten zu erkennen. Die Enttäuschung nach der 2:1-Niederlage ist dementsprechend groß, nicht zuletzt Karsten Baumann steht sie während der Pressekonferenz nach dem Spiel ins Gesicht geschrieben. Selbstkritisch merkt er an, das Augenmerk der Mannschaft vielleicht zu sehr auf die Offensive gebracht zu haben.

Die zwei Tore der Dortmunder fielen allerdings keineswegs wegen der zu offensiven Ausrichtung und der dann entblößten Defensive. Die Abwehrreihe hatte bei diesen zwei Toren jeweils genügend Zeit sich auszurichten. Was bislang aber immer schon als Schwachstelle der Mannschaft erkennbar war, verschärfte sich dieses Mal durch eine schnell vorhandene Zagheit und dem mangelnden Biss in der Defensive. Beim ersten Tor der Borussen stimmte die Zuordnung in der Abwehrreihe nicht. Zu langsam fanden die Spieler ihre Gegenspieler. Beim zweiten Tor schienen eigentlich alle Defensivspieler an ihrem Platz zu sein, um die Abwehrarbeit aufzunehmen. Sie taten es nur nicht. Dem ballbesitzenden Dortmunder wurde der Raum gelassen, um seine Mitspieler dorthin zu dirgirieren, wohin er sie haben wollte. Er stand, wurde nicht bedrängt, seine außen laufenden Mitspieler zogen die Abwehr auseinander, und so konnte er in Ruhe losmarschieren und schießen.

Auch wenn das Spiel in der Offensive besser war, an die guten Leistungen der letzten Wochen konnten die Spieler vom MSV Duisburg dennoch nicht anknüpfen. Es lief nicht rund. Immer wieder versprang der Ball. Pässe in den freien Raum kamen nicht präzise genug. Selbst wenn Bälle dann behauptet wurden, Torgefahr konnte so nicht entstehen, weil Sprints abgebrochen werden mussten. Der Anschlusstreffer fiel dennoch, denn die Mannschaft bemühte sich, und Kingsley Onuegbu besitzt eine sehr feine Schusstechnik. Er hatte sich fast bis zur Torauslinie durchgetankt und schoss aus sehr spitzem Winkel ein. Dieses Tor war wieder beeindruckend. Es reichte nicht.

Die Grenzen der Mannschaft machten sich in der zweiten Halbzeit vor allem als fehlende Kraft bemerkbar, auch wenn das Zusammenspiel in der Offensive besser wurde und die Defensive nicht mehr ganz so viel zu tun bekam. Denn auch auf Dortmunder Seite schwanden die Kräfte sehr früh, so dass ab der 70. Minute die Spieler Wadenkrämpfe bekamen und das Zeitspiel dieser Mannschaft ein unerträgliches Ausmaß annahm. Auf Duisburger Seite schwand die Kraft vielleicht auch deshalb, weil mit viel Einsatz und schnellem Spiel drei, vier Mal die Defensive der Dortmunder überwunden und die Ahnung einer Chance greifbar wurde, die dann der Abseitspfiff zunichte machte. Natürlich lassen sich von unserem Stehplatz hinter dem Tor solche Situtationen nicht klar erkennen. Doch unser Misstrauen in die Schiedsrichterleistung hat gute Gründe. Neben den Abseitsentscheidungen gab es einige nicht unterbrochene beiderseitige Foulstaffetten, gefolgt von den zwei Höhepunkten: zwölf Borussenspieler auf dem Platz und jener Foulpfiff nach der Laien-Stunteinlage eines Borussenspielers, der eine so offensichtliche, sehr spezielle Kombination von Standhochsprung und Bauchplatscher war.

Ich kann mich übrigens nicht daran erinnern, nach einer Niederlage aus dem Stadion gegangen zu sein mit dem Gefühl, die siegreiche gegnerische Mannschaft ist mir durchweg unsympathisch. Normalerweise denke ich beim Sport nicht in solchen Kategorien. Aber liebe Borussen-Zweitmannschaftsspieler, dieses Gefühl in mir zu wecken habt ihr tatsächlich geschafft. Eine noch viel stärkere Leistung als der Sieg, einfach ist das nämlich nicht! Vielleicht kann mir ja ein zufällig mitlesender Borussen-Fan erklären, was gestern in diese Mannschaft gefahren ist. Hat man denen was ins Erfrischungsgetränk getan? Oder habe ich irgendwas nicht mitbekommen von der besonderen Abneigung, die der Borussia aus Duisburg entgegengeschlagen ist? Ich habe keinen Grund für diese überdrehenden Torjubelposen vor der Duisburger Kurve bemerkt, weder vorher, geschweige denn im Spiel. Soll ich diese Art aggressive Provokation, die ja später auch zwei-, dreimal gegenüber den Spielern vom MSV gezeigt wurde, wegen des Alters der Spieler nachsehen? Da gebe ich doch lieber dem Trainer der Schwarzgelben, David Wagner, einen Erziehungsauftrag mit auf den Weg. Mäßigung heißt das Gebot nach diesem Spiel und Respekt vor dem Gegner.

Was reden wir vorher schöne Worte über Gewaltfreiheit und Anti-Rassismus, wenn auf dem Spielfeld eine andere Stimmung aus dem Nichts heraus vorgeben wird. Man darf sich über Tore freuen. keine Frage. Man darf Ärger loswerden, wenn die Stimmung hochgekocht ist. Eine feindselige Stimmung selbst hervorzurufen ist aber etwas völlig anderes. Das zeugt doch mehr von einem Minderwertigkeitskomplex als von solidem Selbstbewusstsein.

Bleibt noch die Pressekonferenz nach dem Spiel sowie die Kommentare von Phil Ofosu-Ayeh, Tanju Öztürk und Marcel Lenz. Was mir die Gelegenheit gibt, darauf hinzuweisen, dass gerade Phil Ofosu-Ayeh mehrmals stark in der Defensive in höchster Not den Ball klärte und Marcel Lenz mehrmals mit spektakulären Paraden weitere Tore der Borussen verhindert hat. Da entwickelt sich zweifellos ein sehr guter Torwart.

Nachtrag: Im Pottblog finden sich die gesammelten Dortmunder Blicke  auf das gestrige Spiel.

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1 Response to “Von Grenzen, überdrehenden Borussen und orientierungslosen Unparteiischen”



  1. 1 Pottblog Trackback zu 5. September 2013 um 06:44

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