Fußball musste ja auch noch gespielt werden

Schon bei all den Spekulationen seit Mittwoch um die Stimmung zwischen den Verantwortlichen des MSV Duisburg konnte man leicht aus dem Blick verlieren, dass der MSV Duisburg ja eigentlich Fußball spielt. Dann folgte Samstagmorgen noch die Meldung über den Wechsel an der Vereinsspitze und bei all den Nebengeräuschen zum Sport schienen auch die Spieler des MSV Duisburg die Konzentration auf das Spiel gegen die Spvgg Unterhaching verloren zu haben.

Anders kann ich mir diese 4:1-Niederlage im Auswärtsspiel gegen die SpVgg Unterhaching nicht erklären. Vorgestern wies ich an anderer Stelle noch auf einen klugen Text des englischen Fußballautors Jonathan Wilson im Guardian hin. Als Nebeneffekt seiner Bestandsaufnahme zum „Tiki-Taka“ sah ich ein paar Erklärungen für die Misserfolge des MSV in dieser Saison. Natürlich ging es um ein gänzlich anderes Niveau, das Grundproblem aber war für den MSV dieser Saison dasselbe. Ballbesitz ist gefährlich, weil fehleranfällig. Nun belebten die Spieler des MSV gegen die SpVgg Unterhaching die Erinnerung an die Hinrunde dieser Saison. Sie zeigten nicht nur die beschriebene Fehleranfälligkeit bei Ballbesitz, sie bewiesen zudem, wie das Spiel einer Mannschaft auch ohne Ballbesitz ständiger Gefahr ausgesetzt sein kann.

Wenn eine Mannschaft sowohl in der Bewegung nach vorne als auch bei der Ausrichtung ihrer Defensive viele Fehler macht, muss sich der Gegner schon sehr dumm anstellen, um das Spiel nicht zu gewinnen. Diesen Gefallen hat die SpVgg Unterhaching dem MSV Duisburg nicht getan. Die Unterhachinger haben sich ein paar Fehler im Spiel der Zebras genommen, um folgerichtige Tore zu erzielen. Das begann schon früh in der Nähe der Torauslinie, als Markus Bollmann sich allein auf dem Spielfeld wähnte und den Ball träumerisch neben sich her rollen ließ. Ein gegnerischer Stürmer war zupackender. Er nahm sich den freien Ball und flankte nahezu unbedrängt. Im Strafraum war damit auch nicht mehr so richtig gerechnet worden, und schon stand es 1:0 nach einem präzisen Kopfball von Janik Haberer. Wir kennen die Schwierigkeiten des MSV, die aus solch einem Rückstand folgen.

Viel sah ich dann nicht mehr, weil sich der Stream verabschiedete und es ein wenig dauerte, bis ich auf die Idee kam, dass der Fehler nicht in den Tiefen meines PC zu suchen war sondern beim streamenden Sender BR. Klärung brachte dann ein Blick ins MSVPortal. Adresse neu ladne, automatische Einstellung der Bildqualität umstellen auf niedrigste Bildqualität, Stream kommt, dann Bildqualität manuell erhöhen. Etwas tricky, erinnert an alte Bastelzeiten sämtlicher Epochen der Technikgeschichte und gibt einem das gute alte Fortschrittsgefühl, diese Welt, egal, was kommt, zu beherrschen. Glaube ich dem Kommentar war das dem Blick auf die Spielweise der Zebras allemal vorzuziehen, zumal ich just zum Ausgleichstor wieder ein Bild auf dem PC hatte.

Nur kurz konnte ich aber glauben, das Schlimmste überstanden zu haben. Der nächste Fehler folgte. Der Unterhachinger Benjamin Schwarz hatte im Strafraum genügend Platz, um den Ball nach einem Steilpass kurz zu behaupten, ehe er im Zweikampf mit Branimir Bajic umfiel. So konnte der Schiedsrichter guten Gewissens Elfmeter pfeifen. Nicht immer wird so ein Zweikampf abgepfiffen, beschweren können sich die Zebras dennoch nicht. Wenig später war das Spiel entschieden. Auf einen miserablen Pass folgte ein Ballverlust an der Mittellinie, während fast die gesamte Mannschaft des MSV schon in der gegnerischen Hälfte war. Abwehrspieler waren also keine vorhanden, die etwas hätten verhindern können. So führte ein gefühlvoller Heber über Michael Ratajczak zum 3:1. Auch so ein Gegentor haben wir ähnlich zu Beginn der Saison zweimal gesehen. Die Saison scheint sich zu runden. Auch die Zuschauerzahlen der nächsten beiden Heimspiele werden an das letzte Jahr erinnern. Hoffen wir deshalb, dass im Gegensatz dazu, sich beim  Ergebnis des letzten Spiels dieser Saison, dem Finale im Niederrhein-Pokal,  aber auch gar nichts rundet.

Das vierte Tor von Unterhaching habe ich nicht gesehen. Die Vorbereitung auf Spiel und Aufstiegsfeier des anderen Vereins meiner Zuneigung, dem Deutzer TV in der anderen Sportart meines Interesses, dem Basketball, hatten mich abgelenkt. So habe ich auch nicht mehr mitbekommen, dass Karsten Baumann wohl die Geduld verloren haben muss und selbst noch einmal aufs Spielfeld ging. Eine Überraschung! Ich kenne niemanden, der von der Spielberechtigung des Trainers überhaupt wusste. Besonders erfolgreich war sein Auftritt allerdings nicht. Von ihm ist nur zu lesen, dass er den Elfmeter in der 78. Minute verschuldete, der zum vierten Tor von Unterhaching führte.

2014-05-03_Baumann_wieder_aktiv

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