Schon im ersten Jahrhundert muss Epiktek MSV-Fan gewesen sein

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Foto: Hajo Schneider

Nichts da! Wer sich auf Karnevalsfeiern gar von Rabaue-Stücken nicht aus der Bahn werfen lässt, dessen Laune wird auch von Fußballspielen wie dem des MSV Duisburg gegen den SV Wehen Wiesbaden mit seinem 0:0 als Ergebnis nur kurz beeinträchtigt. Allenfalls für einen Moment stand gestern kurz vor vier die Qual des Zuschauens mir noch ins Gesicht geschrieben. Dann aber begann ich schon, das Spiel zu drehen und zu wenden. Das Gute im Schlechten sehen! Wer, wenn nicht wir in Duisburg, kann Kalendersprüchen zur ewigen Gültigkeit verhelfen? Nicht die Dinge selbst sind es, die uns berunruhigen, sondern die Meinungen, die wir uns von den Dingen machen. Hättet ihr gedacht, dass es schon in der Antike MSV-Fans gab? So viel Tradition beim Traditionsverein könnte den ein oder anderen potentiellen Sponsor vielleicht beeindrucken. Brauchen nicht irgendwelche Unternehmen, geführt von Dale-Carnegie-Jüngern, ideologiekonforme Aufmerksamkeit?

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Fotos von kostümierten Fans heben übrigens auch die Stimmung. Und Plaudern – so merke ich gerade – hilft, über das hinwegzukommen, was gestern zu sehen war. Vielmehr was nicht zu sehen war. Bewegung etwa im Spiel des MSV, Kombinationen von mehr als nur zwei Spielern. Tore! Aber gerade bei den Toren sehen wir auch das Gute des Spiels. Trotz einer unglaublich schlechten Mannschaftsleistung in der ersten Halbzeit geriet der MSV Duisburg nicht in Rückstand. Schließlich hat es die Zebras in dieser Saison noch nicht davon abgehalten, ein Tor hinzunehmen, obwohl der Gegner aus dem Spiel heraus keine Torgefahr entwickelte. Es gibt ja noch Freistöße und Ecken. Wenn wir uns das also einmal ganz bewusst machen, sollte sich allmählich etwas Entspannung in euch ausbreiten.

Man muss dann natürlich  darüber hinwegsehen, dass durch das Unentschieden zur Halbzeitpause viele von uns sogar für einige Zeit auf einen Sieg hofften. Wir dachten schließlich, unsere Zebras zu kennen. Eine Halbzeit spielen sie schlecht bis sehr schlecht, die andere Halbzeit aber zeigen die Spieler, was sie können. Gestern strengten sie sich dann nur noch mehr an. Das erinnerte an das Spiel gegen Dortmund. Die Mannschaft bemühte sich und erreichte nicht viel. Wenn dann keine der wenigen ungefähren Chancen zum Tor führt, stellt sich irgendwann dieses lähmende Gefühl ein, sich vergeblich anzustrengen. Es ist mit eines der unangenehmsten Gefühle im Mannschaftssport. Jeder denkt, er gibt alles und versteht nicht, warum die eigene Mannschaft dennoch schlecht spielt. Man sah die Hilflosigkeit den Spielern zuweilen an. Pierre De Wit schien bei manchem Fehlpass und -schuss erst einmal im Rasen einsinken zu wollen. Markus Bollmans hob immer wieder ratlos die Arme. Kevin Wolze suchte gerne das Gespräch mit dem Gegner. Jeder hat eben seine eigene Methode mit dem Frust umzugehen.

2013-03-01_Msv-wiesbaden_karneval 008webEine Szene des Spiels wurde für mich zum Sinnbild der 90 Minuten. Hat man sie gesehen, hat man das ganze Spiel gesehen. Ich weiß nicht mal mehr, ob es in der ersten oder zweiten Halbzeit war, ob ich also Defensiv- oder Offensivaktion sah. Von der KöPi-Tribüne aus gesehen bewegte sich das Spielgeschehen komplett in der linken Hälfte des Spielfelds. Ein Spieler des MSV schlug den Ball an allen Spielern vorbei in die rechte Ecke. Nahezu gleichzeitig sprinteten Phil Ofosu-Ayeh und ein Wiesbadener Spieler dem Ball hinterher. 2013-03-01_Msv-wiesbaden_karneval 003webOb der Duisburger den Ball vor dem Toraus erreicht, war fraglich. Im letzten Moment grätschte er dann den Ball vor Toraus und Gegenspieler ab. Der Ball rollte parallel zur Außenlinie. Doch nur Gerrit Wegkamp hatte die Spielbewegung mitgemacht. Er alleine war zur Außenlinie gelaufen, um anspielbereit zu sein. Und erst kurz bevor er den Ball annahm, bewegte sich der Rest der Mannschaft, um die immense Lücke zwischen linker und rechter Spielhälfte zu füllen.

Das war das Spiel des MSV Duisburg zu einem großen Teil der Zeit: Neun Spieler warten darauf, was der Spieler mit dem Ball gerade anstellt. Bleibt noch einer, der versucht, sich frei zu laufen. Das reichte nicht, um eine eng stehende Defensive zu überwinden. Immer wieder zeigte sich, dass die Spieler oft gedanklich nicht schnell genug sind. Sogar Michael Ratajczak schien bei einem Rückpass oft einen Moment zu lang zu warten, bis er das machte, wozu er sich längst entschlossen hatte, den Ball weit nach vorne zu schlagen.

Alles wird gut Foto: Hajo Schneider

Alles wird gut
Foto: Hajo Schneider

Ihr merkt, beim Drehen und Wenden des Spiels bleiben nur wenige Meinungen über Dinge, die uns zu guter Laune verhelfen. Die Spielweise von Gerrit Wegkamp gehörte für mich noch einmal dazu. Vielleicht hat das aber auch damit zu tun, dass sie noch immer neu und frisch für mich ist und ich sie deshalb unabhängig von der Mannschaftsleistung schätzen kann. In der Summe haben sich meine wenigen guten Meinungen von dem Ding „MSV Duisburg gegen den SV Wehen Wiesbaden“ aber gelohnt. Sonst hätte ich nicht schon vor dem Stadion wieder zuversichtlich in die Zukunft blicken können. Eine gewisse Grundentspannung war auch nötig, weil im Zug zurück nach Köln eine Gruppe Dortmunder Bienen mittleren Alters einige Aufmerksamkeit des Großraumwagens in Anspruch nahm. Dann kann man auch problemlos helfen und schnell antworten, wenn verirrte Bienen laut nach ihrem Schwarm fragen. In dem Sinne, weiter schöne Karnevalstage. Alaaf und helau!

Die Pressekonferenz nach dem Spiel sowie die Stimmen von Kevin Wolze und Sascha Dum.

Und wer es sich unbedingt noch einmal antun möchte, der Spielbericht. Ich habe ihn mir noch nicht angesehen.

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1 Response to “Schon im ersten Jahrhundert muss Epiktek MSV-Fan gewesen sein”



  1. 1 Nun ja, ein Punkt ist ein Punkt Trackback zu 3. März 2014 um 11:46

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