Archiv für April 2014

Heimatlied – Sektion Duisburg – Folge 12: Нож для Фрау Мюллер – Messer für Frau Müller

Ja ne gavarju po-russki. Könnte das mal eben jemand übersetzen? Ich spreche kein russisch. Aber egal, wer es unbedingt genau wissen will, schaut mal eben in den Sprachführer vom Wikitravel Russland rein und fischt sich das notwendige Grundvokabular zusammen. Hallo, danke, bitte, Entschuldigung und natürlich, ich spreche kein russisch. Ich habe dort voreilig reingeschaut, um mir das nötige Grundwissen für den Text des heutigen Duisburg-Liedes anzulesen.

Лучшая девушка в СССP“ heißt dieses Stück, doch das erste Hören ergab mangels russischem Text keine Schwierigkeiten des Verständnisses. Ein Duisburg-Lied ist es dennoch, weil der Name der Stadt zu Beginn in einem Filmdialog zu hören ist. Welche Assoziationen „Duisburg“ in Russland  wohl hervorruft? Das Fremde klingt sicher an. Gar das Exotische? Нож для фрау Мюллер, auf deutsch Messer für Frau Müller, so heißt das Duo aus St. Petersburg, das dieses Duisburg-Lied verantwortet. Messer für Frau Müller machen elektronische Musik und nutzen dazu eben auch Dialoge aus Filmen, Geräusche und sprachunabhängige menschliche Äußerungen. Falls ihr Russisch sprecht und zudem die kyrillische Schrift lesen könnt, erhaltet ihr zu Нож для фрау Мюллер bei Wikipedianja ruski ausführlichere Informationski.

Der Titel des Stücks „Лучшая девушка в СССP“ heißt wohl, übersetzt aus der englischen Übersetzung des Titels einer zweiten youtube-Fassung, „Das schönste Mädchen der UdSSR“, zumal der Clip diesen Titel bebildert. Bleibt die Frage, aus welchem Film der Dialogschnipsel des Anfangs stammt? In welcher Geschichte möchte eine Frau, die deutsch mit slawischem Akzent spricht, vermutlich in Deutschland ganz unbedingt und schnell nach Duisburg reisen? Eine Frage für die Schwarmintelligenz.

Der Dank für das Finden des Songs gilt Stephan Pöter, der als Teil des Hiphop-Duos Montan & Matena bereits den Anstoß für diese kleine Reihe „Heimatlied – Sektion Duisburg“ gegeben hat.

Hinweise auf weitere online zu findende Duisburg-Lieder nehme ich gern entgegen. Helft mit die Sammlung wachsen zu lassen.

Mit einem Klick weiter findet ihr Heimatlied – Sektion Duisburg – Alle Folgen

Von Alltagsunentschieden, Buzzer Beater und dem Dreihasenfenster

Das Spiel des MSV Duisburg gegen den Halleschen FC endete am Samstag 1:1. Ergebnis und Verlauf des Spiels entsprachen der Normalität und dem Alltag dieser Saison. Mit so einem Alltag gehen wir Menschen ja sehr unterschiedlich um. Ich zum Beispiel suche mir bis zum Finale des Niederrheinpokals die aufregende Ablenkung vom Alltäglichen an anderen Orten, dem Basketball etwa, im dritten Spiel der NBA-Playoffs zwischen den Dallas Mavericks und den San Antonio Spurs. Es wurde in den letzten zwei Sekunden durch einen Dreipunkte-Wurf von Vince Carter entschieden. Was für eine Spannung, welch Verschwinden der Normalität. Ich empfehle allen Interessierten den  NBA-Clip bei spox.com, ein Spielbericht, der mehr zeigt als die unzähligen Youtube-Clips wie der unten verlinkte mit dem Siegeswurf. Dort wird die Atmospähre der letzten 20 Sekunden eingefangen, in denen sich die Spurs schon fast als Sieger fühlten.

Aber zurück zum MSV. In der Rheinischen Post sehen wir einen anderen Weg mit dem unspektakulären Alltag zurecht zu kommen. Übertreibung ist das Stichwort. Ich verstehe das, weil so ein traditionelles Medium wie die RP in einem Spielbericht über den MSV Duisburg ja nicht die Freiheit hat wie der Zebrastreifenblog und bei anderen Ereignissen dieser Sportwelt wildern kann. So peppen die Journalisten dort den langweiligen Alltag mit Worten auf. Dann heißt es über das Allerweltsunentschieden, das den MSV Duisburg vom sechsten auf den fünften Tabellenplatz hievt, „MSV kassiert bitteren Rückschlag„.

Wer diese Drittliga-Saison  verfolgt hat, sollte nach dem drittletzten Spieltag diese Standardformel des Sportjournalismus nicht ernst nehmen. „Bitter“ ist zum Ende dieser Saison vielleicht die unfassbar schwere Verletzung eines Spielers, fehlendes Geld sowieso, aber ein Spielergebnis? Bitter wäre  nur die Niederlage im Finale des Niederrheinpokals. Realistischerweise ist in jedem Spiel des MSV und seiner Mitkonkurrenten um Platz 4 jeder Spielausgang möglich. Deshalb besitzt dieses Unentschieden keinen bitteren Nachgeschmack. Der vierte Platz ist weiter erreichbar. Denn was für den MSV Duisburg gilt, gilt auch für den SV Wehen Wiesbaden. Jedes Ergebnis ist immer möglich.

Ich habe inzwischen auch eingesehen, dass die gern benutzte Kurzformel „unnötig“ als griffige Wertung für  Spielergebnisse in der 3. Liga wenig geeignet ist. Dazu geschehen in dieser Liga zu viele individuelle Fehler. Diese Fehler machen jeden ersten Eindruck von überlegenem oder unterlegenem Spiel und daraus sich ergebenden Ergebnissen hinfällig. Natürlich kann eine Mannschaft wie der MSV in Halle in einer Halbzeit besser spielen als der Gegner; wenn dabei aber nur ein Tor erzielt wird, ergibt sich daraus keine Prognose für das Ergebnis nach 90 Minuten. Was wiederum zurückweist auf Offensivschwächen in den meisten Vereinen. Es war abzusehen, dass die Zebras in der zweiten Halbzeit nicht nahtlos an die Leistung der ersten Halbzeit würden anknüpfen können.

Halle investierte nach der Pause zunächst mehr, und um den Ausgleich verhindern zu können, hätten die Zebras in der eigenen Offensive mehr Glück gebraucht. So war ich gleichzeitig schon zufrieden damit, dass sich die Mannschaft nach dem Ausgleichstreffer wieder auf das zuvor verloren gegangene Leistungsniveaus zurückarbeitete. Der Siegtreffer hätte fallen können. Bei mehr Glück und gleichzeitigen Fehlern in der Hallenser Defensive. Bei überlegterem Abspielen statt Schüssen, wenn sich Kevin Wolze etwa durchs Mittelfeld gewuselt hatte. Bei präziseren Flanken. Bei vielen Dingen, die als Einzelfall möglich sind aber nicht als konstante Leistung über eine längere Dauer.

Übrigens hätte mich auch ein Sieg des MSV nicht aus dem Alltagsgefühl herausgeholt. Das schaffte für den Fußball am Sonntag dann der SC Paderborn. Dem Verein der angeheirateten Heimat gilt meine Sympathie schon länger, und angesichts der fahrlässig herbeigeführten Drittligazugehörigkeit meines Herzensvereins fällt es mir nun zudem leicht, dieser Zweitliga-Sympathie in dieser Saison vollends nachzugeben. Ich mache jetzt die letzten drei Spiele der Saison hoffentlich eine Art Probedurchlauf für das kommende Jahr mit dem MSV.

Eingebetteter Bild-Link

Foto: Christian Trommler; Twitter: @CTrommler

Um die letztens eingeforderte Moral von der Fürther Ausgleichsgeschichte, hatte sich am Freitagabend bereits der TSV 1860 München mit einem Sieg über die SpVgg Greuther Fürth gekümmert. Wie man sieht, gilt Dankbarkeit in Paderborn noch als selbstverständliche Tugend. So konnte der SC Paderborn mit dem sicher herausgespielten 2:0-Sieg gegen den SV Sandhausen den direkten Aufstiegsplatz zurückerobern. Die Aussicht auf Familljenbesuch samt Erstligafußball gefällt mir. Und eines war mir schon vor den touristischen Hinweisen des Sky-Kommentators für zukünftige Auswärtsfahrer der Erstligisten gewiss, sollte alles klappen, wird das  Dreihasenfenster in keinem Aufsteigerporträt fehlen.

 

Vizemeistermacher 2. Liga Roland Kentsch

Bevor ich morgen früh das sportliche Wochenende noch Revue passieren lasse, muss ich nach dem 2:0-Sieg des SC Paderborn gegen den SV Sandhausen schon mal eines deutlich sagen: Sollte der Bundesligaaufstieg des Vereins meiner angeheirateten Heimat tatsächlich wahr werden, müssen die Vereinsverantwortlichen in Paderborn bei ihren dann fälligen Jubel- und Dankesworten einen nicht vergessen – Roland Kentsch.

Wäre ich Anhänger von Arminia Bielefeld mit Phantasie und einem Hang zu Verschwörungstheorien, hätte ich nach diesem Tag heute nämlich den Beweis für ein mittelfristig angelegtes Racheprojekt des ehemaligen Geschäftsführeres der Arminia. Einst hoffte man in Bielefeld auf die ausbaufähige Rivalität, um sich gegen den Kleinverein aus der Nachbarstadt stets gut fühlen zu können. Und nun? 3. Liga vs Bundesliga! Da bohrt ein Schmerz. Als Verschwörungstheoretiker würde ich nun darüber nachdenken, ob der Beginn der Geschäftsführertätigkeit von Roland Kentsch in Duisburg in Wahrheit nur einziges Ziel hatte, nämlich dem SC Paderborn zum Aufstieg in die Bundesliga zu verhelfen. Ich dächte darüber nach, ob es Roland Kentschs eigentliches Ziel war, mit der Abgabe der fehlerhaften Lizenzunterlagen das Antreten der Zebras in der 2. Liga endlich einmal zu unterbinden.

Denn welcher Verein hat den Platz vom MSV Duisburg in Liga 2 übernommen? Und welcher Verein gewinnt nahezu immer seine Auswärtsspiele beim SC Paderborn? Antwort A: SV Sandhausen. Antwort B: MSV Duisburg. Teilt die beiden Möglichkeiten mal richtig auf und ihr wisst, welches Spiel der SC Paderborn heute mit Sicherheit nicht gewonnen hätte.  Beweise? Wer die Zahlen sich ansehen will, mit einem Klick weiter hier. Deshalb, liebes Fußballdeutschland, muss heute eines deutlich gesagt werden, Roland Kentsch hat wesentlichen Anteil an dem hoffentlich bald feststehenden überraschenden Aufstieg des SC Paderborn.

 

 

Halle fragt – Kees Jaratz antwortet

Der MSV Duisburg spielt am Samstag beim Halleschen FC. Hört man die Pressekonferenz dort in Halle,  hat die Bedeutung dieses Spiels für das Umfeld des Vereins anscheinend gegenüber dem Blick auf die kommende Spielzeit verloren. Der Hallesche FC hat mit dem Abstieg nichts zu tun. Das war das wichtige Ziel, nun schaut man mal, wie die Saison mit möglichst guter Laune zu Ende gespielt wird. Trainer Sven Köhler will, wie es sich für den Wettkampfsport gehört, immer noch gewinnen, muss sich aber vor allem mit den Fragen zur Zusammensetzung des zukünftigen Kaders herumschlagen. Prognosen über den Spielausgang lassen sich aus bekannten Gründen nur mit groben Tendenzen machen.

Ich hoffe auf den andauernden Ehrgeiz der Mannschaft, den vierten Platz noch zu erreichen und damit auf den Auswärtsieg. Das habe ich vorgestern neben einigem anderem auch dem Journalisten der Mitteldeutschen Zeitung, Oliver Leiste, am Telefon gesagt. Die Mitteldeutsche Zeitung verantwortet den Lokaljournalismus in Halle und zur Vorberichterstattung jedes Heimspiels gehört der Blick auf den Gegner mit Hilfe eines Fans vom Gegner.

Die Mitteldeutsche Zeitung wurde mir übrigens schon kurz  nach der Wende zum Begriff, weil der Kölner Stadt-Anzeiger auf seinen Seiten natürlich gerne auch ausführlich über die Entwicklungen im eigenen Medienhaus berichtet. Damals wetteiferten die Verlagshäuser des Westens, wer wo welche SED-Bezirkszeitungen erwerben konnte. Das Verlagshaus M.Dumont Schauberg expandierte nach Halle – wie man im Spiegel lesen konnte, wegen der guten Kontakte des Verlegers Alfred Neven DuMont.

Oliver Leiste hat das, was ich ihm über Duisburg und den MSV erzählte, zusammengefasst und ein paar Informationen beigefügt, so dass die Hallenser sich über  die komplizierte Geschichte des MSV Duisburg der letzten Jahre auf die notwendigste Weise informieren können. Dazu gibt es Sätze zu Duisburg im Allgemeinen. Als Einstieg für die Beschäftigung mit Stadt und Verein kein schlechter Anfang, zu dem es hier mit einem Klick weiter geht.

Außerdem möchte ich euch den Blick auf den Clip der Pressekonferenz vom Halleschen FC empfehlen. Hier begegnen sich auf wunderbare Weise in Vor- und Abspann die hochgezüchtete Jingleanimationswelt des Fußball-TV-Angebots der Gegenwart mit der Vereinsheimatmosphäre während der PK. Vor allem der Pressemann des Halleschen FC hat wenig gemein mit dem Typus jener meist doch dann Männer, die momentan für diese Positionen im Fußball gefragt sind. Zudem die dialektale Einfärbung der Köhler-Sprache und schon sind wir trotz seiner sachlichen, informativen Art fern ab von den genormten Unterhaltungswelten des TV-Fußballs. Sehr sympathisch!

In Duisburg spielt der Referenzverein Real Madrids

Lieber Oliver Fritsch,

eigentlich brauchen Sie sich gar nicht entschuldigen, wenn Sie in Ihrem Spielbericht bei zeitonline über das gestrige Halbfinale der Champions League Real Madrid gegen den FC Bayern München den MSV Duisburg als Referenz erwähnen, um Ihren Lesern die Spielweise Real Madrids anschaulicher zu machen.

Bayern ließ das königliche Real an dessen Heimstätte ordinär aussehen. Abwehrspieler kloppten den Ball nicht erst in der Schlussphase auf die Ränge, als trügen sie die Trikots von (pardon) MSV Duisburg oder Eintracht Trier. Spieler blieben nach Zweikämpfen am Boden liegen, hielten sich vor Scheinschmerz die Schienbeine, um Luft zu holen und Zeit zu schinden.

Ich glaube, weder in Madrid noch in Duisburg hätte jemand Einwände gegen diesen Vergleich vorgebracht. In Madrid wird man hoffentlich realistisch genug sein, die eigene Spielweise korrekt einzuschätzen und wir in Duisburg nehmen diesen Vergleich mit unserem eigenen Humor als Ansporn und als Hinweis darauf, in welchen Ligen wir jederzeit und ohne Anpassungsschwierigkeiten mitspielen können. Ich würde nur das Zeitschinden nicht als Zebra-typisch ansehen. Das ist doch in jedem Stadion ein fußballgesellschaftlich akzeptiertes Mittel. Was natürlich dennoch nur bei eigenem Vorteil gutzuheißen ist.

Aber wenn ich recht überlege, entschuldigen Sie sich wahrscheinlich bei uns in Duisburg für die vorschnelle Reihung des MSV Duisburg mit Eintracht Trier. Und dafür tuen Sie es sicher recht. Allein um des Effektes Willen zwei so unterschiedliche Vereine auf Linie zu bringen, das könnte den ein oder anderen in Duisburg ärgern. Was keineswegs dadurch aufgehoben wird, wenn es in Trier irgendjemandem schmeicheln sollte. Ich nehme die Entschuldigung aber an, weil ich aus langer Stadionerfahrung weiß, wie gut es sich anfühlt, mit jenen von Ihnen angesprochenen Mitteln einen überlegenen Gegner besiegt zu haben. Mit Ihrem insgesamt schönen Spielbericht haben Sie mich daran erinnert. In dem Sinne, nehmen Sie den MSV Duisburg immer wieder gerne als Referenzverein für Siege.

Viele Grüße
Ihr Kees Jaratz

 

Die schönsten Fußballtorten der Welt – Folge XX – Fortuna Düsseldorf

Mit freundlicher Unterstützung von „111 Fußballorte im Ruhrgebiet, die man gesehen haben musspräsentiert der Zebrastreifenblog in loser Reihe die schönsten Fußballtorten der Welt.

 

Weil es gestern allerorten durch die vielen Glückwünsche zum Aufstieg nach vereinsübergreifender Harmonie mit dem 1. FC Köln aussah, möchte ich heute mit einem harmlos daher kommenden Fußballkuchen ans wirkliche Leben erinnern. Im wirklichen Leben beäugen sich die Menschen aus Köln und Düsseldorf mit großem Misstrauen. Im wirklichen Leben wird aus Misstrauen mit großer Regelmäßigkeit heftige Abneigung. Im wirklichen Leben wird einem nämlich nichts geschenkt, es sei denn ein 45. Geburtstag wird gefeiert und das Geburtstagskind ist Anhänger von Fortuna Düsseldorf. Ob dieser Fussballkuchen zum Geburtstag hausgemacht wurde oder in seiner Perfektion doch von professionellen Händen gefertigt ist, wird nicht klar. Eines ist aber sicher, wer sich bei youtube geissbockkiller1 nennt, konnte die montägliche Freude in Köln über den Aufstieg des FC bestimmt nicht teilen.

Zu sämtlichen  Folgen der schönsten Fußballtorten der Welt kommt ihr mit einem Klick weiter.

 

 

Das Vorbild 1. FC Köln

In dem einen Viertel meiner imaginären Rhein-Ruhr-Heimatstadt waren gestern Abend jene Menschen völlig aus dem Häuschen, die sich für den 1. FC Köln etwas mehr interessieren. Nach dem 3:1-Sieg gegen den VfL Bochum ist dem 1. FC Köln der Aufstieg in die Bundesliga nicht mehr zu nehmen. Ich habe nicht viele Spiele vom FC in dieser Saison gesehen, genauer gesagt keines ganz, ich kenne die Mannschaft des Vereins nur aus Spielzusammenfassungen im Bewegtbild. Wenn ich aber den Kommentar von Christian Oeynhausen zum Aufstieg im Kölner Stadt-Anzeiger lese, denke ich, die Mannschaft des 1. FC Köln dieser Saison gibt ein gutes Vorbild für den MSV Duisburg ab. So weit liegen die Zebras und die Geißböcke in ihrer Spielanlage anscheinend nicht auseinander. Online finde ich den Kommentar leider nicht.

Der Fußball der Stöger-Elf war zwar selten berauschend, aber zermürbend und vor allem defensiv zu gut für die meisten Teams der Liga.

Der MSV Duisburg muss nächste Saison aufsteigen. Diese so deutlich ausgesprochene Vorgabe kann eine immense Last für die Mannschaft und uns Zuschauer werden. Lasst uns jetzt schon an Notwendigkeiten denken und das Ergebnis wieder etwas mehr in den Vordergrund holen. Wenn klappt, was klappen muss, brauchen wir nicht darüber zu sprechen. Ich denke an mögliche Durststrecken. Auch der 1. FC Köln war zu Beginn der Saison nicht sofort auf unzweifelhaftem Aufstiegskurs, obwohl dieser Aufstieg in Köln ebenfalls so notwendig war. Die Stimmung um den Verein blieb dennoch stabil. Auch darin sollte uns in Duisburg der 1. FC Köln Vorbild sein.

Herzlichen Glückwunsch, also 1. FC Köln! Und übrigens, vor dem Spiel hatte es noch geheißen, die Zuschauer dürften nach dem Spiel das Spielfeld keinesfalls betreten. Und nun: Platzsturm! Chaos! Und dennoch kein Skandalspiel. Feiern ist also doch erlaubt. Gut so!

Das Siegtor vor dem Ausgleich in der Nachspielzeit

Die Mannschaft des MSV Duisburg samt Karsten Baumann und Markus Reiter bringt die Saison eindeutig motivierter zu Ende als ich. Mir fallen im Moment die Worte über die Spiele der Zebras schwer. 1:0 hat der MSV Duisburg diese so wichtige Begegnung gegen den direkten Konkurrenten um Platz 4, dem VfL Osnabrück, gewonnen. Aber der Kampf um Platz 4 entfacht in mir keine besonderen Gefühle. Besonders dann, wenn die Spielweise der Mannschaft weiterhin dem Dauermotto der Rückrunde folgt, was muss der MSV besser als der Gegner sein? Die Zebras gewinnen auch so. Meistens jedenfalls. Im schlechteren Fall gibt es ein Unentschieden. Niederlagen sind ja tatsächlich selten.

Der Kampf um Platz 4 ist wichtig, aber eine sehr rationale Sache. Der Platz 4 ist wichtig, falls das Niederrheinpokalfinale doch verloren geht, wegen der möglichen Einnahmen der dann dennoch möglichen Teilnahme am DFB-Pokal. So viel Irrealialität, so viel Materialismus, so viel schnöde Notwendigkeit des wirtschaftlichen Lebens. Der Fußball als Gegenwelt zum Alltag ist vergessen. Willkommen bei dem, womit ich mich sowieso täglich herumschlagen muss. Vielleicht kommt daher meine Unlust, das Spiel mit Worten noch einmal zu vergegenwärtigen, verbunden mit den Widrigkeiten, die mich momenten sowieso plagen? Vielleicht ist es aber auch nur die stete Wiederholung, die wir auf dem Platz sehen, bei der sich nur die Ergebnisse unterscheiden? Ich finde keine neuen Worte mehr für das, was wir in jedem Spiel sehen. Ich könnte den Spielbericht der Vorwoche nehmen, den Gegner austauschen, das Ergebnis anpassen und schon wären wir annähernd bei dem, was wir in der letzten Begegnung gesehen haben.

Deshalb hat mich auch der Ausgleich von Greuther Fürth beim SC Paderborn in der Nachspielzeit mehr geärgert als jede Aktion eines Spielers vom MSV Duisburg gegen den VfL Osnabrück. In Paderborn ging es um den Vorteil im Kampf um den direkten Aufstiegsplatz zur Bundesliga. Der Ausgleich zum 2:2 war eine Frechheit, weil der Torschütze Ilir Azemi seinen Gegenspieler zuvor wegschubste und er nur deshalb völlig unbedrängt einköpfen konnte. Das war nicht ein Ringen um den Platz im Strafraum. Der Verteidiger hatte keine Chance sich gegen dieses Wegschubsen zu wehren. Schiedsrichter Manuel Gräfe pfiff nicht, schickte dafür den schimpfenden Trainer Paderborns André Breitenreiter auf die Tribüne und verweigerte ihm den Handschlag nach dem Spiel zum Abschied. Da war einer sehr beleidigt. Dieser Ausgleich zum 2:2 war um so ärgerlicher, weil er im direkten Gegenzug nach einer miserabel ausgespielten Konterchance fiel. Dreißig Meter vor dem Tor hatte dieser Angriff noch nach dem sicheren 3:1 ausgesehen. Ihr kennt vielleicht meine Sympathie für den Verein der angeheirateten Heimat?  Es wäre eine große Ungerechtigkeit, wenn Fürth durch dieses eine Foulspiel sich den zweiten Platz des sicheren Bundesligaaufstiegs erstohlen hätte. Gegebenfalls werde ich daran erinnern.

Nach einem so erstohlenen Aufstieg spielte Daniel Brosinski mit Vollbart und den bekannten Langsprints in der Bundesliga? Träte Goran Sukalo dort ebenfalls nochmals an? Vielleicht wie im Spiel gegen Paderborn weiter vorne spielend als bei uns noch? Als ich beide Spieler im grünen Trikot sah, schien mir die vergangene Zweitliga-Saison so ungeheuer weit entfernt. Es war wirklich verblüffend. Die Tage seit dem letzten Spieltag der Saison 2012/2013 waren für unser Leben mit dem MSV Duisburg so angefüllt, dass das Erlebte mindestens für drei Spielzeiten ausreichte. So lange muss es eigentlich her sein, dass Daniel Brosinski und Goran Sukalo mit einem Zebratrikot aufliefen.

Und nun hat der MSV Duisburg nur ein Jahr später gute Aussichten, am Ende der Saison den vierten Tabellenplatz der 3. Liga zu erreichen. Diese Aussicht gibt es, weil gegnerische Stürmer trotz vieler Chancen selten Tore erzielen, wenn sie nicht über lange Meter alleine auf Michael Ratajczak zulaufen. Auch der VfL Osnabrück hätte in der ersten Halbzeit in Führung gehen müssen. Zwar wirkte die Mannschaft in Tornähe zu verspielt und ließ im Strafraum Zielstrebigkeit vermissen, doch sah ich den MSV zwei-, dreimal schon im Rückstand liegen. Vielleicht aber sind die unpräzisen Abschlüsse der Stürmer ein Hinweis darauf, warum die Osnabrücker immer weiter auch in Tornähe das nächste Abspiel suchten. Eins war aber überdeutlich, die Osnabrücker reagierten in jeder Hinsicht schneller als die Mannschaft vom MSV Duisburg. Freie Räume auf dem Spielfeld wurden vorausschauend so besetzt, dass zweite Bälle so gut wie nie bei den Zebras landeten. Das Aufbauspiel des MSV wurde durch frühes Pressing im Keim erstickt.

So war die Frage für die Offensivbemühungen der Zebras eigentlich nur die, ob beim vergeblichen Kurzpassspiel der Ball in der eigenen Hälfte verloren wurde oder der lange Ball, wahlweise von Branimir Bajic oder Michael Ratajczak geschlagen, von den Osnabrückern in ihrer Hälfte fast immer sicher aufgenommen werden konnte. Mir persönlich war der lange Ball dann noch lieber, weil er nicht die sofortige Torgefahr nach sich zog und zumindest die Minimalchance einer offenen Spielsituation erbrachte. Dennoch schafften die Osnabrücker für ihr laufintensives Spiel zu wenig deutliche Torchancen, so dass ich trotz der Osnabrücker Überlegenheit jedes Spielergebnis weiter für möglich hielt.

Als dann noch die Mannschaft des MSV Duisburg die zweite Halbzeit sehr viel entschlossener begann, stellte sich sogar ein spielerisches Gleichgewicht ein. Allmählich begann zudem die Kraft der Osnabrücker etwas nachzulassen. Sie liefen nicht mehr ganz so schnell und viel, dementsprechend hatten die Zebras etwas mehr Platz, um zu agieren. An Chancen aus dem Spiel heraus kann ich mich dennoch nicht erinnern. Die Standards mussten her auf beiden Seiten. Als Branimir Bajic dann seine Torjägerqualitäten der letzten Saison wieder entdeckte, fiel das Siegtor nach dem Standard, Unterkategorie Eckstoß. Einen Ausgleich befürchtete ich danach nur noch selten. Ich muss doch nicht wiederholen in welchen Momenten? Für den MSV hingegen gab es Raum für nicht allzu schnelles Konterspiel. Strukturierte Ansätze waren zu erkennen. Dass ein Sieg die Stimmung schließlich doch viel besser macht als die Niederlage, lässt mich übrigens wieder an Grundwahrheiten des Fußballs glauben.

Dass Regelverstöße nicht immer bestraft werden, gehört ebenfalls zu diesen Grundwahrheiten. Um so mehr gefallen dann solche Geschichten, in denen der Übeltäter von seinem Regelverstoß an ganz anderer Stelle wieder eingeholt wird. So bleibt mir die Hoffnung auf eine Erzählung von großer moralischer Tiefe beim Blick nach Ostwestfalen. Was mir als zusätzliches Angebot zur Fortsetzungsgeschichte des MSV mit dem Grundmotiv „leistungsunabhängiges Ergebnis“ bestens zurecht kommt.

 

 

Auch bei Chancengleichheit keine Chance für RWE im Elfmeterschießen

Kaum gewinnt der MSV Duisburg mal ein Halbfinale des Niederrheinpokals im Elfmeterschießen, schon kommt es bei Zeit online zwei Tage später zur Gerechtigkeitsdebatte. „Elfmeterschießen ist unfair!“ nennt Christian Hesse seinen Beitrag im Mathe-Blog. Leicht nachvollziehbar belegt er seine Aussage mit der Mathematik. Unfair ist das Elfmeterschießen, weil die beginnende Mannschaft laut Statistik einen Vorteil hat. Sie gewinnt in 60 Prozent aller Fälle. Dieser Vorteil ließe sich durch eine andere Abfolge der antretenden Elfmeterschützen zusammen mit der notwendig höheren Anzahl der geschossenen Elfmeter ausgleichen. Rot-Weiss Essen hätte selbst diese gerechtere Form des Elfmeterschießens nicht geholfen. Die Mannschaft war zu nah am Sieg gewesen. Die Spieler schleppten die Enttäuschung des Ausgleichs als zusätzliche Last mit sich, als sie zum Elfmeter antraten. Für Rot-Weiss Essen war dieses Elfmeterschießen fair genug.

 

 

 

Das gleiche Spiel wie neulich – nur dieses Mal mit Niederlage

Zwei Tage nach der 2:0-Niederlage des MSV Duisburg gegen die Stuttgarter Kickers mache ich es kurz. Dieses Spiel war nicht schlechter als die letzten Spiele, und wir sehen, solche Spiele kann die Mannschaft auch verlieren. Letzte Woche etwa hatte eine Chance zum Führungstor selbst VfB Stuttgart II, und wenn der MSV Duisburg in der 3. Liga in Rückstand gerät, wird es schwer für die Zebras gegen einen sich noch weiter zurückziehenden Gegner.

Bis zum Führungstor der Stuttgarter Kickers war nicht absehbar, wie das Spiel enden könnte. Auch dieses Spiel hätte der MSV Duisburg vielleicht gewinnen können. Alles ist immer möglich in dieser 3. Liga mit ihrem breiten Mittelfeld von 5. bis 14. Tabellenplatz. Das hängt von Glück und Fehlern ab, die nur manchmal genutzt werden. Deshalb lässt in dieser Liga ein Verteidiger, der im Strafraum überspielt wurde, den Stürmer besser laufen und zupft ihm nicht am Trikot. Die Wahrscheinlichkeit des Elfmeterpfiffs ist ungleich größer als die des erzielten Tores durch die Spielaktion. Markus Bollmann hat einmal gehalten und anschließend noch gezupft. Der Elfmeterpfiff kam und der ruhende Ball war einfacher zu verwandeln als jeder Pass in die Mitte.

Die Mannschaft brachte den Rückstand von einem Tor in die Pause. Die große Chance zum Ausgleich hatte in der 44. Minute Patrick Zoundi vergeben, der mit einem steilen Pass in die Schnittstelle der Verteidigung schön frei gespielt worden war. Die Bemühungen um den Ausgleich setzte die Mannschaft in der zweiten Halbzeit fort. Man kann den Spielern den Willen nicht absprechen. Ab durch die Mitte hieß aber meist die Devise. Dort standen die Verteidiger eng und ließen weder Torgefahr durch Schüsse zu noch durch das versuchte Kurzpassspiel. Die frei stehenden Flügelspieler des MSV wurden meist nicht ins Spiel eingebunden.

Zur Halbzeitpause erst waren Kingsley Onuegbu und Pierre De Wit eingewechselt worden. Beide hatten Pausen gebraucht aus unterschiedlichen Gründen. Für Pierre De Wit waren die anstrengenden Spiele der letzten Woche wegen seiner langen Verletzungskarriere eine besondere Belastung, und der King wirkt schon etwas länger so, als befände er sich im Formtief. Andererseits war zu sehen, selbst ein Kingsley Onuegbu im Formtief ist in diesem Offensivspiel der Zebras als Anspielstation nötig.

Trotz der Versuche des MSV nach vorne zu spielen konnten sich die Stuttgarter keine wirklichen Konterchancen erspielen. So brachte ein Weitschuss ein etwas glückliches zweites Tor und entschied das Spiel. Diese 2:0-Niederlage verhilft in der Diskussion um Karsten Baumann zu keinen weiteren Argumenten. Was in Stuttgart zu sehen war, war auch bei den Siegen und Unentschieden der letzten Wochen zu sehen. Mit solchen Spielen wird die Saison zu Ende gehen.

 


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