Ab in die Sammlung Lieblingsgegner

Nach Osnabrück fahre ich inzwischen genauso gern wie nach Paderborn, wenn der MSV Duisburg ein Auswärtsspiel bestreiten muss. Die Wahrscheinlichkeit ohne Niederlage die Heimreise antreten zu können ist bei Spielen dort recht groß. Dabei sah es lange nur nach einem torlosen Unentschieden aus, für die jedenfalls, die sehen konnten. Der Stehplatzbereich des Gästeblocks war deutlich überfüllt, weil die Ordner anscheinend unterschiedliche Handlungsanweisungen bekommen hatten. Blau-weißer Fanartikel plus beliebige Karte war irgendwann zur Zugangsberechtigung geworden. Was dem einen behagliches Heimatgefühl in der Herde bescherrte, machte dem anderen Angst vor in Duisburg wohl bekanntem Massengedränge und seinen Folgen. In der Halbzeitpause war dann auch von Stürzen beim Geschubse auf den Rängen zu hören, die Gott sei Dank ohne schwer wiegende Folgen blieben.

Wer sich aber den Blick aufs Spielfeld einigermaßen frei halten konnte, sah ein Spiel, das unterschiedliche Einschätzungen möglich machte. Ein großer Fortschritt gegenüber dem Spiel gegen die Stuttgarter Kickers. Wenn die Qualität des Spiel strittig ist, muss es bei den Zebras zumindest gute Ansätze gegeben haben. Zu Halluzinationen positiver Art neigt das Duisburger Publikum weiß Gott nicht. Ich jedenfalls habe in der ersten Halbzeit den MSV Duisburg recht sicher in der Defensive gesehen und einmal mehr ohne Durchschlagskraft im Spiel nach vorne. Wenn Konterspiel das Mittel für den Erfolg sein sollte, fehlte nach der Balleroberung einfach zu oft die kontinuierliche Schnelligkeit oder die Präzision beim Passspiel, manchmal fehlte beides. Dennoch gab es unermüdlich den Versuch eines schnellen Zusammenspiels. Manchmal waren Ansätze erkennbar, die in Zukunft die Grundlage einer spielerisch guten Leistung bilden können. Das war anders als im letzten Heimspiel gegen die Stuttgarter Kickers. Weil es den Osnabrückern mit ihrer Spielweise genauso ging, machte ich mir keine großen Sorgen um ein Gegentor.

Was ich als sicheres Spiel des MSV Duisburg in der ersten Halbzeit erlebte, sah der Kapitän der Osnabrücker Sebastian Neumann ganz anders. Im unten verlinkten Interview erzählt er von Chancen seiner Mannschaft und anscheinend hatte er den Eindruck, seine Mannschaft sei den Zebras überlegen gewesen. Wie gesagt, ich habe eher ein Spiel gesehen, in dem beide Defensivreihen gute Arbeit leisteten und beide Mannschaften offensiv zu schwach waren, um wirklich gefährlich werden zu können.

Dennoch setzte ich in diesem Spiel nicht nur aufs Glück. Dazu gelang der Mannschaft des MSV immer wieder spielerisch genug,  um in Strafraumnähe des Gegners zu gelangen, und wie wir alle wissen, ist das eine gute Voraussetzung, um zumindest eine Standardsituation zu erzwingen. Auch hier sah ich den MSV Duisburg grundsätzlich im Vorteil. Keine der vielen Ecken der Osnabrücker schien mir gefährlich, hingegen ich – erneut im Gegensatz zu den letzten Spielen –  tatsächlich einige Hoffnung auf die wenigen Ecken der Zebras setzte. Für Enttäuschung blieb wenig Zeit, als nach einer dieser Ecken der Kopfball von Branimir Bajic noch – fast auf der Linie – geklärt werden konnte. Den zweiten Ball nahm Michael Gardawski auf. Sehen, er hat sogar noch die Gelegenheit, sich den Ball zurecht zu legen, hoffen auf den zielsicheren Schuss und Ball im Tor sehen war nahezu eins. Der Lieblingsgegner VfL Osnabrück nahm Formen an.

Bis ich den Verein in die Sammlung aufnehmen konnte, waren allerdings noch zwei, drei brenzlige Situation zu überstehen, in denen in der Defensivreihe das wilde Ball wegschlagen als letzte taktische Maßnahme erst nach mehrmaliger Wiederholung gelang. Der VfL Osnabrück machte das möglich, weil deren letzte taktische Maßnahme das wilde Ball aufs Tor schießen überlegtes Angreifen erschwerte. Großer Jubel beim Abpfiff und das starke Bedürfnis mich aufzuwärmen, weil ich am Morgen nicht an einen möglichen ersten wirklich kalten Spieltag gedacht hatte.

Im Zeitalter von Verschwörungstheorien können wir uns das Spiel übrigens auch als das Ergebnis eines heimlichen Abkommens der Lokalzeitungsverleger mit den Vereinen denken. Vielleicht haben Interessenvertreter der Funke Mediengruppe für WAZ/NRZ, der Rheinische Post Verlagsgesellschaft und vom Verlag Neue Osnabrücker Zeitung bei den Vereinen einen Versuchsballon gestartet, um auch überregional mal einen einzigen Sportjournalisten für sämtliche Zeitungen einen emotionalisierten Text schreiben lassen zu können. Lese ich den Spielbericht aus Osnabrücker Sicht, müsste man nur Namen austauschen und schon könnte der auch in Duisburg als Meinung zum Spiel durchgehen. So weit ich mich erinnere hat die Funke Mediengruppe diese Kostensenkungsmaßnahmen für das Ruhrgebiet schon mal erwogen. Ich suche jetzt nicht den Link zur anschließenden Diskussion im Lokalen seinerzeit. Wer den Hinweis geben kann, bitte, danke.

Ein Maggi-Würfel Spieleindruck:

Die Pressekonferenz nach dem Spiel mit einer sehr stimmigen Wertung von Karsten Baumann sowie Stimmen nach dem Spiel von Michael Ratajczak und Sascha Dum.

Mit einem Klick weiter zum NDR, wo einige zusammengeschnittene Spielszenen aus der zweiten Halbzeit zu sehen sind sowie Interviews nach dem Spiel mit Karsten Baumann, Michael Ratajchzak und dem Trainer vom VfL Osnabrück, Maik Walpurgis, sowie dem VfL-Kapitän, Sebastian Neumann.

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