Nachgereicht: Hertha-Trikots im Revier-Wahlkampf

Unlängst jährte sich Willy Brandts Geburtstag zum hundertsten Mal. Anlass für Erinnerung allerorten, diese umfassten natürlich das klassische Gedenktag-Pflichtprogramm in sämtlichen Medien. Distanzierte historische Einordnung als journalistischer Standard. Was aber auffiel, waren die vielen persönlich gefärbten Erinnerungen, die zusätzlich zu lesen waren. Vielen Menschen war es ein Bedürfnis von ihrem eigenen Erleben Willy Brandts zu erzählen. Noch einmal bewies sich auf diese Weise die besondere Persönlichkeit des Politikers.

Bei einer dieser persönlich gefärbten Erinnerungen habe ich eine interessante Randnotiz zum Fußball gefunden. Zwar war von Willy Brandts Sohn Matthias schon in mehreren Interviews zu lesen gewesen, dass sich sein Vater nicht für Fußball interessierte, was diesen und die SPD im Wahlkampf 1965 aber nicht daran hinderte, die Popularität des Fußballs zu nutzen – in Form von Werbegeschenken, Give-aways, wie sie heute heißen. Beim öffentlichen Wahlkampfauftritt Willy Brandts 1965  in Mülheim an der Ruhr konnte der Duisburger Publizist Werner Jurga als Kind so ein Werbegeschenk ergattern. Der Fußball war gut zu gebrauchen. Mit dem Hertha-Trikot aber konnte er als MSV-Fan nicht so viel anfangen.

Es ist doch interessant, dass damals Willy Brandt seine Identität als Berliner mit den Hertha-Trikots unterstreichen konnte. Heute käme das nicht mehr vor. Das Verhältnis von Politikern und Wählern hat sich verändert, völlig davon abgesehen, dass auch das Merchandising-Gewerbe im Fußball der Gegenwart einem Politiker bei jedem Auftritt in noch der kleinsten Kleinstadt das Trikot des lokalen Erfolgsvereins bereit stellen würde. Politiker der Gegenwart könnten es sich gar nicht mehr leisten, ein einziges, und damit nahezu immer das falsche Trikot im Werbegeschenkgepäck dabei zu haben. Statt des Statements zur eigenen Person hätten sie das Wohlgefühl des Wählers im Blick. Die  Gründe hierfür sind bei allen Beteiligten des Geschehens zu suchen.

Im Übrigen empfehle ich den Klick oben weiter zum Text von Werner Jurga. Sehr lesenswert.

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