Ein Fußballerleben ohne Erwähnung nach dem Tod – „Burger“ Hetzel

Gibt es in der Genforschung eigentlich kein besonderes Interesse an einem Sammler-Gen? Ich erinnere mich an kein einziges öffentliches „Ich-habs-Gejubel“.  Sollte da noch Forschungsbedarf sein, die männliche Linie meiner Familie zeigt über Generationen phänotypisch einen ausgeprägten Sammeltrieb. Was das Ausräumen von Wohnungen zu einer aufwendigen aber immer interessanten und oft überraschenden Angelegenheit macht. Neulich konnte ich ja schon ein Fundstück aus dem – soll ich sagen? – Archiv meines Vaters präsentieren. Er hatte MSV-Deko-Kissen aus meiner Jugend aufbewahrt.

Gestern habe ich mir zwei Kisten Papiere vorgenommen, unzählige Zeitungsseiten und Illustrierten katapultierten mich in die 1960er und 1970er Jahre mit dem Ergebnis, das ich auf der Seite mit den Todesanzeigen der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung vom 22. April 1972 hängen blieb. Ob mein Großvater oder mein Vater diese Seite herausgerissen haben, weiß ich nicht. Mir bekannte Familiennamen gab es nicht auf der Seite außer einem, dem von Karl „Burger“ Hetzel. Nun frage ich mich, ob diese Todesanzeige der Grund dafür war, dass die Zeitungsseite aufbewahrt wurde.

Todesanzeige Karl "Burger" Hetzel

Die Anzeige der Familie verrät nichts von der großen Bedeutung, die der Fußball im Leben von Karl-Bubi Hetzel hatte, der Stürmer, der später „Burger“ gerufen wurde und Anfang der 1950er Jahre für die Zuschauer beim Meidericher SV einer der bedeutendsten Spieler war. Wer damals ins Stadion an der Westender Straße ging und sich heute an die Zebras dieser Generation erinnert, dem fällt der Name „Burger“ Hetzel als erstes ein. 

Die Anzeige verrät uns deshalb auch etwas über den Stellenwert von Fußball in der Generation von „Burger“ Hetzel. Dieser Fußball war keine Rede wert, weil er Teil des Alltags vor Ort war. Wenn davon zu sprechen gewesen ist, war das die Aufgabe des Vereins. Es kann sehr wohl sein, dass auch der MSV Duisburg eine Todesanzeige aufgegeben hatte, schließlich war „Burger“ Hetzel Wirt des Vereinslokals gewesen. Vielleicht weiß jemand, der mitliest, mehr.

Es ist ein merkwürdiger Zufall, dass auf der Rückseite der Todesanzeigen sich ein Bericht findet, in dem über Veränderungen an der Westender Straße die Rede ist. Der MSV Duisburg kaufte damals das Clubhaus des Meidericher TTC 47, um seine Geschäftsstelle dort einzurichten. Der Tischtennisclub, damals in der Tischtennisbundesliga spielend, zog um in Räume des Max-Planck-Gymnasiums. Es hieß, das Geld könne der Tischtennisverein angesichts der hohen Reisekosten gut gebrauchen. Der MSV Duisburg konnte den Kauf nur dank öffentlicher Mittel und Zuschüsse ermöglichen. Die Stadt war bei der Abwicklung des Geschäfts mit im Boot. Der eine Werbeträger der Stadt musste am Leben erhalten werden, der andere hatte bessere Möglichkeiten für die organisatorische Arbeit in der Fußball-Bundesliga gebraucht.

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1 Response to “Ein Fußballerleben ohne Erwähnung nach dem Tod – „Burger“ Hetzel”



  1. 1 #Link11: Waldemar Thomas und Das Bo | Fokus Fussball Trackback zu 22. November 2013 um 12:35

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