Alles hängt mit allem zusammen

2013-12-07_muenster_msv 029b Kurz vor der 56. Minute war es, als ich den Spielstand mit der Führung des MSV Duisburg gegen den SC Preußen Münster fotografierte. Eine Erinnerung wurde dieses Foto, eine Erinnerung daran, was möglich gewesen war. Auf dem Spielfeld sprach gerade immer mehr dafür, dass die 1:0-Führung nach 90 Minuten nicht mehr Bestand haben könnte. Dieses Foto ist eines der Hoffnung wider besseren Wissens, des unangenehmen Gefühls, erneut das andere Gesicht dieser Mannschaft sehen zu müssen. Drei Minuten später fiel der Ausgleich, und als ich die Spieler zur Mittellinie habe gehen gesehen, ahnte ich, nur mit Glück könnte eine Niederlage verhindert werden. Wer es nicht vorher wusste, der sah an den hängenden Schultern der Spieler, an ihrer Erstarrung und der Langsamkeit ihrer Bewegungen, wie zerbrechlich das Selbstbewusstsein dieser Mannschaft ist. Nach einem Gegentor braucht sie Zeit, um überhaupt wieder ins Spiel zu finden. Gegentore lähmen diese Mannschaft, und Energie, die eigentlich ins Spiel fließen sollte, brauchen diese Spieler erst einmal, um mit sich selbst klar zu kommen.

2013-12-07_muenster_msv 013bDas Spiel hatte für den MSV Duisburg gut begonnen. Nicht nur die Mannschaft trat zunächst energisch auf, auch die Anhänger des MSV Duisburg beanspruchten im Münsteraner Stadion die Duisburger Vorherrschaft. Preußen Münster hatte Mühe ins Spiel zu finden, und die Zebras kombinierten sich in die Nähe des Münsteraner Strafraums. Eines deutete sich aber dennoch wieder an, der letzte Pass in die Spitze kam oft nicht präzise genug. Andererseits konnte die Münsteraner Defensive die eroberten Bälle ebenfalls nicht sicher genug verarbeiten, so dass die von Karsten Baumann vorhergesagten Fehler im Spiel von den Zebras bessser genutzt wurden. So war Patrick Zoundi zwar nicht so durchsetzungsstark wie gegen Unterhaching. Dennoch sorgte er für die nötige Unruhe in der Münsteraner Defensive, erzwang Fehlpässe der Münsteraner, selbst wenn dem der Fehlpass der eigenen Mannschaft voraus ging.

Das frühe Führungstor durch den schön geschossenen Freistoß von Pierre De Wit gab weitere Sicherheit. Tanju Öztürk machte ein gutes Spiel in dieser ersten Halbzeit, Angriffsversuche der Preußen wurden fast immer früh unterbunden. Dennoch blitzte die Gefährlichkeit von Preußen Münster zwei-, dreimal auf, wenn mit langem Ball auf den Flügel das Mittelfeld überbrückt wurde und mit anschließender, gut eingespielter Ballstaffette ein Spieler auf dem gegenüberliegenden Flügel im Strafraum nahezu frei gespielt werden konnte.

2013-12-07_muenster_msv 024bZudem beschlich mich ein ungutes Gefühl, wenn ich die eigentlich lobenswerten Versuche der Zebras sah, Drucksituationen in der eigenen Hälfte spielerisch zu lösen. Ich kann das nicht richtig greifen. Ich hatte nur einmal mehr den Eindruck, die Mannschaft ist als Einheit nicht dauerhaft gut genug, für ihre Versuche über das gesamte Spielfeld zu kombinieren. Zu oft geht ein letzter Pass in die Leere, zu oft sieht es so aus, als gelänge der Zug  Richtung gegnerisches Tor zwei, drei Ballkontakte zu spät. Das macht nichts, wenn der Gegner selbst nicht gut genug ist, die gewonnenen Bälle zu verarbeiten, sowie der Druck durch die Offensive der Zebras groß genug ist, um die verlorenen Bälle sofort wieder zurück zu erobern. Das wird aber gefährlich, wenn, wie in der zweiten Halbzeit, es nicht mehr gelingt, den gegnerischen Angriff schon in dessen Hälfte regelmäßig zu stören.

2013-12-07_muenster_msv 025bIch beschreibe das so ausführlich, weil in diesem Spiel so deutlich wurde, wie alles mit allem zusammenhängt. Als mit Tobias Feisthammel ein zweiter Spieler ins Mittelfeld kam, der den Ball nicht sicher in die Offensive bringen kann, begann das Spielgefüge zu kippen. In der zweiten Halbzeit fanden die Spielaktionen immer häufiger in der eigenen Hälfte statt, und die eigentlich gestärkte Defensive hätte nun noch stärker werden müssen. Durch die nun  intensiver vorgetragenen Angriffe der Preußen verlor die Defensive des MSV weiter die Ordnung, die gegnerischen Spieler erhielten zu viel Raum. Die zur Entlastung eigentlich notwendigen Angriffe kamen kaum über die Mittellinie hinaus. Die Bälle wurden schnell wieder verloren. Die Offensive des MSV fand kaum mehr statt. Es gab keine Hoffnung mehr auf das eigene Können, Glück wäre nötig gewesen.

2013-12-07_muenster_msv Dieses Glück hatte sich Preußen Münster erarbeitet. Denn auch wenn diese Mannschaft in der zweiten Halbzeit immer gefährlicher wurde, war nicht zwangsläufig ein zweites Tor zu erwarten gewesen. Auch diese Mannschaft braucht für den Erfolg eine immer gefährdete Mischung aus Glauben an die eigenen Qualitäten, Überlegenheit, die sich erst im Spiel entwickelt, und das entsprechende Glück. Das Glück bekam zudem noch einen Gehilfen in Person des Linienrichters, der den von Karsten Baumann gewünschten Wechsel ignorierte. So konnte Münster den Eckball in der 90. Minute ausführen, die Energie aus dem unbedingten Willen noch zu gewinnen hoch halten und ein weiterer kopfballstarker Spieler des MSV fehlte in der Mitte. Wobei, wenn ich recht überlege, ist selbst das, die mögliche Verbesserung der Lufthoheit im eigenen Strafraum, nicht sicher beim MSV Duisburg. Alles ist möglich. Denn alles hängt zwar mit allem zusammen, doch wie sich das jeweils auswirkt, weiß man immer erst nachher.

Die Pressekonferenz nach dem Spiel mit einem Karsten Baumann, der weniger angefressen wirkt als in Spielen zuvor. Vielleicht hat er sich an diese fehlende Konstanz seiner Mannschaft inzwischen gewöhnt.

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