Der vergessene Torjäger Heinz Bohnes – Teil 1

Manchmal gleicht städtisches Leben der Gegenwart doch immer wieder mal noch dem dörflichen der Vergangenheit. Lebenswege dieses Dorfes sind auseinander gegangen, doch die nächste Generation führt sie wieder zusammen. So war es, als Bernd Bohnes Ende letzten Jahres mir eine E-Mail schrieb, nachdem ich kurz zuvor an den MSV-Stürmer „Burger“ Hetzel erinnert hatte. Das Privatarchiv seines Vaters bot ebenfalls unzählige Erinnerungen an vergangene Zeiten des MSV Duisburg. Sein Vater war der Fußballer Heinz Bohnes, erfolgreicher Stürmer der Zebras Ende der 1950er Jahre, später beim Duisburger SV aktiv, dann Trainer bei verschiedenen Vereinen, vornehmlich am Niederrhein.

Wer schon wie meine Mutter zu Zeiten der Oberliga West ins Stadion an der Westender Straße ging, musste Heinz Bohnes also kennen. Für meine Mutter stieß der Name zudem weitere Erinnerungen an. Heinz Bohnes und sein Zwillingsbruder Paul hatten als Kinder in Meiderich-Berg auf derselben Straße wie meine Mutter gewohnt. Die Bergstraße rund um St. Matthias,  der längst profanierten katholischen Kirche von Berg, war damals Spielplatz für alle. Man lief sich über den Weg. Man kannte sich.

bohnes_PortraitIch hingegen kannte Heinz Bohnes nicht. Von ihm hatte ich noch keine romantische Oberliga-West-Anekdote gehört, und nun schickte mir sein Sohn Bernd Fotos über Fotos. Das Dorf fand wieder zusammen. Ich sah Heinz Bohnes im Trikot der deutschen Nationalmannschaft, und dachte, über den Mann lässt sich eine größere Geschichte erzählen. Wieso weiß ich nichts über einen Nationalspieler Heinz Bohnes? Darüber hinaus machten diese Fotos die 1950er Jahre auf wunderbare Weise lebendig. Wie konnte ich diesen Archivschatz zumindest mit den notwendigsten Hinweisen versehen?

Wenn ich das machen wollte, wie ich es mir vorstellte, würde darüber ein Jahr vergehen. Ich hatte für den Moment einfach keine Zeit für die Recherche, die noch nötig war, obwohl mir Bernd Bohnes schon einige Informationen über seinen Vater schickte. Deshalb entschloss ich mich zu einem anderen Weg. Dieser Beitrag heute und der morgige werden zu einer Art Mini-Wiki. Ich veröffentliche die Fotos und bitte euch, die ihr die Spieler der MSV-Geschichte in- und auswendig kennt, mir Hinweise zu den betreffenden Personen auf den Fotos zu geben. Dann ließen sich nach und nach Leerstellen füllen.

Außerdem fehlen mir Hinweise auf die Fotografen. Natürlich hätte ich diese Fotografen gerne angeschrieben, um die Erlaubnis zur Veröffentlichung einzuholen. Wenn es also von den jeweiligen Urhebern der Fotos Einwände gegen die Veröffentlichung gibt, so bitte ich darum, mit mir Kontakt aufzunehmen. Mit Hilfe der Erinnerungen von Margret Bohnes, der Ehefrau des Fußballers, kann ich zumindest ein paar kurze biografische Anmerkungen zu Heinz Bohnes Fußballerleben machen. Großer Dank deshalb nochmals an sie und Bernd Bohnes.

Heinz Bohnes wurde am 6. Juni 1935 in Duisburg-Meiderich geboren. Die Jungen seiner Generation spielten Fußball zunächst lange nur auf der Straße. Mit zwölf Jahren schließlich schloss er sich Wacker Meiderich an, dem Fußballverein, der an der Bergstraße seine Fußballspiele bestritt. Mit 14 Jahren gewann er mit seiner Schülermannschaft die Stadtmeisterschaft. Von Wacker Meiderich aus wechselte er 1953 mit seinem Zwillingsbruder Paul Bohnes zu Meiderich 06. Für Paul blieb der Verein bis ins hohe Alter die sportliche Heimat.

bohnes_sturmszene9Heinz Bohnes hingegen wurde 1955 vom Meidericher SV für die Regionalliga abgeworben, der damals zweithöchsten Spielklasse, in der der MSV Duisburg für diese Saison ein einjähriges Intermezzo gab. Unter Hermann Lindemann gelang der direkte Wiederaufstieg in die Oberliga West, in der Heinz Bohnes von nun an spielen sollte. „Heini“ wurde Heinz Bohnes gerufen, der auf dem Spielfeld durch seinen Laufstil mit weit ausholenden, rudernden Armbewegungen unverkennbar war. In der Saison 1957/58 gehörte er mit 17 erzielten Treffern zu den erfolgreichsten Torschützen der Liga. Was ihm nicht nur 1958 das Vertragsangebot  des damaligen türkischen Meisters Fenerbahce Istanbul bescherte, sondern auch Einladungen zur Nationalmannschaft. Bei einem A-Länderspiel eingesetzt wurde er allerdings nicht. In jener Zeit spielte er mit dem MSV  mehrmals im Ausland. So gab es Freundschaftsspiele in Spanien gegen  FC Real Saragossa, Valencia und in Barcelona. In Algerien wurde in Algier gespielt. Für den MSV bestritt er 100 Spiele in der Oberliga West und erzielte dabei 37 Tore.

In der Saison 1959/1960 wechselte er zu Eintracht Braunschweig in die Oberliga Nord. Die Normalität für einen Fußballer heute bedeutete damals einen tiefen Einschnitt in das Leben der Familie. Die gesamte Familie zog nach Niedersachsen um, ohne dort wirklich heimisch zu werden. Margret Bohnes wollte zurück nach Duisburg, und so wurde der Aufenthalt in Braunschweig zum einjährigen Gastspiel. Heinz Bohnes wechselte zurück in die Heimatstadt und spielte ab der Saison 1961/62 beim Duisburger SV, der später mit TuS Duisburg 48/99 zu Eintracht Duisburg fusionierte. Der Stürmer wurde nun als Defensivspieler eingesetzt. Er machte noch 59 Spiele für den DSV und erzielte zwei Tore. Nach der Saison 1965/66 ließ Heinz Bohnes seine Karriere als Spielertrainer bei unterschiedlichen Vereinen am Niederrhein ausklingen. Er erwarb die Trainer A-Lizenz und trainierte unter anderem den SC Kleve und den TV Voerde.

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