Der misslungene von zwei Tagen in Duisburg: Ein hilfloser und überforderter MSV

So ein Spiel wie das vom Samstag braucht zwei Tage später keinen Spielbericht mehr. Alle Schwächen sind unzählige Male benannt, über die Fehler der Spieler wurde bereits oft genug gesprochen. Möchte sich jemand noch einmal detailliert daran erinnern, wie schlecht der MSV Duisburg gespielt hat? Das glaube ich nicht. Nach 33 Minuten waren bereits drei der vier Tore zum 0:4-Endstand gefallen. Schon nach dem ersten Gegentor hatte es nicht eine Sekunde so ausgesehen, als könne sich an der drohenden Niederlage noch etwas ändern. Zwei Tage nach dem Spiel könnte ich deshalb sogar literarischer werden und  versuchen die Form des Textes dem Inhalt des Spiels anzupassen. Im ersten Moment denkt man dann vielleicht, das sei einfach, so schlecht, wie der MSV Duisburg gespielt hat. Doch ohne mich im Vorhinein loben zu wollen, um solch einen Text in seiner Form so wirken zu lassen, dass sich die Spielweise der Zebras darin ausdrückte und er gleichzeitig in irgendeiner, noch unbestimmter Weise lesenswert bliebe, dazu bedürfte es großer Anstrengung.

Schließlich müsste ich einzelne Worte, Halbsätze, wirre Einschübe, ins Leere gehende Andeutungen, Floskeln, Klischees oder wütend klingende Ausrufe so aneinanderreihen, dass ein Sinn bliebe oder Unterhaltsames entstünde. Das Schreiben geriete zur paradoxen Angelegenheit. Eine überaus schlechte Leistung durch mein Schreiben formal sichtbar zu machen, wäre anstrengender als das Schreiben über ein Spiel sonst. Was schließen wir daraus? Der Text ist doch etwas ganz anderes als das Spiel. Hey, das ist so banal. Das entspricht dem, was die Spieler gezeigt haben. Die gingen auch auf den Platz und haben sich bewegt. Ich habe einen Satz geschrieben, dem keine Erkenntnis zu entnehmen war. Passt doch. So darf man es sich also vorstellen dieses Spiel.

Das Komplettversagen in der Defensive hat der Mannschaft die maximale Sicherheit für eine Niederlage gegeben. Mit jedem Ballbesitz des Gegners wurden Abwehrreihe und defensives Mittelfeld unsicherer. Um so geringer wurden zudem die Möglichkeiten für ein Umschaltspiel. Die Offensive beschränkte sich auf immer weniger Aktionen.  Wenn es überhaupt Balleroberungen gab und der Ballgewinn sich nicht aus Fehlpässen und -schüssen des Gegners ergab, erfolgte kein sofortiges Spiel nach vorne. Schon die Andeutung eines Pressings überforderte den ballführenden Spieler. So blieb dem SV Darmstadt 98 genügend Zeit, Kingsley Onuegbu so zu decken, dass die einzige Offensivoption, die der MSV Duisburg in diesem Spiel fand, der halblange Ball in die Spitze, völlig wirkungslos war. Variabel schien für die Spieler ein Wort zu sein, das vielleicht Bergvölker in schwer zugänglichen Tälern des Kaukasus kannten, aber doch nicht jemand in Duisburg.

Mir bereitet Sorgen, dass dieses Komplettversagen bislang schon auch in den erfolgereicheren Spielen als Schwäche der Mannschaft erkennbar war. Bislang gab es immer wieder Spielmomente, bei denen die zentrale Defensive, in Abwehrreihe und Mittelfeld, nicht gut ausgesehen hat. Deshalb beruhigen mich auch Kevin Wolzes Worte nicht, die Mannschaft wüsste, sie könnte auch anders spielen. Daran müsse angeknüpft werden. Vielleicht kann die Mannschaft anders spielen. Sie muss aber in jedem Spiel eine unaufhebbare Grundschwäche in der zentralen Defensivachse kompensieren. Für diese Schwäche sucht Karsten Baumann die beste der schlechten Möglichkeiten. Außerdem habe ich den Eindruck, vielen Spielern mangelt es an der Einschätzung, wieviel Raum sie dem Gegenspieler in welcher Spielsituation geben können. Das Abwehrverhalten vor dem ersten Gegentor der Darmstädter erinnerte doch sehr an das erste Tor im Spiel gegen Dortmund. In einer ruhigen Spielsituation richtet sich die Defensive auf  die erwartetete Offensivaktion des Gegners aus. Doch wenn Gegenspieler in die freien Räume im Strafraum laufen, klappt die Zuordnung nicht. Die Spieler scheinen zu sehr damit beschäftigt zu sein, die Grundordnung zu halten und reagieren zu langsam. Die Fehler haben also weniger mit der körperlichen als mit der geistigen Verfassung der Spieler zu tun. Viel Trainingsarbeit ist beides.

Bleibt noch die Pressekonferenz nach dem Spiel:

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