Fußballgott und auf den Zaun

Nach dem Abpfiff des gestrigen Spiels vom MSV Duisburg gegen die SpVgg Unterhaching hat mir doch etwas gefehlt. Ich meine, wenn schon Überschwang, dann aber richtig. Wer nach dem 3:0-Sieg der Zebras,“Oh, wie ist das schön, so was hat man lange nicht gesehen“ anstimmte, hätte nach meinem Geschmack danach mal eben auch kräftig „Pa-trick- Zoun-di-Fuß-ball-gott“ schreien können. Meinetwegen auch „Patrick, auf den Zaun“. Doch es blieb nur beim klassischen Schlager des Glücksgefühls, und vielleicht war sogar kein Überschwang mit im Spiel, sondern der Schlager war sehr viel wörtlicher gemeint, als es sonst der Fall ist.

So ein Spiel des MSV Duisburg hatten wir tatsächlich schon lange nicht mehr gesehen. Ein Spiel, in dem ein Plan konsequent umgesetzt wurde und dessen Ergebnis die Dominanz des MSV über die gesamte Spieldauer hinweg widerspiegelt. Ein Spiel, in dem nicht eine der wenigen Chancen Gegners – in diesem Fall ein einziger Konter in der zweiten Halbzeit – zu dessen Führungstor wurde. Ein Spiel, in dem die eigene Führung nicht durch Nachlassen der Konzentration und entsprechende Fehler in der Defensive gefährdet war. Und nicht zuletzt ein Spiel, in dem die Leistung eines einzigen Spielers die gute Leistung seiner Mannschaftskollegen noch übertraf.

Patrick Zoundis Auftritt über die gesamte Spieldauer hinweg hatte ich so nicht erwartet. Sein Tor zur 1:0-Führung kam nicht von ungefähr. Dieses Tor hatte er sich durch eine Stunde Vorarbeit geradezu erschuftet. Solche Fehler, wie sie die zwei Unterhachinger Defensivspieler nach dem weiten Abschlag von Michael Ratajczak machten, geschahen, weil die Unterhachinger Patrick Zoundi als lästigen Störer ihres Aufbauspiels kennengelernt hatten. Aus diesem Wissen heraus entstanden die Unsicherheiten bei der Ballverarbeitung. Patrick Zoundi –  natürlich auch seine Mitspieler – störten schon weit in der gegnerischen Hälfte konsequent den Spielaufbau. Dieses 1:0 war sehr viel mehr, als es die TV-Bilder sehen lassen, Ergebnis des unentwegten Nachgehens durch die vordersten Spitzen beim MSV Duisburg.

Wegen dieser hohen Laufleistung ist es um so bemerkenswerter, wie Patrick Zoundi beim Konter vor dem zweiten Tor des MSV Duisburg zum Sprint auf dem rechten Flügel über das halbe Spielfeld hinweg ansetzen konnte. Die präzise Hereingabe verwandelte Kingsley Onuegbu, der längst schon nicht mehr vollends beweglich war, weil ihm sein rechter Oberschenkel offensichtlich Schmerzen bereitete. Schön auch, dass der nicht ganz souveräne Schuss von Denzi Aycicek nach erneutem Konter und fast geglückter Rettung durch Unterhachings Torhüter Korbinian Müller noch ins Tor trudelte. Ich denke nicht nur ans Torverhältnis in dieser Liga, in der das Mittelfeld momentan ab Platz 3 beginnt. Ich denke auch an individuelle Abschlussstärke der Duisburger Spieler, Selbstbewusstsein und Lernen für die Zukunft.

Ich musste mir das ganze Spiel über nur wenig Sorgen machen. Es gab in der ersten Halbzeite keine Freistöße in den Strafraum aus dem Halbfeld heraus. Als sich die Unterhachinger in der zweiten Halbzeit den Halleschen FC zum Vorbild nahmen, mussten sie feststellen, dass ihre Spieler nicht groß genug waren, um die direkt herein geschlagenen Bälle zu erreichen. Überhaupt fand das Spiel die meiste Zeit in der Hälfte des Gegners statt. Dennoch war der Rückraum gesichert. Zweite Bälle gehörten fast auschließlich dem MSV. Ob wir aus diesem Spiel für die zukünftige Leistung des MSV Duisburg etwas ableiten können, bleibt übrigens offen. Aber wie mich gestern schon der Freund während der ersten Halbzeit zurecht erinnerte, Vertrauen ist nicht teilbar. Entweder es ist da oder es ist nicht da. Ich sage deshalb mal mit einem Gruß nach Münster, ich freue mich aufs nächste Spiel.

Die Pressekonferenz nach dem Spiel sowie die Stimmen nach dem Spiel Kevin Wolze, Patrick Zoundi, Michael Ratajczak und Kingsley Onuegbu.

Der Spielbericht vom Bayerischen Rundfunk. Kommentiert hier eigentlich derselbe Reporter wie im Spiel gegen Burghausen? Gefällt mir gut, wie er das macht. Diese Mischung aus sachlicher Analyse und Emotionalität.

Nachtrag 2.12.: Ich vergaß völlig, dass Kevin Wolze zum Schattenmann im TV-Bericht wurde. Sein Name wollte nicht über die Reporterlippen. lieber nahm er wahllos andere Namen. Ernster Fall von Wolze-Phobie.

Advertisements

0 Responses to “Fußballgott und auf den Zaun”



  1. Schreibe einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s




JETZT BESTELLEN
Das Buch über den Sommer 2013 in Duisburg rund um den MSV bis zum Wiederaufstieg zwei Jahre später

Kees Jaratz im Buchhandel

Die Seite zum Buch

Statt 14,95 € nur noch 9,90 €
Hier bestellen

Hier geht es zum Fangedächtnis

Kees Jaratz bei Twitter

Bloglisten


%d Bloggern gefällt das: