Archiv für Oktober 2013

Der Saisonverlauf in einem Spiel

Ein Dokumentarfilmer braucht normalerweise viel Zeit, um jene Bilder zusammen zu bekommen, die das Thema seines Films mit allen gewünschten Facetten zeigen. Ein Dokumentarfilmer aber, der am MSV Duisburg der Gegenwart interessiert ist, wäre am Samstagnachmittag freudestrahlend nach Hause gefahren. An einem einzigen Nachmittag hätte er seine Arbeit erledigt gehabt, wenn er das so schwankende Leistungsvermögen der Zebras hätte bebildern wollen. Am Samstag im Heimspiel gegen den 1. FC Saarbrücken war die bisherige Saison im Schnelldurchlauf zu sehen. Das 3:3-Unentschieden war das folgerichtige Ergebnis.

Da die meisten von uns aber gerade an keinem Dokumentarfilm über den MSV Duisburg der Gegenwart arbeiten, ärger ich mich wie so viele von uns über den unfassbaren Leistungsabfall der Mannschaft in der zweiten Halbzeit. Sicher, schon in der ersten Hälfte hatte Saarbrücken große Konterchancen, die Michael Ratajczak mit hervorragenden Reaktionen im eins gegen eins zunichte machte. Die Diskussion über solche Art Chancen war aber schon in den Tagen zuvor mit dem Beispiel Nationalmannschaft geführt worden. Das Spiel nach vorne klappte hervorragend, meist gelang das Pressing und das frühe Wiedererobern des Balles. Schöne Kombinationen schlossen sich an. Natürlich liegt das eigene Spielfeld bei so frühem gemeinschaftlichen Agieren in der Häfte des Gegners weit offen. Das Risiko aber schien beherrschbar. Chance um Chance wurde sich erspielt. Zwei Tore von Kingsley Onuegbu waren das Ergebnis. Das erste fiel nach schöner Vorarbeit durch Michael Gardawski, der einen langen Pass von Branimir Bajic erhalten hatte. Die Vorarbeit für das zweite Tor machte Sascha Dum nach schnellem Umschaltspiel. Die Saarbrücker Mannschaft schien hilflos zu sein und übernervös. Die Spieler machten Fehler auf Fehler, und die Zebras zu wenig Tore für die vielen Chancen. Kurz und knapp, die Mannschaft vom MSV war in der ersten Hälfte auf eine Weise überlegen, dass ich entspannt wie schon lange nicht mehr der zweiten Hälfte entgegen sah.

Mit den ersten Pässen auf dem Feld nach Wiederanpfiff wurde diese Entspannung weggeweht. Anscheinend war die Mannschaft in der ersten Halbzeit zu überlegen gewesen. Da standen nun zu viele Spieler in blau-weißen Trikots auf dem Platz, die davon überrascht wurden, dass die Saarbrücker in der zweiten Halbzeit weiter Fußball spielen wollten. Sie waren nicht darauf eingestellt, weiterhin um freie Bälle kämpfen zu müssen. Sie konnten ihre Einstellung zum Spiel zunächst nicht ändern. Jeder, der selbst schon einmal Wettkampfsport erlebt hat, kennt dieses Gefühl, ein Ziel ist erreicht. Die innere Anspannung fällt ab, und wenn dann jemand kommt und dir sagt, es geht noch weiter, wird jeder Schritt, der eben noch so leicht fiel, fast schon zur Qual. Die Spieler des MSV Duisburg glaubten vielleicht nicht, das Ziel sei erreicht, sie dachten zumindest aber, zwei Drittel Strecke wären längst geschafft. Die Ansage der Saarbrücker war dagegen, die Hälfte liegt noch vor euch. Was der Wirktlichkeit eher entsprach.

In der Kabine sollen sich die Spieler des MSV sogar der Gefahr zu früher Sicherheit bewusst gewesen sein. Das berichtete der sichtlich missmutige Karsten Baumann auf der Pressekonferenz. Doch Worte sind das eine, Taten das andere. Und so wurden die Saarbrücker vor ihren beiden schnellen Toren nach Wiederanpfiff nur noch halbherzig angegriffen. Die sichere Führung war verloren und alles begann wieder von vorne. Dennoch kämpfte sich die Mannschaft wieder ins Spiel zurück, versuchte sie ansatzweise an die aus der ersten Hälfte bekannten Qualitäten anzuknüpfen. Die Spieler waren noch einmal zur Anstrengung bereit, auch wenn der Druck auf die Saarbrücker Defensive nicht sonderlich groß wurde. Viele Torchancen gab es nicht mehr. Dennoch gelang Kevin Wolze die erneute Führung. Doch die Mannschaft spielte defensiv nicht sicher genug, um diese Führung konsequent zu verteidigen. Die Saarbrücker hatten ihre Chance gesehen und glaubten weiterhin an diese Chance. Dagegen fürchteten sich die Spieler des MSV Duisburg vor dem nächsten Fehler. Gute Voraussetzungen für den nochmaligen Ausgleich des 1. FC Saarbrücken.

Ich vermute deshalb in diesem Spiel das Wirken des Unsicherheitserhaltungsatzes. Nach diesem fußballphysikalischen Gesetz bleibt die Gesamtunsicherheit während eines Fußballspiels konstant. Die Saarbrücker Spieler hatten einen Teil der eigenen Unsicherheit auf die Spieler des MSV Duisburg übertragen. Momentan rätselt die gesamte Forschungsgruppe MSV Duisburg – Trainer, Spieler wie Zuschauer – noch über die zugrunde liegenden Mechanismen.

Die Pressekonferenz nach dem Spiel sowie die Stimmen nach dem Spiel von Kevin Wolze und Sascha Dum.

Nostalgie mit Milan Sasic

Wenn ich mir die Pressekonferenz des 1. FC Saarbrücken ansehe, beschleicht mich ein nostalgisches Gefühl. Da spricht Milan Sasic mit Worten, die wir nur zu gut auch in Duisburg kennen. Die Leidenschaft ist für ihn ja immer ein zentrales Motiv seines Redens. Die Widersprüche dieses Mannes rufen auch bei mir widersprüchliche Gefühle hervor. Es war dringend notwendig geworden, ihn seinerzeit zu entlassen. Dennoch sind die guten Gefühle mit ihm nicht verschwunden. Wenn WAZ/NRZ schreibt, er kehre ohne Groll zurück, so gilt diese Haltung auch für mich und seinen Empfang.

Ich habe mir zudem die Pressekonferenzen mit Milan Sasic gerne angesehen. Ich mag den Sound seiner Sprache und seinen Witz. Doch in Saarbrücken ist Milan Sasic noch nicht lange genug Trainer. Angesichts der Situation in der Saarbrücker Mannschaft wirkt er wenig entspannt. Bei der Pressekonferenz seines Vereins vor dem Auswärtsspiel gegen den MSV Duisburg verzichtet er auf jenen in Duisburg so häufig gezeigten Witz. Er würzt sein Reden nur mit  grundsätzlichen Einsichten über das Leben. Die können wir ebenfalls immer wieder von ihm erwarten. Er wirkt ernsthaft besorgt und betont mehrmals, dass die Mannschaft im Trainingslager gut gearbeitet habe, aber bei weitem noch nicht da sei, wo sie sein müsste, um in der Liga zu bestehen. Klingt gut, wenn ich an die Aussichten der Zebras denke.

Nachrichten aus dem Zentrum der Wahrsagung

Wir dürfen uns Branimir Bajic nicht nur als Fußballspieler vorstellen. Andere wissen das längst. Sie sehen in ihm mehr. Sie sehen in ihm einen Mann, der die Zukunft deuten kann. Letztens brauchte dazu eine Frau noch Karten. Branimir Bajic genügt sein Kopf und seine Bekanntschaft mit Milan Sasic. Das vermutet jedenfalls die Rheinische Post, wenn sie sich für den MSV Duisburg im Spiel gegen den 1. FC Saarbrücken einen Vorteil erhofft durch Branimir Bajics besondere Fähigkeit: „Einige taktische Finessen des gebürtigen Jugoslawen [Milan Sasic nämlich], der heute 55 Jahre alt wird, könnte sein Ex-Spieler [Branimir Bajic nämlich] schon im Vorfeld durchschauen.“

Zukunft voraussagen scheint also ein neuer Trend in Duisburg zu sein. Dem will ich mich nicht verschließen, und weil im Vorbericht die Geburtstage beider Männer eine große Rolle spielen, mache ich das klassisch mit dem Horoskop. Branimir Bajic hat also morgen, am Spieltag, Geburtstag, Milan Sasic heute. Was sagen nun die Sterne, was Milan Sasic und Branimir Bajic von diesem Spieltag erwarten dürfen?  Allen, die in der Astrologie nicht so bewandert sind wie ich, verrate ich, beide sind im Sternzeichen der Waage geboren. Ihr wisst aber hoffentlich, dass diese Information keinesfalls ausreicht, um ein Horoskop zu erstellen. Ich musste wirklich etwas mehr Arbeit reinstecken, aber was macht man nicht alles für die Zukunftsgewissheit.

So sagen mir die Sterne zu Branimir Bajic folgendes: Bewahren Sie auch in brenzligen Lagen die Ruhe. Sie können Ihren Freunden und Mitarbeitern dieses Mal völlig vertrauen. Der Mond im Stier verspricht Freude über ein unerwartetes, persönliches Glück, das vielen Menschen zu Gute kommt. Tätigen Sie risikoreiche Unternehmungen nur auf sicherem Terrain. Nehmen Sie sich Zeit, ihre Freude auch einmal zu genießen.

Für Milan Sasic heißt es: Seien Sie geduldig mit sich selbst und ihren Mitmenschen.  Sie können ein Geschehen selten ändern, wenn Sie nur am Rand mit dabei sind. Vertrauen Sie darauf, dass ihre Freunde und Mitarbeiter ihr Bestes geben, auch wenn nicht immer alles so gelingt, wie Sie es sich vorstellen. Unvermeidbare Rückschläge werfen Planungen über den Haufen. Nehmen Sie sich Zeit, Ihren Ärger ganz loszuwerden. Dann geht es auch wieder bergauf.

Das ist doch verblüffend, wie unterschiedlich so Horoskope ausfallen können, obwohl zwei Menschen dasselbe Sternzeichen haben. Das muss wohl am Aszendenten liegen. Anders kann ich es mir nicht erklären. Oder sollte es daran liegen, dass Milan Sasic in Saarbrücken macht, was er immer macht, wenn er Mannschaften übernimmt? Trainingslager in der Länderspielpause. Spieler einschwören auf die Mannschaft. Einheit herstellen mit den Fans. Letzte Kräfte rauskitzeln. Die Konterspieler in der Mannschaft suchen. Hinten dicht machen. Wenn´s nicht anders geht, lange Bälle auf Stefan Maierhofer, der aber noch verpflichtet werden muss. Deshalb gehen lange Bälle ins Nichts. Es wird ein schwieriges Spiel für den MSV Duisburg, doch ich bin guter Hoffnung.

Im FCS Blog 2.0 gibt es übrigens  eine Art Frage-und-Antwort-Vorbericht. Der ist knapp gehalten. Neben den uns bekannten Informationen wird  auch angedeutet, wie der MSV im Saarland wahrgenommen wird.  Beim flüchtigen Querlesen im Blog habe ich zudem den Eindruck gewonnen, auch ohne einen Bauunternehmer als Ex-Präsidenten beschäftigen sich die am 1. FC Saarbrücken sehr interessierten Menschen mit ähnlichen Fragen wie wir in Duisburg.

Sendelizenz für Ishiaku-Soap nach Belgien verkauft

Schon beim MSV Duisburg wurde Manesseh Ishiaku immer mehr zum Darsteller einer vorabendseriengleichen Geschichte des immerselben Inhalts. Wir konnten froh sein, ihn dennoch manchmal noch im Hauptprogramm eines abendfüllenden Spiels zu sehen. Nach seinem Wechsel zum 1. FC Köln war er aber als Fußballdarsteller auf die Endlosserie „Im Sturm des Knöchels“ festgelegt. Dieses Engagement in Köln endete ohne eine richtige Perspektive mit der Vertragsauflösung 2011. Gestern aber berichtete das belgische Medienfachmagazin Voetbalnieuws, die Endlosserie mit Manesseh Ishiaku habe nun beim viertklassigen Sporting Aalst auch im Programm des belgischen Fußballs einen festen Sendeplatz erhalten.  „Het was een grote verrassing toen de Limburgse club de transfer bekendmaakte. Veel plezier beleefden ze echter nog niet aan de Nigeriaanse aanvaller.“ Die Auftaktfolge scheint also wieder die übliche zu sein. Verein freut sich über Verpflichtung eines guten Spielers. Spieler kann nicht spielen wegen Verletzung. Spieler kämpft gegen Sportinvalidität und um Rückkehr in die Mannschaft.

Die belgische Format-Übernahme gibt mir Gelegenheit zur Wiederholung der deutschen Original-Soap, die ich mir seinerzeit in Köln ansehen konnte und die ich mit einigen Verbesserungsvorschlägen für mein damals noch kleineres Publikum zusammenfasste. In unserer schnelllebigen Zeit wirkt dieser Rückgriff auf frühe Worte fast schon wie ein Blick auf das TV-Programm in schwarz-weiß. Und wie das mit solch nostalgischem Wiederbegegnen immer ist, man braucht etwas Zeit, um sich sämtliche Folgen des damals auf Tage verteilten Serienprogramms im Ganzen anzusehen.

Im Sturm des Knöchels – Folge 1

Fortsetzungsgeschichten haben ja immer eine ähnliche Dramaturgie. Ein Serienheld erlebt immer neue Abenteuer bei immer gleicher Persönlichkeit. Allerdings braucht es in jeder weiteren Folge auch immer einen neuen Ausschnitt der Welt, in der sich unser Held umschaut. Insofern folgt die Geschichte um den verletzten Knöchel von Manesseh Ishiaku alten erzählerischen Regeln. Letzte Woche hatte er nach längerer Verletzung während der Saisonvorbereitung das Training wieder begonnen. Schon schmerzte der Knöchel erneut, und nun bricht der Held  auf in seine alte Heimat, um dort zu finden, was er in der Fremde so lange vergeblich gesucht hat. In diesem Fall ist es ein für den Profi-Fußball geeignetes Sprunggelenk. Ishiaku befindet sich in Belgien bei einem Arzt seines Vertrauens, so lässt der FC verlauten. Am letzten Donnerstag war es, als ich lesen konnte, noch vier Wochen wird es dauern, bis alles gut wird. Als Freunde von Fortsetzungsgeschichten wissen wir aber, wenn erstmal alles gut ist, bedeutet das das Ende jeder Geschichte.

Im Sturm des Knöchels – Folge 2

Allmählich wurde ich schon nervös und habe daran gedacht, die nächste Folge unserer kleinen Abenteuerserie um den ehrgeizigen und talentierten Fußballer Ishiaku selbst zu schreiben. Nun hat mir das richtige Leben die  Arbeit abgenommen und ich erzähle nur, wie es tatsächlich geschehen ist, genauer, wie es tatsächlich geschehen sein soll. Schließlich habe ich meine Informationen aus der Kölner Lokalpresse. Im übrigen zeigt dieser kleine Artikel im Stadtanzeiger einmal mehr, nicht immer schreibt das Leben die besten Geschichten. Manchmal ist so ein Leben auch verdammt langweilig.

So lese ich zwar zunächst leicht gerührt, wie der Trainer, gespielt von Christoph Daum, den lange vermissten hoffnungsvollen Stürmer mit einer zeremoniellen Begrüßung bei seinen Mannschaftskameraden einführt. Der Trainer hat die Kameraden nämlich aufgefordert, einen Kreis um Ishiaku zu bilden, so wie er es immer mit völlig neuen Spielern bei ihrem ersten Training macht. Ganz stark, wie symbolhaft hier alles Alte abgestreift werden sollte, wie die üble Vergangenheit voller Verletzungssorgen sich in der liebevollen Freundschaft der in den letzten Spielen so überaus erfolgreichen Sturmkollegen auflösen sollte. All das ist wunderbares Serienformat. Respekt, mein Leben!

Aber dann, was für ein einfaltsloses Ende dieser Folge. Eine Stunde lang trainiert Ishiaku und plötzlich, er stoppt im vollen Lauf  – so muss es gewesen sein. Ein erfahrerener Geschichtenschreiber hätte nun aber eine andere Auflösung gewählt. Er hätte die in Antwerpen wieder getroffene alte Liebe hervorgeholt, eine wunderschöne Frau, die leider gerade eine schwere Zeit zu durchleben hat, weil sie ihren Mann bei einem Verkehrsunfall verlor und nun mitsamt ihrer drei kleinen Kinder erfahren muss, dass dieser Mann das gesamte Familienvermögen beim Pokern verloren hat. So eine Frau hätte der Fortsetzungsgeschichte gut getan. Vielleicht hätte sie sogar kurz zuvor eine mittelschwere Krankheit diagnostiziert bekommmen, eine Krankheit, die ganz selten sogar tödlich verlaufen kann. So eine Frau hätte ihre große Liebe der Jugend, Ishiaku, schweren Herzens wieder nach Köln ziehen lassen. Sie hätte es aber gemacht, denn sie weiß, der Fußballer muss tun, was ein Fußballer tun muss. Tore schießen für den FC. Und in Köln hätte Ishiaku im Trainingspiel nach drei grandios erzielten Toren angesichts der eigenen Gefühlslosigkeit trotz seines so überragenden Trainingsauftakts dann gemerkt, was seine wahre Bestimmung ist. Er hätte für seine wahre Liebe da sein wollen, zumal ihm die Kinder nicht aus dem Kopf gingen, womöglich Waisen … Ach, was steckte nicht alles in solcher einer Wendung. All das hat das Leben aber in dieser Fortsetzungsserie verschenkt. Ishiaku musste, ganz wie wir es schon kennen, nach einer Stunde Training aufhören – Schmerzen! –  und ging mit dem Reha-Trainer, gespielt von Cem Bagci, auf eine Laufrunde in den Grüngürtel. “Ishiakus Rückkehr gescheitert” titelt der Kölner Stadtanzeiger, und ich überlege nun, ob ich mir nicht abwechslungsreichere Fortsetzungsgeschichten angucken soll.

Im Sturm des Knöchels – Folge 3

Wir haben anhand der Erzählungen vom ehrgeizigen und talentierten Fußballspieler Manasseh Ishiaku ja schon einige Gesetzmäßigkeiten von Fortsetzungsgeschichten kennengelernt. Nun weist das nächste Kapitel dieser Fortsetzungsgeschichte darauf hin, dass die Macher der Serie sich allmählich sorgen und dem erzählerischen Potential ihrer Hauptfigur Ishiaku nur noch eingeschränkt vertrauen.

Denn wenn die Figurenkonstellation der Serie grundsätzlich überdacht wird, um den Publikumserfolg zu sichern, ist fast immer auch ein Ende der Fortsetzungserie möglich. Was im Hochgefühl von Stärke und Sicherheit umsatzträchtig zwei Absatzmärkte vereint, wird in Zeiten der Auflagennot zum vermeintlichen Hoffnungsschimmer: Zwei Super-Helden begegnen sich in ein- und derselben Geschichte. So gibt es weiterhin Hinweise darauf, dass der Fortsetzungsserie um Ishiaku durch eine Begegnung mit Super-Lukas neues Leben eingehaucht werden soll. Zwar reagiert der den FC-Trainer spielende Christoph Daum genervt über diese ewig gleiche Idee mit dem Superhelden Lukas Podolski, doch Michael Meier, der den FC-Manager spielt, will sich diese erzählerischen Möglichkeiten nicht verbauen. “Im Winter sind keine Änderungen geplant,” wird er zunächst im Kölner Stadt-Anzeiger zitiert und hat dann hinzugefügt: “Es sei denn verletzungsbedingt, also gezwungenermaßen.” Es hat den Anschein, als ob Meier bei den Autoren der Fortsetzungsgeschichte um Ishiaku keine kreative Kraft mehr erkennt. Man kann seine Äußerungen so deuten, dass er vom Schlimmsten ausgeht. Auch in den nächsten zwei Monaten keine zündende Idee mehr aus der Autorenwerkstatt.

Der Herausgeber einer Fortsetzungserie muss dann vorbauen. Natürlich darf die erfolgreichere Serie nicht von jener in der Kreativkrise in Mitleidenschaft gezogen werden. Möglicherweise kommt es deshalb auch gar nicht zur dauerhaften Vereinigung der Super-Helden, sondern Meier muss sich mit einem Cameo-Auftritt von Super-Lukas bei der Weihnachtsfeier des 1. FC Kölns zufrieden geben. Dennoch besäße selbst solch ein Auftritt großes Entwicklungspotential. Super-Lukas könnte zum Beispiel zufällig neben Ishiaku zu sitzen kommen und nach den ersten gewechselten Worten spüren, hier geschieht gerade eine einzigartige Begegnung. Der Beginn einer langen Freundschaft könnte sich dann abzeichnen. Zwei junge Männer, die endlich bei jemandem völliges Verstehen für enttäuschte Hoffnungen finden. Ein reger Mail- und SMS-Austausch zwischen Super-Lukas in München und Ishiaku in Köln könnte der Serie den Weg in ein neues Medium eröffnen. Eine Handy-Soap statt Print. Vorstellbar ist vieles. Man sollte drüber nachdenken. Das Training dauerhaft aufnehmen, das bleibt selbstverständlich als weitere überraschende Wendung im erzählerischen Repertoire der Serie. Doch vielleicht kommt diese Wendung für deren Fortbestand zu spät. Schließlich enttäuscht man die Zuschauererwartungen nicht ungestraft.

Im Sturm des Knöchels – Folge 4

Endlich haben sich die Macher der Fortsetzungserie um den talentierten und ehrgeizigen Fußballspieler Manasseh Ishiaku an die handwerklichen Grundlagen aller Fortsetzungesserien erinnert. Vielleicht hatten da die kritischen Worte Michael Meiers von neulich ihren Anteil. Endlich wissen sie wieder, jede neue Folge braucht einen eigenen Höhepunkt und der darf sich nicht allzu bald wiederholen. Deshalb gibt es kein Geplänkel mehr um das Training, um Ärzte in Belgien und Waldläufe durch den Grüngürtel. Jetzt wird das Tempo angezogen, und die nächste Folge zeigt Ishiaku endlich dort, wo ihn die Leser schon seit Monaten sehen wollen. Der Held spielt Fußball – in einem richtigen Spiel. Das war ein großer Wurf für die weitere Zukunft der Serie. Respekt! Alles richtig gemacht, mein Leben. Und nicht nur dass die Macher das Tempo endlich anziehen, nein, sie beweisen auch, dass sie sich mit grundlegenden handwerklichen Techniken der Literatur auskennen. Sie greifen zu den Mitteln der Hochliteratur und nutzen ein Leitmotiv, um diese Folge der Serie in jeder Hinsicht stark zu machen. Zwei Tore hat Ishiaku nämlich geschossen, und schon in den frühen Folgen am Handlungsort Duisburg waren es meist zwei Tore, die er schoss, wenn er denn in einem Spiel traf. Mit solchen Details erfreut man den kundigen Leser und gewinnt ihn als dauerhaften Interessenten für die Serie. Außerdem deutet auch die Wahl des ersten Spiels von Ishiaku darauf hin, dass man sich endlich wieder auf alte Qualitäten der Serie besinnt. Es war nicht irgendein Spiel, in dem Ishiaku seinen ersten Auftritt für den 1. FC Köln hatte. Es war das Freundschaftspiel gegen Fortuna Köln, gleichsam ein Benefizspiel, ohne dass es ausdrücklich so heißt. Unterstützt der 1. FC Köln doch mit diesem jährlich stattfindenden Spiel seit längerem den arm gewordenen Südstadt-Verein und einstigen kleinen Rivalen um die Gunst der Leser. Damit spiegelt sich das persönliche Schicksal unseres Helden in der wechselvollen Geschichte einer Gemeinschaft. Und so warten wir Leser nach diesem Spiel auf die hoffnungsfrohe nahe Zukunft von Ishiaku und der Fortuna.

Im Sturm des Knöchels – Folge 5

In einem Drama kann so etwas ein retardierendes Moment sein. Wenn in einer Fortsetzungserie aber der gesamte neu erschienene Teil der Serie so genannt werden muss, ist das Ende der Serie nah. Endlich steht unser talentierter und ehrgeiziger Manasseh Ishiaku in einem Punktespiel auf dem Feld und nichts weiter ist darüber zu berichten. Er wurde ohne große Inszenierung in der 74. Minute im Auswärtsspiel des 1. FC Kölns gegen Hertha BSC eingewechselt. Manche Kölner Fans, die ihn noch nie leibhaftig gesehen hatten, waren über die Größe seines Körpers erstaunt und wurden dennoch nicht zu Tränen gerührt. Was haben sich die Macher der Serie nur dabei gedacht. Wieso um alles in der Welt hat man für diesen Auftritt so einen langen Anlauf gebraucht, wenn diese Leidensgeschichte des Fußballspielers in nichts anderem mündet als Herumgerenne und eine Niederlage seines Vereins? Oder sollte das die allerletzte Prüfung sein? Das wiederum ist völlig ungestaltet geblieben. Wenn es so beabsichtigt war, machte die Lustlosigkeit der Serienmacher alles zunichte. Irgendwann demnächst werden sie ihn in einem Heimspiel zwei Tore schießen lassen. Und ich weiß jetzt schon, das war es dann, ein vorhersehbares Happy End, das nicht mehr ist als der bemühte Versuch ein paar lose Erzählfäden mit heißer Nadel zusammenzustricken.

Im Sturm des Knöchels – Folge 6  Das Ende einer Fortsetzungsserie

Nun haben die Macher der Fortsetzungserie um den talentierten und ehrgeizigen Fußballspieler Manasseh Ishiaku  gerade noch einmal die Kurve gekriegt. Zwei Folgen der Serie sind nahezu unter Ausschluss der Öffentlichkeit auf den Markt gekommen. Das war keine Überraschung, mangelte es den Produzenten doch am Einfallsreichtum, um ansprechende Geschichten für diese Folgen zu finden. Die erste Einwechslung in einem Bundesligaspiel ohne wirklichen Höhepunkt. Dazu hatte man das Auswärtspiel des 1. FC Kölns  gegen Hertha BSC Berlin ausgewählt. Die Einwechslung geschah in der 74. Minute, und natürlich strahlte Ishiaku sofort Gefahr im Angriffsspiel der Kölner aus. Das war soweit vorhersehbar und konnte noch als Anlauf für den wahren Höhepunkt in der nächsten Folge durchgehen. Doch welch vergebene Chance in dieser nächsten Folge, in der man Ishiaku sogar für eine ganze Halbzeit auf den Platz schickte. Im Heimspiel der Kölner gegen Hamburg kam er in der 46. Minute und wieder ging von ihm Gefahr aus. Das war wiederum nicht überraschend, das kannte man und weil nichts anderes erzählt wurde, verpuffte diese Folge im Nichts der Langeweile. Ishiaku änderte nichts an den zwei Niederlagen, obgleich auf den persönlichen Erfolg Ishiakus alle Fans der Serie seit Wochen warten.

Erst in dieser dritten Folge seit seiner Gesundung haben es die Macher der Serie endlich begriffen. Zuschauererwartungen darf man nur dann enttäuschen, wenn kurze Zeit später ein sehr viel imposanterer und beeindruckenderer Einfall der Geschichte eine dann auch wirklich überraschende Wendung gibt. Diese Regel von Fortsetzungsgeschichten missachtet man nicht ungestraft. Nur die treuesten Fans halten dann einer Serie noch die Stange. So sind zwar die Kölner unter den Fans unserer Serie ganz begeistert über die letzte Folge. Wir Zuschauer ohne “kölsches Hätz” aber müssen sagen, das war es nun. Die letzte Anstrengung der Macher erfüllt nur noch die mindesten Anforderungen an Spannung und Wohlgefühl der Show. Im Auswärtsspiel gegen den VfL Bochum wurde Ishiaku in der 82. Minute eingewechselt. Die Macher hatten sogar den Blick auf die Zuschauer geworfen und ließen diese vehement nach ihm rufen. So war es mehr als vorhersehbar, dass er in diesem Spiel tatsächlich den Siegtreffer nach 5 Minuten Spielzeit erzielen konnte. Auch das Freudenmotiv seines Saltos wurde wieder hervorgeholt. Aber die Vorarbeit zum Tor lieferte ein ganz anderer. Ishiaku brauchte nur einzuschieben. Welch müheloses Tor wurde ihm da auf den Leib geschrieben. Das hätte uns vor zwei, drei Wochen vielleicht noch mitgerissen, am letzten Wochenende aber kam diese letzte Anstrengung der Serienmacher für ein Happy End zu spät. Mein Rat: Beschränkt euch auf das Absatzgebiet um Köln. Dort hat die Serie vielleicht noch Chancen. Der Kölner kauft ja alles, sobald da nur irgendwas entfernt an den Dom erinnert, selbst wenn es nur ein imaginärer Dom im Herzen einer Serienfigur wie Ishiaku sein sollte.  Überlassen wir also Manasseh Ishiaku endgültig dem Kölner Publikum und wünschen den Machern der Serie viel Glück.

Pflichtkommentar zum Pflichtsieg

„MSV Duisburg quält sich ins Viertelfinale“. So heißt es in der Rheinischen Post. „Mühsam“ gewann der MSV laut WAZ/NRZ, und auch einige wenige Kommentare im MSVPortal durchzieht eine leichte Unzufriedenheit. Im Niederrheinpokal beginnen nun jene Spiele, in denen der MSV Duisburg viel tun muss, um mehr als zu gewinnen und großen Beifall zu erhalten. Die ganz niederklassigen Gegner sind allesamt ausgeschieden, und  nun kann jederzeit passieren, was auch im DFB-Pokal  möglich ist. Der höherklassige Verein scheidet aus dem Pokalwettbewerb aus. Denn im niederklassigen Verein gibt es auch ein paar Fußballer, die das Spiel beherrschen, hinzu kommen im Spiel dann sehr viel Einsatz  und alle alle zur Verfügung stehenden Mittel. Auch das Foul. Nur der Schiedsrichter setzt dem Grenzen, und gestern zum Beispiel waren diese anscheinend recht weit gefasst. Das wird dann von einigen als robuste Härte abgehakt und hat in diesem Spiel die Verletzung von Patrick Zoundi zur Folge. Das sind die Mittel eines selbstbewussten niederklassigen Gegners, um dennoch mithalten zu können. Deshalb bin ich ganz froh, dass der MSV Duisburg 3:0 gegen TuS Bösinghoven gewonnen hat, auch wenn der Sieg erst in den letzten 20 Minuten gesichert wurde. Undankbare Aufgaben, so heißen solche Spiele im Fußballdeutsch. Wenn der MSV Duisburg sie weiterhin so erledigt und zudem keine Spieler verletzt werden, werde ich bis zum Finale nicht meckern.

Klickhinweis: Karsten Baumann im Interview in der RP

Weil die Rheinische Post in Duisburg nicht gerade ein Leitmedium ist, sei dieser Hinweis auf das von Georg Amend geführte, lesenswerte Interview mit Karsten Baumann in der RP gesondert herausgestellt. Es weist die Richtung, wie Trainer in der Fußballgegenwart mit dem immer umfassender interessierten Publikum über ihre Arbeit reden sollten. Sie müssen während eines solchen Interviews keine fachlichen Details erzählen, aber ihre Arbeit muss in Ansätzen erkennbar werden. Was macht ein Trainer angesichts offensichtlicher Schwächen der Mannschaft? Wie stark schätzt er die Mannschaft ein? Welche Entwicklung hat es gegeben. Karsten Baumann gibt Antworten.

Kartenlegen statt Recherche und ein Jugendzimmerfundstück

Gestern habe ich bei meiner Mutter einen Blick in die Printausgabe der NRZ werfen können und tatsächlich nimmt dieser unsägliche Kartenlegerin-Artikel über den MSV Duisburg, den ich zuvor schon online gesehen hatte, auch in der Printausgabe ein Viertel der zweiten Seite im Lokalteil ein. Ich hatte gehofft, dem sei nicht so, und ich bedauer nun die ernsthaften Journalisten der Redaktion für die Aussicht auf die Zukunft dieser Zeitung. Und komme mir keiner aus der Redaktion mit der alten Leier, die Leser wollten auch mal bunte Themen.

Mit diesem Artikel werden sämtliche journalistischen Standards unterboten, auch der für „Bunte-Themen-für-die-Leser“. Denn selbst wenn ich zähneknirschend so etwas unter dem Motto „vermutetes Unterhaltungsbedürfnis“ hinnehmen soll, der Zeitpunkt für das Erscheinen passt überhaupt nicht. Der MSV Duisburg befindet sich erneut in einer bedrohlichen Finanzsituation und den Lesern der Zeitung wird als zusätzliche Hintergrundinformation das Fachwissen einer Kartenlegerin geboten, die ihr umfängliches Wissen aus der Quersumme des Gründungsdatums vom MSV Duisburg entnimmt. Werden demnächst im Hauptteil, Sparte Politik, auch die Meinungen von Wünschelrutengängern und Druiden zu Koalitionverhandlungen und Staatsschulden nachgefragt?

Heute, einen Tag nach Erscheinen dieses Artikels trifft sich eine Delegation des MSV Duisburg mit Walter Hellmich. Das Weiterbestehen des MSV Duisburg hängt davon ab, ob Walter Hellmich dem Schuldenschnitt zustimmt oder nicht. Und kein Medium nimmt das zum Anlass, noch einmal sämtliche Fakten zusammen zu stellen, die dieses Treffen so brisant machen. Ein Dossier hätte erstellt werden können, um die überaus komplizierte Geschichte von Walter Hellmich mit dem MSV Duisburg verständlicher zu machen.

Man hätte die gemeinsame Interessenlage von Walter Hellmich und dem MSV Duisburg zu Beginn seines Engagements aufzeigen können. Diese Zeit schuf die Grundlage für Walter Hellmichs unerschütterbaren Glauben, der MSV Duisburg habe ihm mehr zu verdanken als er dem MSV Duisburg. Man hätte auf die damals so nahe liegende Allmachtkonstruktion hinweisen können, die selbstverständlich zu Schwierigkeiten führt, wenn die Interessenlagen von Person und Verein sich voneinander entfernen. Man hätte dann versuchen können, genauer zu benennen, was Walter Hellmich auch dem MSV Duisburg zu verdanken hat und umgekehrt. All das hätte zu der von allen Beteiligten immer wieder geforderten Transparenz beigetragen. Stattdessen erfahren wir, die Gründungsdatum-Quersumme steht laut Kartenlegerin für „Doppelte Sonne“. Klingt irgenwie gut. Wie man es von Kartenlegerinnen erwarten darf.

Was WAZ/NRZ kann, kann ich übrigens besser. Wenn schon Leserbindung, dann mit den richtigen Mitteln, die nicht zum Thema gehören. Deshalb nun zu etwas ganz anderem: Neulich habe ich eine Umzugskiste mit altem Kram von meinem Vater zu mir geholt und was finde ich? Ein Original-Jugendzimmer-Schlafcouch-Dekokissen der 1970er Jahre. Bitte schön!

2013-10-15_MSV_Kissen 001b

BR macht mich zum Punk im Sport – Klickhinweis auf eine Basketball-Doku

Gestern Morgen las ich in der Süddeutschen Zeitung eine Anzeige für die TV-Dokumentation über den Erfolg der deutschen Basketballnationalmannschaft bei der Europameisterschaft 1993. Sie erinnerte mich an die vielen Jahre vor diesem Erfolg, die ich schon seit Ende der 1970er Jahre Basketball gespielt hatte. So genau wusste ich es nicht mehr, wie es damals für uns war, aber wenn  der Bayerische Rundfunk es so schreibt, muss es wohl wahr sein.

Immer deutlicher erinnerte ich mich schließlich, wie misstrauisch all die Alten uns Punks des Sports betrachteten. Kopfschütteln war noch die geringste Reaktion, wenn wir damals Bälle auf Körbe warfen, statt in Tore zu treffen.  Gerade in Bayern, so erzählten sich viele von uns, werde man bei jedem Dribbling in die Zone wüst beschimpft. Ganz so schlimm war es in Nordrhein-Westfalen damals nicht. Aber in Bayern war man wohl schon immer etwas misstrauischer gegenüber dem, was die Mehrheit nicht kennt. Wahrscheinlich denken einige Bayern sogar heute noch, jeder Wähler von SPD und Grünen sei ein Revoluzzer.

Doch, die Älteren sahen abschätzig auf unsere engen, ärmellosen Trikots, auf die knappen und zuweilen sogar seitlich geschlitzten Sporthosen, auf hohe Sportschuhe, die in den normalen Sportgeschäften mit großer Verachtung Basketballstiefel genannt wurden. So muss es gewesen sein. „Basketball Anfang der neunziger Jahre noch Subkultur in Deutschland.“ Der Bayerische Rundfunk spitzt die Geschichte dieses Sports in seiner Anzeige zusammen. Wer die Dokumentation im „Blickpunkt Sport – Vom Außenseiter zum Europameister“ verpasst hat, mit einem Klick weiter in der Mediathek. Ein schönes Stück Erinnerung.

Eine Sitzplatztribüne auf der Buchmesse

Donnerstag: Buchmessentag – mit ein paar Seitenblicken auf Fußballbücher und der Begegnung mit LitCam, einem Projekt, bei dessen Namen ich immer erst mein inneres Bild von Literatur-Online-Liveübertragungen ins Netz wegschieben muss. LitCam ist eine 2006 von der Frankfurter Buchmesse gestartete Bildungsinitiative, Lit steht für Literacy und Cam  für Campaign. Diese Kampagne soll helfen, dass auch sozial benachteiligte Kinder Lesen, Schreiben und Rechnen lernen. Als ein Projekt der Kampagne wurde Fußball trifft Kultur ins Leben gerufen. Fußballtraining und Förderunterricht werden hier miteinander gekoppelt. Der Fußball dient als Anreiz die Fördermöglichkeiten wahrzunehmen und durch die Verpflichtung zur Gemeinschaft entstehen auch vielfältige Möglichkeiten, soziale Fertigkeiten zu lernen. In NRW gibt es das Projekt in Gelsenkirchen mit dem Kooperationspartner Schalke 04.

Nun ist ein Jahr vor der Fußball-WM der Gastgeber Brasilien das Gastland der Frankfurter Buchmesse. Eine gute Gelegenheit für 2013-10-10_Buchmesse 003bFußball trifft Kultur in einer Ecke von Halle 3.1 mit einer großen Standfläche auf sich aufmerksam zu machen. Mit Torwand und Tischkicker gibt es die Standardausstattung Fußballevent. Und neben den üblichen Stuhlsitzreihen vor dem Podium soll die stilisierte Tribüne an die Stadionatmosphäre erinnern. Auf der Buchmessentribüne ist es aber nicht anders als im Stadion. Der Donnerstag ist keiner der großen Spieltage. Gestern fand ich um die Mittagszeit eine Art mäßig besuchten Hobbyfußballbetrieb vor. Das Handelsblatt präsentierte die Finalisten des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises 2013. 

Was aber sind Bücher gegen Ex-Finalisten des Fußballs, die am Wochenende zu sehen sind. Uwe Seeler kommt am Samstag. 2013-10-10_Buchmesse 002bRudi Völler am Sonntag. Rudi Gutendorf tritt zusammen mit der deutschen und brasilianischen Autorenationalmannschaft auf. Außerdem kommen DFB-Präsident Wolfgang Niersbach, Jimmy Hartwig, Uli Borowka sowie Reiner Calmund und Paulo Rink. Wer wann genau findet ihr mit einem Klick weiter. In dieser Fußballecke vermuten die Verlage übrigens auch Rampenlicht für die Fußballbücher in ihrem Programm. Warum aber die Sonderausstellfläche „Fußball-Medienwand“ heißt? Großes Wortgeklingel für das bunte Angebot von wissenschaftlichem Werk, über die Sammelsuriumsexemplare bis hin zu Fotobänden nicht zuletzt die Autobiografien. Gefehlt hat ein ganz Großer, der sich mit „Ich bin Zlatan“ vorstellt.

Die Autobiografie von Zlatan Ibrahimovic war am Stand vom Piper Verlag zu finden, wo ich zudem über ein doppelbändiges Werk im Schuber zur Historie des VfB Stuttgart staunen durfte. Gibt es in der Verlagsführung VfB-Fans, oder ließ sich der VfB die Kostenbeteiligung nicht nehmen, um ein derart opulent gestaltetes Werk zu ermöglichen?

Der Lizententzug des MSV Duisburg hat übrigens Folgen bis in die Buchprogramme der Verlage hinein. Auch der Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf versucht vom Fußballkuchen ein Stück abzubekommen. 111 Gründe, Verein xy zu lieben, so heißt die Verlagsreihe zum Fußball. Erste Liga und ausgewählte Traditionsvereine der Zweiten Liga sind dabei. Darunter hört die Tradition auf, weil die Angst vor dem geschäftlichen Desaster überhand genommen hat. Deshalb ist auch Roland Kentsch nicht alleine schuld, dass der MSV in der Verlagsreihe nicht vorkommt, die Anhänger von Eintracht Braunschweig sind mitverantwortlich. Die gingen zwar euphorisiert dem Bundesligaaufstieg entgegen, dennoch blieben die Bücher über den Verein in den Buchhandlungen liegen. Vielleicht haben Fans im Erfolgsfall einfach nur keine Zeit fürs Bücherlesen? Wir brauchen belastbare Daten und deshalb den sofortigen Wiederabstieg von Eintracht Braunschweig. Wenn dann der Umsatz in die Höhe schnellt, heißt das, Fans haben als Autoren stets ein tragisches Schicksal.

Das Fußballbuch ist also ein schwieriges Geschäft. Bei Bildbänden vielleicht nicht ganz so sehr? Jedenfalls hat die Edition Panorama mit spielmacher einen eigenen Verlag für „schöne Fußballbücher“ gegründet. Dort erscheinen nun neben dem auch hier schon besprochenen Band „Fussballtempel“ weitere Bücher aus der Backlist des Verlags. Neuerscheinungen kommen regelmäßig hinzu. 2013-10-10_Buchmesse 004bMan kann diese Verlagsgründung auch als Nebenwirkung des erfolgreichen Unterhaltungsbetriebs Fußball deuten. Die prächtig ausgestatteten und zum Teil fotokünstlerisch ausgerichteten Bildbände brauchen eben auch ein zahlungskräftiges Publikum mit weiterführendem Interesse, das in großer Zahl noch nicht allzu lange ins Stadion geht.

Und auch das will euch als Letztes nicht vorenthalten: die Kirmes-Atmosphäre in der Comic-Ecke. So ein Manga-Merchandisingstand könnte glatt auch als Losbude auf der Kirmes durchgehen.

Ruhrgebiet – Ein werbender Kurzfilm

Dieser Blick mit einem werbenden Kurzfilm auf das Ruhrgebiet soll auch hier nicht fehlen, zumal ich in den Kommentaren zum Film auf der Ruhrbarone-Seite die hübsche „fußballstadienkompatible Grönemeyerromantik“ kennenlernte. Mehr als jene soll der Film nämlich zeigen. Natürlich ist das für mich und euch keineswegs ein Qualitätsmerkmal. Was in den Fußballstadien des Ruhrgebiets als Pott-Identität gelebt wird, kann doch eigentlich von niemandem als schlecht angesehen werden, selbst wenn im Ruhrgebiet mehr als das vorhanden ist. Ein Teil von diesem Mehr erzählt der Film mit ehrlichen Worten und schönen Bildern. Er bringt auf den Punkt, warum „Zollverein und die industrielle Kulturlandschaft Ruhrgebiet“ ein geeigneter Vorschlag für das Welterbe der UNESCO sind.  Der Dank für den Hinweis gilt den Ruhrbarone-Kollegen.


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