Mehr Bilder als Worte zu einem glücklichen Pokalsieg

Der MSV Duisburg gewinnt das Halbfinale des Niederrheinpokals bei Rot-Weiss Essen nach Elfmeterschießen mit 4:1. Zufrieden bin ich mit diesem Sieg. Richtig gefreut habe ich mich über ihn nicht. Das hat unterschiedliche Gründe, einige haben mit dem Fußballspiel selbst zu tun. Ein anderer ist meine angeschlagene Gesundheit, die bei kaltem Wetter in einem zugigen Stadion sich so unangenehm bemerkbar machte, dass ich unserem Zuschauer-Trainer eigentlich schon vor Ende der regulären Spielzeit meinen Wechsel signalisieren wollte. Dann beschlossen ein paar Essener auf der Westtribüne ein Tor im Zaun zu öffnen und schon standen andere Dinge im Vordergrund als einen passenden Ersatzzuschauer auf die Tribüne zu bringen. Dazu aber später.

Der MSV hätte sich nicht beschweren können, wenn in der Nachspielzeit der Schuss des Essener Stürmers nicht an den Pfosten sondern  rechts daneben ins Tor gegangen wäre. Der Sieg der Essener wäre verdient gewesen, auch wenn der MSV Duisburg in der zweiten Halbzeit endlich so auftrat, dass der Mannschaft das Führungstor zuzutrauen gewesen wäre. In der ersten Halbzeit war davon erst einmal nichts zu erkennen. Zwar kamen die Essener auch nicht zu klaren Torchancen, doch wirkte der Regionalligist sicherer im Aufbau. In der letzten Defensivreihe waren die Essener kaum gefordert, weil die Angriffsbemühungen des MSV fast immer schon im Mittelfeld endeten. Gefühlt kam dort kaum ein Pass an.

Nach der Halbzeitpause begannen die Zebras druckvoll und die Wahrscheinlichkeit eines Führungstreffes wurde größer, auch wenn sich keine so große Überlegenheit einstellte, die den Essenern keine Chance mehr hätte gegeben. Und dann öffneten in der 78. Minute in der Westkurve Essener Fans ein Tor im Zaun zum Spielfeld hin. Spieler und Schiedsrichter tauschten mal eben den Platz gegen Hundertschaften der Polizei.

Von meiner Warte aus war es nicht ersichtlich, ob tatsächlich ein Platzsturm gedroht hätte. Zuschauer auf der Haupttribüne nahe der Westtribüne deuteten den Vorfall eher so, dass  an die zehn Essener auf dem Treppenpodest standen und niemand sonst nachrückte. Die hätten abgeführt werden sollen und gut wäre gewesen. Die lange Spielunterbrechung wirkte ohne erklärende Worte durch den Stadionsprecher als Überreaktion der Ordnungskräfte. Man hatte den Eindruck, es werden präventiv Muskeln gezeigt, weniger wegen des  aktuellen Vorfalls als wegen der Sorge vor späteren Ausschreitungen. Ich sah jedenfalls in dem Moment keine Massen, die auf das Spielfeld zu strömen drohten, wie es jetzt mit dem Stichwort „Platzsturm“ in den Kurzmeldungen auf den Sportseiten der Tageszeitungen anklingt. Vielleicht sah es am TV-Bildschirm aber auch bedrohlicher aus. Präventiv nur stand übrigens auch die Hundertschaft vor der Gästetribüne. Dort hatte – so weit ich das beurteilen kann – niemand vor, den Innenraum zu betreten. Andererseits wird ja alles, was gegen Regeln verstößt, in einer Schublade abgelegt. So hatte eine größere Pyro-Aktion während Halbzeit eins im Gästeblock Anlass für weitere Sorgen sein können.

Nach der langen Spielunterbrechung gab es für mich in diesem Spiel keine Spannung mehr. Ich fühlte mich aus dieser Stadionwirklichkeit herauskatapultiert. Ich sah den Führungstreffer der Essener in der Nachspielzeit, erinnerte mich angesichts der tobenden Atmosphäre an die Duisburger Pokalsaison, die ins Finale führte; konnte die Essener gut verstehen und wäre auch mit einer Niederlage ohne schlechte Laune nach Hause gefahren. Der Ausgleich fiel. Der Schlusspfiff kam. Für mich wurde das Spiel trotz der so beeindruckenden Atmosphäre zum Pflichtprogramm. Viel war eben zusammengekommen an diesem Abend. So viel, dass mich selbst ein Elfmeterschießen nicht mehr aufregte.

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