Die Stimmung nach Darmstadt und ein Lob für die Rheinische Post

Die so deutliche wie verdiente Niederlage des MSV Duisburg gegen den SV Darmstadt 98 hat bei einigen Anhängern des MSV Duisburg noch im Stadion harsche Reaktionen ausgelöst. Mit der Leistung der Mannschaft war nicht einfach umzugehen.  Ein bissiger Kommentar lag so nahe, dass er nicht nur in unserer Runde zu hören war: Das war wieder wie in der Zweiten Liga. Noch passten nur die Zuschauerzahlen nicht. Am Anfang der Saison hätte so eine Leistung jeder im Stadion hingenommen und auf Entwicklung gehofft. Nun aber waren von der Mannschaft schon gute Spiele zu sehen gewesen. Dass der Unmut im Stadion so groß wurde, war auch durch  gewachsene Erwartungen verursacht. Die Pfiffe auf den Rängen sind das Ergebnis des guten Saisonbeginns. Wir wissen, wie diese Mannschaft manchmal spielen kann.

Dieser hohen Niederlage kommt selbstverständlich eine besondere Bedeutung zu, sobald man an die nächsten Spiele denkt. In der Nachbetrachtung ging es überall schnell nicht mehr um Fehler einzelner Spieler. Die Diskussion über das Spiel wendete sich in Fankreisen schnell grundsätzlichen taktischen Fragen zu. In welchem System werden die Schwächen der Spieler vor allem in der Defensive am besten kompensiert? Und natürlich stellte sich auch die Frage, die Schwächen welcher Spieler? Wie soll die erste Elf aussehen? Braucht es etwa in der Innenverteidigung einen Wechsel? Kühne für Bollmann? Für Bajic gar? Wie kann das Umschaltspiel gelingen, wenn sowohl Feisthammel als auch Öztürk zum einen Schwächen beim Pressing zeigen, zum anderen im Spiel nach vorne unsicher sind? De Wit mehr nach hinten ziehen? Viele Frage sind da etwa im MSVPortal aufgetaucht.

So kommt  der öffentlichen Aufarbeitung dieser Niederlage ebenfalls eine besondere Deutung zu. Denn diese Niederlage muss nicht nur die Mannschaft verarbeiten. Auch die Stimmung rund um den Verein wurde von dieser Niederlage beeinträchtigt. Zu den ersten Heimspielen kamen mehr Zuschauer als in den Zweitligaspielen mit ähnlichen Gegnern. Wer im Stadion war, den interessiert, welche Schlüsse im Verein aus solch einer deutlichen Niederlage gezogen werden. Es ist die Aufgabe des lokalen Sportjournalismus darüber zu berichten. Und auch in diesem Fall erweist sich die Rheinische Post als vorbildhaft. Nur dort ist eine umfangreichere Nachberichterstattung zu finden, in der Karsten Baumann die Fehler einzelner Spieler in einen Gesamtzusammenhang stellt. Da geht es letztlich nicht um tiefere Diskussionen von Spielweisen. Aber es geht darum, der Gefahr zu begegnen, dass einzelne Spieler auf den Rängen zu Sündenböcken werden. Der Artikel wirkt in Teilen so, als seien Gedanken aus Fankreisen argumentativ aufgegriffen worden.  Ich hoffe darauf, dass der MSV Duisburg ebenfalls Anteil an so einer Berichterstattung hat, indem die Presseabteilung offensiv mit der bedrohten Stimmung rund um die Mannschaft umging und den Kontakt zum Journalisten suchte. Die Rheinische Post hat schon in den Sommermonaten wohltuend sachlich über das Geschehen rund um den MSV Duisburg berichtet. So kann kritische Begleitung im Lokaljournalismus auch geschehen. Mehr davon.

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5 Responses to “Die Stimmung nach Darmstadt und ein Lob für die Rheinische Post”


  1. 1 markus Peters 18. September 2013 um 09:17

    Bedauerlicherweise hat aber die WAZ viel mehr Leser in der Stadt, und deren Berichterstattung ist alles andere als wohlwollend, finde ich. Etwas vereinfacht gesagt war der Tenor ja lange Zeit und überwiegend so, dass wäre der Herr Hellmich noch da, wäre alles besser. Wenigstens war das mein Eindruck.

  2. 2 Jule 18. September 2013 um 17:53

    Allerdings sind die Einzelkritiken auf RP ONLINE richtig fies: Da kriegt fast jeder Spieler auf gemeine Art und Weise sein Fett weg

  3. 3 Kees Jaratz 18. September 2013 um 21:01

    @markus deshalb muss man so vielen Menschen immer so viel erklären. Du hast recht, dass sie meinungsbestimmender sind. Ich habe da mehr den Sensations-Aspekt im Blick als Hellmich. Der Zugang zu den Themen hat sich geändert.

    @jule habe ich noch nicht gelesen und hole es morgen nach

  4. 4 Kees Jaratz 19. September 2013 um 06:28

    @jule weiß nun, was du meinst. Du hast recht. Passt auch gar nicht zum sonst üblichen Ton in dem Blatt. Wertung stimmt zwar, weniger Versuch Unterhaltsamkeit mittels Häme fände ich auch besser.


  1. 1 #Link11: Sie sind die Besten | Fokus Fussball Trackback zu 18. September 2013 um 10:08

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