Stabilität der Defensive sorgt für stabile gute Stimmung

Karsten Baumann ging also vor dem Spiel mit der ersten Elf in die Kurve und machte gute Figur als Aufsichtspersonal des Aufwärmprogramms seiner Mannschaft.  Wenn das nicht mal eine Spielplakatsunterzeile wert ist: Hier leitet der Chef selbst das Aufwärmen an. Vielleicht kommen dann sogar noch hundert Zuschauer mehr, die jetzt leider den 2:0-Sieg des MSV gegen den FC Hansa Rostock verpasst haben. Wobei über die Zuschauerzahl dieses Abends überhaupt nicht zu meckern ist. Trotz der Ungewissheit, welche Leistung die Mannschaft zeigen würde, blieb das Interesse am MSV Duisburg höher als in Zweitliga-Zeiten. Der erarbeitete Auswärtssieg bei Holstein Kiel hatte offensichtlich die ersten ärgerlichen Gemüter unter den Zuschauern wieder beruhigt.

Zudem wollte der MSV Duisburg die Zuschauer nicht unvorbereitet ins Spiel gehen lassen. Ich kann mich nicht daran erinnnern, jemals den Pressesprecher eines Vereins vor einem Spiel auf dem Spielfeld über die taktische Aufstellung der Mannschaft reden gehört zu haben. Vielleicht war es nur die einmalige Reaktion auf die vielfältige Kritik an der Defensive der Mannschaft. Branimir Bajic wird vor die Abwehrreihe gezogen und uns Zuschauer wird deutlich gesagt, der Trainer tut was. Eine konzertierte Aktion zur Stabilität in Sachen Defensive und Stimmung auf den Rängen. womöglich wird irgendwann diese kurze Mitteilung auf dem Spielfeld in den Geschichtsbüchern des Fußballs als weiterer Schritt auf dem Weg dieses Sports hin zur endgültigen Etablierung im Kulturbetrieb gedeutet werden. Vielleicht sehen wir irgendwann wie in den Opern- und Schauspielhäusern dieser Republik als Service für das Publikum halbstündige Einführungen in das gegebene Werk, vulgo Mannschaftsaufstellung und Spielhistorie?

Davon ab war die Umstellung erfolgreich, wenn es um die Offensive der Rostocker aus dem Spiel heraus ging. Durch Spielaufbau und Zusammenspiel gelangten die Rostocker nicht in den Strafraum des MSV. Sie hatten aber ein anderes geeignetes Mittel, weil die Spieler des MSV Duisburg im Halbfeld gerne foulten. So brauchten die Rostocker sich spielerisch nicht sehr anzustrengen, sondern schlugen hohe Bälle in den Strafraum und von denen wissen wir, dass sie die Defensive des MSV immer wieder in Verlegenheit bringen können. Deshalb waren wir bei uns auf dem Stehplatz trotz der spielerischen Überlegenheit des MSV Duisburg einmal mehr nicht sonderlich entspannt bis endlich das zweite Tor für die Zebras fiel. Der Kopfball eines Rostocker Spielers gegen die Latte in der zweiten Halbzeit etwa war so ein Spielmoment, der uns zusammenzucken ließ. Was aber nie und nimmer zu einer Spielwertung hätte führen können, wie sie der MDR-Kommentator in seinem kurzen Spielbericht vornahm. Wenn er meint, die Rostocker hätten das Spiel zunächst im Griff gehabt, hat er ein anderes Spiel gesehen als ich.

Dagegen empfinde ich den NDR-Kommentator geradezu als neutral.

Von Anfang an bemühte sich der MSV nämlich um die spielerischen Momente, auch wenn dauerhafte Torgefahr in diesem Spiel wieder nicht entstand. Dennoch war die Laufbereitschaft zurückgekehrt. Früh wurden die Rostocker angegriffen. Schnell gelang das Umschaltspiel. Die Flügel wurden kontinuierlich gut besetzt, sowohl Phil Ofosu-Ayeh mit seiner so beeindruckenden Schnelligkeit als auch Sascha Dum mit seinem Antritt gingen weite Wege. Ein Problem waren weiterhin die zweiten Bälle nach misslungenen Spielaktionen der Rostocker.  Eigentlich geklärte Spielsituationen entwickelten auf diese Weise noch einmal Gefahr. Am eindrücklichsten zu sehen war das als Quasi-Zeitlupe vor dem Pfostenschuss der Rostocker. Der Ball war abgefangen. Dem Pressing der Rostocker sollte spielerisch begegnet werden, dazu wurde hintenrum gespielt, bis zu Michael Ratajczak, dessen weiter Ball allerdings beim Gegner landete, der sich um so schneller  wieder Richtung Duisburger Tor aufmachte. Was in dem Fall auf dem Spielfeld weit auseinander gezogen und in einer Quasi-Zeitlupe zu sehen war, gab es auf engem Raum in ähnlicher Form häufiger. Klassische Bajic-Abspielfehler waren das ebenso wie Kopfballabwehraktionen verschiedener Spieler ins Zentrum. Zum guten Glück waren die Rostocker mit der Ausnahme des Pfostenschusses nicht gut genug, die geschenkten Bälle gefährlich zu verwerten.

Das Führungstor des MSV Duisburg war Lohn des frühen Attackierens und schnellen Umschaltens. Der Ball wurde erobert, steil auf Kevin Wolze gespielt, der in leichter Rückwärtsbewegung den Ball annahm. Dessen Gegenspieler wollte diese leichte Rückwärtsbewegung zum Anlass nehmen, den Schiedsrichter zum Foulpfiff zu bewegen. Vergeblich. Während er sich also angesichts des erwartungsvollen Zuschauerlärms immer dramatischer auf dem Boden wälzte, nutzte Wolze in der Zeit den freien Raum und spielte steil in die Spitze zum frei durchbrechenden Kingsley Onuegbu. Der Abschluss war nur noch Formsache. Schließlich hatten wir schon lange keinen Stürmer mehr, der in solchen Strafraumsituationen derart sicher zum Torschuss ansetzt. Nach Gegentoren scheint übrigens expressives Schmerzschauspielen fehlerhaftes Abwehrverhalten  teilweise vergessen zu machen.

In der zweiten Halbzeit änderte sich nicht viel. Freistöße aus dem Halbfeld blieben das einzige Rostocker Offensivmittel. Zur Sicherung der drei Punkte wünschten wir uns dennoch ein zweites Tor. Und was Rostock kann, kann der MSV schon lange und besser. Der Freistoß der Zebras aus dem Halbfeld ging nämlich nicht direkt vor das Tor in Rostocker Manier, sondern in den Strafraum neben den Pfosten, wo Branimir Bajic mit mehr Platz frei zum Kopfball kam. Er gab den Ball zurück ins Zentrum und der aus Rückfeld hineinlaufende Markus Bollmann köpfte ein. Die Präzision dieser Ausführung braucht ohne Frage Training. Das war sehr gelungen.

Dieser Sieg hat mir den Glauben an die Mannschaft zurück gegeben. Es bleibt die Aufgabe, die Schwankungsbreite der Leistungen dieser Mannschaft zu reduzieren. Auch das wird dem Chef selbst hoffentlich gelingen. Wenn auch ein wenig Unterstützung bei der Arbeit in absehbarer Zeit nicht schaden wird.

Die Pressekonferenz nach dem Spiel mit den O-Tönen von Markus Bollmann und Phil Ofosu-Ayeh

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