Berg, Wacker Meiderich und noch einmal Heinz Bohnes

Meine Großeltern wohnten in Meiderich-Berg. Heute geht’s nach Berg, hieß es immer, erst von Ruhrort aus, später von Mittelmeiderich. Berg, ein griffiger Stadtteilname mit zusätzlicher, sofort erkennbarer Bedeutung. Das mochte ich als Kind, wenn ich im Gegensatz dazu, etwa Obermeiderich hörte. Dass Berg auch Untermeiderich hieß, erfuhr ich erst sehr viel später. Und noch immer habe ich, sobald ich Untermeiderich höre, im ersten Moment das Gefühl, eigentlich ist dabei nicht von dem Teil Meiderichs die Rede, in dem ich als Kind meine Großeltern besuchte. Die Wohnung meiner Großeltern befand sich in der Bergstraße, der Bergschule gegenüber. Besser hätten Großeltern also nicht wohnen können für ein Kind, das sich in der Welt der Namen erst noch zurecht finden muss.

Sie wohnten in der zweiten Etage, heute hieße das in einem Mehrgenerationenhaus. Früher war das so normal, dass es dafür keines besonderen Hinweises brauchte. In der ersten Etage wohnte die Schwester meines Großvaters mitsamt zwei jugendlichen Kindern und der Urgroßmutter. Ihr Mann war Ende der 1950er Jahre auf dem Stahlwerk tödlich verunglückt. Zwei Zimmer hatten diese Wohnungen jeweils. Eine Küche kam dazu. Eine Toilette. In der zweiten Etage gab es noch eine Waschecke, unten gab es nur das Waschbecken der Küche, wo sich jeweils auch der einzige Ofen befand, mit dem geheizt wurde. Bei Eiseskälte wurde in jeder Wohnung ein zusätzlicher Heizstrahler in die Wohnzimmer gestellt, wenn jemand sich dort aufhielt. Das Schlafzimmer blieb stets ungeheizt. Eisblumen, die das gesamte Fenster bedeckten, waren im Winter für mich immer eine schön anzuschauende Sensation. So wurde bis 1971 – so meine ich – noch gewohnt von meinen Großeltern, von den anderen Verwandten. Dann wurde die gesamte Häuserzeile abgerissen. Die Großelterngeneration musste jene Straße verlassen, die seit den 1930er ihre Heimat gewesen war. Sie zogen nach Mittelmeiderich. Eine andere Welt.

Wer aus der Wohnung im ersten Stock aus dem Küchenfenster sah, blickte auf die „Hütte“. Ein riesiges Gelände, für das ich kein konkretes Bild mehr habe. Schwärze sehe ich vor mir, Röhren, Metallkonstruktionen. Nichts Genaues. Alles müsste ich nachfragen. Vielleicht kommt es dazu. Dann muss ich auch nachfragen, ob meine Erinnerung überhaupt stimmt, dass ich den  Fußballplatz von Wacker Meiderich von diesem Küchenfenster aus habe sehen können. Der Cousin meiner Mutter, mein Patenonkel, spielte dort regelmäßig als Torwart einer Werksmannschaft. Wacker Meiderich selbst wurde mir erst zum Begriff, als ich mich um die Vergangenheit des MSV Duisburg kümmerte. Neulich konnte ich hier an Heinz Bohnes erinnern, der bei Wacker Meiderich mit dem Vereinsfußball begann und mit der C-Jugend des Vereins 1949 die Stadtmeisterschaft gewann. Dank Elli Hartmann, die diesen Beitrag las,  kann ich nachträglich sogar ein Mannschaftsfoto der damaligen Meister veröffentlichen.

Wacker Meiderich C-JugendUnd als Elli Hartmann schon dabei war in ihrem Archiv zu kramen, hat sie den Spielbericht eines Schulspiels zwischen der Nombericher Schule und der Fröbelschule gefunden, gleichsam ein Stadtteilwettkampf Berg gegen Hochfeld, der vermutlich ebenfalls spätestens Anfang der 1950er Jahren ausgetragen worden ist.

schulspiel 1950Gerne hätte ich noch mehr über Wacker Meiderich und die Welt der Vergangenheit geschrieben. Mir fehlt aber einmal mehr die Zeit nachzufragen und zu recherchieren. Deshalb erneut an euch der Aufruf, mir eure Erinnerungen zu schreiben, euer Wissen über diese Zeit. Wer durch diesen Beitrag zu anderen Erinnerungen angestoßen wird, schreibt sie auf diese Erinnerungen – in den Kommentaren, in Mails, die ihr mir schickt, damit ich diese Erinnerungen veröffentlichen kann. Denn darum geht es auch hier, nur wer weiß, wo er herkommt, wird sich sicher, wo er hinwill.

Advertisements

2 Responses to “Berg, Wacker Meiderich und noch einmal Heinz Bohnes”


  1. 1 Holger Jesenek 5. Februar 2014 um 09:16

    WoW, meine Großeltern lebten auch in Berg auf der Bergstraße!!
    Gruß
    Holger Jesenek


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s




JETZT BESTELLEN
Das Buch über den Sommer 2013 in Duisburg rund um den MSV bis zum Wiederaufstieg zwei Jahre später

Kees Jaratz im Buchhandel

Die Seite zum Buch

Statt 14,95 € nur noch 9,90 €
Hier bestellen

Hier geht es zum Fangedächtnis

Kees Jaratz bei Twitter

Bloglisten


%d Bloggern gefällt das: