Von Alltagsunentschieden, Buzzer Beater und dem Dreihasenfenster

Das Spiel des MSV Duisburg gegen den Halleschen FC endete am Samstag 1:1. Ergebnis und Verlauf des Spiels entsprachen der Normalität und dem Alltag dieser Saison. Mit so einem Alltag gehen wir Menschen ja sehr unterschiedlich um. Ich zum Beispiel suche mir bis zum Finale des Niederrheinpokals die aufregende Ablenkung vom Alltäglichen an anderen Orten, dem Basketball etwa, im dritten Spiel der NBA-Playoffs zwischen den Dallas Mavericks und den San Antonio Spurs. Es wurde in den letzten zwei Sekunden durch einen Dreipunkte-Wurf von Vince Carter entschieden. Was für eine Spannung, welch Verschwinden der Normalität. Ich empfehle allen Interessierten den  NBA-Clip bei spox.com, ein Spielbericht, der mehr zeigt als die unzähligen Youtube-Clips wie der unten verlinkte mit dem Siegeswurf. Dort wird die Atmospähre der letzten 20 Sekunden eingefangen, in denen sich die Spurs schon fast als Sieger fühlten.

Aber zurück zum MSV. In der Rheinischen Post sehen wir einen anderen Weg mit dem unspektakulären Alltag zurecht zu kommen. Übertreibung ist das Stichwort. Ich verstehe das, weil so ein traditionelles Medium wie die RP in einem Spielbericht über den MSV Duisburg ja nicht die Freiheit hat wie der Zebrastreifenblog und bei anderen Ereignissen dieser Sportwelt wildern kann. So peppen die Journalisten dort den langweiligen Alltag mit Worten auf. Dann heißt es über das Allerweltsunentschieden, das den MSV Duisburg vom sechsten auf den fünften Tabellenplatz hievt, „MSV kassiert bitteren Rückschlag„.

Wer diese Drittliga-Saison  verfolgt hat, sollte nach dem drittletzten Spieltag diese Standardformel des Sportjournalismus nicht ernst nehmen. „Bitter“ ist zum Ende dieser Saison vielleicht die unfassbar schwere Verletzung eines Spielers, fehlendes Geld sowieso, aber ein Spielergebnis? Bitter wäre  nur die Niederlage im Finale des Niederrheinpokals. Realistischerweise ist in jedem Spiel des MSV und seiner Mitkonkurrenten um Platz 4 jeder Spielausgang möglich. Deshalb besitzt dieses Unentschieden keinen bitteren Nachgeschmack. Der vierte Platz ist weiter erreichbar. Denn was für den MSV Duisburg gilt, gilt auch für den SV Wehen Wiesbaden. Jedes Ergebnis ist immer möglich.

Ich habe inzwischen auch eingesehen, dass die gern benutzte Kurzformel „unnötig“ als griffige Wertung für  Spielergebnisse in der 3. Liga wenig geeignet ist. Dazu geschehen in dieser Liga zu viele individuelle Fehler. Diese Fehler machen jeden ersten Eindruck von überlegenem oder unterlegenem Spiel und daraus sich ergebenden Ergebnissen hinfällig. Natürlich kann eine Mannschaft wie der MSV in Halle in einer Halbzeit besser spielen als der Gegner; wenn dabei aber nur ein Tor erzielt wird, ergibt sich daraus keine Prognose für das Ergebnis nach 90 Minuten. Was wiederum zurückweist auf Offensivschwächen in den meisten Vereinen. Es war abzusehen, dass die Zebras in der zweiten Halbzeit nicht nahtlos an die Leistung der ersten Halbzeit würden anknüpfen können.

Halle investierte nach der Pause zunächst mehr, und um den Ausgleich verhindern zu können, hätten die Zebras in der eigenen Offensive mehr Glück gebraucht. So war ich gleichzeitig schon zufrieden damit, dass sich die Mannschaft nach dem Ausgleichstreffer wieder auf das zuvor verloren gegangene Leistungsniveaus zurückarbeitete. Der Siegtreffer hätte fallen können. Bei mehr Glück und gleichzeitigen Fehlern in der Hallenser Defensive. Bei überlegterem Abspielen statt Schüssen, wenn sich Kevin Wolze etwa durchs Mittelfeld gewuselt hatte. Bei präziseren Flanken. Bei vielen Dingen, die als Einzelfall möglich sind aber nicht als konstante Leistung über eine längere Dauer.

Übrigens hätte mich auch ein Sieg des MSV nicht aus dem Alltagsgefühl herausgeholt. Das schaffte für den Fußball am Sonntag dann der SC Paderborn. Dem Verein der angeheirateten Heimat gilt meine Sympathie schon länger, und angesichts der fahrlässig herbeigeführten Drittligazugehörigkeit meines Herzensvereins fällt es mir nun zudem leicht, dieser Zweitliga-Sympathie in dieser Saison vollends nachzugeben. Ich mache jetzt die letzten drei Spiele der Saison hoffentlich eine Art Probedurchlauf für das kommende Jahr mit dem MSV.

Eingebetteter Bild-Link

Foto: Christian Trommler; Twitter: @CTrommler

Um die letztens eingeforderte Moral von der Fürther Ausgleichsgeschichte, hatte sich am Freitagabend bereits der TSV 1860 München mit einem Sieg über die SpVgg Greuther Fürth gekümmert. Wie man sieht, gilt Dankbarkeit in Paderborn noch als selbstverständliche Tugend. So konnte der SC Paderborn mit dem sicher herausgespielten 2:0-Sieg gegen den SV Sandhausen den direkten Aufstiegsplatz zurückerobern. Die Aussicht auf Familljenbesuch samt Erstligafußball gefällt mir. Und eines war mir schon vor den touristischen Hinweisen des Sky-Kommentators für zukünftige Auswärtsfahrer der Erstligisten gewiss, sollte alles klappen, wird das  Dreihasenfenster in keinem Aufsteigerporträt fehlen.

 

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