Keine Politik wird manchmal doch zur Politik

Wir wünschen uns das Leben so einfach wie möglich, und stets kommt uns dieses Leben schon kurz nach dem Wünschen dazwischen. Ich zum Beispiel will seit Jahren beim MSV Duisburg im Stadion eigentlich nur über Fußball reden. Aber was ist? Ständig beschäftigen mich so sportferne Dinge wie ein Schuldenschnitt und seit kurzer Zeit auch noch  die gewaltvoll gewordene Auseinandersetzung in der eigenen Kurve, um deren Deutung in der Duisburger Fanszene verständlicher Weise mehr gerungen wurde als in der Öffentlichkeit. Für Fußballdeutschland steht der Überfall der „Division Duisburg“ auf die „Kohorte“ in einer Reihe mit einigen Versuchen der rechten Szene, in den Fankurven Einfluss zu gewinnen.

Im Stadion nervt dieses Fußballferne. So verstehe ich die vielen Anhänger des MSV Duisburg, die sich etwa ein besseres, politikfreies Leben im Stadion erhoffen. Aber mit diesen Politik genannten Themen  ist es wie mit dem Aufräumen und Putzen. Man kann es sich einige Zeit sparen, aber irgendwann kommt der Zeitpunkt, da musst du dich drum kümmern. Sonst hast du bald ein Zuhause, in dem sich nicht mehr jeder wohl fühlen kann.

„Keine Politik in der Kurve“  ist deshalb allenfalls ein hoffnungsvolles Ziel, das nur erreicht werden kann über eine Haltung, bei der viele schnell die Augen verdrehen und sie politisch nennen. Das ist paradox, aber unvermeidlich. Denn was heißt Politik im Stadion überhaupt? Wird etwa der vom DFB unterstützte Anti-Rassismus in seiner unverbindlichen Spruchband-Botschaft genau dann zur nervigen Politik, wenn konkret rassistische Gruppen Rassisten genannt werden? Oder ist es nicht gerade Politik, wenn eine einzelne Fangruppe bestimmen will, welches Spruchband im Stadion eine politische Botschaft darstellt. Es ist ganz schön kompliziert mit der Losung „Keine Politik in der Kurve“.

Rechtextremistische Gruppen – und davon rede ich heute nur, weil dieses „die anderen haben aber auch“ mich zu sehr an Kindergarten und Schule erinnert, rechtsextremistische Gruppen, also, haben ein großes Interesse an einer vermeintlich politikfreien Zone, dem Stadion. Wo sonst können Mitglieder extremistischer Zusammenschlüsse in breiter Öffentlichkeit sich wirksam fühlen? Bei der Frage, was in der Kurve geschieht, geht es schließlich um Macht. So können extremistische Gruppen ausprobieren, wieviel Durchsetzungskraft sie besitzen, wie weit sie beim Einsatz für die eigene Meinung gehen können. Und das muss sogar nicht unbedingt mit politischen Inhalten verbunden sein. In dem Fall verschwimmen also die vermeintlich so klar getrennten Sphären von Stadionwelt und restlichem Leben. Dann muss man letztlich fragen, welches Interesse sich hinter der Losung „Keine Politik in der Kurve“ verbirgt? Was in Duisburg anscheinend bei einer Art rundem Tisch der Fangruppen geschah, sind zumindest vorpolitische Prozesse, und dementsprechend können die Aktivitäten einer dieser Gruppen von jetzt auf gleich in Politik umschlagen. Nur deshalb  kann die Fanszene Duisburgs auch darüber streiten, was dieser Vorfall nach dem Spiel gegen Saarbrücken überhaupt gewesen ist.

Der Fußball ist in dem Fall Zauberstab. Weil die Mitglieder der „Division Duisburg“natürlich auch als Fußballfans im Stadion sind und sie sich auf dem Terrain des Fußballs über Regeln streiten, lässt sich trefflich jeglicher politischer Hintergrund zum Verschwinden bringen. Unschuldig wird von normalen Zuständen im Stadion gesprochen, wo immer mal wieder Konflikte mit harter Hand gelöst werden. Stimmt, ja. Es stimmt aber nur AUCH! Politik ist in dem Moment untrennbar mit dem Fußball verknüpft. Schließlich geht es um die Deutungshoheit über diesen Begriff. Eine Gruppe möchte bestimmen, was Politik im Stadion bedeutet.

Wem es nach ein wenig argumentativer Unterfütterung durch die Theorie verlangt, dem sei Paul Watzlawicks kommunikationstheoretisches Diktum noch ans Herz gelegt, man könne niemals nicht kommunizieren. Sobald jemand einem anderen gegenüber steht, beginnt Kommunikation, selbst wenn der eine schweigt. Daraus lässt sich eine Einsicht zur Forderung „Keine Politik in der Kurve“ ableiten. Sobald diese Forderung als Teil einer Diskussion zwischen Gruppen erhoben wird, die sich in Teilen auch politisch definieren, ist diese Forderung selbst ein politisches Statement und das Aushandeln, wie dem Rechnung getragen wird, ist auch eine politische Diskussion. Man entkommt der politischen Stellungnahme in dem Fall nicht.

Vor ein paar Wochen schon fand Michael Welling, der Präsident von Rot-Weiss Essen, in einem Interview im Reviersport zu solch einer Entwicklung in der Kurve die passenden Worte:

Kommen wir mal zum Nicht-Sportlichen. Für die Allermeisten kam der Vorfall beim Fanprojekt am Mittwoch doch ziemlich überraschend, da sich in der Kurve bislang niemand abgezeichnet hat, dass Rot-Weiss Essen ein Problem mit rechten Fans hat. Zumindest dem Fanprojekt waren die Leute aber bekannt, oder?
Wenn das Fanprojekt die nicht kennen würde, würde es seine Arbeit nicht machen. Es ist tatsächlich so, dass die sich durch pure körperliche Präsenz als Chef der Kurve positionieren. Das ist ja auch im Grunde das, was am Mittwoch passiert ist. Das ist nicht akzeptabel, das ist doch völlig klar. Da geht es im ersten Schritt tatsächlich gar nicht darum, was da für ein Film gezeigt wird, was der Rahmen ist, wer Veranstalter ist, wer nicht Veranstalter ist. Es ist einfach nicht zu respektieren, dass irgendwelche selbsternannten Leute definieren, was hier passiert und mit körperlicher Präsenz ihre Auffassung durchdrücken wollen. Das ist nicht akzeptabel.

Und etwas später noch einmal Michael Welling:

Was hier die neue Dimension ist: Dass sich einzelne Leute positionieren, um sich so massiv durch Präsenz zu positionieren, das ist nicht zu akzeptieren. Dabei ist es dann ehrlicherweise auch egal, ob diese Leute aus einem linken oder einem rechten extremen Spektrum kommen. Es geht nicht, dass sich Leute als Sheriffs der Kurve positionieren und glauben, weil sie größere Arme haben, andere einzuschüchtern.

Letztlich braucht jedes Engagement gegen Rassismus, Intoleranz und Gewalt die Unterstützung des Vereins MSV Duisburg. Deshalb war das erste Interview nach dem Überfall mit Sicherheits-Manager Michael Meier und Fanbeauftragtem Christian Ellmann nicht mehr als ein hilfloser Versuch mit dem Lippenbekenntnis, der MSV sei „keine Kuschelecke für Neonazis“, der Geschichte Herr zu werden. Die Losung „Keine Politik“ wurde als Fallstrick überhaupt nicht wahrgenommen. Einmal mehr ist es erst Jürgen Marbach gewesen, der das Problem in seinem Ausmaß erkannte. Nicht nur dass er den Verein mit deutlichen Worten gegen Rechtsextremismus positionierte, er erkannte zudem, dass Michael Meier und Christian Ellmann, die Deutungshoheit für das Geschehen den Gewalttätern in Teilen überlassen hatten. Bei Spiegel online korrigierte er die naiven Aussagen der Mitarbeiter des MSV Duisburg. Wichtiger aber noch ist die dort in Aussicht gestellte Absicht, Hilfe durch Wissenschaft in Anspruch nehmen zu wollen.

Denn wie im Alltag der Saison mit dem Konflikt in der Kurve weiter umgegangen werden soll, bleibt eine offene Frage. Absichtserklärungen geben dabei nur die Richtschnur für das Handeln. Im Grunde geht es um die Haltung der schweigenden Mehrheit im Stadion. Es geht um alle, die immer wieder genervt sind von Auseinandersetzungen, die zunächst nichts mit eigentlichem Support und Fußball zu tun haben. Es geht um die paradoxe Einsicht, um die Politik aus der Kurve zu halten, ist die Losung „Keine Politik in der Kurve“ in ihrem politischen Kern zu benennen. Es geht um die öffentliche Meinung, in der der Einsatz gegen Rassismus, Gewalt und Intoleranz ihren selbstverständlichen Platz finden können muss.

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10 Responses to “Keine Politik wird manchmal doch zur Politik”


  1. 1 ChristianMoosbr 21. November 2013 um 19:27

    Was mich an der akuellen Debatte genervt hat, ist nicht eigentlich die Nähe oder Ferne zur Politik, sondern sind bestimmte Implikationen, die quasi automatisch einrasten, und von denen anscheinend verlangt wird, dass man sie widerspruchslos nachbetet, um zu dem Konsenz vorzudringen, dass man gegen „Rechts“, gegen Gewalt, und damit für das Gute als solches ist.
    Das ist am Schluss dann nur noch ein Lippenbekenntnis, das man so herunterbetet, wie man die Obdachlosenzeitung halt kauft, wenn sie einem direkt vor die Nase gehalten wird. Bestimmt ist das für den Obdachlosen immer noch besser, als dass er keine Zeitung los wird, aber das Bild ist ja auch schief: Fussballgucken gehen ist etwas, zu dem man per se viel mehr Aufmerksamkeit mitbringt, als man z.B. für die tagtägliche Fahrt zum Supermarkt benötigt. Deshalb greift auch Watzlawick hier nicht, finde ich: wer in das Stadion geht, will niemals nicht kommunizieren, dazu ist die Sache denn doch zu aufwendig.

    Und seit jeher besteht für mich die „politische“ Implikation des Gangs auf das Stadion darin, dass es genau das ist: ein Ort an dem man nicht nicht kommunizieren kann, sondern kommuniziert, und zwar die ganze Zeit über, und zwar ganz bewusst, und zwar zwangsläufig. Man bezieht Stellung, es gibt keine Ausflüchte, das Gute und das Schlechte sind klar geschieden.
    Die Botschaft bezieht sich aber, ganz konkret, immer nur auf das direkt vor einem befindliche: das Spiel, den Gegner. Das war und ist für mich immer eine Schule des Sehens gewesen, und eine Schule des Sprechens, des Zuhörens, eine Schule der Mitmenschlichkeit eine Schule dafür, wo Gemeinschaft beginnt, aber auch, ganz ausdrücklich, wo sie endet, enden muss. Jeder im Stadion weiss im Grunde, dass die Gegner, die anderen, kein bisschen anders sind als wir selbst. Nach dem Spiel ist aller Hass obsolet, bricht Feindschaft in sich zusammen, bleibt sich selbst genügende Freude oder resignative Leere zurück.

    Das muss nicht choreographiert werden, die oft geschmähte Herde der schweigenden Mehrheit, die es ja auch im Stadion geben soll (aber meines Erachtens nicht gibt!), erzeugt das organisch, als natürlichen Prozess. Gerade das macht es erst so wertvoll: es ist grösser als du, und es gibt, wie es in einem Song von Van Morrisson heisst, no Guru, no Method, no Teacher.
    Keine Politik heisst für mich in dem Zusammenhang also: bitte keine Agitation! Aber das ist leider kein Beiwerk, sondern die Hauptsache davon.
    Und deshalb: der Schuldenschnitt ist sicher fussballfern, aber er kommt eben auch in den neunzig Minuten neben dem Platz nicht vor. Jedenfalls will ich während dem Spiel damit nichts zu tun haben. Und deshalb auch: „Linke“ Agitation ist auch Agitation, und wenn sie noch so gut gemeint ist.
    Der emotional aufrührerische, im besten Sinne „politische“ Fussball wird sich stets wieder aufs Neue zu hinterfragen haben, wem alles er gerade Raum gibt, der versucht, sich in die angeregten und aufgeregten Köpfe zu schrauben. Die Diskussion darüber, was hier nötig, möglich oder lästig, oder sogar gefährlich ist, darf nicht durch Simplifizierungen untergraben werden.
    Eine Ultra-Gruppierung wie die Kohorte stellt an sich eine Weiterung dessen dar, was der „normale“ (wahrscheinlich besser „der normal durchgeknallte“) Fussballanhänger als das ansieht, was er für tauglich dafür hält, wie man Fussball am besten ansehen sollte. Durch das Fahnenschwenken, durch den vom eigentlichen Geschehen ganz entkoppelten Support macht die Gruppe auch explizit auf sich selbst aufmerksam, verändert die Charakteristik des Spielgeschehens. Das erfordert Toleranz der anderen. So rum gesehen ist das richtig, und nicht so rum, wie es manchmal scheint: dass nämlich die „Normalos“ freundlich darum bitten sollten, dass die „Extremen“ nichts dagegen haben, dass sie auch da sind.
    Soll die Forderung der Kohorte nach Gewaltfreiheit mehr sein als nur ein Mittel der Propaganda im privaten Kampf gegen eine andere radikale Gruppierung, dann muss die Frage an die Allgemeinheit dafür die Voraussetzung sein, wie diese denn die Kohorte erlebt, und ich finde, im vorliegenden konkreten Fall, hat die Kohorte leider nur wenig bis garnichts dafür getan, sich in einen solchen dialektischen Diskurs zu begeben. Im Gegenteil wurde sehr schnell das grosse Bügeleisen „rechte Unterwanderung“ hervorgeholt. „Links“ wurde mit gewaltfrei und damit gut und richtig, gleichgesetzt, alles andere als halt zu schlaff oder braune Sosse degradiert.
    Verständlich, sowas, in der ersten Aufregung und Wut, wenn man zusammengeschlagen wurde. Aber auf die Dauer nicht genug. Wenn man kein apolitisches Stadion haben will, sollte man den Leuten vor allem nicht zusprechen, dass sie eigentlich apolitisch sind und immer wieder den Hammer vorm Kopf haben müssen, der sie kurz aufweckt.

    Wenn man in die Gewaltfrei-Diskussion ganz einsteigt, muss es auch um das Böllern, um Pyro gehen, um das Bashen der Gegner, um Aktionen wie neulich gegen Dresden, als die eine Zaunfahne verbrannt haben: bitte nicht sagen, das sei was anderes. Niemand hat da im Portal, z.B. danach gefragt, ob es legitim ist, für so einen verbrannten Stoffetzen Prügel anzudrohen. Und vor allem muss endlich mal Schluss sein mit der Behauptung, „Links“ sein heisse per se schon, antifaschistisch zu sein und gewaltfrei auch noch. Das ist historisch gesehen ebenso blödsinnig, wie es das im aktuellen Bezug ist. Die Linke hatte und hat immer ein Problem damit gehabt, etwa staatliche Gewaltmonopole zu akzeptieren, und es hat auf breiter Front auch stets eine abstossende Tendenz dahingehend gegeben, Totalitarismus/Faschismus zu dulden, wenn es taktisch obsolet erschien. Aktuell sei dabei nur auf die Haltung der Linkspartei zu Israel und zur Hamas verwiesen. Die Hamas ist eine Organisation, welche der SA der dreissiger Jahre in nichts nachsteht.

    Ich sehe mich selbst, auch heute noch, als entschieden „Links“. Aber für mich hat das immer auch bedeutet, dass man nicht nur lauter schreit als die Gegenseite, sondern mab auch vielschichtiger, selbstkritischer und, womöglich, defensiver agiert, als der politisch weit entfernte Andere.

    • 2 Kees Jaratz 21. November 2013 um 21:32

      Wenn du auf die Kohorte blickst, nimmst du einen weiteren Text von mir vorweg. Du stellst jene Fragen, Christian, die die Diskussion aus den starren Positionskämpfen herausholt.

      Dennoch halte ich es für notwendig, das eine nach dem anderen zu machen. Weil ich meine, die Realität entspricht nicht ganz dem idealen Bild eines Stadionbesuchs, das du beschreibst. Es wäre schön, wenn es so wäre. Stattdessen führt ein Teil der Zuschauer eine Diskussion darüber, dass bestimmte Inhalte im Stadion nichts verloren haben. Über Inhalte wird man aber keine Einigung erzielen. Für den einen ist das Agitation, für den anderen das. Deshalb eine Art Politik-Prüfung vorzunehmen, hebt in meinen Augen die unter den meisten Zuschauern eigentlich vorhandene Distanz zu rechtsextremen Positionen in der öffentlichen Meinung auf.

      Die Ultra-Bewegung ist nun mal da, und das STadion ist durch die Ultra-Bewegung auch ein Ort der Meinungsäußerung geworden. Nicht zuletzt, weil der Fußball so einen bedeutsamen Platz in der Gesellschaft erhalten hat. Sobald Sport ins Zentrum der Aufmerksamkeit rückt, geschieht das ja. Stichwort: Politischer Protest bei Olympischen Spielen. Damit gilt es umzugehen. Man kann den Sport als Ort für Meinungsäußerung über den aktuellen sportlichen Anlass hinaus nicht gut finden, das ist aber ja auch nur eine Meinung. Watzlawick habe ich übrigens nicht wegen der Kommunikation ins Spiel gebracht, sondern weil ich von ihm ableiten wollte, man kann nicht nicht politisch sein, sobald jemand das von einem fordert. Ironischerweise bringt jede Forderung nach Politik-Verzicht in der Kurve, die Politik ins Stadion ins zurück. Da habe ich mich vielleicht missverständlich ausgedrückt oder die Ableitung ist nicht nötig, jedenfalls kam mein Gedanke aus seiner Ecke.

      • 3 Christian Moosbrugger 22. November 2013 um 00:16

        Die Diskussion, was ab wann politisch ist, geht ja, soweit ich das mitgekriegt habe, hier insbesondere davon aus, dass sich zwei Gruppen unterschiedlicher Lager einer Art freiwilliger Selbstzensur unterworfen hatten, und der Streit ist jetzt darüber eskaliert, wie freiwillig diese freiwillige Selbstzensur denn in der Konkretion gewesen ist. Ich glaube, da ist der politsche Protest, etwa wie neulich von Greenpeace, vollkommen anders zu bewerten.

        Wenn man tatsächlich für die freie Meinungsäusserung in den Stadien ist, heisst das im Umkehrschluss aber auch, dass man erdulden muss, wenn die Rechten ihre Grüsse ins Land schicken. Damit tue ich mich schwer, wenn ich mir vorstelle, dass in der medialen Rezeption die meisten Überschriften sich auf den Oberbegriff „Duisburger Fans“ beziehen würden, und damit natürlich den Gesamtverein.

        Im vorliegenden Fall hat die Kohorte der Braunschweiger Vereinsführung Naivität vorgehalten, verbunden mit einem Gruss an eine bestimmte Gruppierung. Ob diese Gruppierung rückhaltlos friedensfreundlich und politsch astrein, und damit im Namen der Duisburger Fans vorbehaltlos zu unterstützen ist, war in den Rezeptionen, die ich dazu gelesen habe, eigentlich auch unter Fanforschern und ähnliche Experten nicht unumstritten. Und da kommt man eben an einen Punkt, wo die politische Meinungsäusserung vielleicht eher zur Entpolitisierung respektive einer Trotzreaktion führt, als dass sie das bewirkt, was sie bewirken soll, nämlich einen Missstand aufzeigen. Ich glaube eher, dass hier im Zweifel die Distanz zu Gruppen wie den Ultras befördert wird (was schade drum ist!) als dass umgekehrt die Distanz zu den Rechten sich verringert.

        Ich finde, du idealisiert das ein bisschen, wie die freie Meinungsbildung sich gestaltet, respektive, ob es solch eine spezielle freie Meinungsbildung angesichts eines Fussballspiels überhaupt geben kann. Im Gegensatz zu den olympischen Spielen ist ein Bundesligaspiel ja zunächst mal reine Privatveranstaltung. Und politische Gegner, die sich bekriegen, sind per se beim Veranstalter angemeldete Gruppen. Für den Veranstalter muss es klar im Vordergrund stehen dürfen, den reibungslosen Ablauf der Veranstaltung zu gewährleisten, da er ja in Regress genommen wird, wenn es damit nicht klappt. Und demzufolge kann nicht jede Einschränkung für eine Gruppe gleich als politisches Statement oder gar als Maulkorberlass rezeptiert werden, wie es etwa im vorliegenden Fall die Kohorte gemacht hat.

  2. 4 Catenaccio 07 21. November 2013 um 20:56

    Jetzt bitte noch „weiß“ in „weiss“ ändern, dann ist alles perfekt 🙂

  3. 6 jovan hamborn 21. November 2013 um 23:23

    zunächst nur ne kleinigkeit: meines wissens ist nach alter wie neuer rechtschreibung „weiß“ „weiß“ und nicht „weiss“. dies deshalb, weil ein diphthong wie ein langer vokal behandelt wird, nach welchem ein doppel-s zum ß wird. berichtigt mich, wenn ich auf dem holzweg bin.
    zu Dir, Kees und Christian möchte ich gerne am wochenende näher eingehen. zur zeit schaffe ich es nicht. aber ich freue mich, dass hier überhaupt der raum dafür ist.
    halle schlagen!
    alles für den Spielverein!!!

  4. 8 Kees Jaratz 25. November 2013 um 08:15

    @Christian sorry, dass ich es noch nicht geschafft habe zu antworten, bei dir brauche ich immer etwas mehr Zeit 😉 Morgen.


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