Prinz Gutti I. macht den Unterschied

Einmal Prinz zu sein, gehörte bislang weder in Duisburg noch in Köln zu meinen vorrangigen Lebenszielen.  Aber wer weiß, welche Zufälle mir noch begegnen? Deshalb habe ich mir nach dem Spiel des MSV Duisburg gegen Rot-Weiß Erfurt erstmal die Kontaktdaten von Prinz Gutti I. rausgesucht und gut beiseite gelegt. Jedem anderen mit Ambitionen zur Narrenregentschaft in Duisburg sei dasselbe empfohlen, um die Pflichtaufgabe des Stadionbesuchs beim Erfahrungsaustausch mit dem diesjährigen Prinzen gut vorzubereiten. Denn es war Prinz Gutti I., der den Fluch des Regentenbesuchs gebannt hat, mehr noch, er wurde zum Glücksbringer. Denn auch wenn der MSV Duisburg viel für den 3:2-Sieg gegen Rot-Weiß Erfurt getan hat, und  „unverdient“ in dem Fall keine Standardkommentar-Karriere machen wird, einiges Glück war dennoch unbedingt notwendige Zutat zur Leistung aller Spieler im Zebra-Trikot.

Eigentlich ging das Spiel des MSV Duisburg in den ersten zwanzig Minuten gut an. Trotz der erwarteten kompakten Erfurter Defensive ergaben sich für die Zebras Chancen. Vor allem fand das Spiel  fast auschließlich in der Gäste-Hälfte statt. Kevin Wolze schoss nach wenigen Sekunden Spielzeit knapp am Tor vorbei, Tanju Öztürk kam etwas später zum Kopfball und zielte dafür auch etwas weiter daneben. Der Mannschaft gelangen Kombinationen auf engem Raum rund um den Strafraum. Die Hoffnung auf weitere Torchancen hatte durchaus Berechtigung.

Doch bei der Spielvorbereitung muss sich das Trainerteam der Erfurter über eine entscheidende Schwachstelle im Spiel der Zebras intensiv Gedanken gemacht haben. Der MSV braucht bei ruhenden Bällen oft recht lange, um wieder spielbereit zu sein. Eine Mannschaft, die den Ausball schnell einwirft oder den Freistoß im Halbfeld ohne Zögern ausführt, kann sich einige mühselige Angriffsarbeit zur Raumöffnung sparen. Erfurt war die erste Mannschaft, die das konsequent ausnutzte. Die großen Erfurter Chancen der ersten Halbzeit sowie das Führungstor ergaben sich aus schnell ausgeführten Spielaktionen nach Schiedsrichterentscheidungen für die Gäste.

So machten sich die Zebras einmal mehr das Leben selbst schwer. Die Erfurter warteten in der 24. Minute einfach nicht mit dem Einwurf, bis sich alle beim MSV auf die kommende Defensivarbeit gedanklich eingestellt hatten. Der Weg zum Tor von Michael Ratajczak war frei, und schon trudelte der Ball nach einem Lupfer Richtung Torlinie. Kurz keimte Hoffnung auf, der zur Torlinie kommende Christian Eichner könne den Ball noch wegschlagen. Gleichzeitig gab es diesen heransprintende Erfurter Spieler. Hoffen und Bangen!  Die Zeit stand still, damit die ersehnte Rettungstat geschähe. Nur keinen Querschläger! Doch das Rettende blieb fern, Christian Eichner wartete. Worauf, war nicht zu erkennen. So rannte der Erfurter Patrick Göbel kurzerhand mitsamt dem Ball ins Tor am wartenden Eichner vorbei. Ein Schock, der die Zebras völlig aus der Fassung brachte. Es dauerte Minuten, ehe sich die Spieler wieder stabilisierten. Zu unserer großen Erleichterung gelang es den Erfurtern in dieser Zeit nicht, ein weiteres Tor nachzulegen. Zwar entfalteten sie weiterhin Druck, doch dauerhaft präzise im Abschluss waren die Gäste dann doch nicht.

Nachdem im Spiel des MSV zumindest wieder Ansätze von Ordnung zu sehen waren, gelangen auch wieder vereinzelte Angriffsaktionen. Einer dieser Angriffe endete in der 36. Minute mit einem Freistoß zentral vor dem Tor in aussichtsreicher Entfernung. Branimir Bajic lief an und schoss, wie man besser nicht schießen kann, zum Ausgleich ins Tor. Zwingend war ein Tor für den MSV in dieser Spielphase nicht.  Was natürlich niemanden bei uns davon abhielt, darauf zu hoffen, die Sicherheit der ersten Spielminuten könnte zurückkehren. Zunächst musste Michael Ratajczak aber mit einem grandiosen Reflex den erneuten Rückstand verhindern, dann erst entfaltete sich nach der Halbzeitpause eine Ahnung vom möglichen Sieg, ohne dass die Zebras noch einmal so spielbestimmend wie zu Beginn werden konnten.

Mit dem Doppelwechsel, Gerrit Wegkamp und Athanasios Tsourakis für Patrick Zoundi und Deniz Aycicek, wurde die Offensivkraft verstärkt und zugleich das Risiko in der Defensive erhöht. Deniz Aycicek hatte bis dahin solide gespielt, etwas unauffälliger als gegen Leipzig, Patrick Zoundi war gut gewesen, hatte sich viele Bälle erlaufen und oft für Unruhe in der Erfurter Defensive gesorgt.  Viel Spielzeit wurde ohnehin nicht im Mittelfeld verbracht. Dort ging es auf beiden Seiten fast das ganze Spiel mit steilen Pässen schnell vorne. Die Alternative dazu waren halbhohe Bälle steil nach vorne. Gerrit Wegkamp versprach mehr Wucht vor dem Tor. Der Mann gefällt mir. Schnörkellos spielend weiß er jederzeit, wie es Richtung gegnerisches Tor geht. In der Nähe des Strafraums zieht ihn das Tor magnetisch an, ohne dass er den Blick für die Mitspieler verliert. So eine Dynamik bei gleichzeitigem Torinstinkt sowie Auge für die Mitspieler hat es beim MSV lange nicht mehr gegeben.

Spielentscheidend war dann der große Auftritt von Prinz Gutti I. von der 66. bis 67. Minute. Er machte unmissverständlich klar, statt des Niederlagenfluchs hatte er Siegesglück mitgebracht. Defensive und Offensive verstärkte sein mitgebrachtes Glück gleichermaßen. Zunächst lenkte es einen freien Schuss der Erfurter nach großem Strafraumdurcheinander an die Latte. Anschließend machte es sich sofort in der Offensive nach einem Freistoß nützlich. Der hoch herein geschlagene Ball tropfte vom Körper eines stehenden Erfurters zum Führungstreffer ins Tor. Verständlich, dass kein MSV-Spieler nach der langen Prinzenbesuchniederlagenserie an so ein Prinzenglück glauben konnte und stattdessen allesamt Kingsley Onuegbu zum Tor gratulieren wollten.

Gefährlich wurde es danach für den MSV Duisburg erstmal nicht. Im Gegenteil, Prinz Gutti I. wollte die Nerven der MSV-Fans beruhigen. Weil Athanasios Tsourakis mit einem seiner Haken-Dribblings sowie dem passablem anschließenden Schuss gute Vorarbeit leistete, brauchte er dieses Mal nur ein Quentchen Glück hinzufügen und schon hob sich das Bein eines Erfurter Abwehrspielers in die Schußbahn, um den Ball für den Torwart unerreichbar abzulenken. 3:1!

Wir gebrannten Duisburger Kinder wussten, so eine Zwei-Tore-Führung verspielen Zebras gerne auch mal kurz vor Abpfiff. Zwar kamen die Erfurter kaum mehr zu kontinuierlichen Angriffen, dennoch überraschte deshalb das zweite Tor der Gäste nach einem Freistoß in der Nachspielzeit wenig. Das kennen wir, so lieben wir unseren MSV Duisburg. Und wenn wir ehrlich sind, schützt so ein spätes Gegentor vor drohender Samstagnachmittagslangweile ohne die Gefahr einer grundsätzlich verdorbenen Laune. Zumal Markus Bollmann anschließend ein breites Repertoire als Eckenherausspieler zeigte. Er nutzte sowohl das gefühlvolle Anspielen der Beine des Gegners als auch den an brachiale Befreiungsschläge erinnernden Schuss aus ein bis zwei Meter Entfernung, der dennoch den Erfurter Spieler berührte, ohne ihn schwerer zu verletzen. Das reichte für den Zeitvertreib bis zum Schlusspfiff.

Gestern Morgen war ich dann übrigens fast versucht, auf der Drittliga-Seite vom Kicker den „Tabellenrechner“ im Menü auch endlich anzuklicken, nachdem ich mehr unbewusst als gezielt meinen Cursor immer mal über den Menüpunkt habe kreisen lassen. Letztlich war mir das dann ein Spieltag zu früh. Das Ergebnis gegen Dortmund wird entscheiden, ob ich uns wie in der Saison 2011/2012 durch meine gar nicht mal allzu optimistische Prognosekraft etwas früher schon zu einem guten Ende der Saison verhelfe.

Bleibt noch die Pressekonferenz sowie die Stimmen von Athanasios Tsourakis, Matthias Kühne und Michael Ratajczak.

Der Spielbericht beim MDR, in dem die Reporter-Sympathie für Rot-Weiß Erfurt die Wertung des Spiels leicht einfärbt.

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