Auf ins Zeitalter des Kopediludium

Wer unter uns Sportwissenschaftlern noch jung und hungrig ist, dem tut sich gerade ein weites unbestelltes Feld zur Universitätskarriere auf. Im Fußball ist das Zeitalter des Kopediludium  angebrochen. Natürlich weiß noch niemand, was das bedeutet. Das war aber in der Bildung Anfang der 1960er Jahre mit der Koedukation nicht anders. Man muss dem Forschungskind aber einen Namen geben, der schon jetzt zukünftige C3-Professuren garantiert. Sportlich ambitionierte Männer- und Frauenfußballmannschaften spielen unter einem gemeinsamen Vereinsnamen, darum geht es bei der neue Ära. Im Ruhrgebiet gehört der MSV Duisburg nun zu jenen Vereinen, die die Markenbildung im professionellen Fußballsport vorantreiben.

Interessant wird es für uns Sportwissenschaftler in Duisburg, weil diese Markenbildung sich nicht aus einem organischen Wachstum im namensgebenden Verein ergibt, sondern eine Fusion versucht wird. Interessant ist es um so mehr als zwei wirtschaftlich schwache Partner gemeinsam stärker werden wollen. Gerade weil ich diesen Zusammenschluss begrüße, sei noch einmal an die vor Weihnachten von mir aufgeführte Kannbruchstelle dieser Einheit hingewiesen. Das Populärere und trotz wirtschaftlicher Schwäche finanziell Stärkere begegnet dem sportlich Erfolgreicheren. Verteilungsfragen in Sachen Gelder stehen aber erst für die Saison 2015/2016 an. Laut Udo Kirmse ist die Finanzierung der Frauenfußball-Spielzeiten vorher gesichert.

Weil die wirtschaftliche Zukunft des MSV Duisburg, Sparte Männerfußball, allerdings längst noch nicht gesichert ist, kriegt so ein hoffnungsfroher Aufbruch, wie unlängst auf der Pressekonferenz verkündet, eine kuriose Note. Ohne Randbemerkung zur gegenwärtige Lage bei den Verhandlungen mit den Kreditgebern geht es selbstverständnlich nicht. Diese Randbemerkung ist eine Zustandsbeschreibung des Arbeitens. Alles andere wäre auch eine Überraschung gewesen. Schließlich sollten nur noch Abschlüsse berichtet werden. Wenn man nun recht überlegt, ist diese Randbemerkung die eigentliche Hauptsache der Pressekonferenz. Denn ohne Lösung der finanziellen Schwierigkeiten des Männerfußballs könnten die Verantwortlichen des Frauenfußballs ganz schnell darüber nachdenken müssen, wie sie ihrem noch recht eigenständig wirkenden Teil des MSV Duisburg erneut einen eigenen Vereinsnamen geben können. So macht mir im Umkehrschluss die Fusion auch wieder Hoffnung auf die Lösung der finanziellen Schwierigkeiten. Die Sache, um die es nun geht, ist noch größer geworden. Die Verhandlungsführer des MSV Duisburg haben nun ein wenn auch eher ideelles Argument mehr auf ihrer Seite, um die Verhandlungspartner zu finanziellen Zugeständnissen zu bewegen.

Wer sich selbst ein Bild von Udo Kirmses Worten machen möchte, die Pressekonferenz dank Duisburg365.de noch nachgereicht. Alle weiteren Bilder ebenfalls dank Frank-M. Fischer von Duisburg365.de

Später kamen die Mannschaftskapitänin Jennifer Oster und Trainer Sven Kahlert zu Wort

Noch ist ein ungewohnter Anblick, Frauenfußballerinnen im Zebra-Trikot beim sehenswerten Interview.

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