Sehr spezielle Fußballliteratur und die fast vergessene Ente vom neuen Trainer

_978-3-7069-0771-2 Die großen Sammler dieser Welt treibt der Wunsch nach Vollständigkeit ihrer Sammlung an. Ein unerreichbares Ideal, das sie in Bewegung hält. Nicht wenige Anhänger des Fußballs gehören zu solchen Sammlern. Trikots, Vereinsabzeichen, Stadionbesuche können gesammelt werden, und mancheiner ist auf der ständigen Suche nach Fußballliteratur. Letzteren wird das Buch von Katherina Prochazka große Freude bereiten, wandern doch die Solitäre oft in die Ausstellungsvitrinen  eines jeden Sammlers. „Genusdetermination bei Fußballvereinsnamen im österreichischen Deutsch“ heißt ihr Buch. Welch sehr spezieller Blick auf einen sehr speziellen Aspekt des Fußballs.

Katherina Prochazka ist Fußballanhängerin und studierte Linguistik in Österreich. Ob es langweilige torlose Unentschieden waren, die ihre Gedanken im Stadion zu ihrer anstehenden Magisterarbeit abschweifen ließen, weiß ich nicht. Vielleicht brachten solche abschweifenden Gedanken dieses die Universität zufriedenstellende Ergebnis. Ein Verlag fand sich zudem, so dass jede Sammlung von Fußballliteratur von nun an ohne ihr Buch unvollständig sein wird. Mit einem Klick weiter geht es zur Seite des Verlags mit kurzer inhaltlicher Darstellung.

Warum dieser sehr spezielle Fall des österreichischen Deutschs mich noch einmal an den einen anderen speziellen Fall des deutschen Deutschs erinnerte, kann ich nicht sagen. Wahrscheinlich einfach, weil plötzlich Zeit da war. Eigentlich hatte ich sofort etwas zur Meldung in der Rheinischen Post schreiben wollen, Gino Litterie werde neuer Trainer beim MSV Duisburg. Das Geschehen um den Präsidentenwechsel kam mir dazwischen. Das Dementi dieser Trainerverpflichtung folgte ja schnell.

Mir geht es nicht um die Behauptung, einer werde irgendwo Trainer und dann wird er es doch nicht. Das gehört zur unterhaltenden Endlos-Soap als medialer Begleitung des Fußballs. Das Problem steckt in der Behauptung, Gino Letterie sei an der Westender Straße gewesen und von einem Fan begrüßt worden. Gino Letterie sagt darauf, das stimme nicht, er sei bei seiner Familie in Bayreuth gewesen. Früher hätten das die wenigsten Leser einer Zeitung mitbekommen. Heute stehen beide Aussagen – zumindest in der Netzwelt – nebeneinander und beschädigt wird nicht unbedingt das Vertrauen in die Aussage des Trainers sondern das in den Journalisten und damit in die Berichterstattung seiner Zeitung. Vielleicht war dieser Familienbesuch eine Ausflucht, vielleicht auch nicht.

Es wäre gar nicht nötig gewesen, in der Print-Version auf die unvereinbaren Aussagen hinzuweisen. Die sind ohnehin nur in der Netz-Welt aufgefallen. Mir hätte es gefallen, Gorg Amend hätte sich zu dem Sachverhalt noch einmal im Netz geäußert und erklärt, wie es zu der Tatsachenbehauptung des Letterie-Besuchs kam. Gerade weil sich die Rheinische Post in den letzten Monaten die Glaubwürdigkeit ihrer Berichterstattung über den MSV Duisburg gut erarbeitet hatte. Zukunft des Journalismus ist das dazu gehörige Stichwort.

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