Zeit als Zwangsgeschenk vom MSV

In unserer hektischen Gegenwart führen manche Menschen ja Leben, in denen die Tage mit Terminen auf die Minute genau durchgetaktet sind. Inzwischen gibt es nicht wenige Kinder, die sprechen als erstes die Lieblingsflüche der Eltern und das Wort „Zeitfenster“, in dem sie sich den Gute-Nacht-Kuss oder sieben Minuten gemeinsames Spielen abholen. In so einem Leben wäre Zeit ein wunderbares Geschenk. Vielleicht wollte die Mannschaft vom MSV Duisburg mit der 2:0-Niederlage im Stadion Rote Erde gegen die U23 von Borussia Dortmund einfach nur Gutes tun und den Alltag ihrer Fans von Aufgaben befreien. Mir jedenfalls hat sie Zeit des Sonntags geschenkt. Manchmal wird eben auch verschenkt, was der Beschenkte im Moment gar nicht braucht.

Die Zeit des Sonntags hätte ich nämlich gerne genutzt, um per Tabellenrechner vom Kicker auszuprobieren, welch ungünstigste Spielergebnisse in Liga 3 noch  zum 3. Tabellenplatz für den MSV Duisburg führen könnten. Ein ungünstiges Ergebnis als Voraussetzung hatte ich allerdings nicht vorgesehen und wusste mit dem Zeitgeschenk nun nichts Sinnvolles anzufangen. So habe ich trotz der Niederlage die Kicker-Seite aufgerufen, um mir die Tabelle anzusehen. Mein Blick fiel immer wieder auf die Menü-Leiste. Ich war ein Tabellenrechner-Rechner auf Entzug. Nicht mal was schreiben konnte ich. Der MSV hat mir eine ziemlich blöde Zeit geschenkt, nachdem mir schon die Zeit im Stadion Rote Erde immer weniger gefallen hatte.

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Vor dem Spiel – Die Gegengerade

Dabei konnten die Minuten vor dem Spiel im Stadion Rote Erde gerade den Fußballnostalgikern unter uns gefallen. Der Blick auf die unüberdachte Gegengerade erinnerte ebenso an alte Zeiten wie Bankreihen auf und Spielertunnel unter der Tribüne. In diesem unter Denkmalschutz stehenden Stadion fügte sich sogar der Rasen ins Gesamtbild historischer Stadienarchitektur. Wahrscheinlich gibt es irgendeine Ordnungsvorschrift des Landesdenkmalamtes, in der die zulässige Höchstzahl von Grashalmen pro Quadratdezimeter für den authentischen Zustand von Oberliga-West-Zeiten festgehalten ist. Und vermutlich unterschreitet die Stadt Dortmund diese Höchstzahl sicherheitshalber zur Vermeidung etwaiger Bußgelder.

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Vor dem Spiel – Der Rasen

Die gute Stimmung hielt nur wenige Minuten an. Diese Saison ist mal wieder eine, in der ich auf Textbausteine zurückgreifen kann. Bislang hatte ich die noch nicht abgespeichert. „Frühes Gegentor“ kommt auf jeden Fall in den Satzbaukasten hinein. Außerdem noch: „nach einer Standardsitution“ sowie „die Mannschaft brauchte Zeit, um die nötige Spielstärke an diesem Tag zu entwickeln“. In dieser ersten Halbzeit fand der MSV kaum mehr zu seinem Spiel, und es wirkt ironisch, dass nicht das befürchtete Konterspiel der Dortmunder zum Rückstand führte, zugleich aber im Anschluss an das frühe Gegentor aus Sorge vor besagten Kontern nicht genügend Druck in der Offensive entstand. Trotz vorsichtiger Spielweise gab es weitere Dortmunder Chancen durch besagte Konter. Abgerundet wurde mein zunehmender Ärger durch einen Schiedsrichter, der bei Körperkontakt während des Kampfs um den Ball zunächst meist für den BVB pfiff. Was sich erst in der zweiten Halbzeit änderte.

Dass dann erst auch der MSV Duisburg besser spielte, hatte mit den Schiedsrichterpfiffen aber überhaupt nichts zu tun. Die Zebras wurden druckvoller und erarbeitete sich Chancen. Doch der Abschluss war gelinde gesagt katastrophal. Soll ich die „Schein-Chance“ auch in den Satzbaukasten packen? Der BVB brauchte nicht einmal Glück, um die jeweiligen Angriffe zu überstehen. Schüsse und Kopfbälle gingen am Tor vorbei oder konnten vom Dortmunder Torhüter problemlos aufgenommen werden. Flanken fanden kaum einmal den Weg in die gefährliche Zone des Strafraums. Sie flogen am Strafraum vorbei oder zu nah vor das Tor. So enttäuschte mich das zweite Tor der Dortmunder nicht einmal mehr groß. Meine Hoffnung auf den Ausgleich war ohnehin kaum mehr vorhanden, als Michael Ratajczak weit aus dem Tor kam, um den Ball ein letztes Mal nach vorne zu schlagen, und er nicht sicher genug im Dribbling war, um den ihn angreifenden Dortmunder Stürmer souverän auszuspielen. Er verlor den Ball. Die Niederlage stand fest.

Mit dem Zeitgeschenk des MSV Duisburg habe ich letztlich doch noch was Sinnvolles angefangen. Ich habe mein neulich aufgesetztes Schreiben an den Spielausschuss des DFB erweitert. Die bestmögliche Förderung des MSV Duisburg mit seinen besonderen Stärken und Schwächen muss  sehr viel komplexer angelegt werden, als es mit der einfachen Streichung der 2. Halbzeit möglich ist. Manchmal zeigt die Mannschaft  gerade in der 2. Halbzeit erst die ihr am Spieltag best mögliche Leistung.

Eine frei wählbare Halbzeit als mögliches Streichergebnis beim Gesamtspielstand wäre sicher eine pädagogisch sinnvolle Maßnahme die schon kurzfristig nachhaltige Leistungssteigerungen vom MSV ermöglichte. Die Mannschaft des MSV braucht wie wir alle eine best mögliche Förderung durch die individuell angepasste Leistungsanforderung bei gleichzeitiger sehr genauer Diagnose der tagesaktuellen Leistungsgrenzen. Dann wird alles gut. Eine Antwort vom Spielausschuss des DFB habe ich bislang noch nicht erhalten.

Spielberichte aus Dortmunder Perspektive mit identischer Wertung bei Gib mich die Kirsche und sehr ausführlich bei schwatzgelb, inklusive Dortmunder Stimmen zum Spiel und der Pressekonferenz im O-Ton, auf der Karsten Baumann auch mit mir  und den meisten von euch einer Meinung ist.

Mit einem Klick weiter zum DFB und den Toren vom Spieltag. BVB vs. MSV ab Minute – 2.37. Die Zeit des Clips wird beim DFB runtergezählt.

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