Always look on the bright side of life

Das Leben ist zu kurz, und ich bin zu alt, um mir für längere Zeit die Laune verderben zu lassen. Vielleicht bin ich aber auch nur zu genervt von all dem, was ich im Stadion gesehen habe. Schneller Abstand muss her. Spruchbänder auf der Gegengerade, mit denen gegen die MSV-Erklärung Stimmung gemacht wird, überfliege ich und habe sie währenddessen bereits wieder vergessen. Hauereien von Duisburger Fans untereinander entwickeln sich zum Rahmenprogramm eines MSV-Spiels? Passen sich halt einige der Leistung der Mannschaft an. Alles nur ein großer Plumpaquatsch. Ich bin zu alt für schlechte Gefühle wegen zu vieler Nasen auf den Rängen, die sich selbst wichtiger nehmen als den Fußball vom MSV.

Ich bin zu alt für schlechte Gefühle, nur weil ich zudem noch ein Fußballspiel gesehen habe, bei dem sich die Spieler beider Seiten besser auf ein anderes Wettkampfziel als Tore geeinigt hätten. Wieviel unterhaltsamer wäre es gewesen, den Sieger anhand der Fehlerzahl im Spiel zu ermitteln. Wir hätten ein spannendes Basketballergebnis bejubeln können. Dazu noch B-Noten verteilt für Fehler von besonderer Komik und ausdrucksstarker Schönheit, schon ließe sich das 1:1-Unentschieden zwischen dem MSV Duisburg und Holstein Kiel in ein herausragendes Ergebnis der Saison verwandeln. Zu meinem großen Glück entstehen solche Bilder von einer freundlichen Welt beim MSV Duisburg wie selbstverständlich in mir und bringen meine gute Laune zurück. Ich brauche außerdem nur noch die Freunde auf dem Stehplatz um mich herum, den Rest mache ich nach der gemeinsam erlittenen Enttäuschung alleine.

Warum soll ich eine schlechte Mannschaftsleistung noch einmal genauer mit unterhaltsamen Worte beschreiben? Als ich noch sehr viel öfter Literaturkritiken schrieb, waren Verrisse eine meiner leichtesten Übungen. Doch gleichzeitig hielt ich jedes Wort über einen schlechten Roman für ein Wort zu viel. Schließlich braucht kein einziger schlechter Roman Aufmerksamkeit der Leser, die zudem ein Affront war gegenüber der Vielzahl der ungenannten guten Romane. Ich hingegen brauchte das Geld. Es war die Zeit ohne Internet und mit beschränktem Raum in den Medien. Ihr seht, welch komplizierte berufsethischen Fragen die Literaturkritik einfach glatt bügelt.

Beim Fußball liegen die Dinge für mich einfacher. Da hilft das Verschweigen schlechter Leistungen sogar dem Gegenstand meiner Kritik. Und weil der Gegenstand meiner Kritik gleichzeitig der meiner Zuneigung ist, kann ich nichts falsch machen. Meine unausgesprochen bleibenden harschen Urteile stabilisieren vielleicht die Zuschauerzahlen. Das sind Gedanken, an denen man sich freuen kann! Irgendwie muss es ja weitergehen. Was hilft es, das einmal mehr im Verlauf immer zufälliger wirkende Spiel vom MSV Duisburg gegen Holstein Kiel zu beschreiben? Warum sollte ich noch einmal daran erinnern, dass sich die erste vage Torchance aus dem Spiel heraus für den MSV in der 60. Minute ergab? Die Standards mussten es bringen und konnten es nur in engen Grenzen. Was soll man über den Kieler Rafael „Alle-auf-die-elf“ Kazior sich aufregen? Wäre er kein mäßiger Fußballer geworden, hätte er sich wohl als mäßig talentierter Schauspieler durchgeschlagen. Aber vielleicht sollten wir ihm geradezu danken,  sich als Ventil für Duisburger Frust geopfert zu haben. Komm gerne wieder, Rafael Sündenbock!

Mein Spaß am Basketballergebnis verschwände auch wieder, weil ich ja auf die guten Ansätze in der ersten Halbzeit hinweisen müsste, auf vereinzelt gelungene Kombinationen, bei denen nur der letzte oder auch schon vorletzte Pass misslang. Ich hätte den etwas stärkeren Kingsley Onuegbu erwähnen müssen, dem endlich einmal wieder die Bälle nicht allesamt versprangen. Dessen neue Schuhe schienen seine Klebekraft bei der Ballannahme auch hier in guten Ansätzen zurück gebracht zu haben. Aber gleich wie der Kieler Trainer Karsten Neitzel auf der Pressekonferenz von einem guten Spiel zu sprechen?

Als ich das gerade hörte, musste ich erstmal tief durchatmen. Wird Holstein Kiel demnächst von der NSA aufgekauft? Ist die Datenüberwachung der Kieler so weit fortgeschritten, dass sie in die Zukunft schauen können? Heute habe ich erst begonnen, meinen anderen Blick aufs Spiel niederzuschreiben, gestern schon wusste Karsten Neitzel davon? Mir gibt das zu denken. Verständlich, dass Karsten Baumann gegen so eine deutliche Wertung keine großen Einwände hat, nachdem er sich im Stadion laute „Baumann raus“-Rufe gefallen lassen musste. Mir missfällt auch die mangelnde Entwicklung der Mannschaft, und ich hätte gerne mehr Erklärung von Karsten Baumann, was da schief läuft. Dann könnte ich darauf vertrauen, dass er eine Vorstellung davon hat, wie er die Mannschaft weiter bringt. Bis jetzt ist an der Spielweise der Mannschaft das nicht deutlich zu erkennen. Aber ich finde auch, bis zum Ende der Saison wäre angesichts der Lage im letzten Sommer etwas mehr Demut auf den Rängen angebracht.

Vielleicht sind Karsten Neitzel, Karsten Baumann und ich ohnehin Brüder im Geiste. Wahrscheinlich heiße ich sogar in Wirklichkeit Karsten-Kees Jaratz, denn wir drei always look on the bright side of life. So lässt sich einem Spiel wie vom MSV Duisburg gegen Holstein Kiel viel Gutes abgewinnen. Ich kann nur jedem raten, das mal auszuprobieren, ist in jedem Lebensalter möglich, wie man dank Eric Idles Auftritten über die Jahre hinweg sieht.

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2 Responses to “Always look on the bright side of life”


  1. 1 Michael Schulz 17. März 2014 um 15:53

    Fassen wir die Ausgangssituation im Sommer zusammen. Der MSV war sexy wie nie wie Michael WIldberg richtig sagte.
    – eine unglaubliche Solidarität unter allen Zebrafans und darüber hinaus im gesamten Bundesgebiet
    – eine Vorstand der eine baldige Lösung der Stadionfrage und des Schuldenschnitts ankündigte
    – eine Fananleihe die bald auf den Weg gebracht werden und 5 Million Euro in die Kassen bringen sollte
    – eine Mannschaft die ohne Vorbereitung einen akzeptablen Fußball spielte und einen großen Vertrauensvorschuss genoss
    – eine Mannschaft die selbst nach Niederlagen gefeiert wurde

    Situation heute:
    – die Zebrafans bekämpfen sich verbal und physisch.
    – ein Vorstand der nicht in der Lage ist, die Satzung zu lesen und richtige Kündigungen auszusprechen
    – ein Vorstand der immer noch eine hohe Stadionmiete für einen Drittligisten abdrücken muss und der Schuldenschnitt steht nicht mal im Ansatz
    – eine total vermasselte Fananleihe
    – eine Mannschaft die nicht mal nach Siegen noch richtig gefeiert wird (Siehe Heimsieg gegen Erfurt, keine Humba, kein Hinsetzen kein Mann auf den Zaun)
    – eine Mannschaft die sich eingespielt hat, eine Wintervorbereitung hatte und durch Wunschspieler des Trainers verstärkt wurde aber einen Fußball Reckscher Prägung spielt
    – Möglichkeit des sportlichen Supergaus mit Pokalaus in Essen und/oder einem möglichen Drittligaabstieg

    Deshalb ist Always look on the bright side eigentlich zu fröhlich. Vielleicht wäre As Tears Goes By von den Rolling Stones passender.

    Ebenso wie Dir bleibt mir als Exilant nur noch die Freude seine Freunde im Stadion zu sehen. Die Situation des MSV ist zu traurig und eine große Chance (vielleicht die letzte?) wurde leichtfertig verspielt.

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  2. 2 Kees Jaratz 17. März 2014 um 23:08

    schnell noch, kurz, weil ich eigentlich zu müde bin, aber damit der Tag nicht so trostlos endet. 😉 Du wirst es ahnen, so düster wie du, Michael, sehe ich die Situation beim MSV nicht. Deine Bestandsaufnahme des Ist-Zustandes ist nicht von der Hand zu weisen, aber welche Folgen die einzelnen Schwierigkeiten haben, steht noch nicht endgültig fest. Und dann meine ich noch, einige dieser Schwierigkeiten waren im Sommer zu erwarten gewesen. Morgen mehr.

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