Ordentliches Futter für ein Leben als Pessimist

Am Samstagnachmittag gab es in Duisburg mit einiger Sicherheit ein paar zufriedene Gesichter unter den Stadionbesuchern. Der MSV Duisburg hatte gegen Wacker Burghausen das Spiel überlegen gestaltet und war dreizehn Minuten vor Schluss dennoch in Rückstand geraten. Das ärgerte die Anhänger des MSV Duisburg zwar allesamt, doch zufrieden konnte werden, wer das vorausgesehen hat. Ein Pessimist war vorbereitet auf diesen Rückstand. Ein Pessimist wusste, dass es am Ende schief gehen wird, wenn zunächst in der ersten Halbzeit Kingsley Onuegbu ein leeres Tor aus fünf, sechs Meter Entfernung nicht trifft und  später Pierre De Wit einen Elfmeter verschießt, ganz zu schweigen von den anderen ausgelassenen Torchancen für den MSV. Pessimisten wissen so etwas immer. Das hilft ihnen, ihr Leben besser zu ertragen.

Es soll deshalb Menschen geben, die allein zum Pessimisten wurden, weil sie von Kindheit an zum MSV Duisburg ins Stadion gehen. Bei mir hat das nicht funktioniert, und inzwischen bin ich zu alt für eine so grundsätzliche Persönlichkeitsveränderung. Mir ist es Samstag nicht gelungen, meine eigentlich meist optimistische Stimmung zu bremsen. Mich hat dieses späte Gegentor demoralisiert. Ich hatte mich auf den großen Einsatz der Zebras vollends eingelassen und war zu dünnhäutig geworden für diese ertraglose Überlegenheit des MSV Duisburg. So viel Aufwand mussten die Zebras erbringen, ohne dass ein einziges Tor gelang. Gott sei Dank, ging es den Spielern des MSV Duisburg auf dem Platz nicht so. Ganz im Gegensatz zur Vorwoche in Münster ließ das erste Tor des Gegners Zuversicht und Einsatzwillen nicht zerbröseln.  Die Spieler wollten das Spiel nicht verloren geben. Sie wurden mit dem Ausgleichstreffer belohnt. Patrick Zoundi konnte eine Flanke in den Strafraum von Athanasios Tsourakis gegen zwei Abwehrspieler Burghausens annehmen und zirkelte den Ball aufs Tor. Erdogan Yesilyurt rutschte sicherheitshalber in den Ball hinein, der Richtung Torlinie trudelte. Wie sich Patrick Zoundi in dieser Spielsituation mit seiner artistischen Ballannahme und anschließendem Direktschuss durchsetzte, unterstrich sein erneut gutes Spiel.

Ein Siegtor gelang nicht mehr. So hinterlässt das Spiel gemischte Gefühle. Wir müssen uns damit abfinden, selbst bei spielerischer Überlegenheit können wir beim MSV Duisburg dieser Saison weder sicher auf ein Tor hoffen, noch darauf zählen, dass Offensivaktionen des Gegners grundweg ohne Gefahr bleiben. Es gab ja nicht nur den zum Tor führenden Konter. Schon vorher ließen zwei, drei Spielaktionen der Burghausener uns den Atem anhalten. Die Kontergefahr gibt es im Fußball immer, wenn die eine Mannschaft offensiv das Spiel führt. Abfinden müssen wir uns aber auch mit Unsicherheiten in der Defensive, die immer wieder manchmal, fast aus dem Nichts heraus geschehen.

Auch wenn es das Spiel am Samstag mir schwer gemacht hat, inzwischen haben der Ausgleichstreffer und die Moral der Mannschaft mir meinen Optimismus wieder zurück gegeben. Deshalb beunruhigt mich das sichere Wissen um die Schwächen der Zebras nun nicht mehr als sonst. Ich sagte es schon einmal, der Gegner muss sich die Schwächen ja zuerst einmal zunutze machen. Das gelingt nicht immer. Außerdem kommt noch die Winterpause, um daran zu arbeiten, die Schwächen zu beheben. Wenn ich also recht überlege, war es mit dem Spiel eigentlich wie meist im Leben. Futter gab es nicht nur für den Pessimisten, auch für eine optimistische Einstellung dem nächsten Jahr gegenüber lassen sich ein paar gute Gründe entdecken.

Von der Choreo vor dem Spiel findet sich dank DerBauprofi ein Clip bei youtube.

Die Pressekonferenz nach dem Spiel sowie die Stimmen von Michael Ratajczak und Kevin Wolze

Bilder vom Spiel in einer Zusammenfassung beim Bayerischen Rundfunk

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