Archiv für Juni 2014

Halbzeitpausengespräch: Vom Waschen schmutziger Kinderhälse

Manchmal muss jemand verdammt alt werden, um in einer seiner Grundansichten über das Leben erschüttert zu werden. Dieser Jemand bin ich, nachdem ich mir neulich eine Dokumentation über die frühere Umweltverschmutzung im Ruhrgebiet angesehen habe. In diesem Ruhrgebiet habe ich während der 1960er Jahre  im Freien gespielt, im Hof des Ruhrorter Kindergartens neben der Carpschule, später rund um das Gelände „Am Eisenbahnbassin“, wo meine Mutter arbeitete und ich bis halb fünf auf sie wartete. In dieser Zeit war an solchen Tagen nach dem Spielen im Freien das abendliche Waschen Pflicht. Wegen der Beine und Arme war das vor allem im Sommer sofort einsehbar. Meist war die Haut gräulich nachgedunkelt. Weniger einsehbar war für mich der Hals. Wie konnte dieser Hals schmutzig werden, wo ich ihn doch meines Wissens nach kaum in den Sand des Sandkastens legte. Mit den Händen grub ich herum. Die Beine wurden schmutzig, wenn ich kniete oder mich hinlegte. Aber der Hals?

„Vergiss den Hals nicht!“, rief meine Mutter irgendwoher, wenn ich im Badezimmer war, oder: „Wasch dir bloß auch den Hals!“ Vielleicht hat sie es gar nicht immer gerufen. Vielleicht war das nur anfänglich so. Mir kommt es heute aber so vor, als habe ich mich nie ohne diese Stimme aus dem Hintergrund gewaschen. „Und denk an den Hals!“

Ich seifte mir den Hals ein und nahm dann extra einen helleren Waschlappen, um die Seife wieder abzubekommen. Mir gefiel es nämlich, wenn ich sah, wie grau diese Waschlappen wurden. Es hatte seinen Sinn, sich den Hals zu waschen. Ich bewirkte ein Ergebnis, und gleichzeitig besaß dieses Ergebnis immer den Zauber eines Geheimnisses für mich.

Irgendwann spielte ich nicht mehr draußen. Irgendwann war ich erwachsen. Irgendwann lebte ich in Köln und hatte selbst einen Sohn, der vom Spielen im Kindergarten nach Hause kam. Seine Arme und Beine waren aber nie so schmutzig wie ich es von mir als Kind kannte. Ganz zu schweigen vom Hals. „Wasch dir auch den Hals“, sagte ich ihm dennoch. Nicht ein einziges Mal war dieser Hals in seiner Kindheit so schmutzig wie meiner einst gewesen ist. Ich maß dem wenig Wichtigkeit zu, suchte keine Gründe, warum mir Selbstverständliches bei ihm so anders war.

Menschen sind anders, so dachte ich, auch wenn dieser Mensch dein Sohn ist. Vielleicht habe ich bei seinen Freunden irgendwann mal auf den Hals geschielt, um zu sehen, wie andere kleine Menschen seiner Generation durch die Welt gehen. Orientierung in Sachen Normalität braucht auch der moderne Vater. Schmutzige Hälse habe ich nicht gesehen.

Mein Sohn ist inzwischen erwachsen, und viele Gedanken habe ich mir über schmutzige Hälse nicht weiter gemacht. Gerade deshalb hatte sich ein Bild verfestigt. Diese Generation spielt anders als wir damals. Was sicherlich stimmt, aber keineswegs der Grund ist für weniger schmutzige Hälse. Das aber wurde mir erst neulich klar, als ich diese Frau meines Alters in die Kamera haben sprechen hören, dass bei ihr damals das Halswaschen immer ein Thema gewesen ist. Und überall draußen hätte schließlich der Ruß sich auf dem Boden verteilt. Es gab diesen einen Grund. Wer in den 1960er Jahren viel draußen war, dessen Haut wurde einfach schmutzig, selbst wenn sie nicht mit dem Sand im Sandkasten in Berührung kam.

Diese Einsicht fühlt sich komisch an. Ein wenig kitzelt Scham, den so offensichtlichen Grund für den schmutzigen Hals nicht bedacht zu haben. Andererseits so lange es nur um so ein harmloses Vorurteil geht. Welterklärung, immer mit Vorsicht zu genießen.

 

 

 

Deutschlands innovativer Bewegtbildmarkt – best practice in spe

Nicht vorhandene TV-Rechte an Fußballspielen haben noch kein zu allem entschlossenes Medium dieser Welt davon abhalten können „innovative“ und „spektaktuläre“ Bewegtbildformate zu entwickeln, die den Zuschauern den „ganzen Fußballgenuss“ auf „ihnen zuvor noch nie dargebotene Weise“ ermöglichen. Ich kannte bislang zum Beispiel, die von Thomas Helmer geleitete  Dingenskirchens-Fantalk-Runde zu Champions-League-Spielen mit deutscher Beteiligung bei Sport1 vom Hörensagen und einem youtube-Clip, der nach dem Spiel des BVB gegen Malaga im April 2013 ins Netz gestellt worden ist.

Unbekannt war mir bis heute aber das „innovative“ Bewegtbildformat, das in Zusammenarbeit von Spiegel TV und kicker.tv entstanden ist. Die beiden führenden deutschen Medien ihrer Art entwickeln die  Fußballberichterstattung vor allem dadurch weiter, dass sie das Wort „Analyse“ entgrenzen. Durch diesen mutig gewonnenen Bedeutungsreichtum der „Analyse“ lassen sich nun nicht nur Leser mittels Bewegtbild weitaus umfassender über das Sportgeschehen informieren. Darüber hinaus erhält die deutsche IT-Branche einen Wachstumsschub, wenn die Wirklichkeit etwa des WM-Spiels Deutschland gegen Ghana mit computeranimierten Spielszenen  im Bewegtbild-Nachrichtenclip  „3-D-Analyse: Klose rettet Deutschland“ verdoppelt wird.

 

 

Übers Leben nachdenken mit dem MSV Duisburg

Das Leben als Anhänger des MSV Duisburg ist auch deshalb so schön, weil wir mit dem Verein unserer Zuneigung seit etwas mehr als einem Jahr immer wieder tiefere Einsichten über diese Welt im Allgemeinen gewinnen können. Seit gestern lässt sich mit dem anstehenden Streit vor Gericht zwischen dem SV Darmstadt 98 und dem MSV Duisburg trefflich über Gerechtigkeit nachdenken.

Kosta Runjaic konnte nur deshalb im Verlauf der Saison 2013/2014 Trainer beim MSV Duisburg werden, weil der Verein seinem damaligen Arbeitgeber SV Darmstadt 98 eine Ablösesumme zahlte. Sie war mit einer Erfolgsprämie gekoppelt. Nun verklagt der SV Darmstadt 98  den MSV Duisburg wegen der ausgebliebenen Zahlung dieser Erfolgsprämie.  Die Tatsache als solche ist ungangenehmer Alltagskram. So oder so kostet diese Klage Geld. Höhere Kosten entstehen, wenn die  35.000 Euro tatsächlich gezahlt werden müssen; wenn nicht, bleiben doch Anwaltskosten. Hinzu kommt dieser Beiklang, den der Vorgang mit sich bringt, wenn es heißt, der MSV werde verklagt. Im ersten Moment schwingt nicht selten bei der sachlichen Information vom Verklagen das fehlerhafte Verhalten des Beklagten mit – selbst wenn man schon mal gehört hat, dass Gerichte auch dazu da sind, einfache Meinungsverschiedenheiten zu klären. Denn eigentlich geht es um Streit.

Es gibt eine Meinungsverschiedenheit zwischen zwei Vertragspartnern, was das Wort „Nichtabstieg“ im konkreten Fall bedeutet. Ist damit alleine die Leistung von Kosta Runjaic bei seiner Arbeit mit der Fußballmanschaft des MSV Duisburg in der Saison 2013/2014 gemeint? Mit ihm erreichte der MSV Duisburg den 11. Platz. Kosta Runjaic stieg mit der Mannschaft des Vereins nicht ab. Bonuszahlung also für den ehemaligen Arbeitgeber. Oder bezieht sich das Wort „Nichtabstieg“ auf das Wirtschaftsunternehmen MSV Duisburg, das bekanntermaßen keine Lizenz für Liga 2 erhielt und daraufhin in Liga 3 abstieg? Ebenso klarer Fall, keine Bonuszahlung.

Ich denke, mit neutralem Blick auf die Ausgangslage wird man beide Seiten verstehen. Beide Seiten haben  je nach Perspektive recht, und wahrscheinlich ist dieser konkrete Fall eines Abstiegs im Vertrag nicht ausdrücklich benannt. Das Gericht wird sich also in das Vertragswerk vertiefen und etwas entscheiden, was niemals in vollständiger Zufriedenheit aller Beteiligten enden kann. Eine Partei wird Abstriche machen müssen, weil etwas geschehen ist, was von den Vertragsparteien nicht bedacht war.

Egal, wie das Urteil also ausfällt, mich kitzelt das Gefühl von Ungerechtigkeit, weil beide Vertragspartner auf gewisse Weise „recht haben“. Denke ich weiter nach, komme ich zu dem Schluss, eigentlich müsste sich der SV Darmstadt 98 einer Klage des MSV Duisburg gegenüber Roland Kentsch anschließen. Bislang deuten die veröffentlichten Informationen darauf hin, dass er der Hauptverantwortliche für die fehlerhaft eingereichten Lizenzunterlagen ist, die zum Zwangsabstieg führten. Ich denke, fragten wir Roland Kentsch, würde er weiter ausholen und auf die Vorgeschichte für den Zeitdruck beim Erstellen der Lizenzunterlagen verweisen und auf die heikle Finanzlage, die er schon bei seinem Arbeitsbeginn als Geschäftsführer vorfand. Die Zeit vor ihm weist Walter Hellmich als Hauptakteur auf. Der wiederum könnte auf das drohende Aus des Vereins verweisen, mit dem er zu tun hatte. Alles hat also eine Vorgeschichte, und schon sind wir beim Nachdenken über Wertungen der Geschichtsschreibung und der Einsicht, dass sich das Gericht im anfänglichen Streitfall aus gutem Grund nur um ein konkretes Vertragswerk kümmern wird.

Im Vorbeigehen werden wir mit dem Streitfall Darmstadt 98 gegen MSV Duisburg aber auch noch auf etwas gestoßen, was zwischenmenschliche Beziehungen verstehen hilft. Denn mit diesem Streitfall lässt sich leicht  erkennen, dass beide Parteien wenig Verantwortung für die mit dem Streit verbundene Unzufriedenheit tragen. Im konkreten Handeln vertreten aber konkrete Menschen die jeweiligen Positionen. Unzufriedenheit, durch Vorwurf und Ablehnung ausgedrückt, gelten diesen Menschen. Unzufriedenheit, die entstanden ist, weil etwas geschah, was niemand der jetzt Beteiligten selbst zu verantworten hat. Schwierig, so ein menschliches Miteinander.

Vorrat für die spielfreien WM-Tage der Finalrunden

Normalerweise ist meine hier nur selten anwesende Frau des Hauses dafür zuständig, frühzeitig alles „parat“ zu haben. Da ich mehr zur „just-in-time“-Fraktion dieser Gesellschaft gehöre, ergänzen wir uns bei der Bewältigung des schnöden Alltags deshalb aufs Vortreffllichste. Was sich nach idealpartnerschaflicher Idylle anhört, kann natürlich genauso zu unschönen Verstimmungen führen. Alles ist richtig, auch das Gegenteil, sagt Kurt Tucholsky ungefähr.

Heute allerdings reiche auch ich euch etwas frühzeitig, damit es in der demnächst hereinbrechenden spielfreien Zeit der Finalrunden „parat“ ist und ihr genügend Fußball auf Vorrat habt. Entzug muss sorgsam eingeleitet werden. Das lässt sich dank der  Bundeszentrale für politische Bildung erledigen, die sich des vorrangigen  Themas dieser Tage gerade nicht entzogen hat. Immer um gesellschaftliche Aufklärung bemüht, stellt sie ein ganzes Dossier von Texten, Dokumenten und Bildern online, mit dem der gegenwärtige Fußball und dessen jüngste Geschichte – Schwerpunkt Bundesliga – aufbereitet ist.

Viel Stoff zum Lesen über Entwicklungen unter den Fans, wirtschaftliche Rahmenbedinungen im Fußball und das Verhätnis des Fußballs zur Gesellschaft überhaupt. Dietrich Schulze-Marmeling etwa schreibt über den „langen Weg“ vom Amateur- zum Profifußball. Christof Wieschemann schreibt über Lizensierungsfragen, wobei ich bin gespannt, ob er uns in Duisburg überhaupt was Neues erzählen kann. Oder Thomas Kistner schreibt über „Trickser und Täuscher“, gemeint ist FIFA und Wettbetrug.  Diese Namen seien nur stelllvertretend für die interessanten Autoren genannt, die für die einzelnen Themen gewonnen wurden. Mehr kann ich noch nicht sagen, zum Lesen komme auch ich noch nicht. Das Ganze richtet sich natürlich an ein breites Publikum

Für alle, die sich nach Dauer-TV in diesen Tagen erst ans Lesen längerer Texte wieder gewöhnen müssen, stellt die Bundeszentrale für politische Bildung auch Bewegtbilder ins Netz. Darunter sind neben ZDF-Dokus aus der neo-Ecke  kleine Schätze wie eine Doku aus der DDR kurz vor der Wende über die Fans von Union Berlin. Mal sehen, ob und wie im Staatsfernsehen der oft erzählte Abstand von Union-Fans zum sozialistischen Ideal deutlich wird.

 

Die schönsten Fußballtorten der Welt – Folge XXI – Niederländische Nationalmannschaft

Mit freundlicher Unterstützung von „111 Fußballorte im Ruhrgebiet, die man gesehen haben musspräsentiert der Zebrastreifenblog  in loser Reihe die schönsten Fußballtorten der Welt.

Ich hatte gehofft, die niederländische Kuchenbäckerin Bianca de Jong wäre auch die Weltmeisterschaftsteilnahme der Nationalmannschaft ihres Landes im Jahr 2014 ein Kuchen wert gewesen. Vielleicht wartet sie bis zur erhofften Finalteilnahme. Ich kann in dem Fall keine Rücksicht nehmen und greife vor dem Spiel der Niederlande gegen Australien auf ihren Kuchen der letzten WM in Südafrika zurück. In den Finalrunden wollen wir schließlich unsere eigenen Kuchen zur Feier der deutschen Nationalmannschaft essen.

Zeitdurcheinander klärt sich durch animierte schöne WM-Tore

Mir ging es gestern so, als wachte ich an einem Morgen Ende September auf, schaute aus dem Fenster und starrte auf eine Welt, die unter einer geschlossenen Schneedecke liegt. Trainingsauftakt des MSV Duisburg. Jetzt? Vor dem ersten Spiel der deutschen Mannschaft bei einer Fußballweltmeisterschaft? Ich wusste natürlich von dem Datum, aber die Wirklichkeit fühlt sich dann immer noch einmal anders an. Die Saisonabläufe in der Dritten Liga bringen mich durcheinander. Es wird Zeit für den Aufstieg. Fortuna Düsseldorf etwa beginnt heute erst mit dem Training.
Während ich also versuchte, mich über den Schnee vor meinem Fenster zu freuen, erinnerte mich Fritten, Fußball und Bier mit einem Hinweis auf die Animationen des Engländers Richard Swarbrick an die gerade sonst üblichen Spätsommeraktivitäten. Durch seine Bearbeitung der TV-Ausschnittvorlage von acht der schönsten Tore bei Fußballweltmeisterschaften entsteht eine Art Tanztheater. Die Bewegung der Spieler tritt in den Vordergrund und rückt den Blick auf die vollendete Harmonie bei diesen Toren.
Wenn ihr nicht selbst drauf kommt, um welche Tore es sich handelt, findet ihr die Auflösung in den Kommentaren bei Youtube.
Ihr könnt natürlich gerne auch hier in den Räumen schon die Lösung verraten, wenn ihr sie wisst.
Richard Swarbrick stellt auf seiner Seite im Netz weitere Animationen online, mit denen er sich auch anderen Sujets der Bewegung gewidmet hat: www.richardswarbrick.com. NBA-Finals des Basketball sind darunter. Nach meinem Geschmack eignet sich der Basketball aber weniger als der Fußball für diese Art künstlerischer Umsetzung.
Und zu guter Letzt: Das Tor von Arjen Robben hat Richard Swarbrick ebenfalls sehr beeindruckt.

 

Fundstück: Christof Kneer über Arne Friedrich in der Süddeutschen Zeitung

Gerade lese ich im Sportteil der Süddeutschen Zeitung und stoße auf  einen schönen Absatz, den Christof Kneer über Arne Friedrich schreibt.

„So haben die Leute das jedenfalls wahrgenommen: 2006 war Arne Friedrich der Spielverderber. 2010 hat er dem Gegner den Spaß verdorben. Fußball ist ab einem gewissen Niveau immer auch Geschmackssache, und es kommt auch immer darauf an, in welche Zeit ein Spieler gerade gerät. 2006 war nicht die Zeit für Arne Friedrich, 2010 dagegen sehr.“

Christof Kneer nimmt die unterschiedliche Bewertung von Arne Friedrichs Leistung während der beiden Weltmeisterschaften 2006 und 2010 als Beispiel, um die spielerischen Möglichkeiten der deutschen Defensive während dieser WM zu umreißen. Zum gesamten Artikel geht es mit einem Klick weiter.

Sehr schön ist dabei übrigens auch festzustellen, wie selbstverständlich die avancierte Fußballberichterstattung und der Kulturjournalismus sich inzwischen derselben Deutungsmuster bedienen. Die unzeitgemäße Begegnung von Kunstwerk und Öffentlichkeit ist ja als Topos der Kultubetrachtung nicht unbekannt.

Oranje brillant

Nicht oft lässt sich mit dem Verweis auf eine Buchbesprechung ein Fußballspiel zusammenfassen.  Der  fantastische 5:1-Sieg der Elftal bei der Fußball-Weltmeisterschaft gegen Spanien lässt mir nichts anderes übrig. Spielberichte gibt es schließlich genug, und vom fünften Tor durch Arjen Robben habe ich inzwischen schon mit jedem Marktverkäufer geschwärmt. Wenn jemand es schafft diese hohe Sprintgeschwindigkeit ohne Auslauf, fast auf der Stelle so abzubremsen, dass er sogleich in einer 270-Grad-Drehung den Ball problemlos beherrscht, dann muss der Körper dieses Menschen wieder sehr verletzungsresistent sein. Brillant!

„Oranje brillant“ eben, wie David Winner sein Buch über den holländischen Fußball vor ein paar Jahren genannt hat. Passend zum Spiel, ein großartiges Buch, zu dem ich damals schon in diesen Räumen ein paar Worte schrieben habe – für den ersten Eindruck seien diese wiederholt:

Mir geht es um ein Buch, das ein absolutes Muss für jeden Fußballfan ist und das für uns Ruhrgebietler außerdem manches Wiedererkennen der netten Nachbarsleute von nebenan mit sich bringt. Der Brite David Winner hat mit “Oranje brillant” ein Buch über den holländischen Fußball ab Ende der 60er geschrieben. Gleichzeitig ist das eine Kulturstudie über die Niederlande. Außerdem steckt da ein Erinnerungsbuch drin für alle, die in den 70ern mit Ajax-Trikots rumgerannt sind. Was schon ganz was besonderes war, wenn ich mich an die Klassenspiele im Meidericher Stadtpark erinnere.

Für die mehr der Hochkultur zugeneigten Leser anderenorts habe ich das Ganze etwas seriöser klingen lassen:

Schließlich ist dieses Fußballbuch des Briten, der lange Zeit in Amsterdam gelebt hat, eine großartige Kulturstudie über die Niederlande, prall gefüllt mit interessanten Überlegungen und klugen Beobachtungen samt Schlüssen und Analysen. Winners Beschreibung der kulturellen, sozialen und politischen Entwicklungen ab Ende der 60er Jahre lässt sich zudem bei allen nationalen Besonderheiten in den Niederlanden als Teil einer europäischen Geschichte lesen. Und nicht zuletzt umreißt Winner in einem Kapitel, das extra für die deutsche Ausgabe des Buches geschrieben wurde, das deutsch-holländische Verhältnis und dessen Veränderungen über die Jahre.

Die gesamte Besprechung findet ihr mit einem Klick weiter.

Und wer das gestrige Oranje brillant noch einmal in der Essenz sehen möchte, bitte schön:

 

 

 

Weltkarte der WM-Fahrer unter den Ex-Zebras

Eben noch ging mir durch den Kopf, warum nicht gerade heute mal antizyklisch in die Welt schauen, und schon wusste ich gar nicht, wie so was gehen soll, antizyklisch schauen. Aber wahrscheinlich gefällt mir die „Weltkarte der WM-Fahrer aus den Bundesligen“ bei bundesliga.de gerade wegen dieses frühmorgendlichen Gedankens so gut, weil sie das Antizyklische meines Landkartenfetisches mit dem Zyklischen der Fußball-WM auf so angenehme Weise miteinander verknüpft.

Was ich zudem gerne aufgreife, da eine „Weltkarte der WM-Fahrer unter den Ex-Zebras“ wenig Arbeit macht und ich mich per Ausschnittvergrößerung auf zwei drei Regionen konzentrieren kann. Korrigiert mich, wenn ich damit falsch liege.

Aus welchem Land der eine WM-Fahrer kommt, könnt ihr mit dieser Karte erkennen.

https://i2.wp.com/d-maps.com/m/europa/croatie/croatie03.gif

Aus welchem Land der zweite WM-Fahrer unter den ehemaligen Spielern vom MSV Duisburg kommt, lässt sich hier erkennen.

https://i2.wp.com/d-maps.com/m/oceania/australie/australie03.gif

 

Dank des Hinweises von Michael Schulz füge ich die Karte eines dritten Landes hinzu, für das ein Ex-Zebra in der Nationalmannschaft spielt – auch wenn dieses noch ein Zebra-Trikot mit kleinerer Größe trug.

https://i1.wp.com/d-maps.com/m/europa/grece/grece03.gif

Die Auflösung: Gordon Schildenfeld steht im WM-Kader der Nationalmannschaft von Kroatien. Er  trägt das Trikot mit der Nummer 13. Gestern, im Spiel gegen Brasilien saß er auf der Bank. Für diese Aufgabe ist er durch seinen Aufenthalt in Duisburg gut vorbereitet. Als Leihspieler von Beşiktaş Istanbul gekommen war er trotz hoher Erwartungen an ihn in der Saison 2008/2009 in nur vier Spielen zu sehen.

Im Kader der Nationalmannschaft Australiens steht Dario Vidosic. Er trägt das Trikot mit der Nummer 20. Als Leihspieler vom 1. FC Nürnberg gekommen spielte er in der Rückrunde der Saison 2009/2010 für die Zebras. In zwölf Spielen war er für den MSV am Ball. Im Gegensatz zu Gordon Schildenfeld hat er durch meine Worte über ihn auch Spuren in diesen Räumen hier hinterlassen – zumal er schon bei der Weltmeisterschaft 2010 für Australien dabei war.

Konstantinos „Kostas“ Mitroglou steht im WM-Kader der Nationalmannschaft von Griechenland. Er spielte 2003 bis 2005 in der U16 des MSV Duisburg, um danach zu Borussia Mönchengladbach zu wechseln. Inzwischen spielt er nach Stationen in Griechenland beim FC Fulham.

Und wie gesagt, sollte ich jemanden übersehen haben, erzählt mir wen.

 

Programmhinweis: Fußballhymnen vom WDR Rundfunkorchester in Köln

Momentan bin ich noch sehr durch Arbeit von der WM-Vorbereitung abgelenkt. Wenn nicht Zeitungsbeilagen erschienen und wenn nicht eine langwierige Verletzung von Marco Reus in lange Essays über Erfolgsaussichten der deutschen Nationalmannschaft sowie die spielerische Klasse der alten Garde mündete, ich wüsste gar nicht, was ab morgen die Aufmerksamkeit der Welt beansprucht.

Heute habe ich noch einen Beleg gefunden: Das WDR Rundfunkorchester und der Rundfunkchor geben ein Konzert, das dem Fußball-Lied gewidmet ist. Wer also am 22.6. in Köln das Vorprogramm zum anstehenden Spieltag musikalisch bestreiten möchte, erhält dazu am Tanzbrunnen die Gelegenheit. Der Auftakt um 16 Uhr macht es schwierig, rechtzeitig zum Anpfiff des Spiels Belgien gegen Russland vor einem Fernseher zu sein, der sich nicht in Deutzer Nähe befindet. Wie Ihr das Problem löst, müsst ihr selbst wissen.

Hier die offizielle Ankündigung des Konzerts:

Fußball-Hymnen

WDR Rundfunkchor Köln
WDR Rundfunkorchester Köln
Enrico Delamboye, Leitung

Emotionen, Spannung, Triumph oder Niederlage – wie könnten diese gewaltigen Gefühle besser transportiert werden als über den Gesang in den Fankurven. Das WDR Rundfunkorchester und der WDR Rundfunkchor singen und spielen anlässlich der Fußballweltmeisterschaft die beliebtesten und skurrilsten Fanlieder der Welt. Mit dem Herz in der Hand und mit Leidenschaft für die Musik stimmen sie Songs wie Schwarz und Weiß,  Fußball ist unser Leben oder auch You’ll never walk alone an, womit die Stadien zum Beben gebracht werden. Football is coming home – to concert.


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